A-kima – die „Ungewollte“ - oder: Kristalle im Geröllfeld, man wächst mit seinen Aufgaben

Akima ist nun schon einige Zeit ein Mitglied unseres Rudels. Akima, welche über ein Jahr in der Station in Freudenstadt und danach noch 2 Monate auf einer Pflegestelle wohnen durfte.
A-Kima … aus einem Land, in welchem ein Leben nicht viel Wert ist … und das Leben eines Hundes schon gar nicht.

A-Kima

A-Kima … aus einem Land, das es zu einem traurigen „Rekord“ gebracht hat, denn in diesem Land befindet sich das größte Tierheim der Welt. Und das ist nur eines von den Tierheimen da. Ja, es ist wirklich, gemessen an der dort lebenden „Biomasse“, das größte: 3'500 Tiere. Man mache sich dies einmal bewusst: 3'500 (in Worten: dreitausendfünfhundert!)A-Kima Lebewesen! Fühlende, junge, alte, kranke, schöne und auch etwas unscheinbarere Individuen, befinden sich dort in einer Auffangstation in einer ehemaligen Pelztierfarm. Dimensionen, welche wir uns hierzulande nicht vorstellen können! Zuwendungen wie Streicheleinheiten für jedes einzelne Tier, auch wenn sich die Betreiber, da bin ich sicher, redlich Mühe geben, fallen schon aus Zeitgründen wohl ziemlich spärlich aus. Erkennen von Unwohlsein oder Erkrankungen innert nützlicher Frist wohl auch nicht …

Aus diesem Land kommt SIE: A-Kima!

Lange Zeit habe ich den Text zu A-Kima und die spärlichen 2 Bilder in ihrem Profil immer und immer wieder gelesen und angeschaut, da ein weiterer Teamgenosse zu uns kommen sollte. Irgendwie, auf ihre lustige Art sympathisch und doch - irgendwie schien sie - trotz ihres superdicken Pelzes sehr klein und grazil. A-Kima ein Rennhund? Und… warum ist ein so junges Tier, das zudem noch schön, verträglich und gesund ist soooo lange in der Vermittlung? Da muss doch irgendwo ein Haken sein! Vielleicht ist sie wirklich sehr klein? Es ist mir heute noch ein Rätsel!A-Kima

Und um es detaillierter zu sagen, noch ein grösseres Rätsel, da ich jetzt Akima kenne.

Auch für „Fun“-Bilder zu haben: A-Kima!

 

 

 

 

 

Bei der ersten Begegnung war ich mehr als skeptisch! A-Kima sah eher aus wie ein etwas dürrer Windhund. Ein sehr hübscher, lustiger Windhund. Sie legte sich wie ein Irrer in die „Wanten“ und ich musste feststellen, dass sie irgendwie ganz schlimm „keuchte“. Das muss nichts heißen, aber ein Rennhund, der „keucht“? Ich wurde immer skeptischer. Wohlverstanden, meine Sympathien gehen meist zu den älteren, handycapierten oder nicht ganz umgänglichen oder unscheinbaren Tieren. Jedoch zur Ergänzung des Rennteams, sollte es diesmal ein etwas jüngerer Hund sein, der relativ homogen in Art und Größe zum Rest des Teams passen sollte. Was, wenn sie ernsthaft ein Problem mit dem Atmen hat oder ähnlich?

A-Kima im Team

Aber was wäre das Leben, wenn man sich nicht Herausforderungen stellt? Langweilig! Also wurde das „Kimeli“ mit, ich gebe es unumwunden zu, gemischten Gefühlen meinerseits, kurzerhand eingepackt und los ging es Richtung Heimat. Von den Pflegeeltern gab es Anleitung zum Wesen, ihr Lieblingsspielzeug und etwas Futter mit, zur Überbrückung. Danke an die Pflegeeltern, für den liebevollen Umgang mit A-Kima, zu denen wir noch immer ab und zu Kontakt pflegen.

A-Kima liebt auch Komfort

A-Kima hat auch Sinn für Komfort.

Akima entpuppte sich, wie schon so einige Hunde von der NfP als Überraschungspaket. Mit zunehmendem Training und steigender Kondition, wurde dieses „schnorcheln“ oder „keuchen“ immer weniger und weniger … Untersuchungen beim Tierarzt ergaben keinen Befund diesbezüglich, somit nahm ich „Kimeli“ ab sofort mit ins Rennteam. Ihr erstes Wagenrennen absolvierte sie mit Toya (ein Kaspar Hauser-Hund aus der NfP) und Luzyfer (auch ein second Hand Hund…) nahe Bern. Ein Rennen, das alles bietet … Dreck, Auenlandschaft nach tagelangem Regen, leichtere Passagen, aber auch strenge Matschstrecken … Und was soll ich sagen? Sie haben in der 4-Hunde-Klasse zu 3. das Feld gerockt!

RennenRennenGespann

Mainleader Toya (ja, DIE Toya, der „Kaspar-Hauser“ Hund), hinten links das Kimeli.

Und hier will ich auch die anderen „Küchenterroristen“ ins Spiel bringen, die, auch von der NfP schon länger mit uns gehen. Es sind dies namentlich Toya „Duracell“ und Nanook „Nüggi“ Sparkling Eyes.

Training

Nanook, eigentlich als „Anhängsel“ zu Toya übernommen, entpuppte sich (wie bereits berichtet) als ausgesprochen zuverlässiger Kommandoleader! Wer denkt, dass man so etwas einfach so findet irrt. Der sprichwörtliche „Kristall“ im Geröllfeld! Nuggi hat das Team immer zuverlässig an allen und allem vorbeigeführt. Souverän hat er die „Newbees“ angelernt und korrigiert … Leider macht das Alter vor keinem halt. Auch für Nuggi nicht. Er ist zwar topfit, er marschiert in zügigem Tempo und auf Zug, jeden Tag noch seine 20 km. Ich habe aber gemerkt, dass er zwar noch sehr gerne läuft und zieht, aber im Team macht es ihm nicht mehr so richtigen Spaß. Er spürt, dass er das Tempo der Jungspunde, welche hinter im laufen, nicht mehr konstant halten kann, auch wenn es nur Trainingstempo ist, und das gefällt ihm nicht, er fühlt sich irgendwie in seiner Autorität untergraben. Somit sagte er mir ganz klar: ich will schon, aber bitte nicht mehr mit dem Team. Sein letztes Rennen bestritt er im Herbst 2013 in der „Opaklasse“ am Roller. Er war wohl der 2.älteste Hund und hat sich in einem Feld von 15 Teilnehmern in offener Klasse wacker auf den 6.Platz gerannt.

Nüggi

Man beachte: alle 4 Pfoten sind in der Luft! Er marschiert auch jetzt noch ganz ordentlich, der liebe, alte Nüggi.

Da nun dieser wertvolle Leader fehlte, war ich sehr verunsichert, denn ich konnte mich 110 % auf Nüggi verlassen … wer sollte Mainleader werden? Toya? Sie war die einzige die vorne mit Nuggi als Co-Leader lief. Unmöglich, so dachte ich. Die packt das nicht! Ein autistischer Hund? Ein Hund, der sich schwertut, wenn er einmal in eine andere Box muss, als er es gewohnt ist? Der in einen schier unüberwindbaren Konflikt kommt, wenn ein anderer auf seinem Sessel liegt? Ein Hund, der nicht weiß, was er tun soll, wenn irgendein Ablauf, den er gewohnt ist, anders gestaltet wird? Nun, leider blieb mir keine Wahl und aus der Not musste ich eine Tugend machen: Toya wurde zusammen mit der jungen, rebellischen und noch unerfahrenen Azubin Luzy an den Roller gespannt. Die Trainings gestalteten sich gar nicht übel und so entschied ich mich, ein Rollerrennen mit den beiden, hauptsächlich als Training zu absolvieren, um so zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Würde Toya das ganze Brimborium verkraften? Wie würde sie auf die Paneele, die Flatterbänder und das Klatschen der Zuschauer reagieren? Wird sie Angst haben vor den Lautsprechern und dem Starter? Und dann hatte ich am Renntag auch noch einen Hexenschuss … ich konnte somit den Hunden nicht helfen, wenn es nötig wäre, konnte nur mehr wie ein Stock auf dem Scooter stehen. Aber was soll ich sagen: man wächst mit den Aufgaben und manchmal geht probieren eben über studieren! Wir wurden am 1. Rennen für Toya und Luzy am Scooter 2. in der offenen Klasse! Mit 3 Hundertsteln etwa im Abstand zum 1. Platzierten, der keinen Hexenschuss hatte (notabene!). Toya, die Autistin und Luzy, der knapp 12 Monate alte Newbee haben sich fantastisch geschlagen! Trotz Dreck, Matsch, Lärm und allem drum und dran. Sie haben mehrmals souverän überholt, die Flatterbänder ignoriert, die Streckenposten und die Fotographen links liegen gelassen. Ich bin stolz auf die beiden! Und was bin ich froh, dass Toya von dem Platz, wo sie als erstes platziert war, wieder in die NfP zurückkam und ich sie kennenlernen durfte! Was für ein Potential hier evtl. nicht erkannt worden wäre …

Urlaub im Schwarzwald

Urlaub im Schwarzwald:

Rennen

Hier das erste Rennen Toya/Luzy (man achte auf die perfekte Laufkongruenz!):

Von nun an war Toya der Mainleader. Toya hat sich permanent weiterentwickelt. Hat sie sich am Anfang noch von den Youngsters zur Seite ziehen lassen und nachgegeben, korrigiert sie diese aus und steht vorne wie angenagelt. Sie hat enorm an Selbstwert gewonnen. Wenn sie laufen kann, vorne und so, wie sie es mag, ist sie in „ihrer“ Welt. Denn das ist ihre Welt in der sie sich sicher fühlt!

Ich mag nicht sagen, der und der Hund hat den und den Rang … das ist in solchen Haushund Konstellationen immer schwierig, resp. situationsbedingt und schließlich sollte es nur einen „Oberbären“ geben: mich!
Aber innerartlich genießt Toya einen enormen Respekt, auch weil sie sich auf nichts einlässt, bzw. wenn, dann ist es fürs Gegenüber nicht gerade angenehm. Wenn sie Paroli bietet, dann ist sie es todernst: und das sitzt. Überhaupt respektieren sich alle Hunde im Rudel. Ich bin überaus dankbar, dass es so ist, denn alle leben ums und im Haus, wie sie gerade lustig sind. Mal liegen sie zusammen, mal jeder für sich alleine. Durch genaues Beobachten werden potentiell mögliche „Eskalationen“ von mir im Keime erstickt und das hat sich bewährt. Ich bin froh, nicht irgendwie Hunde abtrennen zu müssen. Das macht mich immens glücklich und die Hunde auch.

Seebachtal-Tour (ab und an werden auch mit Sprinthunden Mitteldistanzen bestritten):

Seebachtal-Tour

(Single Mainlead: Toya aka „Duracell“, Point/Team: Kimeli und Lüzy, Wheel: Opa Nüggi und Püscheli Kyra aus Ungarn)

Die Küchenterroristen haben immer mal Zuwachs bekommen und sind mittlerweile auf 9 Mitglieder angewachsen. Da kam Kyra, eine an sehr kurzer Kette gehaltene, sehr junge Siberian Hündin aus Ungarn, die aufgrund der fehlenden Muskulatur kaum laufen und die man kaum anfassen konnte, sowie Luzy(fer) auch eine sehr junge Siberian Hündin aus einer Abgabe durch Überforderung der Halterin, dazu. Als letzte kamen Ylva und Nymeria aus Frankreich und Bubbles aus Deutschland zu uns.

Das „Trio Infernal“ an Dreckrennen in der Schweiz (zwecks Training):

Dreckrennen in der SchweizRennen in der Schweiz

Ist es nicht toll, das „Kimeli“ ?

Toya hat sich zum „Duracell“ Renner entwickelt. Sie ist blitzschnell und äußerst ausdauernd. Ein Glücksgriff! Hier lassen sich die Gene nicht verleugnen und diese Hunde sind so glücklich zu tun, wofür sie geschaffen sind: laufen! Das möchte ich immer wieder betonen: es ist nicht tierschutzrelevant Hunde anzuspannen und Rennen zu bestreiten, allerdings immer unter dem Aspekt der Fairness, des adäquaten Trainings und wenn es den Hunden Spaß macht.

Huskys

Tramelan (sehen Sie nicht glücklich aus?):

Toya

Zur Erinnerung, so war Toya in der ersten Zeit, sprechen die heutigen Bilder nicht Bände?

Es gibt auch Hunde aus dem Tierschutz, die gerne Schlittenhunde sind und mit Freude und Feuer Zugarbeit leisten! Und wenn sie nicht laufen, dann genießen sie die Sonne, den Garten und Spaziergänge..

Viele liebe Grüsse

Für alle Kristalle

 

 

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