Argus und Wendy

Jeder Mensch verarbeitet den Verlust eines geliebten Wegbegleiters anders. Für uns war klar, dass wir nach dem Tod unserer Akita Inu-Hündin Zeit brauchten. Es war auch nicht klar, ob überhaupt wieder ein Hund aufgenommen werden soll, da der Schmerz doch sehr groß war. Allerdings war dann doch irgendwann klar, dass es nicht ohne geht. Es hat einfach etwas gefehlt. Also sind wir rein ins Internet auf die Nothilfe-Seite, um uns die Hunde anzuschauen, die ein neues Zuhause suchten. Wir fanden auch zwei zur Auswahl stehende Kandidaten. Wir beschlossen, uns die beiden einmal „life“ anzusehen und fuhren zur Nothilfe. Von dem Team der Nothilfe Freudenstadt, wurden wir, wie auch schon bei unserer vorherigen Akita Inu – Hündin, sehr gut beraten. Dort standen wir dann vor der Entscheidung, welcher der beiden es nun sein soll. Womit wir nicht gerechnet hatten, war der Huskyrüde Argus. Er war 3 Zwinger weit weg, hat uns aber durch seine Ausstrahlung total begeistert. Und was noch besser war, er hat von seiner Art optimal zu einem der anderen beiden gepasst, unserer Wendy.

Argus Wendy

Argus

Wendy

So schnell kommt man zu zwei Hunden. Doch erst musste eine Probezeit her, in der wir die Möglichkeit hatten, richtig Abschied von unserer vorherigen Hündin zu nehmen, um uns dann mit Haut und Haaren auf die anderen beiden einlassen zu können. In dieser Zeit wurden unsere beiden Kandidaten mit bestimmten Dingen vertraut gemacht, die uns wichtig waren. Verstehen sie sich überhaupt? Sie kannten sich ja nicht! Lassen sie sich ohne Probleme eingeschirren? Funktioniert das Bürsten? Wie verhalten sie sich beim Füttern? Wir hatten noch ein paar mehr Fragen, die von der NfP in diesen 3 Wochen zur Klärung brachten, so dass wir dann 2 für uns perfekte Hunde mit Heim nehmen konnten. Dank dieser großartigen Vorbereitung blieben uns böse Überraschungen erspart und wir konnten uns auch optimal auf ihre Ansprüche und Eigenarten einstellen, die in den 3 Wochen bekannt wurden. Mittlerweile sind die beiden ein eingespieltes Team, das sich perfekt ergänzt. Argus glänzt mit einer Souveränität Allem und Jedem gegenüber, die der schüchternen und verängstigten Wendy Sicherheit gibt. Das ist ganz besonders beim Tierarzt mehr als hilfreich, denn leider hatte Wendy vor kurzem eine Analdrüsen-Verstopfung, bei der ihr unser Argus das Pfötchen hielt. Daneben fand er auch noch die Zeit, Leckerchen abzustauben. Seltsamerweise scheint sich Wendy’s „Menschenangst“ nur auf die Großen zu beziehen. Zu Kindern, wie unseren Nichten, fasst sie wesentlich schneller Vertrauen.

Wendy wird verwöhnt

Argus wird verwöhnt

Melissa (9) verwöhnt Wendy

Argus lässt sich von Vanessa (14) verwöhnen

Der Fellwechsel gestaltet sich bei beiden unterschiedlich, was wohl damit zu tun hat, dass Argus sein ganzes bisheriges Leben im Zwinger verbracht hat, was man auch am Fell merkt, denn es ist sehr rau und dick. Wendy dagegen war schon immer in einer Wohnung. Ihr Fell ist sehr dünn, fein und kuschelig. Sie spendet etwas weniger Wolle. In der Wohnung ergänzen sie sich auch super. Wendy kennt ja das Leben in der Wohnung und weiß sich dementsprechend zu benehmen, was nach etwa 2 Wochen dann auch auf Argus abgefärbt hat, nachdem er sich einmal den Kuchen vom Tisch geklaut hat. Er musste sich in der ersten Woche auch mit zwei Igeln im Garten angelegen. Die Igel haben dabei keinen Schaden genommen. Er hat es dann gelassen, hat wohl doch zu sehr gepiekt. Bei Argus muss man sehr aufpassen. Der frisst alles, was ihm vor die Nase kommt. Das kann dann auch schon mal ein Pferdeapfel sein. All das und die Futterumstellung haben bei ihm im ersten Monat zu Verdauungsproblemen und damit auch zu Gewichtsverlust geführt. Mittlerweile haben wir seinen Alles-Fresstrieb im Griff, und mit einer Reis-Hüttenkäse-Kur über 2 Wochen konnte sich auch die Verdauung normalisieren. Wendy hatte diesbezüglich absolut keine Probleme. Unsere Chinchillas standen auch auf Argus’ Speisekarte, während Wendy kein Interesse zeigte. Die Hoffnung, dass Argus sich an die Nager gewöhnen könnte, nahm er uns sehr schnell, da er nur auf der Lauer lag und teilweise auch zum Angriff blies. An Schlafen war bei ihm nicht zu denken. Die Chinchillas fanden dann ein neues Zuhause in unserem Büro, 2 Stockwerke tiefer. Danach hat er seine Leidenschaft für Plüschtiere entdeckt. Wir kamen eines Tages nach Hause und fanden sämtliche Plüschtiere im Schlafzimmer auf dem Bett, sauber aufgestapelt und besabbert. Er bekam danach ein eigenes von einer Studienkollegin geschenkt. Sein „Hasi“ wurde morgens mit ins Wohnzimmer genommen, und abends zurück ins Schlafzimmer getragen. Einmal hat er es im Wohnzimmer vergessen, und da er nicht ohne „Hasi“ schlafen wollte, mussten wir noch mal raus und es ihn holen lassen. Mittlerweile ist „Hasi“ dreigeteilt. Mal sehen, wann er das nächste Plüschtier geschenkt bekommt.
 

Chinchilla gucken

Heia machen mit Hasi

Argus beobachtet die Chinchillas

Argus und sein „Hasi“

Das Füttern machen wir momentan noch in getrennten Räumen, da sie dabei doch sehr aufdrehen. Während der Futterzubereitung rennt Wendy wie von der Tarantel gestochen, durch die Wohnung und macht Geräusche, die wohl eine Mischung aus bellen und jammern sind. Wenn Argus (im Bad) fertig ist, fliegt der Napf gegen die Tür. Wendy bellt (aus dem Schlafzimmer) einmal dezent, wenn sie aufgegessen hat und wieder raus möchte. Leckerchen können wir mittlerweile geben, wenn beide nebeneinander sitzen. Allerdings müssen wir dabei bleiben, bis beide fertig gekaut haben, denn sollte einem ein Bröckchen aus dem Maul fallen, könnte es zum Streit darum kommen. Schön anzusehen ist, wenn sie sich gegenseitig zum Spielen auffordern und dann beide miteinander rumalbern. Seit kurzem suchen sie auch vermehrt Körperkontakt zueinander. Auch zu uns suchen sie immer mehr Kontakt und fordern ständig Streicheleinheiten ein.
 

nahe beieinander

kontaktliegen

Aus anfänglichen 5 m Abstand wurden 5 cm …

… bzw. Kontaktliegen

Was das Laufen betrifft, übernimmt Argus, der aus einer guten Zuchtlinie kommt, die Erziehung von Wendy, da diese das wohl nie richtig gelernt hat. Oder sie kam nur sehr begrenzt an die Luft, denn sie bleibt ständig stehen, schnuppert überall, muss alles genau überprüfen. Wenn man an ei-nem Gewässer vorbeikommt, hat man mit Wendy nichts mehr zu lachen. Sie geht sehr gerne baden und zieht dementsprechend so sehr in Richtung Wasser, dass sie einen fast mit hinein nimmt. Argus ist kein Fan von Wendy’s Stop-and-Go. Er zeigt ihr dann, wo es lang geht und wenn er sie hinterher ziehen muss. Was das Strullern betrifft, macht Wendy wohl so eine Art Tanz daraus. Sie hebt ein Hinterbein und wechselt dieses dann während sie strullert. Danach wird gescharrt, biss die Erde fliegt. Eine Spielgefährtin hat sie auch gefunden, denn Argus hat mit seinen 12 Jahren doch nicht mehr so einen Spieltrieb wie die 5-jährige Wendy. Argus stört das auch nicht weiter, wenn die bei-den herum tollen. Wendy mag sowieso nur die Hunde, die mit ihr spielen. Alle anderen sind doof. Leider ist sie sehr stürmisch, weshalb nur wenig mit ihr spielen und viele Hunde doof sind. Wendy hat sich auch zu sehr daran gewöhnt, unter der Woche vor der Arbeit um 5.00 Uhr zu laufen. Die Konsequenz daraus tragen wir jedes Wochenende, wenn unser „Wendywecker“ uns spätestens um 5.30 Uhr mit einem „hörbaren“ Bellen aus dem Schlaf reißt. Dann heißt es auch am Wochenende sehr früh laufen gehen, denn sie gibt dann keine Ruhe. Man kommt nicht mehr zum schlafen, wenn man angestiert oder abgeleckt wird. Sollte man sich zu weit in der Bettmitte befinden, wird entwe-der weitergebellt, oder sie holt einen persönlich im Bett ab. Sie schaut auch sehr gerne aus dem Fenster, was bei den vorbeigehenden Passanten schon für reichlich Unterhaltung gesorgt hat. Wen-dy und Argus fahren beide gerne Auto. Er legt sich gleich hin und schläft die ganze Fahrt über, während Wendy meist nur sitzt und interessiert aus dem Fenster schaut. Die Beiden haben auch keine Probleme damit, in fremden Räumen zu schlafen, Hauptsache, wir sind dabei. Das war der Fall, als wir aufgrund einer Familienfeier bei den Eltern im Wohnzimmer schliefen. Da haben sich beide sogar mal die Decke geteilt.
 

Übernachtung bei Wendy

Wendy lässt Argus bei sich übernachten

Daheim liegt nur Wendy auf der Decke und verteidigt diese auch gegenüber Argus, während dieser seinen Stammplatz auf dem Bettvorleger gefunden hat. Wir fahren auch gerne zum Zelten an die Saale. Das kannten beide nicht. Argus stupste die erste halbe Stunde ständig gegen die Zeltwand, weil er nicht verstand, warum diese nachgab. Wendy hatte Schlafprobleme. Es gab einfach zu viele Geräusche, die sie nicht kannte. Die Ohren wussten einfach nicht, wohin sie sich wenden sollten.

Argus und Wendy

Wir mögen uns

Argus und Wendy vor dem Zelt

Zwei, die sich mögen


Wendy ist sowieso „Garten-geil“. Einmal draußen, bringt man sie nur schwer wieder rein. Am liebsten legt sie sich an den Teich und „sieht fern“. Den findet sie total spannend, denn es gibt viel zu entdecken, und leider auch zu jagen. Die Goldfische sind interessant, dann quakt es aus dem Teich, Libellen fliegen drüber. Und richtig provozierend findet sie den „bösen“ Springbrunnen. Auch den kann man jagen, wenn man ihn nicht kennt, denn da bewegt sich ja was. Wir haben mal getestet, was Wendy macht, wenn sie ran kommt. Das Resultat haben wir bildlich festgehalten, denn sonst glaubt uns das keiner. Sie schnappt und beißt danach und wundert sich dann, warum sich das „Etwas“ immer noch rührt. Selbst Argus hat sich das kopfschüttelnd angesehen.


die Backen sind voll

 

böser Strudel

 

Tauchen kann sie auch


Zuletzt möchten wir noch etwas über unseren letzten Wochenendausflug erzählen. Wir fuhren in den Bayerischen Wald zu einem Musher mit Schlittenhunde-Fahrschule, der ca. 50 Alaskan Huskies und Europäische Schlittenhunde sein Eigen nennt. Für Argus und Wendy war das der erste Besuch dort. Besonders süß waren die 6 Welpen im Alter von 4 Wochen. Dem täglichen Jaulkonzert der 50 Hunde zur Fütterungszeit haben sich Wendy und Argus seltsamerweise nicht angeschlossen, vielleicht beim nächsten Mal. Im Zwinger der Nothilfe konnten sie das recht gut. Das Futter dort besteht aus frisch eingefrorenem Lachs aus der nahe gelegenen Fabrik und Fleischresten vom Metzger, die mit wenigen Kartoffeln gekocht, zerkleinert und ebenfalls eingefroren werden. Zur Futterzeit werden der Lachs und das Fleisch aufgetaut und mit kochendem Wasser und einer speziellen Mineral-Vitamin-Mischung zu einer „leckeren Pampe“ vermengt. Wendy findet das Futter sehr lecker, allerdings sind die 2 Katzen interessanter. Argus unterbricht für das Futter schon mal die Katzenbeobachtung. Weil es beiden schmeckt, jede Menge Energie gibt und auch der Verdauung nicht schadet, haben wir uns eine Kühlbox voll Futter mit nach Hause genommen. Leider werden Argus und Wendy nie von ihrer Portion satt. Es ist so nährstoffhaltig, dass nur geringe Mengen ausreichend sind. Andernfalls nehmen sie sehr schnell zu. Wir strecken es deshalb ein wenig mit Trockenfutter. Der Musher dort trainiert seine Hunde mit dem Schlitten, dem Trainingswagen, Fahrrad, Roller und zu Fuß. Da wir alle diese Gerätschaften somit vor Ort hatten, wollten wir doch mal ausprobieren, ob sich unsere Beiden vor einen Roller spannen lassen. Wir staunten nicht schlecht, als sich gerade die unerfahrene Wendy als „renngeil“ herausstellte. Sie hatte keine Angst vor dem Roller hinter ihr und zog, was das Zeug hält. Argus ging wie immer mit einer Gelassenheit an die Sache wie wir sie von ihm gewöhnt sind. Er bekam sogar einen Schnapper von Wendy, weil sie sich von ihm gebremst fühlte. Das heißt jetzt für uns: Für einen Roller sparen!


Fertig?

da kann es jemand kaum erwarten  
 
 

Und los!


Wir freuen uns sehr darauf, was wir noch mit Wendy und Argus erleben werden, die schon jetzt (nach 2 Monaten) unser Ein und Alles sind. Wir hätten nicht gedacht, dass wir noch einmal so viel Glück mit Hunden haben würden. Ein riesiges Dankeschön geht deshalb an die Nothilfe für Polarhunde nach Freudenstadt für die tolle Vermittlung und Vorbereitung der Hunde für ihre neuen Menschen. Die Hunde sagen auch Danke, denn sie haben jetzt ein schönes Zuhause, in dem sie sich anscheinend wohl fühlen, wenn man den Bildern Glauben schenkt. Außerdem werden diese beiden kein Tierheim mehr von innen sehen, auch wenn sie bei der Nothilfe mehr als gut aufgehoben waren, denn wir geben sie nicht mehr her.


Markus und Annika mit Argus und Wendy
 

Bequem?!

Mein Teich!


 

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