Coco, ein zweijähriges Rudel-Mobbing-Opfer wird Familienhund

Coco

Coco kam zweijährig in die Vermittlung nachdem es in dem kleinen Rudel aus vier Hündinnen zu schweren Verstimmungen gekommen war, am Ende hatte man unwiderruflich die Situation „drei gegen eine“ und die drei meinten es richtig ernst. Vor Ort war es nicht möglich, Coco dauerhaft separat zu halten, mal ganz abgesehen davon, dass dies auch nicht im Sinne dieser Hündin gewesen wäre – denn diese wollte Anbindung, wenn schon nicht an die anderen Hunde, dann wenigstens an Menschen.

Wie manch anderer Vermittlungshund kannte Coco nur die Haltung draußen im Gehege und so wirklich viel Umwelterfahrungen hatte sie auch nicht. Während sie die Umstellung auf das Leben als Familienhund problemlos meisterte, war sie anfänglich auf Spaziergängen in unbekanntem Gebiet sehr aufgeregt, auch Durchfall trat öfter auf. Angesichts ihrer fehlenden Erfahrungen mit Umweltreizen aus Hundesicht verständlich und nachvollziehbar, für die dazugehörigen Menschen jedoch hinsichtlich der Leinenführigkeit recht anstrengend.

CocoIn vielen Fällen lässt sich diese Problematik recht gut dadurch in den Griff bekommen, dass Mensch und Hund ein Team werden, dessen Führung ganz klar beim Zweibeiner liegt. Geht dieser neue und unbekannte Situationen souverän an, bleibt der Hund an seiner Seite meist deutlich gelassener. So auch bei Hündin Coco, die ihren neuen Besitzern darüber hinaus übrigens sehr anschaulich erklärte, warum die Vermittler gerne die Empfehlung mit auf den Weg geben, den neuen Hund anfänglich an der Leine nicht nur mit Geschirr sondern auch mit Halsband und Koppelung von beidem (Verbindung Geschirr-Halsband) zu sichern.

“Mit Coco ist es wunderbar, sie füllt die Lücke, die ihre Vorgängerin hinterlassen hat auf ihre einmalige Art. Die Zusammenleben war von Anfang an – trotz Coco´s Vorgeschichte – völlig problemlos. Das Wichtigste war aber auch, das ich in Bezug auf die Kinder Coco völlig vertrauen kann und das ist genauso eingetreten.

Nachdem Coco 7 Wochen bei uns war, haben wir den ersten gemeinsamen Urlaub - verbunden mit den ersten (und Gott sei Dank bisher einzigen) Abenteuern - verlebt. Die positiven Signale in der Eingewöhnungsphase haben dazu geführt, dass ich nicht berücksichtigt hatte, welchen Einfluss ein Ortswechsel auf das Verhalten von Coco haben würde. Aber alles der Reihe nach….Coco

Wir sind im März mitten in der Nacht in Richtung Schweiz gestartet. Schon in Deutschland aber insbesondere in der Schweiz hatten wir mit schweren Schneefällen zu kämpfen. Die Fahrt war wegen der Straßenverhältnisse langwierig und zumindest für uns Menschen aufregend und anstrengend. Coco hat die ganze Zeit geschlafen. Als wir in dem Bergdorf ankamen hatten wir dort ca. 60 cm Neuschnee, was bei einem Husky nachvollziehbar zu Begeisterungstürmen führt. Das Dorf ist autofrei und wir hatten alle Mühe mit Hilfe eines Elektrowagens unser Gepäck zum Chalet zu befördern. Wir waren allesamt ziemlich erschöpft (außer Coco, die war ausgeruht), als wir dort ankamen. Und dann ist uns der erste Fehler passiert, eine kurze Unaufmerksamkeit, die Haustür nicht richtig zu und Coco nutzte die Gelegenheit und stürmte davon.

Mein Mann und ich haben uns sofort wieder angezogen und auf die Suche gemacht. Ich war völlig kopflos; dort gibt es viele Bauern, die zu Ostern ihre Schafe und Lämmer bereits außerhalb der Ställe haben. Und unterhalb unseres Chalets war ein solcher Stall mit Außengehege. Vor meinem geistigen Auge sah ich Coco dort einfallen und ein Blutbad anrichten. Daneben die Sorge, dass sie an diesem für sie fremden Ort für immer verschwunden ist – es war furchtbar.

CocoMein Mann hat deutlich klüger gehandelt. Während ich ziellos durch die Gegend lief und immer wieder Coco gerufen habe, ist er den Spuren im Schnee gefolgt (eigentlich logisch …). Er hat sie sehr schnell gesichtet und während des ganzen Ausfluges dann nicht mehr aus den Augen verloren. Nach seiner Aussage ist sie die ganze Zeit fröhlich durch den Schnee getobt. Es hätte wohl für ihn mehrere Möglichkeiten gegeben sie einzufangen, aber jedes Mal, wenn er sie in greifbarer Nähe hatte erschall mein unkontrolliertes Rufen und sie ist in meine Richtung gelaufen. Schwierig, schwierig, aber nach ca. 15 Minuten hat er sie dann doch endlich gefasst. Erleichterung bei allen!

Am Nachmittag desselben Tages sind mein Mann, unsere Kinder, Coco und ich einkaufen gegangen. Bei uns zu Hause hat mein Mann schon öfters Coco beim Bäcker angebunden, während er Brötchen geholt hat – ohne Probleme. An diesem Tag im Skiurlaub haben wir bewusst unseren Sohn bei der angebundenen Coco gelassen. Wir waren aber kaum im Supermarkt kam unser Sohn zu mir und schrie bereits von weitem: „Die Coco ist im Supermarkt!“ Ich habe sofort unseren Sohn verdächtigt sie losgemacht zu haben, er beteuerte das Gegenteil und heute weiß ich, dass ich ihn zu Unrecht verdächtigt habe. Auf jeden Fall lief unser Hund aufgeregt ohne Geschirr und Leine durch den Supermarkt. Die Touristen waren teilweise belustigt, der Marktleiter eher verärgert. Ich habe mich in die Hocke gesetzt und nach ihr gerufen, sie kam sofort zu mir und war anscheinend überglücklich mich gefunden zu haben. Mangels Geschirr und Leine habe ich sie auf den Arm genommen und raus getragen. Heute denke ich, dass sie einfach überfordert war mit dem Ortswechsel und in Panik geraten ist, nachdem ich weg war.Coco

Das war reichlich viel Aufregung und hätte an sich für den ganzen Urlaub gereicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich wie gesagt noch unseren Sohn in Verdacht, das Geschirr gelöst zu haben. Irgendwie hatte ich wohl leichtsinnigerweise vergessen, was man uns in der Auffangstation geraten hatte, nämlich den Hund am Anfang doppelt zu sichern - mit Geschirr und Halsband.

Auf jeden Fall hat sich die Geschichte dummerweise nahezu wiederholt, als mein Mann zwei Tage später mit Coco zum Bäcker ist um Brötchen zu holen. An sich hat er Coco von dort aus immer im Blick. Aber einen kurzen Augenblick beim Bezahlen nicht aufgepasst und vor der Bäckerei waren nur noch Geschirr und Leine - der Hund war wieder weg.

Diese Mal sind wir zu dritt losgezogen – mein Mann, ein Freund von uns mit seinem Hund und ich. Letztendlich habe ich Coco gefunden - diesmal war sie im Ort unterwegs. Als wir sie eingefangen hatten, haben sich die beiden Hunde so über das Wiedersehen gefreut, dass sie angefangen haben zu spielen und bei dieser Gelegenheit haben wir beobachtet, wie sich Coco innerhalb von Sekunden aus dem Geschirr geschält hat. Wieder war sie los, aber dieses Mal Gott sein Dank nur ganz kurz, unser Freund hatte sie quasi sofort geschnappt. Ich habe daraufhin dort als erstes ein Halsband gekauft und Coco ab diesem Zeitpunkt doppelt gesichert. Sie ist uns bisher nicht mehr aus Halsband und Geschirr geschlüpft.

CocoNeben diesen ungeplanten Exkursionen war das Verhalten von Coco dort ähnlich wie am Anfang bei uns. Im Haus kein Problem, aber sobald man mit ihr raus ist, war sie so aufgeregt, dass sie wenig ansprechbar war. Sie hat alle Sinnesorgane auf die ihr unbekannten Reize gerichtet. Vor den Elektrowagen hatte sie Angst, obwohl sie die Panik vor Autos zu Hause bereits abgelegt hatte. Wieder zu Hause war sie aber an sich sofort „daheim“. Die Spaziergänge wurden wieder weniger anstrengend.

Bereits vor unserem Urlaub hatte ich mich dazu entschlossen eine renommierte Hundeschule aufzusuchen. Auch wenn Coco zu diesem Zeitpunkt bei Spaziergängen ohne Ablenkung (insbesondere durch andere Hunde) recht gut an der 10 Meter Schleppleine lief, war doch die Leinenführigkeit insgesamt eher befriedigend. Je nachdem, was für sie interessant schien, hat sie einem fast den Arm ausgekugelt um dahin zu kommen. Das wollte ich mit Hilfe des Trainers angehen. Außerdem hatte sich Coco zu einem hemmungslosen Dieb entwickelt. Sie hatte keine Skrupel mit den Vorderpfoten auf Anrichte oder Tisch zu gehen, um an essbare Sachen zu kommen. Dabei sind ihr unter anderem ein aus der Schweiz mitgebrachter Almkäse und die Geburtstagtorte unserer Tochter zum Opfer gefallen.

Der Hundetrainer bescheinigte Coco bei unserem ersten Beratungsgespräch Anfang April unter Berücksichtigung der Zeit, die Coco bei uns war, bereits eine sehr gute Bindung insbesondere zu mir. Er war von Anfang an zuversichtlich, dass wir alle „Probleme“ rasch in den Griff bekommen würden. Ich war etwas skeptisch. Unglaublich, aber wahr: Bereits nach der ersten Stunde ging Coco super an der Leine und vom Tisch klaut sie auch nicht mehr. Ich kann Essen auf dem Tisch oder in der Küche stehen lassen und Coco unbeaufsichtigt dabei, sie tut so als ob es sie nicht mehr interessiert.

Inzwischen haben wir auch einen Agility-Grundkurs absolviert. Die Aufgaben sind für Coco einfach, trotzdem ist sie mit viel Spass dabei, egal ob Wippe oder Tunnel, sie macht alles mit. Allerdings stoppt sie eher selten nach einem Hindernis ab, sondern rast – wenn man die Leine nicht schnell genug fasst - voller Begeisterung über den Platz und begrüßt alle Hunde. Daran arbeiten wir noch …

Auch die Begleithundeprüfung ist nicht unrealistisch, aber alles der Reihe nach.Coco

Insgesamt denke ich, fühlt sich Coco bei uns sehr wohl. Anfangs hat sie sich immer morgens etwas aus dem Papimülleimer geholt (leere Zewa-Rolle, Papiertüten o.ä.) und zerrupft. Auch einige Spielsachen sind ihr zum Opfer gefallen. Ich denke, dass war Stressbewältigung. Auch hatte sie anfänglich sehr oft Durchfall – alles heute kein Problem mehr. Auch unseren zweiten Urlaub im Juli an der Nordsee hat sie mit viel viel mehr Gelassenheit hingenommen, als seinerzeit den Urlaub im März. Ein Freund sagte kürzlich: „Der Hund ist bei Euch angekommen“.

Bei uns zu Hause läuft sie mittlerweile im Garten (unter Aufsicht) frei, obwohl unsere Umzäunung alles andere als Huskysicher ist. Sie bräuchte über den 80 cm hohen Zaun noch nicht einmal zu springen, die Lücken sind so groß, dass sie durchpasst. Und zum Nachbar gibt es keinen Zaun, sondern eine Thuja-Hecke, aber komischerweise ist für Coco ausschlaggebend, ob das Hoftor offen steht oder nicht. Wenn das allerdings offen ist, flitzt sie schon mal gerne die Straße rauf und runter und sagt den Nachbarn (oder deren Katzen) „Hallo“. Ansonsten geben wir ihr so oft es geht die Möglichkeit im Garten (bei uns oder Freunden) mit anderen Hunden zu spielen. Coco bei Spaziergängen frei laufen zu lassen ist mir zu riskant. Solange ich das Gefühl habe, sie kommt nicht zuverlässig zu mir zurück, wenn ich rufe, gehe ich kein Risiko ein. Trotzdem verliere ich dieses Ziel nicht aus den Augen. Wenigstens zum Spielen mit anderen Hunden im Feld ohne Leine, das wäre ein Traum von mir.

Die Spaziergänge sind im Großen und Ganzen entspannend. An der 10 Meter Leine läuft sie gut, jeden Richtungswechsel macht sie ohne Aufforderung mit. Jagdtrieb hat sie natürlich, wobei ich glaube (auch der Hundetrainer), dass sie noch keinen Jagderfolg hatte. Wenn wir Rehe sichten, was bei uns oft vorkommt, ist sie weiterhin ansprechbar und solange die Rehe nicht weglaufen (und das tun sie meistens bei uns nicht) auch eher uninteressiert. Auch Schafe interessieren sie nicht wirklich. Das einzige, was sie immer aufregend findet, sind Katzen. Nach Mäusen buddeln und Mäuse fangen gehört zu ihren großen Leidenschaften. Das unterbinde ich auch nicht, nach dem Motto lieber Mäuse als Rehe und Hasen. Der Grundgehorsam ist auch schon ganz gut, wobei sie natürlich Huskytypisch erst einmal überlegt, ob sie den Befehl ausführt oder nicht, insbesondere wenn sie sich außerhalb eines bestimmten Radius befindet.

CocoAlso was soll ich sagen am Schluss meines langen Berichtes – wir sind glücklich mit diesem Hund und ich denke er auch mit uns. Sie ist nach wie vor noch die fröhliche Hündin, wenn ich nach Hause komme, springt sie mir vor Begeisterung mit der Schnauze bis ins Gesicht. Wenn ich sie morgens wecke, würde sie mir zur Begrüßung am liebsten auf den Schoß kriechen und wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, klebt sie an meinem Rockzipfel. An diesen Tagen hat meist die Familie alle Spaziergänge erledigt, aber wenigstens eine Runde toben im Garten mit mir ist dann auf jeden Fall Pflicht.

Ich habe ein paar Bilder beigefügt, auch eines das zeigt, wie sich Coco am Strand eine Kuhle gegraben hat und von dort aus das Geschehen beobachtet hat. Wasserscheu ist sie jedenfalls nicht, auf einem Bild ist sie nach einem Bad in der Nordsee zu sehen. Tja, und dann ganz entspannt beim Schlafen im Korb, im Schnee in der Schweiz, in unserem Garten …"

 

 

 

 

Diese interessante Seite einem Freund senden

zurück