Gewitter im Gehirn

(Leben mit einem epilepsiekranken Hund)

Es kam und kommt überraschend, ohne Vorwarnung, aus heiterem Himmel, keine dunklen Wolken kündigten das Ereignis an. Keine Chance sich irgendwie darauf vorzubereiten.

Am 31.03.2010, kurz nach der morgendlichen Fütterung stand unsere Gjoya vom Dösen auf, drehte sich ein paar Mal um die eigene Achse und blickte Richtung Rute als wäre dort eine Fliege die sie verscheuchen wollte. Ich sprach sie an, sie solle sich wieder hinlegen, sie reagierte aber nicht, ging ein paar Schritte weiter und dann klappten ihre Beine seitlich weg und sie fiel um. Sie machte ein Hohlkreuz, überstreckte den Nacken, ihre Beine strampelten wild in der Luft herum, sie speichelte stark und blickte mit starrem Blick und weit aufgerissen Augen ins Leere. Auf Ansprache oder Berührungen reagierte sie nicht im Geringsten. Panik stieg in mir hoch, es dauert gefühlt endlos bis sie aufhörte, kurz benommen liegen blieb, dann aufsprang und unruhig hin und her lief. Ansprechbar war sie wieder aber deutlich verwirrt. Nach einigen Minuten beruhigte sie sich wieder und legte sich erschöpft hin. Sie hatte eine epileptischen Anfall gehabt….!
Der sofortige Tierarztbesuch brachte keine Erkenntnisse. Alles normal. Wir sollten erst mal abwarten, vielleicht wäre es eine einmalige Sache.
In der Hoffnung, dass dem so war und etwas beruhigt ging es wieder nach Hause. Natürlich forschten wir trotzdem auch mal im Internet. Was ist Epilepsie, wer bekommt das, wie behandelt man es. Es gab gute wissenschaftliche Berichte zum Thema, viele erschreckende Berichte von Besitzern betroffener Hunde. Aber das alles legten wir zur Seite, es war ja nur „eine einmalige Sache“.
Zur Vorsicht ließen wir aber noch eine Blutuntersuchung machen aber es gab keine Auffälligkeiten. Also alles ok, na also eine einmalige Sache.

Leider war das ein Irrtum. Am 12.04.2010 um 23:30 Uhr ging es wieder los. Wir waren im Bett und gerade eingeschlafen, das polterte es los. Aufgeschreckt und sofort beim Hund krampfte Gjoya schrecklich heftig. Sie strampelte wie wild, speichelte heftig, Kot und Urin gingen ab. Nach 2 Min schrak sie hoch lief fiepend und orientierungslos hin und her. Sie kam zwar immer an und ließ sich streicheln aber nach wenigen Sekunden ging sie wieder weg und lief umher. Wir verabreichten ihr das vom Tierarzt mitgegebenen Diazepam und sie beruhigte sich wieder. Den Rest der Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Jedes Pfotenkratzen lies auch nur die geringste Müdigkeit sofort im Keim ersticken. Hatte sie wieder einen Anfall?

Am nächsten Tag telefonierte ich mit einem Epispezialisten in Wiesbaden den ich übers Internet gefunden hatte. Er nahm sich am Telefon viel Zeit, erklärte und fragte viel und wir vereinbarten einen Termin in 1 Woche. Es war keine einmalige Sache und wir wollten wissen wie es dazu kommen konnte.
Die Nächte waren alles andere als erholsam, immer ein waches Ohr auf die Hunde (Gjoyas 10 jährige Mutter lebt auch noch bei uns). Vorsichtmaßnahmen wurden getroffen wenn wir die Hunde mal allein lassen mussten. Wo war der sicherste Raum in dem Gjoya sich nicht verletzten konnte wenn sie umfiel und krampfte und wir nicht da sein sollten. Ausgesucht wurde die obere Etage, die Treppe mit einem Kindergitter versperrt. Waren wir wieder zu Hause wurde Gjoya sofort kontrolliert, war das Fell vom Speichel verklebt, lag irgendwo Kot oder Urin - nein, zum Glück nicht. Erleichterung!

2 Tage vor dem Termin, genau an ihrem 3. Geburtstag, kam das Gewitter schon wieder. Diesmal mittags im Wintergarten. Wieder dauerte es schrecklich lange 2 Min. danach hatte sie diesmal deutlich stärkere Bewusstseinsstörungen. Sie reagierte zwar auf Ansprache konnte aber wohl nicht richtig sehen. Den Nachbarn der in seinem Garten am Fenster vorbeilief bellte sie ängstlich mehrere Minuten an. Oh je, hatte sie es jetzt so wie ich es im Internet viel gelesen hatte?
Viele Hunde erkennen ihre Umgebung nicht mehr, sind panisch, greifen in Panik ihre eigenen Besitzer oder die anderen Familienhunde an. Manchmal wird der krampfende Hund vom zweiten Hund angegriffen.
Das wollten wir nicht, müssen wir die Hunde nun trennen? Chaju, kam zwar immer an wenn Gjoya krampfte lies sich aber immer wegschicken. Aber was wenn die beiden allein sind? Den Gedanken schoben wir erst einmal zur Seite.

Am 19.04.2010 dann der Besuch beim Facharzt. Ein ausgiebiger neurologischer Test wurde gemacht und zeigte keine Auffälligkeiten. Hätten sich welche gezeigt hätten die auch vom Anfall vor 2 Tagen stammen können, so aber war alles ok. Wir besprachen die weiteren Untersuchungsmöglichkeiten. Auch weil sie aus unserer eigener Zucht stammt war es uns schon wichtig zu wissen ob es sich um primäre/erbliche oder sekundäre/durch eine Krankheit erworbene Epilepsie handelt.
Weitere Blutuntersuchungen wurden gemacht. Vielleicht hatte sie ja Toxoplasmose, die kann Krämpfe auslösen? Katzenkot gehört leider zu ihren Lieblingsspeisen und kann Toxoplasmose übertragen. Die „Hoffnung“ wurde uns schnell genommen. Ein an Toxoplasmose erkrankter Hund würde schwere Symptome zeigen.
Herzuntersuchung alles ok, hätte mich auch gewundert, Gjoya ist ja ein fitter Sporthund. Wir entschlossen uns eine Liqouruntersuchung und weitere Urinuntersuchungen machen zu lassen. Alle Möglichkeiten die Krämpfe auslösen könnten sollten abgeklärt werden. Das hielten wir aus züchterischer Sicht für sehr wichtig. Wenn der Befund dem Club gemeldet wird muss man auch eine gesicherte Diagnose haben.
Gjoya wurde in Narkose gelegt und per Punktion die Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und per Katheder Urin entnommen. Liqour wurde vor Ort untersucht (ohne Befund), Blut und Urin wurden eingeschickt ins Labor. Sollten auch die Werte in Ordnung sein bliebe als letzte Untersuchungsmethode noch ein MRT vom Kopf.
Da 3 Anfälle innerhalb von 14 Tagen zu viel sind bekam Gjoya ab sofort ein Antiepileptika. Sie wurde ein Studienhund in einer Medikamentenstudie. Ein neues Medikament wird in einer zweiten Studienreihe im Vergleich zum üblichen Phenobarbital getestet. Die Wirkung des neuen Medikamentes hatte schon eine erste Studie gezeigt, jetzt ging es um die Nebenwirkungen. Erste Ergebnisse zeigten keine Nebenwirkungen wogegen Phenobarbital erhebliche Nebenwirkungen haben kann. Leider durfte man nicht aussuchen ob man das neue oder alte Medikament bekommt sondern musste eine der 2 versiegelten Boxen wählen. Wir zogen Phenobarbital. Etwas enttäuscht war ich zunächst schon, aber trotzdem sollte man so eine Studie unterstützen wenn man die Möglichkeiten dazu bekommt und Hauptsache ist ja auch erst mal, dass es wirkt und keine Anfälle mehr kommen. Ein Anfallstagebuch muss geschrieben werden und alle 4 Wochen müssen wir zur erneuten Untersuchung kommen.
Dafür ist das Medikament 1 Jahr lang kostenfrei. Nach fast 5h Untersuchungsmarathon ging es dann mit vielen Infos die erst verarbeitet werden mussten wieder nach Hause.

Nun hieß es die Medikamentengabe zu regeln. Zweimal täglich im Abstand von 12h sollte Gjoya die Tabletten bekommen. Möglichst immer pünktlich. Ein Pillendöschen mit Wecker wurde gekauft und morgens und abends um 8 Uhr musste nun immer jemand zu Hause sein. Die nächsten Tage wurden wir ruhiger. Die Tabletten würden schon helfen!

Einige Tage später kamen die Ergebnisse der Blut- und Urinuntersuchungen, alles normal kein Krankheitsbefund. Die letzte Möglichkeit die jetzt noch für eine Krankheit als Ursache der Anfälle in Frage kam war die nicht sehr schöne Vorstellung eines Tumors im Gehirn.
Einen kleinen Tumor könne man heute operativ entfernen hieß es und diese winzige Hoffnung lies uns zu dem Entschluss kommen das teure MRT an der Uni in Gießen machen zu lassen. Einige Tage später war es soweit, Gjoya musste wieder in Narkose, ganz genau wurde mit dem Epifacharzt besprochen welche Narkosemittel sie bekommen dürfe, denn einige sind krampf auslösend bei einem Epileptiker. Unruhig lies ich Gjoya nach dem Einschlafen zurück, gut 1 h später konnte ich wieder zu ihr und die Aufwachphase bei ihr verbringen.
Alles war zum Glück gut gegangen, es hatte keinen Anfall gegeben. Wir bekamen eine schöne CD mit Aufnahmen ihres Gehirns mit, der Befund lautete aber auch hier: ohne Befund. Natürlich waren wir froh, aber nun lautete die Abschlussdiagnose beim Tierarzt.
Primäre/erbliche Epilepsie!!

Wie kann dass sein? Keiner von Chajus Welpen hat bisher Epilepsie, die Ältesten sind fast 8 Jahre alt. Auch von der väterlichen Seite her war uns nichts bekannt. Und Gjoya hatte im letzten Herbst ihren 1 Wurf….. Aber wir haben es nicht wissen können, es gab keinerlei Hinweise auf Epilepsie und wer weiß schon, dass Epilepsie auch beim Samojeden ein Thema ist und beschäftigt sich vor einer Verpaarung damit?

Inzwischen sind wir schlauer, die Suche nach Samojeden die ebenfalls Epilepsie haben/hatten war leider erfolgreich. Die Annahme einiger Züchterkollegen Gjoya sei eine Ausnahme, ein dummer Zufall, hat sich leider als Irrtum herausgestellt. Vieles sind Informationen die man leider nur „unter der Hand“ bekommt, einmal weil die Besitzer gar nicht wissen oder auf die Idee kommen, dass die Meldung des Befund an den jeweiligen Rasseclub wichtig für die Gesundheit der Rasse ist, andererseits, weil sie von ihren Züchtern tatsächlich um Stillschweigen gebeten wurden…..!!!
Einige Fälle sind aber in den Zuchtdatenbanken von Verbänden eingetragen, was sehr lobenswert ist, denn nur wenn man die Daten kennt, kann man eine Ausbreitung von Epilepsie auch verhindern. Einige der Besitzer von Samojeden mit Epilepsie haben Blutproben ihrer Hunde an die Uni Helsinki für Forschungszwecke im Bereich Epilepsie beim Samojeden geschickt. Das ist der richtige Weg zu einer gesunden und verantwortungsvollen Samojedenzucht und sehr lobenswert, dass auch diese Besitzer oder Züchter sich dem
negativen Gerede von Anderen ausgesetzt haben.
Sollten wir nicht alle so handeln? Worum geht es uns bei der Zucht? Nur ums Prestige, um den guten Ruf der eigenen Zuchtstätte, um Ausstellungserfolge, ums liebe Geld oder geht es uns doch eher um die Gesundheit der Rasse? Manchmal habe ich da leider nicht den Eindruck, dass es um Letzteres geht, denn warum werden sonst negative Befunde die einem schlechtes Gerede einhandeln könnten nicht gemeldet sondern man erfährt davon nur hinter vorgehaltener Hand?
Warum gibt es unter den Verbänden keinen internationalen Austausch von Gesundheitsdaten, wir verpaaren doch auch international. Wer kann schon in jedem Landesclub Mitglied werden um berechtigt zu sein die Gesundheitsdaten der Hunde zu bekommen. Warum ist Finnland z.B. offen und hat alle Gesundheitsdaten auf einer frei zugänglichen Internetseite? Haben andere Länder etwas zu verheimlichen?

Wir sprachen mit unserem Epifacharzt und mit Neurologen von der Uni Gießen über die Vererbung von Epi. Leider ist der Erbgang recht unklar. Man geht von einem autosomal rezessiven polygenen Erbgang aus, d.h. beide Elterntiere haben für sich unterschiedliche
Gene, die einzeln keine Wirkung haben, aber in der Kombination die Krankheit vererben. 30 - 40 % eines Wurfes sind befallen, aber nur bei einem Teil kommt die Epilepsie zum Ausbruch. Ein fataler Erbgang, da man keinem Hund ansehen kann, ob er Träger des Gens ist oder nicht. Das wäre erst möglich, wenn es einen Gentest dafür gibt, der steht aber in Bezug auf Epi bisher nur für sehr wenige Rassen zur Verfügung. Der Rat der Ärzte: Eine hundertprozentige Sicherheit dass das Gen nicht weitervererbt wird gibt es nur wenn die Eltern, die Geschwister und mögliche Welpen eines erkrankten Hundes aus der Zucht genommen werden. Ob man sich als Züchter/Rüdenbesitzer an den Rat hält muss jeder mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren, da unsere Zuchtordnung nur den Epileptiker ausschließt.
Wir werden uns daran halten, unsere Zucht ist damit für die nächsten Jahre beendet. Erst wenn unsere Chaju nicht mehr sein sollte, dann wird es vielleicht wieder einen Welpen geben, der dann vielleicht irgendwann auch mal wieder in die Zucht geht. Die Besitzer von Gjoyas Geschwistern und von ihren Welpen und die Besitzer von Gjoyas Vater sind von uns sofort informiert worden und unsere Welpenkäufer wollen sich auch alle an der Rat der Ärzte halten und keinen der Hunde je zur Zucht nutzen. Es ist eigentlich sehr schade, denn es sind alles tolle Welpen aber das Risiko ist einfach zu hoch. Ebenso wurde natürlich sofort der FB Zucht über Gjoyas Befund informiert, das war für uns keine Frage und dazu ist jeder Züchter laut Zuchtordnung ja auch verpflichtet, nur scheint sich nicht jeder daran zu halten.

Gjoyas Befund war und ist ein Schock für uns, das wir nicht mehr züchten können sehr traurig, aber wichtiger ist im Moment ihr Wohlergehen. Leider hatten wir nach Beginn der Medikamentengabe nur 4 Wochen lang Ruhe, dann hatte sie gleich 4 weitere Anfälle
innerhalb von 14 Tagen. Die Dosierung wurde daraufhin verdoppelt. Schon 3 Tage später beim nächsten neurologischen Test zeigte sie erste Koordinationsstörungen. In schnellen Kurven rutschte sie hinten weg, lief ab und zu mal gegen Möbel und eierte beim Spaziergang durch die Gegend. An Agility, ihre Lieblingssportart die sie super beherrscht, war und ist im Moment nicht zu denken. Sie findet keinen Absprung, rennt überall vor und kann ihre Bewegungen nicht koordinieren. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. Letzte Woche zeigte sie Angstverhalten bei der Begegnung mit 2 Hunden. Absolut ungewöhnlich für sie, die immer fröhlich und frei auf andere Hunde zuging. Wir hoffen sehr, dass auch diese Nebenwirkungen wieder verschwinden und keine anderen hinzukommen. Zu Beginn der Dosierung war sie unendlich müde und lustlos. Kein Hunde konnte sie zum spielen auffordern sie wirkte richtig depressiv. Wo war da unser immer aktive, fröhliche und zu stundenlangem Spiel aufgelegter junger Hund? Das ging zum Glück nach einigen Wochen wieder weg, aber dann kamen leider auch wieder die Anfälle. Seit der Verdoppelung der Dosierung ist sie seit 3 Wochen anfallsfrei, aber die Angst ist da, das es bald wieder losgeht, dass sie vielleicht zu den 40% der Hunde gehört die sich nicht einstellen lassen. Dann ist es irgendwann vorbei, dann wird sie Serienanfälle bekommen, aus denen sie nicht mehr allein rauskommt, bei denen Gehirnzelllen absterben und aus denen man sie dann erlösen muss. Eine Horrorvorstellung die schreckliche Angst macht…
Leider sagt die Statistik, dass nur 30% der Epihunde nach der Medikamenteneinstellung anfallsfrei werden, bei weiteren 30% erreicht man eine geringer Anfallshäufigkeit und/oder kürzere Anfälle und 40% der Hunde sind überhaupt nicht einstellbar.

Ich möchte mit diesem Bericht klarmachen, wie furchtbar Epilepsie ist und wie sie das Leben beeinträchtigt. Ich möchte damit erreichen, dass Züchter, Besitzer und.... ja eigentlich alle, die sich mit Zucht und Haltung von Samojeden/Nordischen Hunden beschäftigen, nachvollziehen können, was für ein Leid dahinter steckt. Ich möchte auch sensibel dafür machen, was das für eine qualvolle Angst auch für den Besitzer ist, der nie weiß, ob sein Hund diesen Anfall übersteht. Und.... das bei jeder Wahl der Elterntiere, egal bei welcher Hunderasse, ein großes Augenmerk auf die Epilepsie gehören sollte. Das Leid des Hundes, der im Anfall selber davon nichts mitbekommt, besteht im Danach. Er kommt zu sich, hat furchtbare Angst, er weiß nicht, wo er sich befindet, wer die Personen und die Hunde um ihn rum sind, er weiß nur, dass etwas Schlimmes passiert ist. Diese weitaufgerissenen Augen, die einen angstvoll und hilfesuchend ansehen...... Dieses hektische Umherlaufen, fiepen, alles beschnüffeln, um sich neu zu orientieren. Dieser große Durst und Hunger einiger Hunde. Und dann die grenzenlose Erschöpfung, die sehr lange anhält, je nach Schwere und Dauer des Anfalls. Der Tierarzt sagt damals man müsse sich vorstellen der Hund absolviere einen Triathlon unter Vollgas. Und der Besitzer.....Er kann nicht helfen, außer so viel Ruhe wie möglich zu vermitteln und hoffen, dass Herz und Kreislauf die enorme Anstrengung eines Krampfes aushalten, dass die Zunge nicht in den Hals rutscht und der Hund qualvoll erstickt, dass es der einzigste Anfall war und dann noch froh sein, dass es zuhause passiert ist und nicht auf dem Spaziergang oder beim Spiel mit fremden Hunden. Dann nicht die Hoffnung zu verlieren, dass es mit der Einstellung klappt, das kann Monate dauern und auch Dosierungserhöhungen und Wechsel der Medikamente sind oft nötig, was dann zu erneuten und/oder anderen Nebenwirkungen führen kann mit denen der Hund und die Besitzer dann fertig werden müssen. Dazu die Kosten für die meist lebenslang nötigen Medikamente…

Neben der Sorge um den Hund, vielen schlaflosen Nächten weil man aufschreckt wenn der Hund Geräusche macht und denkt es wäre wieder ein Anfall und der Planung der Alltags mit einem Epihund ist man auch bei diversen Aktivitäten eingeschränkt: Eine Einladung zum Grillen: ja gerne, darf der Hund mit damit er am Abend pünktlich seine Tabletten bekommen kann? Wenn das nicht geht müssen wir leider absagen.
Ein großes Fest wo der Hund nicht mit kann: wo lassen wir ihn in der Zeit? Kann man jemandem die Betreuung und das mögliche Miterleben eines Anfalls zumuten? Ein Kinobesuch: passt das zeitlich mit der Tablettengabe?

Liebe Züchterkollegen und Samojedenbesitzer, hört auf die Krankheit zu ignorieren und abzutun als Einzelfälle. Wie schnell wird daraus mehr, man weiß es doch von den Border Colllies, Aussies, Sennenhunden, Retrievern…. Epilepsie kommt in jeder Rasse vor, auch mir war das neu.
Jeder kann in die Lage kommen, einen solchen Hund zu haben, ich wünsche es niemanden. Das gleiche gilt natürlich für alle anderen Krankheiten die erbliche bedingt sein können auch. Auch die ersten Fälle von schwerer HD und Katarakt sind vor Jahrzehnten als Einzelfälle abgetan wurden, was bei den meisten Rassen daraus wurde hat man dann ja bemerkt und entsprechende Zuchtprogramme entwickelt. Es hat aber Jahre gedauert, bis die anfingen zu wirken. Warum muss das Kind erst in den Brunnen fallen bevor man ihn sichert?

Kein möglicher Epiträger, oder Epileptiker darf in die Zucht, dazu ist die Krankheit für alle Beteiligten zu schlimm. Die Gefahr der versteckten Verbreitung ist auch dadurch gegeben, dass die primäre Epilepsie zu 50% zwischen dem Welpenalter und 5 Jahren auftritt, zu 50% aber auch bis zu einem Alter von 10 Jahren.
Auch schwere HD und Augenkrankheiten sind schlimm für Mensch und Hund aber da kann man heute sogar operieren und die Hunde und Besitzer haben danach eine gute Lebensqualität. Ein medikamentös nicht einstellbarer Hund (40% aller Betroffenen Hunde!!!) wird schnell sterben. Das Gehirn merkt sich jeden Anfall und die Bereitschaft wieder zu krampfen steigt mit jedem Anfall, das ist wissenschaftlich bewiesen.

Liebe Züchter, denkt gut darüber nach, ob ihr so ein Leid jemanden zumuten könnt wenn Ihr eine Verpaarung mit einem Hund macht der möglicherweise Epiträger sein kann. Denkt darüber nach, was Euch bei der Hundezucht wichtig ist, worum es euch dabei geht. Ich hoffe im Namen aller zukünftigen Welpenkäufer das es euch allen wirklich am vordergründigsten um die Gesundheit der jeweiligen Rasse geht die ihr züchtet und nicht ums Prestige. Hört auf damit schlechte Gesundheitsbefunde nicht zu melden. Ihr habt aus züchterischer Sicht das Beste gemacht, wenn ihr vor einer Verpaarung alles abgeklärt habt was die Gesundheit der Vorfahren angeht die Ihr verpaaren wollt. Diejenigen die Befunde zurückhalten, die Infos anderen Züchtern, dem Verband bewusst nicht mitteilen und einfach weiterzüchten wie bisher, die müssen ein schlechtes Gewissen haben, nicht ihr, die ihr ehrlich seid.

Wer den Mut hat kann sich hier den 3ten Anfall von Gjoya ansehen. Das Video zeigt die letzten Krampfsekunden und die starke Bewusstseinsstörung danach. Und stellt Euch einfach beim ansehen mal vor, es wäre Euer Hund der da einen epileptischen Anfall hat.

http://www.youtube.com/watch?v=sBIqyGUgeWI

Hier einige interessante links zum Thema Epilepsie zum Ansehen und Nachlesen:

http://www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-115.php
http://www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-116.php
http://www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-117.php
http://tierneurologie.de/download/artikel/krampfanfaelle1.pdf
http://www.tierneurologie.de/download/artikel/krampfanfaelle2.pdf
http://www.tg-tierzucht.de/hzucht/publikation/epilep.pdf
http://epilepsie-beim-hund.de/schwartz_porsche_startseite.phtml
http://www.of-kiyaras-wolf-pak.de/seiten/epilepsie.htm

Und hier die Infos der Uni Bern über die Epiforschung. Dorthin sind Blutproben von Gjoya, ihrer Muter und 9 weiteren Verwandten gegangen. Der Aufwand dafür ist relativ gering und die Kosten belaufen sich auf 10-20,-€. Jede Probe eines erkrankten Hundes und seiner gesunden Verwandten kann helfen einen Gentest zu entwickeln, wenn vielleicht auch erst in einigen Jahren. Die Proben werden eingefroren und können somit auch lange nach dem Tod eines Hundes noch bei der Forschung helfen. Die Uni Bern arbeitet eng mit der Uni Helsinki, der Uni München und weiteren Experten zusammen.

Infos und Austausch mit anderen Besitzern von Hunden die Epilepsie haben findet man unter Anderem hier:

http://epilepsie-netzwerk.foren-city.de

Über einen Austausch mit den Besitzern von Nordischen Hunden die Epilepsie haben würde ich mich persönlich sehr freuen: meronhlare@gmx.de

Anja Kläne, mit Episamojede Gjoya von Meronhlare (3 Jahre alt) , 08.07.2010
www.samojedenonline.de

 

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