Hallöchen, ich bin's Balou,

ich wollte mich mal kurz bei Euch melden.

Ich fang mal ganz am Anfang an: Also, ich bin ja als "Zwingerhund" bei Euch, der Nothilfe für Polarhunde, gelandet. Ich lebte in einem Schrebergarten nahe von Bahngleisen. Mein Gesundheitszustand ließ einiges zu wünschen übrig, von Fellpflege hatte ich in letzter Zeit wenig gehört, mein erstes Herrchen war sehr schwer erkrankt und konnte sich nicht mehr wirklich um mich kümmern.

Nun ja, ich zog dann in die Auffangstation Süd ein. Leider hatte ich Probleme mit der Rudelhaltung (obwohl von früher gewöhnt), d.h. ich habe überhaupt nichts gegen fellige Kollegen, aber da ich doch schon sehr betagt bin und mir meine Knochen ringsrum schmerzen mag ich lieber meine Ruhe haben. Da war aber im Zwinger mit meinen Artgenossen immer so viel Action, dass ich mich nicht besonders wohl fühlte. Der Peter (mein Tierpfleger) hat das gemerkt und hat mich in die Isolationsstation verfrachtet. Da ging es mir doch gleich besser. Er hat mir ein schönes weiches Lager gerichtet, an Fressen und Saufen hat es auch nicht gefehlt. Na ja, so konnte ich den ganzen Tag schlafen bis auf die kurzen Gassigehrunden. Ansonsten war natürlich nicht viel los, war ja ganz alleine in dem kleinen Raum. Ich will mich ja echt nicht beschweren, aber ganz so einsam ist ja auch doof.

Bald darauf, an einem Sonntag (glaube ich), kam dann eine Frau mit ihrer Tochter und deren Freund, sowie einer Australian Shepherd-Hündin namens Kessi. Die haben mich abgeholt, um mit mir Spazieren zu gehen. Da der Peter gesagt hat, die könnten ruhig mal an meinen Fellfetzen zupfen, die, ich gebe es ja zu, echt übel aussahen, taten die das doch tatsächlich auch. Aber am Bauch und an meinen Beinen und meinem Popo kann ich wirklich nichts leiden, hab die Sabine, so hieß die Frau, gleich mal kräftig angeknurrt. Doch die hat sich nicht beeindrucken lassen. Hat doch tatsächlich noch ein paar mal weitergezupft und dann gesagt, "so mein Süßer, das war's mal fürs erste." Nach unserem Spaziergang hat sie mich dann wieder in mein Zimmer gebracht, vielleicht war sie doch sauer, weil ich nicht artig war. Ich hab dann noch gehört, dass sie sich wieder melden will.

Es war dann glaube ich Donnerstagmittag, als Sabine erneut zu mir kam. Sie hat mit Herrn Hüttenberger komisches Zeug gesprochen, das ich nicht so richtig kapiert habe. Sie hat mich dann mitgenommen, ich dachte, wir gehen spazieren, aber nachdem ich gepinkelt hatte, hat sie mich in ein Auto eingeladen. Die Fahrt ging so ne halbe Stunde oder so, allerdings mit ein paar Zwischenstopps. Ich habe mich ganz ruhig verhalten, auch als ich alleine im Auto war, weil Sabine noch irgendetwas einkaufen musste. Sie hat mich immer gelobt, wenn sie ans Auto zurückkam, weil ich so brav war.Balou

Als wir dann angekommen sind, hat Sabine mich aus dem Auto gehoben und ist mit mir in ihren Hof gegangen. Dort hat mich gleich die Kessi begrüßt, die schon auf ihr Frauchen gewartet hat. Kurz darauf kam dann noch Nikita, eine Husky-Hündin, die auch ganz nett ist. Wir sind dann in den Garten, den ich natürlich erst mal gründlich inspiziert habe. Ganz interessant fand ich die zwei Kaninchen und das Meerschweinchen, von denen konnte ich mich kaum loseisen. Ich bin immer und immer wieder um den Stall gelaufen, obwohl ich schon ganz müde war. Irgendwann kam dann eine Katze in den Garten, Sabine hat sie LaLuna gerufen. Die ist gleich auf mich zu gerannt. Sabine hat dann noch gerufen: "He Luni, das ist nicht Nikita, sondern Balou; pass gefälligst auf!" Puh, hat die mich dann mal eben angefaucht! Mein lieber Mann, da fiel mir fast die Klappe runter. Ich hab doch gar nichts gemacht!

Balous SchlafeckeSabine hat mir dann ein Plätzchen im Wohnzimmer gezeigt, an dem ich schlafen kann, selber hab ich mich nicht getraut, nach einem zu schaun. (Ich war ja noch nie in einer Wohnung. Keine Ahnung, wie das da so funktioniert. Ich hab auch schon mal an einer Blumenvase markiert. Aber ich glaube das darf ich nicht, die Sabine hat mich dann nach draußen geführt und gesagt, dass ich da pinkeln soll. Geschimpft hat sie aber nicht wirklich).

Da ich aber doch lieber nach den Kaninchen sehen wollte, bin ich wieder nach draußen gegangen. Es kam immer mal wieder jemand um nach mir zu schauen und mir zu sagen, dass ich aber ja anständig zu den Tieren sein soll. Es hat ganz schön viele Leute bei Sabine, ein bisschen verwirrt war ich schon, da ich ja niemanden kannte. Aber es waren alle ganz nett und die haben mich auch überhaupt nicht belästigt. Als ich dann echt fertig war vom vielen um den Stall herumlaufen, hab ich mich dann ins Haus auf meinen Platz verzogen um zu schlafen. Ich hörte wohl, dass jemand nach mir gerufen hat, aber ich wollte einfach nicht mehr aufstehen. Sabine kam dann rein und hat gesagt: "Na du Strolch, bist jetzt endlich müde geworden und deinen Platz hast du auch allein gefunden." Sie hat mich noch gestreichelt und mich dann schlafen lassen.Balou

Irgendwann kam dann die Mieze und hat mich besucht. Gefaucht hat sie nicht mehr, aber komisch geguckt hat sie schon. Ich hab einfach getan, als ob ich sie nicht sehe. Das hat sie noch ein paar mal gemacht. Ich hab sie dann mal angeschnuppert und ihr die Nase geleckt. Ups, da hat sie sich aber ganz schön erschreckt!

In die Auffangstation sind wir nicht mehr gefahren, Sabine meinte, da man sehe, dass das mit der Mieze wohl klappt, könne ich da bleiben.

Nachts schlafen übrigens alle im 2 Stock. Da ich aber keine Treppen laufen kann, trägt mich Sabine oder Horst, das ist der Freund von Sabine, immer die Treppen hoch. Anfangs hatte ich ganz schön Angst, aber die passen auf und lassen mich nicht fallen, das hab ich schon gemerkt. Ich finde es ja eigentlich ganz schön, dass ich auch bei den anderen schlafen darf, im Schlafzimmer hab ich mir nämlich doch meinen Platz ausgesucht. In der ersten Nacht lag ich auf dem Platz, der mir zugewiesen wurde. In der zweiten Nacht habe ich mich zu Kessi neben Sabines Bett gelegt. Es hat keiner was gesagt und dort schlafe ich jetzt jede Nacht.Balou mit seinem neuen Rudel

Nun, ich bin jetzt schon 2 Wochen hier und habe mich gut eingelebt. Wir gehen dreimal am Tag spazieren (ich habe das Gefühl, dass die Spaziergänge immer größer werden). Aber das macht nichts, wenn ich mal nicht gut darauf bin, gehen wir halt nicht solange. Ansonsten macht es echt Spaß und es gibt so vieles Neues, was ich kennen lerne.

So genug für heute, ich glaube ich habe Euch alles erzählt, was es zu erzählen gibt. Bis bald

Euer Balou


 

 

Unverdrossen und immer guten Mutes hielt Balou trotz eines zunehmend gebrechlicher werdenden Körpers an seinem kleinen Glück fest bis in den Februar 2010 hinein.

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