Von Hundhaufen, verendeten Nutztieren und angedrohten Giftanschlägen


Ende letzten Jahres gingen beim Landratsamt und der Polizeidirektion in Esslingen schriftlich anonyme Drohungen ein, deren Verfasser darlegten, dass bereits mehrere Nutztiere an Infektionen durch Hundkot verendet seien. Die Verfasser, die der Meinung sind, dieses Problem werde nicht ernst genommen, drohten damit, Giftköder auf und in der Nähe von bewirtschafteten Flächen auszulegen. Ziel seien dabei vor allem illegale Abkürzungen und Trampelpfade durch Wiesen und äcker.

Auslöser dieses ganzen Geschehens ist ein einzelliger Parasit namens Neospora caninum, der im Hundekot enthalten sein kann. Der Hund kann diesen mit dem Erregen aufnehmen, indem er infiziertes, rohes Fleisch oder eine Nachgeburt frisst. Ein solcher Hund scheidet dann widerstandsfähige Dauerstadien des Parasiten aus, deren überlebensdauer noch nicht genau erforscht ist, möglicherweise überleben diese Oozysten mehrere Wochen und Monate. Nehmen Kühe nun über das Futter die Oozysten auf, werden die Einzeller freigesetzt und dringen über den Darm in das Körpergewebe ein.
Der Einzeller Neospora caninum wird dafür verantwortlich gemacht, dass Kühe vorzeitig ihr Kalb verlieren, also einen Abort auslösen, für einen Landwirt immer ein finanzieller Verlust.
Professor Dr. Mehlhorn vom Institut für Parasitologie der Uni Düsseldorf und seine Kollegen Dr. Heydorn und Dr. Schein von der Freien Universität Berlin, haben sich näher mit diesem Thema beschäftigt und ein Infoblatt erstellt. Diese renommierten Parasitologen können nicht bestätigen, dass der Hund der alleinige Verursacher der Misere ist.
Zum einen würden die wenigsten Hunde heutzutage noch mit rohem Fleisch gefüttert oder hätten die Chance, eine Nachgeburt zu fressen, zum anderen sei der Neospora caninum nicht alleiniger Auslöser der Aborte. In Australien gibt es beispielsweise Herden, in denen etwa ein Fünftel der Tiere mit Neospora caninum-Antikörper aufweise, ohne dass Aborte auftreten würden.
Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Neospora caninum sich in Tieren ausbreite, die bereits eine andere Infektion hätten. Die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe listet allein 17 Gründe für Rinderaborte auf, deren Ursache Infektionen sind.
Die Parasitologen gehen davon aus, dass die übertragung von ungefährlichen Neospora caninum-Stadien im Wesentlichen von der Kuh auf das Kalb stattfindet, dieses Kalb muss nicht tot geboren werden. Erreicht es das Erwachsenenalter, gibt es den Parasiten wiederum an seinen eigenen Nachwuchs weiter – nachgewiesen wird dies meist erst, wenn in einer Herde vermehrt Verkalbungen auftreten.

Dennoch sollten sich die Hundehalter um ein Miteinander mit den Landwirten bemühen. Ein Hundespaziergang zur Erntezeit sollte nicht für den „kostenlosen „ Einkauf von frischem Obst und Gemüse genutzt werden, Futterwiesen sollten nicht bei einem Hundespiel mutwillig zertrampelt werden und der Hund sollte sein Geschäft möglichst auf den ungenutzten Randstreifen von Feldern und Wiesen verrichten.
Auch außerhalb geschlossener Ortschaften haben Hundebesitzer eine gewisse Verantwortung – Hundehaufen gehören auch hier nicht mitten auf die Wege und nicht neben aufgestellte Bänke. Für „Missgeschicke“ des Vierbeiners halten viele Gemeinden kostenlos oder gegen geringes Entgelt Kotbeutel bereit, auch der Zubehörhandel bietet ein reichhaltiges Sortiment.
Völliger Umwelt- Unsinn ist es übrigens, den Kothaufen in den mitgeführten Plastikbeutel einzusammeln und diesen dann als Einheit in die Landschaft zu werfen – so etwas gehört in einen Mülleimer!


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