Arpad – Erinnerung an das Belgien-Rudel von 2003

Arpad

Und diese Erinnerung wurde wieder geweckt, als Post von Arpad und seiner Familie kam. Lange ist es her – aber nicht so lange, dass man es total vergessen hätte. Eher verdrängt hat man die Gedanken an das damals Geschehene.alleinegelassen und verängstigt
Es war im September 2003, als bei der NfP die Meldung einging, dass in Belgien 25 Huskys enteignet werden sollen. Das Verbringen in ein Tierheim würde bald den sicheren Tod bedeuten – hier war Gefahr in Verzug.
Schon ein Jahr zuvor wurde eine belgische Tierschützerin aufmerksam auf einen Düsseldorfer Unternehmer, der diese Hunde unter mehr als fragwürdigen Umständen hielt. Informierte Behörden unternahmen nichts, ein Teil der Huskys war schon verhungert. Da die Behörden nicht tätig wurden, setzten sich die Tierschützer vor Ort mutig ein und versorgten die Tiere erst einmal auf eigene Kosten.
Die Polizei rührte sich erst, als zwei Hunde ausrissen und wilderten. Jetzt schaltete sich die NfP ein und nach umfangreicher Organisation sollten endlich 25 Huskys in der Station Süd einziehen. Als man zusammen mit dem WDR und einer Tierärztin in Belgien ankam, waren es nur noch 18 Hunde, 6 Junghunde wurden direkt vermittelt. Da alle Hunde psychisch und physisch in keinem guten Zustand waren, mussten sie mühselig in einer mehrstündigen Aktion eingefangen werden. Von der mitgekommenen Tierärztin wurden sie vor dem Transport jedoch noch untersucht, geimpft und entwurmt. Problemlos ließen sie sich allerdings Halsbänder anlegen, bevor sie in die Kennelboxen verfrachtet wurden. Dieser Großeinsatz war nur möglich durch die uns von aktion tier – menschen für tiere e.V. – zur Verfügung gestellten Tierschutzfahrzeuge.Die Fahrzeuge der Helfer

Ja, dann musste Platz in der Station Süd geschaffen werden, denn es waren ja noch genügend andere Hunde in der Vermittlung. Es kam echt Arbeit auf die zwei Mitarbeiterinnen zu, die dann mit letztendlich ca. 35 Hunden alleine dastanden. Bei gleichem Gehalt plötzlich das Doppelte an Arbeit zu leisten, zeugte von grandiosem Engagement.
Zuerst konnte man ja auf keinen Rudelverband achten und brachte alle Tiere in 2 Gehegen unter, die von dem damals befreundeten, angrenzenden Tierheim angemietet wurden.
Viel zu sehen gab es anfangs auch nicht, denn die meisten Hunde rannten nur in voller Panik in den Gehegen umher, den Rest musste man in Erdlöchern suchen. In Ruhe wurde alles beobachtet, so dass man langsam lernte, die einzelnen Hunde einzuschätzen.
Anschließend ging man daran, die Umsetzung vorzubereiten, denn mit der Zeit demonstrierte manch einer der Wildlinge ein ordentliches Dominanzverhalten und es gab große Unruhe und Kämpfe innerhalb der beiden Gehege.

Das Rudel aus BelgienVergessen werden wir nie den Anblick der kleinen Mammuschka, der ältesten von allen, ihr Alter wurde mit 15 Jahren genannt. Schon alleine vom Hinsehen bekam man Tränen in die Augen. Ihr Bauch war belastet mit einem riesigen Fußball-großen Tumor, sie konnte nur unter wahnsinniger Anstrengung gehen und atmen. Diese kleine und sanfte Hündin mussten wir nach ihrer Ankunft und anschließende Vorstellung in der Tierklinik erlösen lassen, ihr war nicht mehr zu helfen. Ihr liebes Wesen, das kleine hoffnungsvolle Gesicht – nein, dieses Bild hat man immer wieder vor Augen, wenn man an das Belgien-Rudel denkt.

Und dann war da eben „Arpad“ – mit seinem liebenswürdigen und anschmiegsamen Wesen war er von allen Belgien-Huskys derjenige, der offen auf den Menschen zukam. Das war auch hilfreich, denn er hatte schlimme Hautprobleme und musste ebenso dringend tierärztlich versorgt werden.

Durch die enorme Leistung der damaligen zwei Mitarbeiterinnen in der Station, konnten alle Huskys peu á peu vermittelt werden. Es war ein langer Weg mit einer wahnsinnigen und kostenintensiven Arbeit, die hier geleistet wurde und trotzdem eine Selbstverständlichkeit war, jedes Tier noch so zu betreuen und begleiten, dass es einigermaßen gut sozialisiert umziehen konnte. Es wurde gezeigt, was mit einem guten Willen und viel Arbeitseinsatz ohne viel Palaver alles bewerkstelligt werden kann. Auch im Nachhinein muss man dies nochmals lobend erwähnen.belgische Huskys

Arpad gab nun den Ausschlag dazu, dass wir die ganze Geschichte wieder Revue passieren lassen. Er durfte damals am 24.01.2004 in ein neues Zuhause umziehen und kürzlich haben wir mal wieder Post von ihm erhalten.

Damit Arpad nicht alleine bleiben musste, bekam er Indai, eine Samojeden-Grönland-Mix-Hündin am 22.03.2005 als Gefährtin. Die beiden sind ein tolles Team und wir freuen uns, eine so positive Rückmeldung bekommen zu haben. Einen Dank an ihre Menschen für die tolle Begleitung seit nun insges. 7 Jahren.

Liebes NfP-Team,

nun möchte ich euch aber kurz unseren Weg zum "auf den Hund gekommen" schildern.
Als passionierte Zuschauer der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" sahen wir gegen Ende 2003 einen herzerweichenden Bericht über ein Rudel Huskys.

43 Hunde waren es insgesamt, in einem mehr oder minder schlechten Zustand. Wir waren ziemlich schockiert, und obwohl wir uns, auf Grund unserer Berufstätigkeit, jahrelang einen Hund versagt haben, entschlossen wir uns, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Wir vereinbarten einen Termin, da wir aus dem Sauerland (ca. 420 km entfernt)angereist sind.
Nach einem kurzen Gespräch, führte uns damals Ihre Frau G. in das erste Gehege. Uns eröffnete sich dort eine ganz neue Welt, in der Hunde miteinander lebten. Wir durften erleben, wie entspannt Hunde und Besucher miteinander umgehen können, wenn es sich um Rudelhaltung handelt. Kein um Aufmerksamkeit heischendes Gedränge der Hunde an dicken Gitterstäben, sondern direkten Kontakt.
Wir folgten also Frau G. erst etwas schüchtern, denn die Nordischen sind ja durchaus imposante Tiere und ziemlich neugierig, dann aber immer unbefangener. Sie unterrichtete uns über die Geschichte jedes Hundes und während dessen hatten wir die Möglichkeit, mit den Tieren Freundschaft zu schließen und mit ihnen zu spielen.

Frau G. hatte zu jedem Ihrer Schützlinge eine kleine Anekdote und berichtete so liebevoll und lustig, dass wir am liebsten alle Tiere mitgenommen hätten, aber das geht natürlich nicht. Sie erklärte uns auch, dass die Hunde sehr sorgsam miteinander vergesellschaftet werden müssen, damit sich die Tiere auch miteinander wohlfühlen.Arpad und Indai
So führte sie uns also von einem Gehege ins andere, bis wir in ein besonders großes Gehege kamen, dort wohnten ca. 10 wunderbare Fellgesichter, die uns mehr oder weniger skeptisch beäugten. Einige waren sehr scheu und andere stupsten uns gleich an oder verlangten nach Streicheleinheiten. Sicherlich ist es natürlich so, dass man sich mit dem nötigen Respekt den Hunden nähern sollte, um Missverständnisse zu vermeiden, aber wir konnten uns dieser zauberhaften Wesen nicht erwehren. Während wir in diesem Gehege verweilten und Frau G. uns die Geschichte dieser Tiere erzählte, fiel meiner Frau ein Hund auf, der sich still hinter mich gesetzt hatte, völlig unaufdringlich beobachtete er die Situation, wie ich mit den anderen Hunden spielte. Einige Minuten später stand er auf und legte sich genauso selbstverständlich auf die Füße meiner Frau. Ja, das war´s dann wohl. Unser Arpad hatte sich seine Menschen ausgesucht!
Wir erfuhren dann, dass er wohl der Chef im Ring dort war, jetzt ist er unser Chef  - glaubt er.

Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, das es sich bei einem Husky um einen Jagdhund handelt, vor allem wenn er sich lange Zeit selbst ernähren musste. Das bedeutet, niemals ohne Leine, sonst findet er sicherlich eine Beute. Mit kleinen Kindern im Haushalt, nicht ohne Aufsicht, allerdings ist es ein Leichtes, diesen gelehrigen Hunden die Hierarchie klar zu machen. Wichtig ist es auch, den Kindern den richtigen Umgang zu erklären, dann klappt alles prima.Indai
Auch der persönliche Einsatz in Ihrer Auffangstation, in unserem Fall von Frau G., hat uns sehr geholfen. Wir hatten noch jahrelang Kontakt und haben stundenlang telefoniert, sie gab uns unglaublich viele Tipps und Anregungen. Wir sind ihr ewig dankbar für diesen Einsatz.

Ca. 1 Jahr später dachten wir dann darüber nach, ob unser Arpad wohl gern eine Hündin an seiner Seite hätte und kamen noch einmal zu Ihnen, jetzt natürlich zu Dritt, denn wie wir gelernt haben, sollte sich der Hund seinen Kameraden besser selber aussuchen. Unser Arpad hatte die Möglichkeit, in einer Art "Kennenlern-Gehege" verschiedenen Tieren vorgestellt zu werden. Er verliebte sich auch gleich und so bekamen wir noch die Indai dazu.
Das Schönste an diesen Hunden ist jedoch: man kann sehen, ob sie ein gerade erteiltes Kommando für sinnvoll erachten. Es kann dann mit der Ausführung schon mal etwas länger dauern

viele Grüße aus dem Sauerland von zwei Fellgesichtern und deren Menschen
K.u.A. S.

Arpad und Indai sind eine Bereicherung für ihre Zweibeiner und wir wünschen ihnen noch recht lange ein glückliches gemeinsames Zusammensein.

 

 

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