… dann wurden ’s wieder vier!
Die portugiesische Hexe (ehemals Nina) zieht zu den Wahl-Bayern.

Es war nicht geplant, Ruby auf ihre alten Tage nochmals zu vergesellschaften; wenngleich sie öfter einen eher traurigen Eindruck machte. Schließlich hatte sie bis zu Rays Tod ihr Leben lang mindestens einen ‚Fell-Kumpel‘ an ihrer Seite.

Aber als der Hilferuf für Nina auf der Homepage der Polarhunde-Nothilfe erschien, tagte der ‚Rudelrat‘ in unserem Zuhause.
Ruby ist gesundheitlich stabil und mittels Tabletten auch schmerzfrei und immer noch zweimal täglich an ihrer Runde interessiert. Und die ersten Wochen von der nun in Deutschland angekommenen Nina standen wohl nicht unter einem guten Stern. Wir können ganz gut mit der Diagnose Krebs umgehen, nachdem Ray nun auch diesen aggressiven Darmkrebs hatte, der nach der OP nie wieder ausbrach und ihn auch nicht das Leben kostete. Die Beschreibung Ninas ließ erwarten, dass der Alltag der beiden Fell-Damen gemeinsam ablaufen könnte und Nina zu den Hunden gehört, die auch ohne Partner auf vier Pfoten leben kann, wenn dann die Situation kommt.

Aber das Entscheidende war, dass mein Bauch sagte, das passt für uns Vier und wir bekommen das hin. Zumal ich gerade in der komfortablen Situation war, noch 6 Wochen frei zu haben. Wir bewarben uns als Familie für Nina.
Nach zwei spannenden Tagen kam der Anruf, ich könne nun gen Norden agieren.
Und am nächsten Tag war ich bereits auf der Autobahn, nachdem ich daheim noch das 2. Hundebett aufgestellt und alle Vorbereitungen getroffen hatte.

Im Norden durfte ich dann erst mal drei wunderbare Frauen kennenlernen, die für Nina gesorgt hatten. Und Nikita, Amarok und Blue, über die ich bisher nur in der Web-Seite gelesen hatte, standen plötzlich live vor mir. Einfach tolle Hunde!

Und dann kam SIE ins Spiel und innerhalb von Sekunden war klar, der Ausdruck dieser Hündin ist - wie bereits anhand der Bilder vermutet – der einer „richtigen Hexe“, die mit ihrer Art jeden um den Finger wickeln kann. So sollte sie fortan gerufen werden. Nach einem wunderschönen Abend ging es dann am nächsten Morgen wieder auf die Autobahn Richtung Bayern, jetzt mit einem Beifahrer auf vier Pfoten. Ich hatte noch nie einen solch angenehmen. Ich fuhr - wann immer es ging - 200 km/h und Hexe schlief tief und entspannt angegurtet auf dem Rücksitz.

Es war ein langer ereignisreicher Tag für Hexe. Nach der langen Fahrt ging es direkt zu unserem Tierarzt, die Fäden ziehen. Zur Begrüßung piselte sie ihm dabei gleich mal ins Gesicht. Danach ging‘s zu Trainerin unseres Vertrauens ins Freilaufgelände, wo Hexe erstmals Ruby traf, die mit meinem Mann dorthin gekommen war. Als mein Mann Hexe sah, sagte er: “Die ist ja rundum kurz übersetzt, sie hat klaren Berg-Vorteil!“ Die halbe Stunde mit Ruby lief nicht schlecht, es sah nicht so aus, als könnten die beiden sich nicht riechen und ich war erleichtert. Konnte ich doch Ruby die lange Fahrt nicht zumuten, um sie mitentscheiden zu lassen. Dann fuhren wir endlich nach Hause. In der Garage angekommen konnte Hexe nicht zum Aussteigen bewegt werden. Ich brachte ihr Futter und Wasser in die Garage. Sie stieg aus, nahm ihr Abendessen und krabbelte sofort zurück auf die Rückbank. Mittels eines selbstgebackenen Hundekekses gelang es mir dann doch noch, sie ins Schlafzimmer auf ihr Hundebett zu locken. Sie schlief erstmal 10 Stunden durch. Und wie sie schnarcht! Nicht so laut wie mein Mann, aber beide klingen nicht schlecht nachts im Duett.Hexe am ersten Tag

Am nächsten Morgen nach unserer gemeinsamen Runde und getrenntem Frühstück inspizierte sie erst mal den Garten und legte sich dann auf die Terrasse. Endlich zuhause, hier bleib ich!

Und ich tappte voll in die Verständnisfalle!
Einerseits hatte ich Verständnis für Hexe, die in den letzten Wochen die Kilometerleistung eines Vielfliegers auf ihr Fell bekommen hatte, zwischendrin mal eben operiert wurde und mittlerweile bei den 3. Menschen gelandet war.
Andererseits hatte ich Verständnis für Ruby, die in den letzten Jahren das Zepter in Haus und Garten in den Pfoten hielt und nun auch nicht mehr die Jüngste ist.
Ich beobachtete die zwei genau. Ruby agierte auch etwas unverschämt mit ‚Kopf auflegen‘, ‚alles meins‘ und so. Hexe ließ sich aber nichts gefallen. Ich griff verbal in die hochkochenden Konflikte immer in Richtung Verursacher ein. Die bereitgestellte Wasserspritze musste ich nicht einsetzen. Als es dann allerdings nicht mehr nur um Liegeplätze ging, sondern auch um den Platz an meiner Seite, wusste ich nicht mehr, wie ich richtig damit umgehen soll. Und einen schwer reparablen Fehler wollte ich auch nicht machen. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen. Ich roch ja schon nach Stress bei dem ständigen Zicken-Krieg!!!!!

Ich bat wieder unsere Trainerin um Hilfe in Haus und Garten. Denn dass es darum ging war eindeutig. Draußen können die zwei ins gleiche Mauseloch schnuffeln, ohne zu maulen. Katrin kam am nächsten Tag zu uns, beobachtete uns drei genau und hielt mir dann erstmal den Spiegel vor. Das Problem lag – wie so oft – am anderen Ende der Leine, nämlich bei mir. Es gab viel für mich zu lernen:

1. Die zwei haben Klärungsbedarf und ich kann die Klärung in keiner Weise beeinflussen. Je länger ich eingreife, desto heftiger wird die Klärung ausfallen, wenn ich dann mal außer Haus bin.
2. Keiner wird bevorzugt! (Da war ich wohl einer Mähr zum alteingesessenen Hund aufgesessen )
3. Wenn der Streit um mich geht, dann ziehe ich mich raus.
4. Wenn ich nicht bald wieder souverän werde, können die zwei mich nicht als zuverlässigen ‚Rudelmanager‘ sehen.
Wieder mal war bestätigt, dass Hunde-Training eigentlich Menschen-Training ist. Deshalb ist es ja so wichtig, dass man einen Trainer in der Nähe hat, von dem man etwas annehmen kann. Ich bin froh, dass ich dieses Glück habe!

Kaum war ich mit den Zweien wieder eine Stunde alleine, verzogen sie sich hinter die hohen Grasbüsche. Ich schraubte meinen Hintern auf dem Sitz fest und peilte durch die Büsche. Es wurde laut und ein Fellknäuel wälzte sich am Boden, wobei ich nicht erkennen konnte, wer oben oder unten war. Nach kurzer Zeit kamen die zwei ‚Weibersleut‘ wieder zwischen den Büschen zum Vorschein. Ruby hatte ein Fellbüschel an der Backe hängen und Hexe humpelte kurz.
Die erste Klärung war durch: laut, kurz und unblutig! Ich konnte wieder durchschnaufen, mein Verspannungs-Knoten war geplatzt und mir ging es plötzlich richtig gut. Jetzt konnte endlich der entspannte Alltag beginnen!

Und der macht mit den zwei Fell-Damen richtig Spaß.
Hexe ist ein toller Hund! Sie lernt schnell, wenngleich sie als typischer Husky natürlich beim nächsten Mal nachfragt, ob sie richtig verstanden hat? Dann reicht ein Anheben der Augenbraue und sie setzt um.
Sie kann schon anständig die vielen Treppen laufen und springt sie nicht mehr hoch. Ich glaube, sie hat davon schon ganz schön Muskelkater .
Wir starteten das Programm, ‚wie tausche ich Speckröllchen in Muskeln um‘. Sie walkt mit mir 3 Mal wöchentlich eine Sonderrunde, wobei sie erstmal nur einen Kilometer schaffte. Das Ziel liegt bei 8 km, naja mit 4 bin ich schon mal zufrieden und mit langsamer Steigerung wird das schon klappen. Laufen mit HexeDie Schlenderrunden mit Ruby gefallen ihr aber viel besser!

Sie schläft nachts durch und steht morgens erst auf, wenn ich sie rufe (aber dann schnell zum Püschern!). Sie schläft auch tagsüber länger als Oma Ruby und träumt sehr viel. Ich denke, sie hat eine Menge zu verarbeiten und schläft sich erst einmal gesund.
Wenn ich in der Küchenzeile mit Essen hantiere, müssen die zwei aus meinem Bereich weichen, aber anschließend gibt es den Job ‚Becher spülen‘. Das kann sie super!Hex in der Küche
Nur beim Spiel im Tunnel ist sie noch etwas zurückhaltend.

Spiel im Tunnel

Und Pfoten putzen nach den Runden gehört seit dem ersten Tag zu den Regeln. Es ist Hexe noch etwas unangenehm, das braucht Zeit und Vertrauen. Jeden 2. Tag darf ich auch eine Tüte Fell aus ihr herausbürsten. Eigentlich müsste sie schon längst ‚nackig‘ sein.Fellpflege
Ruby fühlt sich auch wieder wohler. Erstaunlicher Weise gibt sie nach, wenn Hexe ihr etwas untersagt. Täglich werden ein paar Kleinigkeiten zwischen den Zweien geklärt. Ich lasse es zu, obwohl mir manchmal das Herz blutet, wenn mein altes Mädchen einen Liegeplatz abgeben muss. Aber Hexe hat wohl schon das Zepter – zumindest im Garten - übernommen und vielleicht bekommt es ja Ruby gut. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie die Nähe von Hexe schon genießt.Nähe
Ich kann den Zwist zwischen den zwei Fell-Damen sowieso nicht nachvollziehen, da es bei uns von allem, was Hund so braucht, genug für zwei gibt – inklusive Schmuseeinheiten.

Kampfschmuser?

Und Hexe scheint zur Gattung der Kampf-Schmuser zu gehören.Kampfschmuser!
Das Einzige, was zwingend getrennt werden muss, ist die Fütterung. Ruby frisst sehr langsam und Hexe sehr schnell, obwohl sie gut kaut. Kekse gehen gemeinsam, aber bereits an den Zahnputzlecker nach dem Hauptgang bin ich gescheitert. Nach 2 Wochen gab es eine wilde Keilerei, weil der Schussel Hexe einen Teil seines getrockneten Rindfleisches in einem Schlitz versenkt hat. Ich fand ihn nicht gleich, Ruby wollte da natürlich auch ran und so begann der Streit. In diesem Fall bin ich dazwischen gegangen, da ich ja gewissermaßen schuld war und der Lecker noch präsent. Jetzt ist es wieder gut und die Verhandlungen gehen wohl noch um die Vorrechte innerhalb des Hauses.

Wie auch immer die beiden sich arrangiert haben, nach 3 Wochen trat Entspannung ein. Hexe hat sogar einmal ihr Bett im Schlafzimmer verlassen und mit Ruby im Wohnzimmer übernachtet. Ruby hatte ihr Bett seit Rays Tod kaum mehr genutzt, aber seit Hexe im Schlafzimmer schläft, kommt auch sie fast jede Nacht wieder (das kann sie ja nun nicht auch noch aufgeben). Und als Ruby morgens zur Runde nicht gleich zum Geschirr anziehen kam, lief Hexe zurück zu ihr, so als müsse sie dafür sorgen, dass Ruby mitkommt. Ruby geht es jetzt wieder richtig gut. Sie hat mal wieder ‚Schwänzchen fangen‘ gespielt. Das gab es auch schon Monate nicht mehr. Und Hexe lebt wohl auch sehr gerne mit uns. Wenn wir morgens von der Runde zurückkommen, rennt sie meist wie angestochen durch den Garten, juchzt, quiekt und lacht über das ganze Gesicht. Aus menschlicher Sicht ist für mich nur nicht nachvollziehbar, warum Hexe Ruby einmal etwas verbietet und am nächsten Tag dasselbe großzügig erlaubt.
Aber die Hauptsache ist, dass beide meine Regeln konsequent befolgen . Ich glaube, den ersten Akt haben wir überstanden. Jetzt kann ich dazu übergehen, meine Abwesenheit langsam auszudehnen. Heute waren wir noch zum ‚check up‘ bei unserem ‚Viechdoktor‘ und haben die Abwehrkräfte-Therapie gegen den Krebs begonnen.

PS: Ruby, das zähe Mädchen, ist übrigens am 9. September 14 Jahre alt geworden. Ich glaube, wir haben ihr den Wunsch nach einem Fell-Kumpel für ihre alten Tage erfüllt.

Christiane, Uwe mit Ruby und Hexe

 

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