ER hatte keine Chance, aber diese nutzte er

Obelix

Dies ist keine Geschichte im eigentlichen Sinne, sondern die Aneinanderreihung der updates fürs Internet während der 21 Monate, die Siberian Husky Rüde Obelix über den Verein Nothilfe für Polarhunde e.V. zur Vermittlung stand.

Vorab stellen wir einige Erklärungen, da sich sonst diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Husky-Welpen anzuschaffen, spätestens nach dem Lesen von „Die Ausgangssituation“ fragen würden, was diese Fundhund-Geschichte denn mit dem Erwerb eines Welpen zu tun haben soll.

Natürlich können wir Ihnen nicht sagen, ob Obelix geboren wurde, weil zwei Husky-Besitzer nicht „aufgepasst“ hatten während der Läufigkeit der Hündin oder ob er dem menschlichen Bedürfnis entsprang, von einem hübschen, liebenswerten Rüden oder einer ebensolchen Hündin auf jeden Fall Nachkommen zu haben und daher ein entsprechender Geschlechtspartner gesucht wurde. Vielleicht wurde Obelix ja auch ganz simpel bei einem Vermehrer geboren? So oder so – herausgekommen ist ein nicht gesunder Hund, der zusätzlich noch die Hypothek mit auf seinen Weg bekam, in Welpentagen wenig Umwelterfahrung gesammelt zu haben und viel zu früh von seinen Wurfgeschwistern und der Mutter getrennt worden zu sein.

Möglicherweise werden Sie als potentieller Welpen-Käufer am Ende denken „so schlimm muss es ja nicht kommen“ – da haben Sie natürlich Recht und daher sollte Obelix Geschichte auch diejenigen, die einen Tierschutzhund aufnehmen wollen, nicht abschrecken. Denn wenn man die Entwicklung von Obelix Verhalten während der Monate verfolgt, ist dies eine wirkliche Erfolgsgeschichte, nämlich die Geschichte einer erfolgreichen Resozialisierung.

Dennoch sollten mögliche Welpenkäufer überlegen, wo Sie Ihren zukünftigen Welpen erwerben, im Idealfall natürlich beim verantwortungsbewussten Züchter, der auch solides Grundwissen in Genetik hat und die Hundewelpen möglichst perfekt sozialisiert.
Denn wie werden Sie damit umgehen, wenn der von Ihnen auf Grund einer Klein- oder Internetanzeige irgendwo, schlimmstenfalls auf einem Parkplatz, übernommene Welpe ganz oder teilweise ein „Obelix“ ist?

Unser Obelix verursachte ohne Vorstellung zur Beratung wegen einer Lefzenkorrektur, ohne Entwurmungen und ohne Parasitenschutz Tierarztkosten in Höhe von rund 2.550,-- Euro – in 21 Monaten! Hätte ihn die Hundeschule nicht im Rahmen ihres Tierschutz-Engagements kostenfrei trainiert, wären hierfür noch einmal mehr als 500,-- Euro angefallen – wären Sie bereit dies und möglicherweise noch mehr für den von Ihnen günstig erworbenen „Obelix“ aufzubringen?
 

Die Ausgangssituation (20.02.2006)

Anfang Dezember 2005 wurde Obelix gefunden, linksseitig fehlte ihm bereits die Lefze zu einem großen Teil – was auch immer geschehen sein mag (vermutlich eine Beisserei), es muss lange zurück liegen. Zudem wurden bei ihm Zirkumanaldrüsen-Tumore festgestellt, die Anfang Februar 2006 noch im Tierheim operiert wurden, zeitgleich wurde er kastriert, da diese Art Tumoren hormonabhängig sind. Schon vorher in schlechter Verfassung, setzte dieser Eingriff Obelix sehr zu und so wandten sich die das Tierheim betreuenden Tierschützer an die Nothilfe für Polarhunde e.V. Noch geklammert und mit zwei zwischenzeitlich entstandenen Analfisteln kam der vollkommen ausgezehrte Obelix im Februar 2006 auf eine Pflegestelle des Vereins.
 

Update 22.Februar 2006

Der erste Eindruck von Obelix war erschreckend und so wurde er schleunigst dem Tierarzt vorgestellt. Mit 16 kg ist der Rüde absolut untergewichtig, er verfügt über keinerlei Muskeln, was in Anbetracht der relativen Kürze des Tierheimaufenthalts natürlich Fragen zur früheren Haltung und dem dortigen Auslauf aufwirft.

Mit Hilfe einer Kurz-Narkose wurden die rund zwanzig OP-Klammern entfernt, dabei wurde festgestellt, dass sich zwei Analfisteln gebildet haben, die nun bis zur Abheilung täglich behandelt werden müssen. Das war zeitlich leider so umfangreich, dass die geplante Röntgenaufnahme der rechten Hüfte und des rechten Hinterbeines nicht mehr gemacht werden konnte, der Patient war bereits zu wach.

Obelix dreht das rechte Hinterbein beim Laufen insgesamt nach außen, besonders jedoch unterhalb des Kniegelenkes, welches instabil erscheint. Durch die fehlende Bemuskelung belastet Obelix derzeit ausschließlich Bänder und Sehnen bei Bewegung.

Klären müssen wir auch noch, ob sein häufiges Niesen von dem durch das Narbengewebe etwas verschobenen, aber an sich intakten Nasenspiegel herrührt oder ob er an irgendeiner Infektion der Atemwege oder einer Allergie leidet. Das Blutbild gab dazu keinen Aufschluss, deutet jedoch auf Parasiten- bzw. Wurmbefall hin, was behandelt wird.

Obelix ist ein sehr freundlicher, menschenbezogener Rüde, sehr verschmust und etwas albern, erste vorsichtige Altersschätzungen gehen von etwa 3 – 6 Jahren aus. Die fehlende Lefze ist ein Handicap, aber kein Problem, bei der Nahrungsaufnahme oder beim Trinken behindert ihn das nicht.


Update 15.März 2006

Obelix ist mittlerweile gründlich tierärztlich untersucht und wir haben sowohl günstige wie auch ungünstige Ergebnisse erhalten.
Sehr gefreut haben wir uns für ihn, dass die röntgenologische Untersuchung weit besser ausfiel als erwartet, Wirbelsäule und Hüfte sind in Ordnung. Ein Wirbelkörper ist zwar verändert, wird Obelix so jedoch keine Schwierigkeiten bereiten. Im Bereich des Fußwurzelgelenks des rechten Hinterbeins fanden sich Hinweise auf einen früheren Bruch, um das Gelenk herum ist eine Gewebeverdichtung auf dem Röntgen darstellbar, bisher keine Arthrose. Da das Gelenk deutlich Spiel hat, gleicht Obelix dies vermutlich durch das Drehen des gesamten Beines aus, wir hoffen, mit zunehmender Bemuskelung hier etwas Stabilität zu erreichen.
Obelix, ganz Husky
Die Rhinoskopie (Spiegelung) der Nase zeigte, dass die oberen Atemwege intakt sind, die Schleimhäute sind (wie an Lefze und After auch) zu trocken. Es gibt keine Verbindung (Fistel oder ähnliches) von den Atemwegen zur Mundhöhle. Seine freiliegenden und daher ungeschützten Zähne bedürfen erhöhter Aufmerksamkeit, ein 1er im Oberkiefer fehlt, 2er und 3er sind verdreht und das Zahnfleisch ist zurückgegangen, der Zahnhals des 3ers liegt bereits teilweise frei. Das gereizte Zahnfleisch wird sich, da vorhandene Beläge entfernt wurden und nun regelmäßiges Zähneputzen Pflicht ist, hoffentlich bald beruhigen. Die Ränder der fehlenden Lefze und der Nasenspiegel müssen täglich gecremt werden, um den durch die Trockenheit vorhandenen Reiz auszugleichen.

Eine der beiden Analfisteln ist abgeheilt, an der anderen arbeiten wir noch.

Obelix hat dank Vitaminpräparaten einen überaus gesunden Appetit entwickelt und da er trotz aller Fresserei nicht wirklich zunimmt, haben wir eine Kotuntersuchung durchführen lassen. Das Ergebnis zeigte, dass die Bauchspeicheldrüse nicht einwandfrei arbeitet, Obelix kann das Futter derzeit nicht so verwerten, wie er sollte. Abklären müssen wir nun, ob es sich um ein akutes oder chronisches Bauchspeicheldrüsen-Problem handelt.
 

Eine Wohltat für die geschundene Hundeseele

Sicher ist mittlerweile, dass Obelix ein recht junger Hund ist, eher drei bis vier Jahre, denn älter. Er ist ein sehr gutmütiger Hund, der eine enge Bindung zu den Menschen eingeht – zumindest im Haus. Draußen ist Obelix dann ganz Husky – viel zu beschäftigt mit all den vielen tollen Gerüchen, Geräuschen und Eindrücken, um auch noch auf den Menschen am Ende der Leine zu achten, bestechlich ist er draußen kaum. Schwierig sind Begegnungen mit Artgenossen, er ist nicht rüdenverträglich.
 


Update 30.April 2006

Weitere zwei Wochen später, Obelix ist nun seit mehr als vier Wochen in unserer Obhut, wissen wir wieder ein wenig mehr.

Nach dem Ergebnis der Kotuntersuchung haben wir es einige Tage mit Diätfutter probiert, dabei nahm Obelix aber eher ab denn zu, obwohl er nicht unerhebliche Mengen verdrückte. So haben wir uns denn in Absprache mit dem Tierarzt entschlossen, ihm einmal versuchsweise Enzyme über den Zeitraum einer Woche zu zufüttern. Obwohl Obelix mengenmäßig etwas weniger verputzte, hat er uns nun endlich mal sichtbar zugenommen und knapp, ganz knapp die 18 Kilogramm-Grenze erreicht. Das ist natürlich noch einiges von seinem Endgewicht entfernt, aber den Bereich des massiven und bedrohlichen Untergewichts hat er damit verlassen. Mit Hilfe der Enzyme verbleibt die Nahrung länger im Verdauungstrakt und wird auch ausgenutzt, man merkt es deutlich an den verringerten Mengen der Endprodukte. Nun versuchen wir die für ihn richtige Dosierung zu finden, bei der die Bauchspeicheldrüse optimal unterstützt wird ohne über- oder unterfordert zu sein. Ob die Medikation ihn sein Leben lang begleiten wird, darüber können derzeit keine Aussagen getroffen werden.

Sein Fell hat, zumindest wenn es frisch gebürstet ist, wieder Glanz bekommen, sein Sommerfell ist eher wolfsfarben unscheinbar. Derzeit sieht er durch den Fellwechsel meist recht zerzaust aus, es ist eigentlich kaum fassbar, was so ein vergleichsweise kleiner Kerl an Unterfell von sich schmeißen kann.

Sein sonniges, freundliches Gemüt und seine Lebensfreude machen ihn, trotz des Unfugs, der ihn immer wieder einmal umtreibt, zu einem angenehmen Hausgenossen. Für einen Husky ist er recht laut und geschwätzig, hat zu vielem eine Meinung und gibt diese auch sehr redegewandt zum Besten. Sein Repertoire an Tönen ist sehr groß und zumindest die Tonfolge „spiel mit mir“ kann ein Mensch rasch wieder erkennen. Jederzeit ist er zu einem Spielchen mit seinen Menschen bereit, wobei er Männer bevorzugt. Aufhören würde er mit Spielen am liebsten gar nie nicht, auch einer der Gründe, warum es so schwierig ist, Gewicht an ihn hinzubringen. Das Ende einer Spielzeit muss Obelix mehrfach angesagt werden, so hartnäckig, wie er am Tisch bettelt zeigt er sich auch hier. Dabei ist er keineswegs eine „geborene“ Nervensäge, sondern eher ein wenig schwer von Begriff, möglicherweise weil er früher seinen Willen öfter doch noch durchsetzen konnte.

Ein Obelix, der begriffen hat, dass Mensch gerade keine Zeit zur Hunde-Unterhaltung hat, kann sehr ruhig und zufrieden auf seinem Platz liegen, so könnte er auch einen Job als „Bürohund“ annehmen.

Obelix als Bürohund
 


 

Update 15.April 2006

Am 18. Februar 2006 wurde Obelix in einer Pflegestelle untergebracht, er ist nun also acht Wochen beim Verein Nothilfe für Polarhunde e.V.

In den letzten beiden Wochen hat unser „Gispel“ ein weiteres Kilogramm zugenommen und bringt nun stolze 19 auf die Waage. Er ist immer noch äußerst schlank, um nicht zu sagen, ein wenig zu dünn, aber er ist dank der Bauchspeicheldrüsen-Enzyme auf einem guten Weg.
Obelix hält AusschauSein Gangbild hat sich deutlich verbessert, da Obelix noch sehr jung ist, haben wir auch eine Hunde-Physiotherapeutin zu Rate gezogen. Diese ist zufrieden mit dem bislang erreichten, die Bemuskelung ist auf beiden Seiten bisher schön gleichmäßig erfolgt und uns wurde einiges an „Hausaufgaben“ mitgegeben. Denn unser Obelix könnte noch besser laufen, dazu müssten wir ihn aber überzeugen, die Reste seiner Schonhaltung auch noch aufzugeben. Übungen macht der Obelix gerne für Leckerchen, aber leichte Massagen findet er nur doof, viel zu wenig „Action“. Wir hoffen, dass er sich daran so gewöhnt wie ans abendliche Zähneputzen, da sitzt er mittlerweile freiwillig auf seinen Popo und wartet begeistert auf seine Zahnbürste mit der leckeren Hähnchen-Zahnpasta.

Schwierig ist nach wie vor sein Umgang mit Artgenossen, er ist mit Hündinnen nicht eigentlich unverträglich, aber hat sich so eine „Angriff ist die beste Verteidigung“-Strategie zu Recht gelegt. Insgesamt ist er sehr unsicher bei Begegnungen mit fremden Hündinnen, selbst die best sozialisierten sind irritiert ab seiner Optik und die weniger gut sozialisierten mit niedriger Reizschwelle attackieren ihn auch schon mal unvermittelt. Obelix reagiert daher seinerseits auf jedes auch nur im Ansatz vielleicht für ihn bedenkliche Verhalten einer Hündin, deutet vieles in seiner Aufregung falsch. So attackierte er auch völlig grundlos die sich auf der Durchreise befindliche alte Malamute-Hündin Julie. Bis deren Fahrkette fortgesetzt werden konnte, musste er streng getrennt untergebracht werden.
Mit der Hündin in der Pflegestelle ist er zwischenzeitlich fast ein Team, er tut sich sehr schwer, von ihr gesetzte Grenzen zu akzeptieren, seit einem letzten ernsthaften Zusammenstoss vor zwei Wochen ist aber Besserung zu erkennen.

Das Betteln am Tisch hat er nun endlich eingestellt, Sie erinnern sich vielleicht, er erwies sich auch hier als sehr hartnäckig.

 


Update 23.April 2006

Am Freitag, den 21. 04. 2006 wurde Obelix in einer renommierten Tierklinik vorgestellt, da sich in den letzten Wochen zeigte, dass manche Artgenossen von seiner Erscheinung irritiert sind, wirkt er doch von seiner Nicht-Schokoladen-Seite, als würde er die Zähne zeigen, manche Hunde reagieren darauf spontan aggressiv.
Der Klinik-Chef selbst hat sich den Lefzen-Defekt angesehen. Die Möglichkeit einer begrenzten Wiederherstellung sieht er als gegeben, hierfür sind jedoch mehre Operationen, die aufeinander aufbauen notwendig, ob es zwei, drei oder mehr würden, hängt natürlich vom individuellen Heilungsprozess ab. Den Nasenspiegel würde es noch weiter nach links verziehen bei einer solchen Korrektur, der Nahtverlauf entlang der Zahnreihe ist als nicht ganz unproblematisch zu sehen, da dieser durch die begrenzt zur Verfügung stehenden körpereigenen Gewebe- und Hautflächen unter Spannung stünde, was der Heilung nicht unbedingt förderlich ist.

Einer der Gründe, diese OP’s vorerst nicht durchzuführen, ist, dass Obelix für längere Zeit einen Trichter tragen müsste, dies ist auf der Pflegestelle mit den dortigen örtlichen Gegebenheiten nicht handelbar. Wirklich entscheidend ist jedoch für uns als Tierschutzverein die Frage, welche Vor- und Nachteile diese rein ästhetischen Korrekturen für den Hund Obelix hätten.
Obelix ist in seinem alltäglichen Leben in keinster Weise durch den Lefzen-Defekt eingeschränkt, er kann ganz normal Fressen, Saufen, Löcher graben, Schlafen, Hecheln, also das tun, womit sich ein Hund den Tag über beschäftigt. Optisch abstoßend wirkt er auf die meisten Menschen nicht, gerade hechelnd draußen fällt es weniger auf und im Alltag ist der Anblick des schlafenden Obelix rasch Normalität.
Von seiner Persönlichkeit her ist er ein recht typischer junger Husky, ungeduldig, etwas hippelig, ziemlich temperamentvoll und hitzig. Aber er ist auch starrköpfig, tut sich unheimlich schwer damit, ein „Nein“ als solches anzunehmen, setzt häufig ein ums andere Mal nach – auch bei Artgenossen. Hündinnen, die ihm souverän und gelassen entgegentreten, schießt er meist stürmisch entgegen, schafft es häufig gleich mit der Begrüßung, der Hündin versehentlich weh zu tun und zwackt auch so mal gerne spielerisch hinterrücks und unvermutet - ein rechter Trampel eben. Vergleichbar vielleicht mit jenen Menschen, die es nicht böse meinen, aber einem schon zur Begrüßung freundschaftlich so heftig auf den Rücken klopfen, dass man Mühe hat, sich auf den Füßen zu halten und bei denen jeder nette und lieb gemeinte freundschaftliche Griff nach dem Arm mit blauen Flecken für einen selbst endet.
Und so fragen wir uns, was es unserem bei Artgenossen so groben und ungestümen Obelix momentan bringt, wenn wir ihm dem Risiko ästhetischer OP’s aussetzen (denn jeder chirurgische Eingriff beinhaltet Narkose- und Infektionsrisiken etc.)? Sind ihm diese OP’s derzeit wirklich eine Hilfe oder eher unnötige Schmerzzufügung und eine Belastung, da er während des Heilungsprozesses geschont werden muss?

Großen Nutzen zieht Obelix aus dem tagtäglichen Umgang mit der sehr sozialen und verspielten älteren Hündin Laska, die ihm mit viel Geduld „Unterricht“ in hündischem Sozialverhalten gibt, etwas, dass wir als Menschen ihm nicht wirklich nahe bringen können. In den ersten Wochen waren Spielversuche von Obelix Seite geprägt von sehr viel Grobheit, die Hündin war mehr Sparring- denn Spielpartner und hatte häufig Grund, Obelix mindestens verbal in seine Schranken zu weisen. Mehr und mehr gelingt es der Hündin, Obelix in richtiges Spielen einzubinden, in dem er sich nicht zu Grobheiten oder kleinen Hinterhältigkeiten hinreißen lässt und ihm Tag für Tag ein wenig näher zu bringen, dass auch Artgenossen Bedürfnisse (und sei es nur das nach Ruhe) haben, die es zu erkennen und zu respektieren gilt.

Wir für uns lassen das Thema „ästhetische Chirurgie“ bei Obelix jetzigem Entwicklungsstand erst einmal offen und werden versuchen, einen Platz für ihn zu finden, an dem er so willkommen ist, wie er ist, mit seinen vielen Stärken, aber auch seinen Schwächen. Denn dass er nun langsam der Vermittlung zugeführt werden kann, zeigt er uns mit jedem Tag aufs Neue: sehr viel Zutrauen hat er zu sich und seinem Körper wieder bekommen, springt wie jeder andere Hund über Bäche und Baumstämme, all das, was er vor Wochen noch fiepend total verweigerte. Seine Analfisteln sind abgeheilt und ob die Zirkumanaldrüsentumoren noch einmal wieder kehren, wird die Zukunft zeigen, bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür. Die eingeschränkte Arbeit seiner Bauchspeicheldrüse haben wir soweit in den Griff bekommen, er hat gut zugenommen und wird auch noch weiter zulegen, vor allem an Muskelmasse fehlt doch noch einiges. Aber das wird die Zeit und die regelmäßige Bewegung mit sich bringen.
 


Update 22. Mai 2006

In den letzten Wochen hat unser Obelix nochmals eine bedeutende Veränderung durchgemacht.
Rein von der Erscheinung her hat er sehr gewonnen, die 20 Kilogramm-Grenze hat er nun überschritten. Das regelmäßige Fetten des Nasenspiegels und des Randes der verstümmelten Lefze scheint sich, warum auch immer, sehr positiv auf seinen Niesreiz auszuwirken. Da er trotz des nunmehr deutlich erhöhten Pollenfluges viel viel weniger niest, schließen wir die als Eventualität ins Auge gefasste Möglichkeit einer Allergie nunmehr aus.
Seinen Schwanz trägt er auf Spaziergängen jetzt hoch erhoben, wie es sich für einen Husky gehört, sein Körper hat an Spannung gewonnen, oft tänzelt er wie ein Pferd im Turniersport. Ein wenig ruhiger ist er nun geworden, ausgeglichener, aber noch weit entfernt vom „Gemütshund“. Mit der zunehmenden Sonne und Wärme hat er das Sonnenbaden (oder besser Sonnenbraten) auf dem Balkon für sich entdeckt.

Sehr positiv hat sich auch das Zusammenleben mit der Hündin weiter entwickelt. Obelix hat endlich gelernt, die Hündin morgens vor dem ersten Spaziergang in Ruhe zu lassen, im Gegensatz zu ihm ist die Dame nämlich Langschläfer und Morgenmuffel. Seit Anfang Mai beginnen sich „vernünftige“ Spielsequenzen der beiden Hunde zu häufen. Obelix hat sein Repertoire an Spielmöglichkeiten erweitert, er kennt nun noch etwas anderes als das auf Dauer etwas schmerzhafte „zeig mir wie lang dein Nackenfell ist“. Die Zurechtweisungen während des Spiels oder der Spielabbruch durch die Hündin haben sehr abgenommen. Auf ihr Ruhebedürfnis nimmt Obelix nun mehr Rücksicht, meist fügt er sich nach einer Abfuhr in sein Schicksal und trollt sich.
Ein echter Husky
Da sich sein Verhalten gegenüber Artgenossen auf Spaziergängen bisher nicht verbessert hat, haben wir nun einen Hundetrainer zu Rate gezogen. Dieser hat sich Obelix (ohne die Hündin als Stütze an seiner Seite) in einer ausgedehnten Einzelstunde angesehen und ihn nach und nach mit vieren seiner tierischen Co-Trainer bekannt gemacht. Überrascht und sehr erfreut haben wir gesehen, dass unser Obelix (an der Schleppleine ohne Rückhalt durch die Bestärkung der Leine mit dranhängendem menschlichem Personal) deutlich besser mit Artgenossen zu Recht kommt, sogar so gut, dass er unter den wachsamen Augen des Hundetrainers an einer Gruppenstunde teilnehmen durfte. Auch hier kam er an der Schleppleine während des spielerischen, das Sozialverhalten übenden Unterrichtsteils gut mit den meisten anderen Hunden klar. Die Ablehnung durch einen der Hunde zu akzeptieren, bereitete ihm etwas Schwierigkeiten, hier musste er „eingesammelt“ werden. Vor lauter Aufregung konnte er im ernsthaften Erziehungsteil der Stunde nicht einmal mehr „sitz“, selbst seinen Namen schien er vergessen zu haben, zumindest zuckte er auf Zuruf nicht einmal mit einem Öhrchen, von Kommen schon gleich gar nicht zu reden. Am Ende traf ein todmüder Obelix zu Hause ein, so komplett kaputt, dass er selbst am Tag darauf zu Spaziergängen geweckt werden musste, denn er wollte nur eins: schlafen, schlafen und nochmals schlafen.

Auf diesem Weg sehen wir nun eine Möglichkeit, für den jungen Rüden deutliche Verbesserungen zu erreichen, zum einen hinsichtlich eines artgerechten Lebens mit Sozialkontakten und natürlich auch mit Blick auf eine Verbesserung seiner Vermittlungsmöglichkeiten trotz der (zugegeben kostenintensiven) Bauchspeicheldrüsen-Geschichte plus Lefzendefekt und der noch immer herrschenden Unsicherheit bezüglich der Gut- oder Bösartigkeit der Zirkumanaldrüsentumore. Und so haben wir unseren Obelix „eingeschult“, einen mehrwöchigen Gruppenkurs soll er absolvieren und wir hoffen, dass sich seine Aufregung soweit legt, dass er neben dem Sozialverhalten auch seine Grunderziehung ausbauen kann. Dies wäre zugleich der erste Schritt auf der Suche nach einem „Job“ für Obelix, der aufgrund seines Sprunggelenkes nicht Schlittenhund werden kann und wegen der eingeschränkten Nasenfunktion (kann Gerüche wahrnehmen, aber hat Schwierigkeiten, deren Ursprung exakt zu lokalisieren) mit „Sucharbeiten“ nicht beschäftigt werden kann.
 


Update 19. Juni 2006

Obelix besucht nun seit einigen Wochen die Hundeschule und hat dadurch sehr gewonnnen. Er ist ruhiger und ausgeglichener geworden, nicht nur bei Begegnungen mit Artgenossen, sondern in seinem Gesamtverhalten, beispielsweise beim Autofahren oder im Wartezimmer des Tierarztes. Natürlich ist er noch immer nicht der „perfekte“ Mitfahrer im Auto, aber das Dauer-Quietschen ist Vergangenheit, Obelix macht nun auch mal Pausen, die sich wohltuend auf die Nerven der übrigen Mitfahrer auswirken. Verschiedentlich wurde er auch dabei gesehen, dass er sich im Auto sogar setzte, zwar nur kurzfristig, aber es ist ein erster Schritt. Ebenso deutlich ist seine Veränderung im Wartezimmer des Tierarztes, wo er den Mitarbeitern bisher das Telefonieren durch seine Fieperei und Quietscherei erschwerte, teilweise sogar fast unmöglich machte. Hier kann er sich nun sogar hinlegen und nur ab und an ein leises Tönchen von sich geben, wenn eine geringere Anzahl weiterer Tiere vorhanden ist, seine Toleranzschwelle liegt derzeit bei einem weiteren Hund, einer Katze und einem Meerschweinchen. Eine hinzukommende weitere Katze führt dann dazu, dass Obelix in sein bisheriges Verhalten zurückfällt und sich auch nicht mehr beruhigen lässt.
Auf Spaziergängen sind die Situationen, in denen an einer Koppel oder ähnlichem vorbeigegangen werden muss, mit Obelix besser handelbar, am einfachsten ist es, wenn er an der kurzen Leine zügig vorbeilaufen kann. Muss allerdings wegen eines entgegenkommenden Hindernisses (Traktor oder ähnliches) an der Seite gehalten werden, hält Obelix der Situation mit den Tieren auf der Koppel nicht mehr stand und verwandelt sich in das laut tösende, auf den Hinterbeinen stehende Durchdreh-Obelix.
Teilweise kann Obelix nun mit allen vier Beinen auf dem Boden und ohne Lärm zu machen an Artgenossen vorbeigehen, besonders einfach fällt ihm das bei kleineren Hunden. Größere Artgenossen verunsichern ihn stärker und hier muss noch einiges erarbeitet werden. Außerhalb der Hundeschule und deren „sicheren“ Rahmen hat Obelix momentan nur Kontakt zu wirklich souveränen und sicheren Hündinnen, um die bisher gemachten Fortschritte nicht zu gefährden. Seine Erstkontaktaufnahme ist noch etwas linkisch, aber zurückhaltender als bisher, was von den Hündinnen durchweg positiv aufgenommen wird. Grenzen, die ihm eine der Hündinnen setzt, akzeptiert er bereits deutlich schneller.
Wer die updates aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass Obelix ein recht hartnäckiger Bursche sein kann und so sind seine Erziehungsfortschritte, was den Gehorsam, das „Hören“ anbetrifft, eher kleinerer Art, aber durchaus vorhanden. In den meisten Situationen beherrscht er nun das Laufen an der kurzen Leine, abhängig von den vorhandenen Umweltreizen muss er weniger oder öfter korrigiert werden. Das seit Monaten bereits geübte „Sitz“ flutscht immer noch nicht so, wie es eigentlich sein sollte, aber endgültig der Vergangenheit gehören sich manchmal über Minuten ausdehnende Aufenthalte beim Überqueren der Straße an, weil ein Obelix sich partout nicht setzen will und gründlichst prüft, wer denn nun den „längeren Atem“ hat: Hund oder Halter? Dennoch ist in vielen Situationen noch das ein- oder sogar zweimalige Tippen auf sein Hinterteil erforderlich, damit Obelix der Ernst der Aufforderung „Sitz“ bewusst wird. Ein ganz klein wenig von dem Kommando „Bleib“ hat er auch erlernt, für ihn wohl eine der schwersten Übungen überhaupt, da Geduld so ganz und gar nicht zu seinen Charaktereigenschaften gehört.Husky-Rüde Obelix
Da auch zwischen den Gruppenstunden in der Hundeschule geübt werden muss, ist Obelix nun auch hinreichend beschäftigt und ausgelastet, er ist abends im wahrsten Sinne des Wortes „hundemüde“. Diese geistige Forderung scheint für ihn völlig neu zu sein, denn er ist erschöpfter als die deutlich ältere, zwangsweise mitübende Hündin. Das Zusammenleben mit der Hündin hat sich weiter verbessert, er hat neue Spielmöglichkeiten erlernt und kann auch seine Motorik besser kontrollieren. So ist es mittlerweile nicht mehr er, der meist die Spielaufforderungen startet, sondern sie. Ganz besonders interessant wird er übrigens für sie, wenn er an der Schleppleine laufen darf, da sie eine ausgesprochene Schwäche für Rennspiele hat – wobei er trotz aller Motivation und Jugend gegen diese kleine Sausemaus keinerlei Chance hat.
Dass die Hundeschule für Obelix etwas bringen würde, haben wir erwartet, dass er jedoch auf so vielen anderen Gebieten dadurch ebenfalls Fortschritte macht, die teilweise wirklich beeindruckend sind, hätten wir nicht erwartet und freuen uns für ihn riesig. Wenn er sich so weiterentwickelt, dann wird er irgendwann - Lefze hin oder her – einen ganz „normalen“ Umgang mit seinen Artgenossen pflegen und nur noch ein wenig anders aussehen, aber nicht mehr anders sein.
 


Update 22. Juli 2006 

Neun Wochen Hundeschule haben Obelix in einem Ausmaß verändert, das wir immer noch staunend wahrnehmen. 

Ganz besonders stolz sind wir, dass Obelix sehr unauffällig und somit also äußerst erfolgreich an einem Erste Hilfe Kurs für Hundebesitzer teilgenommen hat. Tapfer und teilweise sogar recht entspannt in liegender Position hat er die fast dreistündige Veranstaltung trotz großer Wärme und der Anwesenheit vieler anderer Hunde auf engem Raum gemeistert. Fast vollkommen widerstandslos hat er auch beim Thema Pfotenverband als Übungsobjekt mitgewirkt und sich dafür sogar „kunstgerecht“ in Seitenlage bringen lassen. 

Mittlerweile läuft er regelmäßig in den Morgenstunden an der Schleppleine an einem kleinen Flüsschen, das von vielen Hundebesitzern gerne aufgesucht wird. Begegnungen mit Artgenossen sind für ihn hier kein Problem mehr, manchmal, wenn er beim Schnüffeln regelrecht von einem Vierbeiner überrascht wird, zeigt er zwar noch kurze Unsicherheiten, die sich aber nach wenigen Sekunden legen. Bisher hat er sich noch keinem Vierbeiner, von dem er gemaßregelt wurde, gegenüber in irgendeiner Weise aggressiv gezeigt. Situationen, in denen es zu Mecker von Seiten eines Artgenossen kommt, sind eben jene Überraschungsmomente, wo er gerne in sein hektisches, zu forsches Verhalten zurück fällt oder Situationen, in denen Spielzeug im Umlauf ist. Passend zu der Obelix der SpielzeugfanVermutung, er habe wohl früher recht isoliert als Einzelhund gelebt, ist Obelix nämlich der Meinung, alles Spielzeug dieser Welt sei seines – wen wundert’s, dass einige andere Hunde diese Auffassung so gar nicht teilen wollen? Hier zeigt er sich hartnäckig wie immer und kassiert so Mecker gleich mehrfach in Folge – manchmal ist dann ein Eingreifen des anderen Hundebesitzers erforderlich (Spielzeug an sich nehmen).
Seine Abrufbarkeit an der Schleppleine ist nach diesen paar Wochen durchaus zufrieden stellend für einen Husky in seinem Alter, wirklich verlässlich ist er natürlich nicht und man muss ihn auch ohne Ablenkung sorgsam im Auge behalten. Aus Hundebegegnungen lässt er sich (noch) nicht abrufen und schließt sich auch gerne mal einem anderen Hundebesitzer für den weiteren Spaziergang an, wenn dieser bessere Lecker oder schöneres Spielzeug zu haben scheint. Auch in der Hundeschule zeigt er sich ähnlich, wird er heran gerufen, so gesellt er sich meist zum erst besten Menschen der Gruppe - vielleicht meint er, das alles sei ein riesengroßes Rudel, in dem jeder auf jeden achte?
Schwierigkeiten bereiten ihm weiterhin Rüdenbegegnungen an der kurzen Leine bei annähernd gleich großen oder größeren Rüden – offensichtlich fehlt ihm mit der Bewegungsfreiheit der Schleppleine dann auch die Sicherheit bzw. die Möglichkeit der Flucht.
Obelix und die mit ihm lebende Hündin sind mittlerweile ein im wahrsten Sinne des Wortes „eingespieltes“ Spielteam, das sich auch bei Anwesenheit anderer Hunde gerne miteinander beschäftigt. Mittlerweile beherrscht der junge Rüde alle hündlichen Spielformen, Rennspiele, Raufspiele und auch hitzetaugliche kleine Beißspielchen in liegender Position auf dem Boden. Nicht besonders schätzt er es, wenn die Hündin die Oberhand zu gewinnen droht, er möchte auf jeden Fall gleichberechtigter Spielpartner sein. Regelrecht „rot gesehen“ hat, als er vor einigen Tagen von der Hündin im Spiel komplett über den Haufen gerempelt wurde und sich dabei wohl seinem Schmerzenslaut nach zu schließen beim Aufprall auf den Boden auch weh getan hat. Hier war es nötig, ihn erstmal aus dem Spiel zu nehmen, bis er sich wieder beruhigt hatte.

Die seit Wochen anhaltenden hohen Temperaturen setzen Obelix ziemlich zu, nach neun Uhr morgens sinkt sein Bewegungsbedürfnis rapide gegen Null und er fühlt sich, seinem Gesicht nach zu schließen, regelrecht belästigt, wenn man ihn zwecks Erleichterung vor die Türe bittet. Seine derzeitige Lieblingsbeschäftigung ist somit derzeit Schlafen, gerne auf den kühlen Fliesen, seufzend dreht er sich ab und an von einer Seite zur anderen, wenn die Fliesen unter ihm warm geworden sind.
 


Update 21. August 2006

Vor drei Tagen war Obelix genau ein halbes Jahr in der Obhut der Nothilfe für Polarhunde e.V., Anlass, wieder einmal Bilanz zu ziehen.

Sein körperlicher Zustand ist absolut gut, sein Endgewicht hat sich bei etwa 21, 5 Kilogramm eingependelt. Seine Pfoten und sein Kopf wirken nun nicht mehr unproportioniert und viel zu ausgeprägt, sondern passen gut zu seinem etwas stämmigen Erscheinungsbild, das eher dem kompakten Typ Husky früherer Jahre entspricht. Schön gleichmäßig hat er Muskeln aufgebaut und sein Gangbild ist gut, wenn er das Toben nicht zufällig mal wieder übertrieben hat.

Obwohl jung und für jeden Blödsinn zu haben, manchmal sogar frech und nicht zu vergessen ausgesprochen stur, ist er ein sehr sensibler Hund, den laute Stimmen und drohend in Stimmen mitschwingende Untertöne verunsichern, auch wen die Ansprache nicht ihm sondern dem pubertierenden menschlichen Nachwuchs gilt. Draußen reagiert er mitunter auf spontane Geräusche ängstlich und zeigt auch Fluchtverhalten, sprintet also kopflos ans Ende der Leine. In ihm neuen Situationen zeigt er Anspannung und Unruhe, kann sich jedoch immer öfter einfinden und beruhigen.

Durch das Fehlverhalten eines anderen Hundehalters, der seinen freilaufenden Rüden aus der Entfernung ins Sitz befahl, just als Obelix sich bereits auf wenige Schritte genähert hatte, und somit seinen Hund in eine „ungünstige Ausgangslage“ für die Begegnung gebracht hatte, kam es Ende Juli zu gravierenden Rückschritten. Von dem Rüden auf der Flucht so in die Po-Backe gebissen, dass tierärztlicherseits gleich geklammert werden musste, reagierte Obelix mit einem vollständigen Rückfall in sein altes Verhalten.
Im Wartezimmer des Tierarztes wurde so krakelt, dass außer ihm nichts mehr zu hören war, im Auto sprang er quietschend und fiepend von einer Ecke zur anderen und gab an der Leine beim Anblick von Artgenossen die gewohnten Vorstellungen des „tösenden Leinenmonsters.“
Versuche der Pflegestelle, ihn an bereits gelerntes zu erinnern, schlugen fehl, Obelix reagierte weder auf vertraute Worte, Handlungsabläufe noch bekannte Situationen.

Obelix beim morgendlichen FreilaufRelativ frustriert wurde der wöchentliche Kurstermin in der Hundeschule aufgesucht, zufälligerweise an jenem Ort statt findend, an dem Obelix auch seine erste Einzelstunde gehabt hatte. Der Trainer wurde über die Ereignisse informiert und Obelix, unruhig und aufgeregt wie er war, auf den Platz geführt, die Schleppleine befestigt und gewartet, bis der Trainer das Signal zur „Spielrunde“ für die Vierbeiner gab. Obelix, der sich bis dahin mit seinem Pflegfrauchen fast gegenüber im gebildeten Kreis befunden hatte, stackste mit hoch aufgereckter Bürste schnurstracks zu „seinem“ Trainer und agierte zunächst von dort aus, unsicher, schreckhaft, aber nicht aggressiv. Ein wenig kritisch wurde es als nach einigen Minuten, der Obelix hatte sich eigentlich schon ein wenig akklimatisiert, doch noch verspätet ein Rüde zur bis dahin nur von Hündinnen besuchten Gruppe stieß. Immer wieder Blickkontakt zum Trainer suchend bekam Obelix auch dies gemeistert und erinnerte sich im „ernsthaften“ Teil der Stunde zumindest ansatzweise an einiges des bisher Gelernten. Auf der Heimfahrt war nur hin und wieder ein vereinzeltes Tönchen aus dem Heck des Kombis zu hören, nach dem Fressen verfiel Obelix in einen tiefen, von intensiven Träumen begleiteten Schlaf.
Sein Gesamtverhalten hat sich seither wieder zügig verbessert, allerdings ist er bei fremden Hunden sehr viel vorsichtiger und zurückhaltender geworden, zeigt deutlich Unsicherheit.

Uns haben diese Ereignisse wieder einmal ganz bewusst gemacht, wie zerbrechlich und rasch zerstörbar erlernte neue Verhaltensmuster unserer Vierbeiner doch sind und dass ein paar Wochen „richtiges“ Verhalten noch nicht bedeuten, dass die Versäumnisse der vorausgegangen Jahre erfolgreich abgearbeitet wurden. Den Obelix werden wir, die Hundeschule bietet hierfür nach absolviertem Grundkurs viele Möglichkeiten an, auch zukünftig einmal in der Woche zur „Weiterbildung“ schicken und weiterhin mit ihm daran arbeiten, dass er ein souveräner, auch in Stress- oder für ihn unbekannten Situationen gelassenen bleibender Rüde wird.

 


Update 14. September 2006

Noch immer wächst Obelix stetig an seinen Aufgaben oder wächst er einfach nur in das Leben eines ganz normalen Familienhundes hinein?

Zwei längere Autofahrten ins Schwäbische und zurück überstand er bravourös, nach ein wenig anfänglichem Gequietsche und Geschimpfe verstummte er und legte sich bald darauf hin – doch dies sollte nicht die einzige Premiere bleiben. Eine Raststätte an einer Autobahnabfahrt bot Obelix Gelegenheit zu zeigen, dass er nicht nur im Schutze seiner Hundeschulen-Gruppe „gaststätten-tauglich“ ist. Rasch gelang es ihm, sich dort auf der Terrasse zu entspannen und schließlich sogar einzuschlafen und das, obwohl nicht eben wenig Lastwagen ihren Weg in Richtung Autobahn suchten. Beim zweiten Ausflug galt es dann, eine über einstündige Wartezeit im Auto zu überstehen, auch hier zeigte er sich geduldig und unaufgeregt. Auf den kleinen Spaziergängen in völlig fremder Umgebung war er sehr interessiert an allem, dennoch erinnerte sich an erlernte Kommandos und war gut führbar. Deutlich zeigt er nun, dass er sich in ihm unbekannten Situationen an den ihm vertrauten Menschen orientiert.

Obelix entspannt im Freien

Auch im „normalen Alltagsgeschehen“ sind noch immer Fortschritte zu verzeichnen, so hat er seit mehr als zwei Monaten keine Triangel mehr in Hundekörben oder ähnlichem hinterlassen. Ausgelastet bleibt er nun (gemeinsam mit der Hündin) auch mal gut drei Stunden allein zu Hause, die Wartezeit verschläft er brav. Die Hundeschule besucht er, auch er hatte einige Wochen Sommerferien, ebenfalls wieder und muss sich nun neuen Anforderungen stellen. Der Theorie-Unterricht bietet die Möglichkeit, sich mit vielen Artgenossen und deren Haltern in einem Raum aufzuhalten, vielstimmiges Lachen oder sogar Klatschen inbegriffen. Ein wenig schwer tut er sich dort noch, zur Ruhe zu kommen und diese zu bewahren, wirklich (negativ) fällt er aber nicht auf. Obelix am buddelnEinen Samstagnachmittag lang hat er in einen Apportier-Workshop hineingeschnuppert und sich durchaus begeisterungsfähig gezeigt (vor allem für den Futterbeutel), so wie er auch bisher für alle Aktivitäten gemeinsam mit dem Mensch großes Interesse zeigte. Die vielen Begegnungen mit Artgenossen in der Hundeschule haben das „Leinenmonster“ weiter in den Hintergrund gedrängt, immer besser kann er auf Spaziergängen an anderen Hunden vorbei gehen. Im Freilauf (an der Schleppleine) ist er weiterhin verträglich und vor allem anfangs zurückhaltend, gibt es irgendwo Gekeife, ist er aber immer in der Nähe. Mobbing-Verhalten zeigt er dabei (noch) nicht, eine gewisse Unschlüssigkeit ist ihm jedoch anzumerken. Eine neue Spielkameradin hat er außerhalb der Hundeschule in einer Husky-Schäferhündin gefunden und den Beweis angetreten, dass er wirklich „spielen“ gelernt hat. Nicht ein einziges Mal musste die Hündin ihn zurechtweisen oder einen Schmerzenslaut von sich geben – hier gilt das Lob seiner unermüdlichen, vierbeinigen Lehrerin Laska.

Trotz aller Fortschritte ist Obelix noch immer leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu verunsichern , die mehrtägige „Invasion“ von Handwerkern in der Pflegestelle und das damit verbundene Chaos stresste ihn deutlich mehr als Hündin Laska, die dem Treiben gelassen mit der Weisheit des Alters zusah. Ungewöhnliche, vom Alltag abweichende Ereignisse arbeitet er weiterhin in seinen Träumen auf, die an solchen Tagen besonders intensiv sind.

 


Update 15. Oktober 2006

Derzeit befindet sich Obelix im Fellwechsel, nachdem er im Frühjahr nicht so recht auf Sommerpelz umstellen wollte, kommt nun überall das Unterfell heraus. Trotz regelmäßigen Bürstens sieht er immer irgendwie „verrupft“ aus und hinterlässt an allen Liegeplätzen helle „Wollmäuse“. Nachdem er Striegel nicht zu kennen schien, hat er sich nun an die „Dinger“ gewöhnt, wirklich lieben wird er das Prozedere des Bürstens aber vermutlich nie, da ist einfach zu wenig „action“ für ihn drin….

Action satt hatte er hingegen bei einem Spiel- und Beschäftigungsnachmittag der Hundeschule, wo eine Gruppe von 10 erlebnishungrigen Halter-Hundeteams sich mit zwei Trainern und deren Hunden aufmachten, was zu erleben.
Hiervon wollen wir ausführlich berichten, denn hier zeigte sich überdeutlich, dass er bei Dingen, die gänzlich neu und somit neutral für ihn sind, ganz anders an die Sache ran geht als bei irgendwie aus der Vergangenheit bekannten Dingen - mit den Grundkommandos und deren Ausführung hat der Obelix ja so seine Schwierigkeiten.

Nach einem anfänglichen Kennenlernen der Hunde bestand die erste Aufgabe darin, dem Halter nachzugucken, wie dieser langsam einen Waldweg hinunterging um dann irgendwo einzubiegen und einen Hochsitz zu erklimmen. Der Hund wurde dann gerufen und los ging die Suche, denn wo bitte sind die Leckerlies samt Mensch denn hingekommen? Unseren Obelix hat es ganz schön verwirrt, das Rufen zwar zu hören, aber Mensch zunächst nicht entdecken zu können – eigentlich schade, dass kein Fotoapparat zur Hand war, um seine nachdenklichen Blicke einzufangen. Letztendlich ging auch ihm ein Licht auf, aus welcher Richtung wohl die Stimme tönte ….

Und weiter ging’s zu ein wenig über den Baumstamm hüpfen, doch da hatten die Trainer nicht bedacht, dass eine Woche vorher ein ordentlicher Sturm durchs Ländle gefegt war und einigen Windbruch hinterlassen hatte. Der Obelix war es also von seinen ganz normalen Spaziergängen schon gewohnt, auf derartige Hindernisse zu treffen und hatte für den ausgesuchten Baumstamm, der in nur etwa 35 - 40 cm Höhe über dem Weg lag, nur ein ganz müdes Husky-Grinsen übrig. Aber weil Mensch das so wollte und ein Leckerchen winkte, stakste er mehr als dass er sprang wie ein alter Hunde-Opa mit entsprechendem Gesichtsausdruck über dieses langweilige, dünne Stämmchen hinweg – bei so viel Motivation mussten dann doch einige andere Teilnehmer herzhaft lachen.

Das nächste Spiel fand er weit spannender, denn immerhin winkte als Belohnung nicht ein Leckerchen, sondern ein ganzes Wiener Würstchen. Doof nur, dass dieses unerreichbar auf einer Astgabel lag, einzig das darum gewickelte Seil baumelte verheißungsvoll herab. Dass er an dem Seil zu ziehen hätte sollen, um das Würstchen auf den Boden zu befördern, auf diese Idee kam er nicht wirklich, doch da er immerhin (außer dem Standard-Obelix-Quietschen) ein klein wenig Aktivität zeigte und was ausprobierte, um an das Würstchen zu gelangen, haben die Menschen dann ein wenig nachgeholfen, um ihm seinen „Erfolg“ zu bescheren und so verschwand das Wiener in einem sehr zufriedenen Obelix.

Weiter ging es, nach einer kurzen Badespaß-Pause in einem vorbei fließenden Bach, auf einem Waldspielplatz. Hier konnte Obelix dann endlich einmal zeigen, dass er wirklich langsam beginnt, von sich aus Dinge anzubieten, auszuprobieren, sich etwas zu zutrauen. Da warf das Mensch doch seinen mittlerweile innig geliebten Futterbeutel direkt voraus auf einen Erdwall – dumm nur, dass der direkte Weg dorthin nicht möglich war, da sich vor Obelix eine senkrechte, betonierte Fläche auftürmte – mit ein wenig Zeigehilfe hat er dann rasch begriffen, dass der seitliche Aufstieg wohl zum Beutel führt und diesen stolz heruntergeholt. Dank des besonders leckeren Inhalts (mit etwas Schwarzwurst und Speckwürfelchen aufgepeppt) ging es weiter zu einigen riesigen aufgestapelten Baumstämmen. Mensch hatte durchaus seine Mühe, da ein Stück hinauf zu krebseln und den Futterbeutel zu platzieren – Obelix, der zunächst brav sitzend gewartet hatte, hielt es vor Ungeduld irgendwann nicht mehr auf dem Hinterteil. Aber er wartete immerhin, bis Mensch wieder herabgeklettert war und ihn schickte, das Beutelchen zu retten. Und hier erstaunte er das erste Mal, denn statt denselben Weg wie Mensch zu nehmen, zog er es vor, das Problem von der Seite anzugehen. Dieser Weg war zwar nicht unbedingt ein einfacherer, aber ein eigener und nach ein paar Koordinationsproblemchen der vier nicht immer ganz standsicheren Pfoten hatte Obelix den schnöde ausgesetzten Futterbeutel gefunden und zurück gebracht.

Das Kriechen unter einem Baumstamm durch bereitete ihm keine Mühe – wenn Mensch meint, dass ihn das erfreut, dann kann ein Obelix Mensch diese Freude durchaus gönnen – entsprechende Leckerchen-Bezahlung inbegriffen. Ganz positiv ist hier und auch während des gesamten Nachmittages aufgefallen, wie sehr er sich zwischenzeitlich am Menschen orientiert und vieles Neues ohne Zögern angeht.

Richtig was zu staunen bekamen Trainer und Mensch allerdings, als Obelix sich am Holzhäuschen beweisen sollte. An der Stirnseite eine Türöffnung, an den Längsseiten Fensterlaibungen, ein Wetterschutz, der auch als Hundespielplatz dienen kann. So flog also der arme Futterbeutel durch die Fensterlaibung und der Obelix wurde aufgefordert, diesen wieder zu besorgen. „Ha“, dachte sich vermutlich der Obelix, „ihr glaubt wohl, ich bin doof, oder was? Schließlich habe ich vorhin gesehen, wie die Trainer-Hündin das mal vorgeführt hat!“ Und so trabte unser Obelix schnurstracks ums Häuschen rum, schritt durch die Türöffnung, suchte seinen Beutel und kam freudestrahlend wieder angeflitzt. „Einmal Reißverschluss aufmachen, bitte!!“

Eine 8 um und zwischen Menschenbeinen hindurch zu laufen fand er ebenso unterhaltend wie das Laufen auf zwei nebeneinander liegenden, schräg gestellten schmalen Brettern, auch wenn diese sich bedrohlich unter seinem Gewicht beugten, interessant auch, dass ein sitzender Mensch sich freuen kann, wenn Hund seine Vorderfüße nach Aufforderung auf die Oberschenkel stellt.

Ein in der Gruppe anwesender Jack Russel war der ultimative Test, ob Obelix klein-hundetauglich ist – er ist es, allerdings gegen Ende, als der Obelix schon müde und der Jack Russel immer noch einem Ball hinterher jagte, da zeigte er dann doch hin und wieder leichte Ansätze, hinterher zu setzen (vermutlich jagdlich ausgelöst).

Ganz besonders gut gefallen hat Mensch an diesem Nachmittag, dass Obelix bis zum Schluss (immerhin mehr als vier Stunden) den Blickkontakt zum Menschen suchte – noch im August war genau dies („er nimmt keinen Kontakt auf, schaut nicht“) Thema einer Unterhaltung mit dem Hundetrainer.


Update 13. November 2006

Mit seinem Fellwechsel ist Obelix nun annähernd durch, ganz schmal und schlank schaut er jetzt aus, so ganz ohne Unterfell. Die schöne bräunliche Einfärbung, die unter seinen hellen und dunklen Haaren je nach Lichteinfall mal mehr oder weniger zum Tragen kam, ist einem eher faden hellgrau gewichen.

Sehr souverän hat er einige Tage krankheitsbedingten Ausfalls der Althündin überstanden, hat sich freudig mit allem möglichen beschäftigen lassen und kam so, trotz etwas reduzierter Spaziergänge, voll auf seine Kosten. An den Tagen, an denen ihm das Bespaßungsangebot nicht ausreichend erschien, kam er abends auch den Menschen abholen und motivieren, noch ein paar einfache Übungen zu verlangen – nicht ganz uneigennützig vermutlich, ihm stand wohl der Sinn nach ein paar zusätzlichen Leckereien.

Obelix beim Sonnenbad
Obelix beim novemberlichen Sonnenbad, nun lieber drinnen wie draußen

Zunehmend sicherer wird er im Erstkontakt mit ihm fremden Hunden im Freilauf, offensichtlich kann er nun besser einschätzen, welcher „Art“ sein Gegenüber ist. Einige Situationen mit gleich großen Rüden hat er so erfolgreich gemeistert und , zwar mit allen Anzeichen von Stress aber friedlich, auch die Begegnung mit einem Rüden überstanden, der beim Anblick der Althündin in sabberndes Entzücken verfiel und sich jedem Einfluss seines Halters entzog. Zu seinem großen Kummer sind nach wie vor alle Mädels, die für ihn als Spielkameraden in Frage kommen, eindeutig schneller und wendiger als er. Im nun oft rutschigen und nassen Gras hat er häufig das Nachsehen und muss gezwungenermaßen immer wieder seine „Gräten“ einsammeln, speziell beim Kurven laufen gerät ihm doch da manches Mal so einiges durcheinander.

An der Leine ist das auf den Hinterbeinen tobende „Monster“ mittlerweile fast in Vergessenheit geraten, mit etwas Abstand, dem einen oder anderen hasenartigen Hoppler und einigen leisen Quietschern kommt er an den meisten Hunden vorbei. Highlight war aber, dass er auf einem Feldweg eine ältere und ziemlich abgeklärte Schäferhündin passieren konnte, ohne ins Feld ausweichen zu müssen.

Redselig und mitteilsam ist er nach wie vor, Mensch kann es gar nicht überhören, wenn den Obelix etwas beschäftigt, verwirrt, unzufrieden macht oder er gar etwas Bestimmtes möchte.
Zu verunsichern ist er insgesamt nach wie vor recht schnell, eine geringfügige Veränderung einer eigentlich bekannten Situation und alle Verhaltensmuster stehen erst einmal wieder auf Null. So beispielsweise nervte er, der mittlerweile im Auto eigentlich nach ein paar Minuten Ruhe gibt, eine gute Stunde lang dauerquietschend sein Pflegeherrchen auf dem Weg zu einer Vorkontrolle, da dieser die Fahrt mit seinem eigenen, dem Obelix bis dahin fremden Auto angetreten hatte. Der Rückweg hingegen verlief ruhig und mit überwiegend schlafendem Obelix.
Zunächst ähnlich chaotisch ging es zu, als Besuch aus der Geschäftsstelle der Nothilfe für Polarhunde e.V. kam. Obelix kennt sowohl die Besuchssituation an sich (klingeln, Menschen kommen in die Wohnung, setzen sich irgendwann irgendwo hin, gehen irgendwann wieder) als auch die beiden Personen, die da zu Besuch kamen. Neu war nur, dass das Pflegefrauchen mit hündischer Begleitung rechnete (was angesichts seiner Fortschritte im Umgang mit Artgenossen durchaus möglich erscheint) und vorsorglich mal alle Spielsachen nach oben legte. Da der Besuch aber begleitungslos erschien, konnten Obelix „Schätze“ wieder in Richtung Boden wandern. Dies und dass sich ein Teil des Besuches noch zum Hundekraulen auf dem Boden niederließ, war dann doch einer zu viel. Quietschend, nervös hin- und her laufend, schließlich sogar mit der Schnauze in den Haaren der Pflegemutter und der dann auch noch zart, aber spürbar in die Kopfhaut knappend, verlief die erste halbe Stunde eher chaotisch, erst langsam beruhigte er sich wieder und legte sich schließlich auch hin. Hierbei suchte er aber Körperkontakt zur Hündin, wie beispielsweise auch im Tierarzt-Wartezimmer.

Ähnliches ergab sich auch in der Hundeschule, da der bisherige wöchentliche Termin durch Zeitumstellung und nahenden Winter bereits in der Dämmerung liegt und es im Verlauf der Unterrichtsstunde richtig dunkel wird. Mit dieser Situation kam Obelix dann nicht mehr klar, sehr aufgeregt und Ansprache meist ignorierend hechelte und zerrte er sich von A nach B, vollkommen überfordert in der ihm fremden und dann auch noch dunklen Umgebung. Obwohl man auch daran arbeiten sollte, wurde der Hundeschul-Termin verlegt, wichtiger erscheint uns dann doch, die letzten Unsicherheiten im Umgang mit Artgenossen abzubauen. Dazu gehört einfach, dass er sich im geschützten Bereich des spielerischen Stundenteils der Hundeschule weiterhin in der Interaktion mit Artgenossen ausprobieren kann. Voraussetzung hierfür ist aber Tageslicht, denn einen so leicht zu verunsichernden Hund im Dämmrigen oder Dunkeln an die Schleppleine zu nehmen, verbietet sich von selber.

Wo viel Chaos zu finden ist, gab’s dann aber auch noch ein freudiges Erstaunen. Des Pflegefrauchens Auto musste sich mal wieder in die Werkstatt begeben, welche mitten in einem stark befahrenen und lauten Industriegebiet liegt. Zunächst erwartungsgemäß recht nervös, die Verdauung meldete sich prompt, brach man zu einem Spaziergang auf, die Reparatur-Zeit überbrücken. Noch bevor der etwa eine Viertelstunde entfernt liegende Wald erreicht war, hatte sich der Rüde beruhigt, auch den Rückweg überstand er souverän. Das fertige Auto stand äußerst günstig auf dem Werkstattparkplatz, die Heckklappe an einer Hecke, der Seitenabstand zum jeweils nächsten Fahrzeug nicht ausreichend, um die Türen zum Einladen eines Hundes ausreichend weit öffnen zu können - und weit und breit kein Baum oder ähnliches zum Hunde anbinden. Also blieb nur, beide Hunde vor der gegenüberliegenden Reihe parkender Autos absitzen zu lassen, trotz des teilweise eingezäunten Geländes nicht ganz risikofrei, denn keine 100 Meter hinten dran verläuft die Schnellstraße (mit entsprechendem Lärmpegel), auf der einen Seite nach zwanzig Metern hinter dem Zaun ebenfalls eine stark befahrene Straße und auf der anderen Seite die Werkstatt, deren Arbeit auch nicht geräuschlos ist. Und der Obelix blieb vollkommen entspannt da sitzen bis das Auto ein Stück heraus gefahren war, so als wäre es das normalste der Welt – ein in all seinem gegensätzlichen Verhalten des Menschen Herz einfach anrührender Hund.
 


Update 12. Dezember 2006

In den letzten Wochen hat sich unser Obelix in der neuen Hundeschulgruppe eingelebt, auch wenn die Gruppenstruktur ihm deutlich mehr „Sozialkompetenz“ abverlangt - denn bislang war er fast „Hahn im Korb“ von lauter Hündinnen, einzig ein kleiner Shiba-Rüde war noch anwesend. Beim ersten Termin waren zwei größere Rüden, ein gleich großer Rüde und ein halbhohes Modell anwesend, dazu noch eine Schäferhündin mit wenig Gehorsam und viel Eigensinn, die anderen Hündinnen verblassten neben ihr.
Obelix hatte leider an diesem Tag auch einen recht stressig verlaufenen Vormittag hinter sich, draußen Sturm, ein Wetter, bei dem Obelix seinen Menschen auf Schritt und Tritt folgt und keine Ruhe findet, solange diese nicht irgendwo still sitzen. Gesichert mit der extra langen Schleppleine, ging es dann in den spielerischen ersten Teil der Stunde, dem Kennenlernen der anderen Hunde. Zunächst hielt er sich am Rand der Gruppe, erkennbar unsicher, guckte mehr, als dass er selbst aktiv war, ließ die einzelnen Hunde auf sich zu kommen. Sehr positiv fiel auf, dass er sich nicht, wie so oft, in unmittelbare Nähe des Trainers begab, sondern die Situation alleine (mit dem Pflegefrauchen als Rückhalt) anging.Obelix hat Freizeit
Das erste Zurückkommen auf Kommando ignorierte er, immer noch zu aufgeregt, um sich auf etwas anderes einzulassen als die vielen fremden Hunde. Beim zweiten Mal ging’s dann schon besser, langsam war auch der Obelix ins Zentrum der sich über eine Wiese bewegenden Menschen-Hunde-Gesellschaft vorgedrungen und wurde ruhiger. Nach einer kleinen, verbalen Meinungsverschiedenheit zweier anderer Hunde zeigte er sich recht gestresst und setzte sich kurz darauf von der Gruppe ab, musste eingefangen werden. Dieses „sich entziehen“ aus einer Stress-Situation zeigt Obelix öfter, wenn man ihn gut im Blick hat und rechtzeitig eingreifen kann, ist dieses Verhalten auch unterbrechbar über einen Rückruf (und Anleinen).
Im Übungsteil der Stunde war er zu Pflegefrauchens Erstaunen sehr konzentriert bei der Sache und für seine Verhältnisse überraschend kooperativ. Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt gab es dann (alle Hunde angeleint) eine kleine Pöbelei in „mehreren Akten“ von einem der großen Rüden, die Obelix selbstverständlich entsprechend zu beantworten versuchte, da er sich der Situation durch die Leine nicht entziehen konnte. Nach mehrfacher Anmache zeigte er dann auch Stress in Form von Hinterschnappen hinter einem vorbeifahrenden Auto, auch dies ein wiederkehrendes, vorhersehbares Verhalten.
Ein Riesenschnauzermischling, der beim letzten Termin gefehlt hatte, war dann eine Woche später von der Größe her unheimlich beeindruckend für den Obelix. Dies und die ebenfalls anwesenden (großen) Trainer-Hunde führten dazu, dass er erst einmal Schutz hinter dem Rücken des Trainers suchte und zunächst von dort aus im Freilauf agierte, nach einigen Minuten hatte er sich auch mit dieser Situation angefreundet.
Wieder eine Woche später gab es dann die ersehnte Gelegenheit, einmal Fotos von Obelix in der Hundeschule zu machen.Obelix in der Hundeschule Aufgenommen wurden die Bilder mitten in Emmendingen, auf dem Festplatz, dort war Obelix vorher noch nie gewesen. Dort befindet sich auch eine Skaterbahn, in deren unmittelbarer Nähe sich die Gruppe befand und die wegen des schönen, ungewöhnlich warmen Wetters sehr gut besucht war. Die Fotos zeigen ein wenig von der Ruhe und der Souveränität, die Obelix in diesen Situationen hat, zeigen, wie aufmerksam er bei der Sache ist, wenn er mit einem Menschen ein Team bilden kann (und sich Leckerlies erarbeiten kann). In einer derart mit Geräuschen beladenen Umgebung (um den Platz wälzt sich der Verkehr) solche Bilder von Obelix zu machen, damit hätten wir vor einigen Monaten nicht gerechnet –ein herzliches Dankeschön an die Hundeschule Kern, deren Inhaber (und Trainer von Obelix) zwischenzeitlich für unseren Handicapler eine Patenschaft in Form des Unterrichts übernommen hat. Dass die Hundeschule Kern sich sehr im Tierschutz engagiert, wissen wir, hätten aber nie mit einer derart großzügigen Unterstützung gerechnet.
Obelix an der Elz
Gesundheitlich hat es den Obelix in den vergangenen Wochen wieder etwas „gebeutelt“, erst wurde er von heftigen Durchfällen geplagt, als deren Ursache eine Collitis diagnostiziert wurde, eine Entzündung des Enddarms, diese sprach glücklicherweise gleich auf das erste verabreichte Medikament hervorragend an. Dann zeigte er zum wiederholten Male an der intakten Lefze vereinzelte Schwellungen, die ihn auch zum Kratzen animierten und so einen erneuten Tierarztbesuch notwendig machten. Ein untersuchtes Hautgeschabsel zeigte keine Milben. An sich ein positives Ergebnis, es ließ aber die Frage offen, was diese für Obelix nervigen Hautveränderungen auslöst. Um dieses Rätsel lösen zu können, wurde Blut abgenommen und ins Labor gegeben um nach evt. Anzeichen für eine Allergie zu suchen. Für „Allergie“ sprach, dass sich diese „pustulöse Dermatitis“ durch Cortisongaben zurückbildet, auch die häufigen Ohren-Probleme passen dazu. Das Ergebnis des Allergietestes mit positiv auf Hausstaubmilben und beide Futtermilben-Arten traf uns daher nicht ganz unerwartet und wir werden sehen, wie wir damit im Alltag nun am besten umgehen.
Die Lefze wurde diesmal mit einer den Juckreiz lindernden Salbe ohne Cortison behandelt, da Obelix auch zur Impfung fällig war. Warum diese Hauterscheinungen in den letzten Wochen vermehrt und großflächiger auftreten als bisher, ist uns nicht bekannt. Da Stress Allergien häufig verschlimmert und die Veränderung der Hautsituation im Oktober begann, könnte es möglicherweise der heftige Fellwechsel sein, den Obelix durchlief und der sich nun dem Ende nähert. Jahreszeitlich ganz und gar unpassend „angezogen“ ist er nun, alles Unterfell hat er von sich geworfen und lediglich das Deckhaar behalten – ob ihn da die ungewöhnlich warme Witterung im November etwas durcheinander brachte?
 


Update 02. Januar 2007

Unser Obelix ist gut im Neuen Jahr angekommen, die Knallerei der letzten Tage hat ihn trotz seiner mitunter „hasenfüßigen“ Grundeinstellung wenig mitgenommen, er bleibt wie immer stets für eine Überraschung gut. Einzig am frühen Abend wollte er nicht mehr so recht laufen, denn da war das gesamte „Junggemüse“ noch auf der Gass und amüsierte sich mit Krachern und Co.. Den durch gekippte Fenster eindringenden Lärm fand er, einen ordentlichen Kanonenschlag ausgenommen, nicht weiter bemerkenswert, ungerührt schlief er vor sich hin oder spielte ein weiteres seiner Weihnachts-Quietscherle kaputt. Obelix in Herrchens BettSo verschlief er auch den Jahreswechsel, schließlich war er eine gute Stunde vorher draußen gewesen (auch wenn da beide Hunde den Drang zur schnellen Rückkehr hatten, erleichtern konnten sich beide trotz des schon herrschenden Radaus), hatte sein Gute-Nacht-Leckerli und seine Zähne geputzt bekommen – für ihn im Wesentlichen eine Nacht wie jede andere. Von der etwas nervöseren Hündin, die abends darauf bestand, sicherheitshalber ebenfalls bei den Menschen auf dem Sofa Platz zu nehmen, hat er sich nicht anstecken lassen, auch wenn die beiden sonst recht häufig einer Meinung sind.

Es ist sicher nicht die große Liebe bei den beiden Hunden, aber sie unterhalten eine gut funktionierende Gemeinschaft, in der beide voll auf ihre Kosten kommen. Deutliche Gemeinsamkeit wird vor allem nach außen hin demonstriert, im Tierarzt-Wartezimmer oder beim Theorie-Unterricht der Hundeschule ist Kontaktliegen angesagt, zuhause trennt man sich lieber zum Schlafen. Dafür gibt es gute Gründe, er würde von ihr wohl behaupten, dass sie zu laut schnarche, sie hingegen findet seine mitunter sehr lebhaften Traumphasen eher unangebracht, „Gezapple“ würde sie es vermutlich nennen. Auch im Auto reist man strikt getrennt, das Brummen des Motors und das Schaukeln des Fahrzeugs wiegt Madame sofort in den Schlaf, während er voller Aufregung quietschend erst einmal ein wenig hin- und hertappen muss, seitlich, hinten, vorne gucken, vielleicht lässt sich ja das Ziel erahnen. Es dauert also, bis er zur Ruhe kommt, Madame ist da meist schon halb ausgeschlafen.
Holde Einigkeit hingegen herrscht, wenn es morgens Raureif auf den Gräsern hat – eins, zwei – Vollgas, mal gucken, ob die Leinen halten! Mal springt sie ihn an, mal er sie, mal haut sie sich ins kalte, weiß verzierte Gras, mal er, Lebenslust pur – egal, was das hintere Ende der Leinen dazu zu sagen hat, es gibt Momente, da sind die Ohren vollkommen taub. Es wird geknufft und gerempelt, mal liegt er unten, mal sie, übertrieben deutlich die Mimik, zwei Spielwütige unter sich. Das andere Ende der Leine hat mittlerweile die Konsequenzen aus diesen morgendlichen Standfestigkeitsprüfungen gezogen, denn die Alberei und Blödelei an den Leinen geht den ganzen weiteren Spazierweg so weiter. Statt acht Meter Leine gibt es nur noch fünf, das ist einfacher zu heben, wenn der Übermut die beiden wieder vorwärts preschen lässt. Etwas besser wird es erst, wenn die beiden sich am Ufer der Elz ein wenig austoben konnten, im Idealfall noch ein paar andere Vierbeiner getroffen haben. Die Tücken solcher regelmäßigen Treffen kennt Obelix nun auch, verbündet sich doch regelmäßig die Hündin mit einer schwarzen Mischlingsdame und gemeinsam heißt das Spiel dann „fang den Obelix und pfetze ihn“, mitunter setzen die beiden dunklen Mädels ihm so zu, dass er mal empört verbal den „Rauch reinlassen muss“. Ganz besonders ätzend findet er ihre schlechte Angewohnheit, ihn kurz unterhalb des Schwanzansatzes festzuhalten, ein Wedel ist zum Wedeln da und nicht als Haltegriff gedacht!
Da an der Elz mehr Hundemädels als Rüden unterwegs sind, hat ihn die Hündin nun mit eigenem Führpersonal einige Male in die Hundeschule begleitet. Obelix soll auch die Situation vertrauter werden, wenn Hund mit „seiner“ Hündin auf andere Rüden trifft und diese sich dann, ganz Weib, mehr für die anderen Männlichkeiten interessiert. Ein wenig stresst ihn das schon, aber er gewöhnt sich zunehmend und gibt sich Mühe, auch einmal ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen. Gelingt ihm dies, sind die beiden für die restlichen Hundebesitzer der Gruppe immer ein echter „Hingucker“, unglaublich laut wird es, wenn die beiden im Spiel brummeln, knurren, aufeinander krachen, eine Lautstärke, die die wenigsten von ihren eigenen Hunden kennen.

Seine ersten Ansätze, mal ein wenig von sich aus was anzubieten, wenn er nicht so recht weiß, was von ihm erwartet wird oder wie ein Problem zu lösen ist, schreiten weiter voran, sehr langsam zwar, aber er probiert bei Hilflosigkeit nun doch ab und an etwas anderes als Quietschen. Mitunter hat Mensch aber an seiner neuen Offenheit nicht nur Freude, so sprang er doch neulich mal an einem netten älteren Herrn hoch, der ihm erzählte, was für ein hübscher Hund er sei. In der Hundeschule traf es einen netten Mischlingsrüden gleicher Größe, den der Obelix mit aufreiten belästigte, wirklich ernst nahm ihn der andere nicht, kaum dass er sich die Mühe machte, ihn abzuschütteln.

Gesundheitlich stagniert die Lage derzeit eher, die Dermatitis ist zwar soweit abgeheilt, dass keine Pusteln mehr vorhanden sind, die Haut im Nasen-Lefzen-Bereich zeigt aber mitunter noch immer Rötungen und ist auch recht empfindlich. Nicht ganz unschuldig ist daran auch der Obelix selber, der seinen Rüssel schneller in ein Mauseloch oder ähnliches rammen kann, als Mensch das erahnen und verbieten kann. Das Futter macht nun den Umweg über die Gefriertruhe, bevor es vom Futtersack aus in die Schüssel gelangt, ein Versuch, eine Futterumstellung zu vermeiden, denn die Sache mit der Bauchspeicheldrüse würde gerade hervorragend funktionieren. Zwei Tage vor Silvester hat er sich auch heimlich nachts (er weiß ja, dass er nicht kratzen soll), wieder mal ein Ohr blutig aufgekratert, die Unschuldsmine am frühen Morgen überzeugte dann aber niemanden. Wirklich böse kann ihm aber keiner sein, zu knuffig kann er dann mit seinen verschieden farbigen Augen treuherzig gucken und aufmerksam der „Strafpredigt“ lauschen …..


Update 01. Februar 2007

Der Januar war zunächst ein vollkommen entspannt verlaufender Monat, indem erstmals so etwas wie ein „Alltagsgefühl“ zu spüren war. Sämtliche Hundebegegnungen an der Elz oder in der Hundeschule waren problemlos, seinen „Bekanntenkreis“ hat er sogar erweitert, auch um einige große männliche Artgenossen. Einzig der Rüde, den er immer wieder in der Hundeschule mit Aufreiten belästigt hatte, sagte ihm irgendwann einmal ganz unmissverständlich, dass es nun genug wäre – eine Ansage, die Obelix seither beachtet.

Mit der mit ihm lebenden Hündin hatte Obelix dagegen ein Erlebnis der „dritten Art“ bei der abendlichen Futterausgabe. Madame verfolgt relativ ruhig stehend, aber mit Argusaugen, damit ihr ja kein Handgriff entgeht, die Futterzubereitung, während der Obelix unruhig von a nach b tappt, rein in die Küche, raus aus der Küche, wenn es gar zu lange geht, dann mault er auch schon mal. Eines Abends denn schob er sich beim hin- und hertappen von links kommend zwischen die Pflegemutter und die Küchenschränke. Just als er sich nach vorne durchschieben wollte, um seine „Runde“ fortzusetzen, riss der rechts sitzenden Hündin, ihres Zeichens eh futterneidisch, der Geduldsfaden und sie gab eine Kurzvorstellung des „keifenden Marktweibes“. Dabei ritzte sie wohl mit einem Eckzahn den Obelix ein wenig an seiner vorhandenen Lefze, eine kleine, fast nicht blutende Schramme, die er umgehend mit lautem Wehgeschrei kommentierte. Der „häusliche Frieden“ war zwar rasch wiederhergestellt, aber der Obelix hatte daraus wohl wieder seine ganz eigenen Rückschlüsse gezogen. Denn am nächsten Morgen an der Elz zeigte er sich sehr ängstlich als er zwei entgegenkommenden Hunden angesichts wurde. Obwohl er die kleine, keifende Paula und den ruhigen, zurückhaltenden, gleich großen Bobby von zahlreichen Begegnungen kennt, traute er sich erst vorbei, erst als deren Frauchen die beiden zu sich rief und einen Bogen um den Obelix lief – sichtlich erleichtert suchte er dann hinter dem Pflegefrauchen Schutz. Auch die folgenden Tage blieb er ein wenig ängstlich abwartend erst mal im Hintergrund, wenn andere Hunde auftauchten, mittlerweile ist das Erlebnis offensichtlich vergessen.
Massage ist was feines
Gesundheitlich verlief der Monat ruhig, fürs letzte Wochenende war ein zweitägiges Massage-Seminar für Mensch und Hund gebucht, die Zweibeiner freuten sich bereits. Einige Tage vorher zeigte sich unterhalb des Nasenspiegels auf der defekten Seite am Rand des Narbenverlaufs ein kleiner rosa Fleck, der sich stetig vergrößerte. Dies trübte zwar den Genuss des Seminars ein wenig, dennoch lohnte sich der Besuch allemal. Die gut 15 Hunde umfassende Gruppe kam erstaunlich schnell zur Ruhe, hatten sie doch auch den besten Part erwischt: einfach nur hinhalten. Die Zweibeiner hingegen arbeiteten sich auch durch einen Berg Theorie, Knochen, Muskeln, Gelenke, dazu unterschiedliche Massagetechniken. Die letzten Stunden standen für Gangbildanalyse eines jeden vierbeinigen Teilnehmers und daraus resultierenden individuellen Übungsvorschlägen zur Verfügung.
Aufgefallen ist unser Obelix weder während des Seminars noch in den Pausen, kein Geknurre, kein übermäßiges Gejammer, ein Hund wie viele andere auch – was für eine Entwicklung hat er doch durchlaufen in den letzten Monaten!
Ein möglicher Hauttumor

Die darauf folgende Woche begann dann mit einem Besuch in der Tierarztpraxis, den stetig weiter wachsenden Fleck betrachten lassen, der mittlerweile schon auf über einen Zentimeter Länge kam, der Obelix (noch) nicht stört oder behindert. Ohne Biopsie lässt sich leider nichts Definitives sagen zum derzeitigen Zeitpunkt, ein Papillom (durch Virus hervorgerufen) scheidet wohl eher aus, da die Auflagefläche sehr breitflächig ist. Der Veterinär geht daher von einem Hauttumor aus, der bislang gutartig aussieht. Es gibt gutartige Hauttumoren, die sich so spontan wie sie entstanden sind, auch nach einigen Wochen wieder zurückbilden. Auf Anraten des Tierarztes lassen wir das „Gewächs“ daher erst mal an Ort und Stelle, beobachten das weitere Wachstum und besprechen uns in der kommenden Woche erneut mit dem Veterinär.
 

 

 


Update 06. Februar 2007

Nachdem unser Obelix oder besser gesagt sein „Gewächs“ die ganze Woche über kein Einsehen zeigte und das besagte Ding größer und größer wurde, gab es heute beim Veterinär nicht mehr viel zu besprechen: sicherheitshalber musste das Ding raus.

Hatte sich unser Obelix im Wartezimmer noch fast durchgängig vorbildlich benommen (ein paar leise Quietschereien ausgenommen), war das gute Benehmen schlagartig vergessen, als die Nadel des Zugangs den Weg in sein Vorderbein suchte. Sein großes Wehgeschrei stand in keinem Verhältnis zum Geschehen und so waren alle froh, als das Narkosemittel seinen Dienst tat. Neben der Entfernung des Tumors und dem Vernähen der Lefze wurden, schließlich bietet sich so eine günstige Gelegenheit nicht alle Tage, die Zähne durchgesehen, alles bestens, da gibt es nach wie vor nichts zu tun für den Tierarzt. Obelix wacht aufObwohl das Narkosemittel für einen Hund deutlich unter seinem Gewicht dosiert war, tat er sich schwer mit dem Aufwachen, erst als die Blase deutlich drückte, kam zaghaftes Leben in den Hund. Die Treppen runter nahm er sicherheitshalber die Kuli-Dienste vom Pflegeherrchen in Anspruch, der Versuch, gekonnt das Bein am Baum zu heben scheiterte dann auch, er behalf sich, lehnte den Schulterbereich an den Stamm und pieselte im Stehen, Hauptsache Ziel erreicht. Zum Anstänkern eines Goldies, die gegenseitige Abneigung wird bei jeder Begegnung schon seit Monaten gepflegt, langte die Form grad noch, Treppe rauf schaffte man dann auf des Pflegeherrchens Armen, fein, so einen eigenen Kuli zu haben! Oben angelangt, hätte er gern Hunger gehabt, aber wer noch nicht recht stehen kann, der braucht auch nicht zu fressen und so trollte er sich wieder, kämpfte sich mit wackeligen Beinen über den Rand seines Korbes und schlief weiter.
Die frische Naht


Nun heißt es für die Menschen wieder warten, erst auf das Ergebnis der Histologie, denn diesmal wollen wir wissen, was da weg geschnitten wurde, schließlich wurde er erst vor einem Jahr am anderen „Ende“ wegen Anal-Tumoren operiert. Und wenn der Pathologe nichts Gegenteiliges befundet, sollte in zehn Tagen mit dem Fädenziehen die Sache erledigt sein. Wobei sich da schon fast die Frage aufdrängt: und was fällt dem Hund dann als nächstes ein in Sachen Krankheiten?


 

 

 


Update 12.Februar 2007


Nun endlich ist der Pathologie-Befund da: Histiocytom, ein gutartiger Tumor, der mit dem Fäden ziehen am Freitag vergessen und erledigt sein wird.
Obelix ging es schon am Tag nach seiner Narkose wieder blendend, er hatte aus dem bisserl Medikament ja auch den mehr als maximalen Schlaf herausgezogen. Und so konnte er bereits auf der ersten Runde wieder mit allerlei Blödsinn glänzen und unterbreite auch durchaus ernst gemeinte Angebote, bereit für das Verdienen von ein paar Leckerchen zu sein - ein Gefallen, denn man ihm doch gerne tat. An den Fäden stört er sich gar nicht, kein Trichter, kein Gescharre, kein Geschlecke - nur ab und zu ein verwunderter Blick auf eines seiner Körperteile, wenn er sich beim Putzen mit einem Faden selber pickst.



Update 19. Februar 2007

Anscheinend war es unserem Obelix zu wenig, dass er „nur“ einen komplett neuen Vermittlungstext zu seinem einjährigen Jubiläum bei der Nothilfe für Polarhunde e.V. bekommen hat und nicht auch noch ein update. Denn er lieferte uns gleich heute morgen jede Menge Stoff für eine update-Meldung.
Klamm und heimlich, geschützt durch die Dunkelheit der Nacht, hat sich unser Obelix recht heftig hinten links am Popo rumgebissen und da ihn da offensichtlich etwas plagte, wurde wieder einmal der Tierarzt zu Rate gezogen. Eine Diagnose hatten wir recht schnell, ein heftig entzündeter Analbeutel war die Ursache für Obelix energisches Knabbern am Hinterteil – nur behandeln? Nein behandeln lassen wollte er das nicht, mit großem Wehgeschrei und viel Gezappel versuchte er zu verhindern, was unvermeidlich war. Dem hilflos Tobenden musste ein Beruhigungsmittel verabreicht werden, die Spritze löste erneutes Geschrei aus - ja wenn er mal die Fassung verloren hat, dann ist ihm halt alles zu viel ….
Durch die „chemische Keule“ bald reichlich wehrlos, wurde er wieder auf den Tisch gehievt und erstmal das Ausmaß der Entzündung in Augenschein genommen. Fast könnte man resigniert sagen „wir haben uns im Kreis gedreht im letzten Jahr“, denn auch diesmal fand sich eine Fistel, die nun wieder mühsam bis zum Verheilen gespült werden muss. Den Tierarzt wird der Obelix in nächster Zeit also recht häufig sehen…
Obelix noch "voll auf Droge"
Und da wir ihn schon so schön „kalt gestellt“ hatten, baten wir auch gleich um einen Kontrollblick in die Ohren, da diese ja durch die Allergie recht häufig Probleme machten und wir eigentlich nur sicher gehen wollten, dass auch da, so wie im Hautbereich, alles in Ordnung ist. Überraschung! Es fand sich ein kleines Loch im Trommelfell des linken Ohres, so klein, dass es von selber zu heilen sollte in den nächsten Wochen – wie er das nun wieder geschafft hat, ist uns ein Rätsel.
Der Rest vom Tag war für Obelix „gelaufen“, leise schnarchend genoss er seinen Medikamentenrausch, erst zur abendlichen Fressenszeit kam ein wenig Leben rein. Ermattet von der vorherigen „Block-Runde“, wurde das Essen im Liegen und aus der Hand eingenommen, aber das mit gutem Appetit, kein Krümel blieb über.

 

 


Update 03. März 2007


Nun ist er wieder obenauf, unser Obelix, nachdem er an dem seinerzeit verabreichten Beruhigungsmittel doch volle drei Tage knabberte – sein Stoffwechsel scheint aus unerfindlichen Gründen Schwierigkeiten mit dieser Art der Sedation zu haben. Medikamente dieser Wirkstoffgruppe sollte er zukünftig besser nicht mehr verabreicht bekommen, rät der Tierarzt, der noch keinen vergleichbaren Fall in seiner Praxis hatte. Geschadet haben Obelix die drei Tage im Rauschzustand nicht, neben den Koordinationsschwierigkeiten fiel vor allem sein extremer Appetit auf, es war schon ein richtiger „Fress-Flash“ und das bei einem sonst immer mäkligen, langsamen Fresser….

Nachdem der Tierarzt nun wieder einige Zeit im Zwei-Tages-Rhythmus aufgesucht wurde, ist die Fistel schnell abgeheilt und auch die Entzündung hat sich völlig zurückgebildet, für gesund wurde der Rüde vor zwei Tagen befunden.
Bei den folgenden Behandlungen war er übrigens ein recht braver Patient, einzig als einmal weder Frau noch Herr Doktor in der Praxis waren, gab es ein ziemliches Geschrei – wieder einmal zeigte sich Obelix wenig flexibel, wenn an einer an sich vertrauten Situation etwas verändert wird.

Die Bestätigung für diese Annahme gab es dann einen Tag später, Video-Trainings-Nachmittag der Hundeschule, neun Teams mit Obelix völlig fremden Hunden agierten da gemeinsam, nebeneinander, hintereinander – sehr aufregend. Noch viel aufregender mit all diesen Hunden in einem kleinen Raum das Aufgenommene anzusehen und zu besprechen, er kam zwar zur Ruhe, aber entspannen konnte er sich nicht. Das Pflegefrauchen bekam ein paar weniger gute Haltungsnoten, der Obelix mal wieder den einen oder anderen Lacher für besonders langsames und wie in Stufen abgearbeitetes „Sitz“ – unser kleiner, liebenswerter Clown hatte wieder „voll zugeschlagen“. Der danach statt findende Ausflug in die Stadt war dann einer zuviel, hektisch und kaum noch ansprechbar schoss Obelix an der Leine herum – es traf ihn wohl unvorbereitet, denn die sonstigen Stadtgänge mit der Hundeschulgruppe beginnen immer am Bahnhof, wo mit dem Auto hingefahren wird. Die an sich bekannte Situation „Stadt“ wurde durch diese geringfügige Veränderung (zu Fuß von anderem Ausgangspunkt) wieder unbekannt und versetzte Obelix in Stress. Zur nachfolgenden Besprechung musste er nicht mehr mit in den Gruppenraum, sondern durfte sich im Auto erholen – tief schlafend auf der Seite liegend wurde er danach vorgefunden, nicht mal neben dem Auto redende Passanten konnten ihn wecken.
Also weiter an seiner sozialen Kompetenz arbeiten, die Videoaufnahmen zeigten auch schön, wo Mensch zukünftig trotz der an der Leine ausgebrochenen Hektik hilfreich eingreifen kann.

Kaum zwei Tage später durfte er zum ersten Mal bei einer Tierschutzfahrt mit, um die Verträglichkeit eines Tierheimhundes zu testen. Die fragliche alte Hündin Liberty hatte viel Ähnlichkeit mit der alten Malamutin Julie, die im vergangenen Jahr einen Tag Station gemacht hatte in Obelix Pflegestelle und so ließen sich die Situationen gut miteinander vergleichen. Hatten es bei Julie noch Wertungen wie „setzen, sechs“ gegeben, gab es diesmal ein „weitermachen, gut“, fürs „sehr gut“ war er ein wenig zu stürmisch und grobmotorisch, aber der Fortschritt in seinem Verhalten gegenüber Artgenossen ist wirklich enorm. Der einzige Lichtblick eines Nachmittages, der traurige Einblicke gab, was Menschen Hunden alles antun können durch Vernachlässigung und Setzen falscher (menschlicher) Prioritäten.
Ein Paket für Obelix
Nach so viel Unbill und geleisteter Arbeit freute sich Obelix dann umso mehr, dass einige seiner Paten ihn in der darauf folgenden Woche einmal so richtig verwöhnten. Von den Tierschützern von „Tiere kennen keine Grenzen“ kam ein riesengroßes, zusammen gesammeltes Pakte voll mit den von Obelix so geliebten Quietscherchen.

Soviel Spielsachen

Sogar mit KärtchenGanz ungläubig unser Obelix

Doch mal guckenNach anfänglichem Zögern und ungläubigem Staunen „alles meins?“ widmete sich der so Beschenkte dann voll Hingabe dem Schreddern der ersten Gummiteile – rasch hat seine Begeisterung immer einen solchen Level erreicht, dass er derart herzhaft zu beißt, dass ganze Stücke davon fliegen – nur gut, dass er sie nicht frisst, sondern nur enttäuscht das defekte Ding nach einer Weile liegen lässt. Innerhalb von Minuten starben so die ersten Quietscher den Heldentod und der Raum verwandelte sich zusehends in ein Obelix Spielzimmer, mitten drin im Chaos ein super zufriedener Obelix.

Und los geht's

Alles mein!?


Obelix und seine PatinUnd auch der nächste Tag brachte mit dem Besuch einer Schweizer Patin ein echtes Highlight, hatte diese doch richtig gute Lecker im Gepäck und war sogar bereit, sich gründlichst Gesicht und Ohren schlecken zu lassen.

hach wie schön

Obelix gaaanz ruhigDie ruhige Art der Patin sorgte auch dafür, dass Obelix sich nur gut benahm und von seiner absolut sonnigsten Seite zeigte, sehr ruhig, sehr ausgeglichen und kein bisserl aufdringlich. Und auch wenn Obelix am liebsten alles für sich vereinnahmt hätte, Menschen, Leckerlie, Streicheleinheiten, es fiel noch genügend ab für die in der Pflegestelle vorhandene Hündin. Vertrieben wurde sie nur durch den menschlich verständlichen Wunsch, ein paar Erinnerungsfotos haben zu wollen – Foto sehen, Blitzlicht ahnen, weg ist Madame und überlässt Obelix gerne allein die Bühne.
Nett die Patentante


Update 02.April 2007

Hatten wir uns vor vier Wochen nicht gefreut, dass die Analbeutel-Entzündung samt Fistel so unkompliziert abgeheilt war? Nun, es war ein Trugschluss, eine Woche später war der andere Analbeutel dran, diesmal nur angeschwollen, noch nicht entzündet. Als dieses ausgestanden war, vergingen nur wenige Tage und die linke Seite war wieder eitrig entzündet, beim Tierarzt hätten wir im vergangenen Monat eigentlich gleich sitzen bleiben können mit dem Obelix.
Allzu viele Möglichkeiten, dieses Szenario zu vermeiden, gibt es nicht, er leidet weder an Durchfall noch zu weichem Kot. Allerdings kam es nach der Operation vom letzten Jahr zu Narbenbildung auch im Darmbereich direkt hinter dem After (für den Tierarzt deutlich tastbar) und das Darm-Gewebe ist stellenweise etwas schwach, beides wird wohl zu den Schwierigkeiten beitragen. Gleichzeitig ist es aber auch der Grund, warum die operative Entfernung der Analbeutel als letzte Möglichkeit der Behandlung in Frage kommt, das Risiko, dass der Rüde in Folge inkontinent wird, ist deutlich höher als bei einem nicht voroperierten Hund. 

So eigentlich ganz schön nervenstrapaziert, nahm unser Obelix an 24. März an einem Workshop der Hundeschule teil „Test „Hundeführerschein“ – Würden wir ihn bestehen?“. Als momentan Wahl-Baden-Württemberger unterliegt Obelix ja recht wenig gesetzlichen Zwängen – aber was wäre wenn er z.B. nach Hamburg vermittelt würde? Würde er mit der dortigen Prüfung klar kommen? Eine interessante Frage – grad weil er eben auch ein Husky ist und sich hartnäckig das Gerücht hält, diese seien gar nicht erziehbar. Beurteilt wurden die Hunde nach den Prüfregeln des IGH-Hundeführerscheins, der zwei Stufen vorsieht, die erste an der Leine, die zweite ohne. Obelix trat also für Stufe 1 an.
Der Test begann mit der Prüfung der Leinenhalter, die rund eine halbe Stunde Zeit hatten, die richtigen Antworten auf die sich auf drei DIN A4-Seiten auftürmenden Fragen im Multiple-Choice-Verfahren herauszufinden. Die insgesamt sieben Hunde waren in dem Raum mitanwesend, sie hatten sich vorher nicht gekannt oder kennen lernen können. Danach ging es in den praktischen Teil, durchs Industriegebiet ins Gelände, wo die Hunde endlich auch Zeit für ihre Sozialkontakte fanden (und die Halter den Abruf unter erschwerten Bedingungen zeigen konnten). Danach ging es an kurzer Leine zügig an die Elz, wo bei trockenem Wetter jede Menge „Freizeit-Verkehr“ war, also Spaziergänger, andere Hundebesitzer, Jogger, Fahrradfahrer – was der Alltag eben so zu bieten hat. Von dort ging es weiter ins Zentrum des Kleinstädtchens, die Halter durften samt Hunden eine kurze Verschnaufpause in einem Cafe einlegen. Zum Kaffee wurde rege über die theoretischen Fragen debattiert, manche Antwort hatte man doch so oder so verstehen können. Ein Gang durchs Städtchen folgte, immer wieder unterbrochen von kleinen Alltagshandlungen wie Geldautomat oder Ladengeschäft besuchen – nicht nur die Hunde werden geprüft, auch die Umsicht der Halter. Denn ein vor einem Geschäft wartender Hund sollte so platziert werden, dass andere Zweibeiner sich auch noch heraus oder herein trauen, selbst die, die ein wenig ängstlich sind. Danach ging es dann fix und foxi zur Abschlussbesprechung in die Hundeschule – die erlebte Obelix aber nicht mehr, er schlief schon süß und selig im Auto den Schlaf der Gerechten.
Der Bewertungsbogen unseres Obelix war gar nicht schlecht (was im Schwäbischen so viel heißt wie „er war gut“), den Husky allerdings kann er nicht verleugnen. Ablenkung lenkt ihn wirklich erst einmal ab, neugierig wird zunächst geguckt und sich dann besonnen, was eigentlich verlangt war - da er Platz gar nicht gern macht, dauert es da dann am allerlängsten mit der Besinnung. Tja und freilaufend (in seinem Fall gesichert mit der Schleppleine) ist er dann ganz Husky: „ war da nicht ein störendes Nebengeräusch, das sich anhörte wie das Pflegefrauchen? Ach nööö, lieber weiter schnuffeln…. – oh, sie war es doch! Was will sie denn? Lass mal rumgucken, warum sie rufen könnte…hmmmm????    ja ja, nur net hetzen, ich komm ja schon…“ – zu mehr als einem „befriedigend“ reichte es hier trotz des monatelangen Schleppleinen-Trainings und des Übens der Abrufbarkeit nicht. Und selbst dafür musste das Pflegefrauchen schon mit allen Tricks, wie zum Beispiel der von Obelix so heiß geliebten Schwarzwurst kämpfen – eine Hundeschule macht aus einem Husky halt auch nur einen erzogenen Husky, das Wesen und die Eigenheiten, Eigenwilligkeiten der Nordischen bleiben immer bestehen (zumindest wenn es eine gute Hundeschule ist).
Seine Leistung aber bleibt davon unberührt, denn es war wirklich eine großartige Leistung, die er da über fast drei Stunden gezeigt hat. Unser ziemlich unverträglicher und ganz und gar nicht umweltsicherer nervöser Zappel- und Quietsche-Chaot ist während der Monate zu einem sehr verträglichen, in vielen Situationen sicheren und stets führbaren Hund herangereift - seine Alltagstauglichkeit hat er sehr erfolgreich unter Beweis gestellt.

 


Update 30.April 2007


Wie hieß es im letzten update so schön? „Eine Hundeschule macht aus einem Husky halt auch nur einen erzogenen Husky“? Obelix scheint diesen Satz intensiv studiert zu haben, denn man konnte in den letzten Wochen nur sagen „ihn stach der Hafer“ – das aber gründlich. Ausgerechnet einen Hundeschultermin suchte er sich für seinen ersten richtigen Absetz-Versuch in Richtung „grenzenlose Freiheit“ aus, nicht sehr clever, wie sich zeigen sollte. Es begann ganz harmlos mit einem Rennspiel mehrer Hunde, denen sich Obelix, mal wieder der letzte (weil der langsamste), angeschlossen hatte und die sich im Rennen recht weit entfernten. Da sie dabei den Obelix abhängten, quasi „verloren“, gab der dann auch von sich aus auf und ging lieber interessanten Spuren nach – von denen es in Waldnähe leider jede Menge gibt. In seinem gemächlichen Trab seilte er sich immer weiter ab – Rufen entlockte ihm nicht mal ein Ohrenzucken – es blieb also nichts anderes als hinterher. Das registrierte auch der Obelix, übersah aber, dass neben dem Pflegefrauchen sich auch der Hundetrainer „auf die Socken“ gemacht hatte – böse Überraschung, als der ihm kurzerhand den Weg abschnitt. Als Obelix feststellte, dass der Trainer sich der Schleppleine bemächtigt hatte und der schöne Ausflug somit jäh zu Ende war, da hat er protestierend dann ein wenig rumgekläfft und sein lustigstes Husky-Lachen dazu aufgesetzt – schön, dass sich wenigstens er offensichtlich amüsiert hatte!
Gleich am nächsten Morgen dann ein ähnliches „ich-kann-nichts-hören-nicht“-Szenario, diesmal war es das für die Ernte bereits zwischen den Erdbeeren ausgebrachte Stroh, das es ihm angetan hatte und durch das er wie ein Junghund mehr schlitterte denn rannte. Da Übermut bekanntlich nicht vor Konsequenzen schützt, ist die Länge der Schleppleine nun wieder beachtlich und an der Rückrufbarkeit wird vermehrt geübt. Frühjahr, bestes Kaiserwetter und überschäumende Lebensfreude hin oder her – so geht es denn beim besten Willen nicht!
Obelix
Abgesehen von diesen „Flucht-Tendenzen“ kann aber nur Erfreuliches über ihn berichtet werden. Sehr gut ist mittlerweile seine Orientierung an seiner Bezugsperson, dies macht sich am deutlichsten in den nicht alltäglichen, überraschenden Situationen bemerkbar. So hat beispielsweise der Bauer, an dessen Hof es fast täglich an der Morgenrunde vorbeigeht, Anfang April die größeren Kälber in den Auslauf neben dem Hof getan, der Weg führt direkt daran vorbei. Da ein Stallgebäude keine freie Sicht zulässt, blieb die Überraschung recht lange im Verborgenen, zumindest den Zweibeinern, den Hunden war am vermehrten Schnüffeln und Tänzeln schon anzumerken, dass da was anders sein muss als sonst. Dem Obelix war der Anblick der schon recht großen Kälber alles andere als geheuer, so weit entfernt wie nur möglich drückte und drückt er sich da vorbei, sollte zufällig noch einer „muh“ sagen, dann geht er freiwillig bei Fuß – wer weiß schon als Hund, was Kühe fressen?
Auch bei Begegnungen mit Artgenossen verlässt er sich darauf, dass Mensch das schon irgendwie regeln wird und er – unter Wahrung seiner Individualdistanz – den anderen Hund gefahrlos passieren kann. Betonung liegt hierbei auf Distanz, je größer der andere Hund, desto mehr Raum braucht Obelix zwischen sich und dem anderen, um ruhig vorbei zu gehen. Im Alltag nicht immer eben einfach, manch andere Hundehalter bringen wenig Verständnis dafür auf, dass ein grad mal autobreiter Waldweg dem Obelix zu eng zum Vorbeigehen wird, wenn der andere Hund bereits in Wegmitte läuft. Bittet man dann noch, den Hund vielleicht auf des Hundeführers andere Seite zu nehmen – tja, dann kann man beim Heimkommen wieder was erzählen….. Manchmal sind umkehren und bei passender Gelegenheit ein paar Schritte in die „Pampas“ da der einfachere Weg, mit solchen Begegnungen umzugehen.
Richtig überflüssig war dann eine Situation innerorts in einem Wohngebiet, dort schoss vollkommen unvermittelt von einem Gartengrundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Hund, etwas kleiner als der Obelix, knurrend auf ihn zu. Der ziemlich verdutzte Obelix drehte sich leicht dem anderen Hund zu und sah auch schon eine krause Nase und viele noch recht weiße Zähne, es folgte ein Satz nach vorne und ein Schnappversuch nach Obelix. Der die Leine haltende Zweibeiner hatte da endlich auch die Schrecksekunde durch und stellte sich zwischen Obelix und den Angreifer. Ein paar barsche Worte, eine eindeutige Handbewegung in Richtung Heimat und ein Schritt nach vorne – schwups, schon wart der Wegelager nicht mehr gesehen, ein zugehöriger Zweibeiner wurde übrigens gar nie nicht gesichtet. Obelix war ganz freiwillig hinter seinem Menschen geblieben, von ihm kam in der gesamten Situation weder ein Knurren noch sonst ein Zeichen für Aggressivität. Aber geträumt hat er später heftig, viel Gerenne und Gebelle im Schlaf – wie immer, wenn ein Erlebnis ihn sehr beschäftigt.

 



Update01.Juni 2007

Huhu, hier ist Obelix!
Ich bin der Obelix

Ich darf nämlich heute mal selber, weil dem Pflegefrauchen nichts für ein update eingefallen ist und da denk ich mir, ich nehm’ das jetzt einfach mal selber in meine dicken Pfoten mit der Vermittlung, denn die Menschen kriegen das mit ihren wohlgesetzten Worten irgendwie nicht hin …

Also, ich bin ein kastrierter Husky-Rüde, etwa 2002 oder 03 geboren, da erinnere ich mich nicht mehr so genau. Ende 2005 wurde ich ganz alleine irgendwo gefunden und ins Tierheim gebracht, im Februar 2006 kam ich zur NfP und drei Monate später wurde ich eingeschult. Hundeschule fiel meinem Pflegefrauchen erst ganz schön schwer, das dauerte, bis sie herausbekam, wie ich „ticke“ (Handzeichen sag ich nur). Aber nu geht das und zusammen haben wir schon den Test für den Hundeführerschein nach den Vorgaben der IG-Hundeschulen gelaufen und Stufe eins bestanden (o.k. im Freilauf an der Schleppleine waren meine „Noten“ dann nicht so berauschend, bin halt doch ein Husky). Dass mich trotzdem keiner will, das kränkt mich ja ein bisserl, ich dachte immer, feste arbeiten wird auch belohnt…



fang mich.....Ich sei ein Quatschkopf sagen sie, wenn ich das Geschirr ankriegen soll, dann sause / hüpfe ich davon, gucke immer, ob auch jemand hinterher kommt und dann geht das mit Spielaufforderungen und viel Gerenne erst mal bis ich eingefangen bin. Das will ich auch nicht missen, das macht Spaß. Morgens bin ich in der ersten Viertelstunde draußen dann etwas anstrengend, da knall ich schon mal in die Leine, ausgeschlafen ist das Leben ja so schön! Danach werde ich ruhiger, die liebsten Spaziergänge sind mir übrigens die, wo es auch was zum Plantschen hat – zu keiner Jahreszeit kann ich dem Wasser widerstehen. Begegnungen mit anderen Hunden finde ich an der Schleppleine gut, Mädels finden mich manchmal ein bisserl „trampelig“, dabei gebe ich mir so `ne Mühe. An der Flexi oder kurzen Leine finde ich größere Rüden dann etwas uncool, ich mein, da kann ich mich im Notfall nicht verdrücken und das macht es einfach schwierig. Okay- ich oute mich, ich bin kein Held und froh, wenn mir jemand sagt, wo’s lang geht, aber gelle, ich bin kein Schisshase, Gewitter oder Silvester lässt mich kalt.
ein wenig sprigen kann ich auchWieder zu Hause ist meist erst mal eine „Unterboden-Reinigung“ fällig, irgendwer wirft mir beim Laufen immer lauter Schmuddelzeugs an den Bauch bis der ganz braun-schwarz ist. Danach möchte ich Frühstück (nett garniert mit den 4 Wurststückchen mit meinen Tabletten) und wenn das nicht schnell genug geht, maule ich auch schon mal rum. Anschließend gucke ich, wenn geboten, noch etwas Katzenfernsehen vom Balkon, und dann ruhe ich, bis ich zur Mittagsrunde wieder geweckt werde. Gerne lasse ich mir hinterher einen Snack (getrockneter Pansen oder kleine Hundekekse) reichen, dann beaufsichtige ich die Küchenarbeit und gehe dann ein weiteres Nickerchen halten. Manchmal erhebe ich mich schon etwas vor der frühabendlichen Runde und suche jemanden, der noch ein bisserl mit mir spielt, Bällchen werfen oder so. Mein Abendessen, Trockenfutter dekoriert mit drei Tabletten-Wurststückchen, möchte ich dann bitte fix, denn jetzt habe ich richtig Hunger und maule, wenn die Essensausgabe bummelt. Bevor ich meinen vollen Bauch ablege, will ich noch ein paar Leckerchen verdienen und vorführen, was ich alles so gelernt habe in den letzten Wochen und Monaten. Darauf keine Lust zu haben gilt nicht, da werde ich nervig. Mir ist es egal, ob wir das drinnen machen oder noch eine kleine Zusatzrunde gehen, ich bin für beides zu haben, Hauptsache, wir machen zusammen! Das Schläfchen hinterher habe ich mir wirklich verdient, denn meist gebe ich alles –zur letzten Runde kann man mich am Körbchen abholen, eigentlich stehe ich erst auf, wenn Halsband und Leine schon dran sind. Hinterher stehe ich wie eine eins in der Küche, warte auf mein Bett-Hupferl und das anschließende Zähne putzen, bitte nur die freiliegenden und nur mit Hähnchen-Zahnpasta! Danach entschwinde ich in mein Körbchen und wünsche zu ruhen bis zum nächsten Morgen, schnarchen tue ich übrigens nicht, so dass mein Wunsch, in der Nähe Eures Bettes zu schlafen kein Problem ist.
buddeln ist doch das Beste für uns Husies
Meine Lieblingshobbys sind Löcher buddeln, Vögel aufscheuchen und mit einem Hundekumpel spielen, gerne apportiere ich auch meinen Futterbeutel oder einen Ball. Und wenn irgendwo Kinder sind, stelle ich mich oft dazu und tue so, als gehöre ich zu denen – dabei sein ist alles für mich! Mit einem Zweithund kann ich aber schon mal alleine bleiben – vorausgesetzt Ihr kriegt das hin ohne mich zu gehen, ich kann ja so traurig – vorwurfsvoll aus meinem Pelz gucken.

Wetten, dass nu einige denken „baoh – klasse Hund, Nothilfe anmailen / anrufen“ und sich fragen, warum ich schon so lange zu haben bin? Ganz einfach, die Tabletten sind Enzyme für meine Bauchspeicheldrüse, die macht nämlich nicht genug davon selber und die kosten rund 25,-- Euro im Monat. Wen das noch nicht abschreckt, der zuckt meist weg, weil ich schon mal eine OP am Popo hatte, wo ein Tumor der äußeren Drüsen weggemacht wurde und mich auch meine Analbeutel etwas öfter nerven. Tja und wenn dann noch meine fehlende Lefze auf der einen Seite ins Spiel kommt, dann sind endgültig alle potentiellen Interessenten weg, da brauch ich nicht mal mehr sagen, dass ich auch Allergiker bin und wegen meinem einen Sprunggelenk keinen Sport machen darf.

Wenn ich nicht so ein fröhliches, sonniges Gemüt hätte, wär ich jetzt deprimiert! Aber weil ich so ein lustiger Kerl bin, nehm ich’s leicht und nerve einfach meine Pflegefamilie nebst Hundedame noch ein bisserl weiter - oder will mich nu jetzt etwa einer???

 


Update 28.Juni 2007

Nein, auch Obelix flammender Aufruf in eigener Sache brachte ihm keinen Interessenten ein, er ist nach wie vor zu haben…..

Würde man Obelix fragen, wie sein letzter Monat war, so würde er vermutlich sagen „sehr durchwachsen“, denn es ging wirklich drunter und drüber. Die in der Pflegestelle lebende Hündin erkrankte, viele Tierarztbesuche waren nötig, schließlich folgte gar noch eine Milchleisten-Operation. Dem Obelix fehlte also seine liebste Spielkameradin, denn die hatte verständlicherweise gar keine Lust auf Raufereien oder Rennspiele.
Auch die Möglichkeit, den Obelix mal rennen zu lassen, war nur sehr eingeschränkt gegeben, das lag aber an dem Obelix selber, der kann nämlich dem Geruch von Erdbeeren nicht widerstehen, mal abgesehen davon, dass er das Aufwirbeln von dem ganzen Stroh zwischen den Erdbeerreihen beim Drüberrennen anscheinend mega lustig findet. Also tobt er erstmal durch die Erdbeerreihen, um dann auf die Suche nach der ultimativen Erdbeere zu gehen, die anscheinend nicht nur reif, sondern sogar ein wenig überreif sein muss – aber keinesfalls schon matschig. Da das natürlich gar nicht geht, schließlich erwarten die Bauern ja nach all der Arbeit auch ihren Ertrag, konnte er nur auf dem Platz der Hundeschule laufen – garantiert erdbeerfrei aber nur eingeschränkt zugänglich.
Obelix
A propos Hundeschule, die hat er diesen Monat gleich zweimal versäumt, weil der Termin sich mit den Tierarzt-Terminen überschnitt. Nach dem zweiten Mal staunten dann alle nicht schlecht, was für ein arbeitswütiger Obelix sich da zum Stadtrundgang einfand. Trotz großer Wärme gab er eine Sondervorstellung, wie begeistert er doch bei der Sache sein kann und wie schnell er, der Anweisungen sonst gerne mal reiflich überdenkt, doch sein kann, selbst der Trainer kam ins Staunen. Eine Woche später war der Spuk dann wieder vorbei und verkehrte sich ins Gegenteil, es gab den super langsamen und schwerfälligen Obelix zu sehen, der sich mit vielen Windungen, Abstufungen und Seufzen in ein Sitz begab. Ursächlich dafür war wohl zum einen der nasse Boden, ausgerechnet er, der nach jedem Spaziergang aussieht, als hätte er ein Schlammloch gefunden, schätzt es gar nicht, wenn er sich ins Feuchte setzen muss, hinlegen geht natürlich überhaupt nicht. Selbst freiwillig, wenn er müde ist und eigentlich liegen wollte, sieht er mit entsprechendem Gesichtsausdruck (leidend-angewidert) davon ab – eine liebenswerte Macke, die irgendwie zu ihm passt. Das andere, was ihn ein wenig aus dem Konzept brachte, waren zwei neue Teilnehmer, beides große Hunde und die damit verbundene Unruhe innerhalb der Gruppe. Diese wurde noch dadurch gesteigert, dass einige nach Urlaub wieder teilnahmen und eine Hündin nach beendeter Läufigkeit, geruchlich allerdings für die Rüden durchaus noch attraktiv.

Für den Obelix, der auf Veränderungen nach wie vor sehr sensibel und verunsichert reagiert, war das in der Summe dann fast zuviel und doch war es immer wieder möglich seine Aufmerksamkeit zu kriegen. Dinge, die mit Aktivität verbunden sind (Seitenwechsel, kommen) die führt er auch unter solchen „Belastungen“ zuverlässig aus, nur das, was Ruhe bedingt wie Sitzen, das ist dann schwierig umzusetzen, es dauert und dauert bis er einsieht, dass nichts weiter geht, bis die Ausführung erfolgt ist. Logisch, dass nach der Stunde auf der Heimfahrt nichts mehr zu sehen war vom Obelix im Auto und er nach erfolgtem Abendmahl in seinem Korb schlief wie ein gefällter Baum, selbst zum Träumen viel zu müde.

Gesundheitlich hat er sich möglicherweise verbessert, er hat in den letzten Wochen so an Gewicht zugelegt, dass die Vermutung nahe liegt, dass die Bauchspeicheldrüsen-Medikation zu hoch ist. Auf Anraten des Tierarztes, der die Möglichkeit in Betracht zieht, dass sich das geschonte Bauchspeicheldrüsen-Gewebe erholt hat, wurden die Tabletten runtergefahren. Doch bis das langsam geschehen war, hatte der Obelix doch tatsächlich ein wenig „Speck“ angesetzt – ausgerechnet unser ehemaliger „Hunger-Haken“. Seit einer Woche ist nun auf Null reduziert, noch sind die Hunde-Haufen fest und trotz Diät scheint er bislang kein Gewicht verloren zu haben – zumindest zeigte die Waage unerbittlich über 23 kg an. Nun sind wir natürlich alle gespannt, wie das weitergeht in Sachen Fressen und Verdauen – es wäre ja schön, wenn sich die Bauchspeicheldrüse tatsächlich regeneriert hätte.

 


Update 29.Juli 2007

Schon wieder ist ein Monat vergangen, in denen sich unser Obelix vor Nachfragen kaum retten konnte  (o.k., ein bisserl geflunkert)- er ist so ein toller Hund geworden und offensichtlich immer noch nicht gut genug, um seine gesundheitlichen Problemchen ausgleichen zu können….

Spaziergänge mit ihm verlaufen zwischenzeitlich ganz entspannt, er kennt mittlerweile vieles und kann so nur noch selten verunsichert werden durch irgendwelche unbekannten Geräusche oder Objekte. Ebenso selten gibt er das „Leinenmonster“ – so selten, dass seine Pflegemutter manchmal schon fast vergisst, wie er denn so sein konnte / kann….

ObelixNeu entdeckt hat er für sich das im Kreis rennen auf weiten Plätzen, wenn er an der Flexi ist, wobei er ab und an vergisst, dass der Kreis ein Kreis und keine Gerade ist …..

Nachdem er es ja im letzen Jahr vorzog, auch während der heißesten Monate mit mehr als nur ausreichend Unterfell herumzulaufen, hat er sich diesen Sommer dazu entschlossen, alles abzuwerfen, was irgendwie auch nur im Entferntesten nach Haar aussieht. Seit Wochen ist die Wohnung übersät mit Fellflusen, das Ausbürsten ein zähes Geschäft, denn Bürsten wird der Obelix wohl nie lieben. Am besten geht es, wenn er Halsband und Leine dran hat, in der Regel verwandelt er sich dann in ein „Opferlamm“, das nicht mal mehr nach der Bürste schnappelt. Alternativ kann man sein Glück spät am Abend versuchen, wenn der Obelix ermattet ist vom Tagewerk, da ist nämlich lange die Faulheit größer als der Wunsch, der Bürste zu entkommen.

Seit nunmehr fünf Wochen lebt er ohne seine Bauchspeicheldrüsen-Enzyme und noch immer geht es gut, ein bisserl abgenommen hat er dank reduzierten Futters und hat schon fast wieder „Ideallinie“. Wenn es weiterhin so bleibt, dann werden wir wohl zum nächsten update auch seinen Vermittlungstext entsprechend abändern, vielleicht steigert das dann seine Chancen, endlich eine eigene „richtige“ Familie zu finden.


 


Update 25.August 2007

Noch immer haart der Obelix, was nur irgendwie entbehrlich ist und da sein Unterfell von eher beige-bräunlicher Farbe ist, hat sich mittlerweile sein „farbliches“ Erscheinungsbild ins weiß-graue verändert. Klein und schmal wirkt er so in seinem Sommerfell, obwohl er gewiss kein dürres Kerlchen mehr ist. Nach wie vor hält er sein Gewicht ohne die Bauchspeicheldrüsen-Enzyme und macht auch schöne feste Haufen von dunkler Farbe.
Seine Allergie hat ihm in den letzten Wochen allerdings schwer zu schaffen gemacht, juckende Stellen hier und da, erstmals sogar an der Innenseite des Hinterbeins. Und ganz Obelix wie man ihn mittlerweile kennt, sorgte er durch vehemente Knabberei und Beißerei an dieser Stelle dafür das es ganz schnell ganz viel schlimmer wurde…. Der Tierarzt hat von all den Prachtstellen sicherheitshalber mal eine Pilzkultur angelegt, aber da ergab sich nichts – warum nun auf einmal die Allergie allerdings wieder so Probleme macht, ist unklar. Erklärungsansätze gibt es viele, der lang andauernde und heftige Fellwechsel, das hoch stehende Gras, die viele Baderei, ein wenig zu viel ungewohnte Umtriebe in der häuslichen Umgebung …. Um es ihm ein wenig einfacher zu machen, der Juckreiz plagt ihn manchmal schon sehr, wurde das Cortison ein klein wenig erhöht, nun gibt es jeden Morgen eine Viertel-Tablette und die Beschwerden sind deutlich zurückgegangen.
komm Obelix......geht doch
Da wir immer noch an eine Vermittlung vom Obelix glauben, haben wir ihn Mitte August mit dem Pflegeherrchen zum Leinenführ-Workshop in die Hundeschule geschickt. In diesem Workshop geht es viel um Führung des Hundes über Körpersprache des Menschen, etwas, dem der Obelix ja nach wie vor mehr vertraut als dem gesprochenen Wort. Das Pflegeherrchen als „alter Hundler“, dessen Grundkenntnisse in einer Zeit angelegt wurden, als man auf Hundeplätzen noch mit viel Druck Hunde erzog, eignete sich gut als „Testperson“, quasi als Interessenten-Dummy. Natürlich gab der bekannte Trainer dem Obelix eine gewisse Sicherheit und verfälschte so ein wenig die Versuchsbedingungen – dennoch kann man mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Obelix hat sich redlich bemüht, die etwas ungelenk aussehenden Signale des ungewohnten „Teampartners“ zu lesen und je länger der Workshop ging, desto mehr wurde man tatsächlich ein Team, das sich gut in die Gruppe integrierte. Geschafft waren hinterher Mensch und Hund, ein Abendessen noch und dann bitte ein weiches Bettchen und schlafen, schlafen, schlafen….
Fotos konnten leider nur aus ziemlicher Entfernung gemacht werden, da Obelix sehr auf sein Pflegefrauchen reagiert – das heimliche Foto-Shooting fand auch ein abruptes Ende, als der Rüde versehentlich den vertrauten Geruch in die Nase bekam und daraufhin unruhig wurde.
Pootie - von Geburt blindWirklicher Star dieses Workshops war aber der blinde, schwarze Groenendael-Rüde Pootie, der natürlich ganz anders an die Lernziele herangeführt werden musste als die anderen Teilnehmer, aber wieder einmal zeigte, dass Hunde mit Handicap ein vollkommen normales Leben an der Seite ihrer Leinenhalter führen können – vorausgesetzt die Leinenhalter gehen ein wenig auf diese individuellen Besonderheiten ein. Pootie ist übrigens in Pflege bei einem Mitarbeiter der Auffangstation der Nothilfe für Polarhunde e.V. und sucht ebenso wie Obelix noch seinen Platz fürs Leben.
Ein dickes Dankeschön und großes Lob natürlich auch an Thomas Kern von der Hundeschule Kern, der jeden der Schützlinge immer da abholt, wo er sich befindet und ganz individuelle Möglichkeiten aufzeigt, Ziele zu erreichen.


 


Update 29.September 2007

Würde man den Obelix fragen, wie er so die letzten Wochen einschätzt, so käme diesmal bestimmt eine ellenlange Beschwerde-Liste, denn Obelix musste umziehen. Nein, nicht in eine andere Pflegestelle, sondern „nur“ in eine andere Wohnung.
Hatten sich in den Monaten die Unterschiede zwischen Hündin Yaska und Obelix mehr und mehr verkleinert auf reine Wesensunterschiede, so schieden sich mit dem Umzug erneut die Geister. Yaska besah sich in Ruhe ihr neues Domizil, fast sah es aus, als mache sie im Kopf eine Inventarliste, ob auch alles wesentliche, Hundefuttervorräte, Wassernapf und Hundebetten, mitgekommen sei und versank nach so viel Anstrengung in ein tiefes Schläfchen – der Obelix aber tappte ruh- und rastlos und das blieb über Tage so. Spaziergänge mit ihm waren (und sind) recht chaotisch, so viel fremde Umgebung – stellenweise ist es, als habe einer den „Löschknopf“ gedrückt und es wäre wieder jener Obelix, der im Februar 2006 zur NfP kam…….
Richtig dramatisch hatte es schon begonnen, denn ein Handwerker dachte nicht daran, sich bemerkbar zu machen, als er aus der Wohnung wollte und Obelix trat daher seinen ersten Ausflug in die neue Umgebung ganz alleine an. Glück im Unglück war, dass gerade die Schule zu Ende war und sich jede Menge kids auf dem Heimweg befanden, die das hinterherhetzende Pflegefrauchen mit aktuellen „Standort-Meldungen“ versahen. Was wohl der Besitzer des Einfamilienhauses dachte, in dessen Garten Obelix schließlich „dingfest“ gemacht werden konnte? Erst hebt Hund ein Bein an seinen Kübelpflanzen auf der Terrasse, buddelt eifrig ein klein Loch in sein Gemüsebeet und dann kommt noch ein ebenso wenig eingeladenes Frauenzimmer und freut sich ohne Ende über die „Bescherung“…..

Auch gesundheitlich merkt man dem Obelix den Umzug deutlich an, eine ganz wackelige Angelegenheit ist sein Verdauungstrakt derzeit, es reicht ein kleines Auslöserchen und der Durchfall ist da. Medikamente helfen nur bedingt, viel scheint tatsächlich „stressbedingt“ zu sein, noch immer ist der „neue“ Alltag für Obelix offenbar noch weit von jeder Normalität entfernt. Erfreulicherweise geht es ihm aber hauttechnisch besser, seine Allergie bekommt jahreszeitlich wohl derzeit kein „Futter“ und das Cortison konnte erstmal wieder ausgeschlichen werden.

KorbbesetzungAber trotz allen Widrigkeiten gab es auch Witziges mit dem Umzug zu beobachten. So wurde in den ersten Tagen die Yaska immer wieder einmal in dem Hundekörbchen gesehen, das bislang von ihr stets als dem „Obelix seins“ ganz streng gemieden wurde. Und Obelix kam ab so viel Dreistigkeit aus dem Staunen gar nicht mehr heraus - auf die Idee, sich in eines der freien Hundebetten zu legen, kam er übrigens nicht, resigniert legte er sich vor sein besetztes Körbchen.

Obelix im Bett

Aber er testete wie vor langer, langer Zeit schon einmal aus, ob die menschlichen Betten noch immer „tabu“ sind, heimlich natürlich, so doof, sich gleich im Hochhüpfen ertappen zu lassen, ist er dann doch nicht. Fast zehn Tage wurde die Betten-Frage diskutiert, dann war auch Obelix klar, dass in der Beziehung alles bleibt wie es ist oder wo es ist: Mensch drin oder auch nicht, aber Obelix definitiv nicht drin….

Wer so immer ein „wenig durch den Wind“ unterwegs ist, dem passieren natürlich auch Sachen, die normalerweise nicht geschehen – so schmierte Obelix beim Überqueren eines Bewässerungskanals in seiner Aufregung vom betonierten, gut zwei Erwachsenen-Füße breiten Steg ab und platschte fast zwei Meter drunter ins Wasser, wo er seinen kleinen „Freischwimmer“ machen musste. Denn es war zu tief zum Stehen und das Ufer so steil mit Steinen ausgekleidet, dass Befreien aus eigener Kraft nicht möglich war – überraschenderweise folgte er hier dem Rufen seines Pflegefrauchens und ließ sich zu einer Stelle lotsen, wo diese ihn mit einem beherzten Griff ins Geschirr heraushieven konnte – Ende gut, alle nass, denn Obelix Schüttelorgie entkam keiner….

 


Update 02. November 2007


Es hat seinen guten Grund, warum das update diesmal mit etwas Verzögerung daher kommt, denn nur so war es möglich, noch von etwas anderem zu berichten als nur „Pleiten, Pech und Chaos“. Man könnte es so auf den Punkt bringen:

„Oktober 2007 – ein rabenschwarzer Monat für Obelix (und die Vereinskasse)“

Unser Obelix hatte nämlich ein regelrechtes Formtief, das sich langsam aber sicher über Wochen ausbaute und schließlich aus unserem munteren, kleinen Chaoten einen am Ende der Flexi –Leine hinterher schleichenden uralten Hunde-Opi machte. Ein Bild des Jammers, die Ohren leicht nach hinten gedreht, stets hechelnd, als habe er eben einen Marathon hinter sich gebracht, den Kopf gesenkt und mitunter auch scheinbar nicht mehr so ganz gut zu Fuß, mal humpelte es hier, mal da, man verstolperte sich. Nicht einmal seine sonst so geliebten Leckerchen entlockten ihm etwas mehr Motivation – er tappte seines Weges und schlief ansonsten am liebsten tief und fest in seinem Korb.
Da die Momente, in denen „unser alter Obelix“ durchblitzte immer seltener wurden, hieß es also wieder einmal Tierarzt, denn mit diesen Symptomen eröffnet sich eine breite Palette an möglichen Ursachen. So sah es auch der Veterinär und begann erst einmal ganz solide mit einer Gesamtuntersuchung der Gelenke, also abtasten und durch bewegen. Ganz geräuschlos ging das nicht, viel gab es zu Jammern für den Obelix, auch mal richtig aufzuschreien – aber so ganz schlüssig war das Ergebnis nicht. Denn da schien so vieles weh zu tun, an so unterschiedlichen Stellen – wo sollte man da mit Röntgen anfangen und wo aufhören? Zumal eine Sedierung oder Narkose bei Obelix ja eh nicht so ganz einfach ist – manche werden sich noch an den letzten Drei-Tages-Rausch nach einer minimalen Beruhigung erinnern…. Und eigentlich spricht ein an so vielen Stellen auftretender Schmerz auch für eine Erkrankung des gesamten Hundes, eine der durch Zecken übertragenen Infektionen wie
Borreliose, Anaplasmose oder Ehrlichiose, genauso wie für Auto-Immunerkrankungen, also Rheuma und Co.. Tierarzt und Pflegestelle kamen also überein, erstmal ein riesengroßes Labor für den Obelix zu machen – insgeheim jeder für sich fest davon überzeugt, dass hier eine böse Überraschung herauskommen würde. Als die Ergebnisse da waren, wurden die Gesichter wirklich lange – aber nicht, weil etwas diagnostiziert wurde, sondern weil laut Blutbild der Obelix eigentlich laufen und hüpfen müsste, besser denn je sogar, denn die Werte übertrafen alles, was er bis dahin abgeliefert hatte.
Fakt war aber, er lief nicht, er schlich, schlimmer denn je und so blieb nichts anderes, als den Obelix zum Röntgen anzumelden. Drei Tage später war es dann soweit, mit einer kleinen Injektionsnarkose (für schlappe 12 kg Hund, Obelix hat mal eben 10 kg mehr) wurde er ins Land der Träume befördert und die Suche nach der Ursache fortgesetzt. Wie schon im Tastbefund wies auch das Röntgen eine Auffälligkeit am Ansatz der Bizeps-Sehne auf, wohl eine bereits chronische Entzündung, im Bereich der Lendenwirbel eine geringfügige Spondylose, Herz und Lunge unauffällig (auch wenn die bisher entfernten Tumörchen gutartig waren, man muss ja an alles denken bei so einem „Leistungs-Knick“) – mal so unter uns: eigentlich dürfte das Gefundene dem Obelix nicht so furchtbar zu setzen, wie er da vorgibt…. Zugegeben, er ist kein Held von Natur aus, aber sich gleich so hängen zu lassen? Nun gut, vielleicht ist, wo ein Entzündungsherd ist, auch noch an anderen Stellen was im Entstehen, das sich noch nicht „ablichten“ lässt, man würde also erst einmal ganz klassisch versuchen, Entzündung und Schmerz einzudämmen und einfach gucken, was passiert….

Obelix und Yaska beim MittagsmahlMittlerweile ist der vierte Tag der Medikamentengabe und unserem Obelix geht es jeden Tag ein bisserl besser, seit gestern ansatzweise schon fast zu gut in manchen Bereichen, Hündin Yaska wird wieder gerne von hinten mal eben so aus Jux und Dollerei gezwackt, worauf sie eigentlich ganz gut hätte weiterhin verzichten können. Von der Verdauung her verträgt er das Medikament bislang auch hervorragend, nach wie vor bekommt er keine Enzyme mehr zum Futter zugesetzt. Als Auslöser des jetzigen Einbruchs kann sich der Tierarzt die jahreszeitlich bedingte Besserung der Allergien vorstellen, denn das Cortison „deckelt“ Beschwerden wie die vom Obelix gezeigten häufig. Und so bedingte das eigentlich freudige „derzeit kein Cortison mehr nötig“ nun eine riesengroße Tierarzt-Rechnung mit über dreihundert Euro für die vielen Laborwerte und Röntgenbilder, da ist es nur ein vergleichsweise schwacher Trost, dass er das Medikament im Rahmen einer Studie für einige Wochen gratis bekommt.

Sie wollen noch wissen, wie er denn diesmal die Narkose weggesteckt hat? Fünf Stunden lang schlief Obelix, tief und fest, da wackelte auch nicht eine Pfote. Weidlich ausgenutzt hat das das Pflegefrauchen und dem Obelix mal so richtig den Pelz bearbeitet, vor allem in den Tiefen, wo er es gar nicht gerne mag. Dann aber drückte die Blase, ziemlich wackelig aber tapfer wurde das auch Draußen erledigt, zurückgekehrt aber, da überwältigte Obelix der schon bekannte Heißhunger. Hemmungslos wurde gebettelt, gefiepst, gekläfft, ein kleiner Versuchsfütterer blieb auch problemlos drin und so konnte schließlich ein verspätetes Abendmahl stattfinden – immer noch wackelig, aber gierig wie selten, wurde verputzt, was man ihm da hingestellt hatte. Und nach einem glückseligen Verdauungsschläfchen marschierte er gegen elf Uhr abends auch schon wieder ganz manierlich seine „letzte Runde“, nach der selbstverständlich noch ein „Betthupferl“ angefordert wurde.
 


Das bittere Ende

Trotz der Medikamente blieb seine „Form“ weiter starken Schwankungen unterworfen, mal ging es so gut, dass er das Bällchen anschleppte und unbedingt alle Hundeschulkommandos abgefragt werden wollte, mal war er schon vom beim Spaziergang neben her trotten vollkommen erledigt.

Am Sonntag, den 18. November, knickte ihm zum ersten Mal das Hinterteil weg an einer Böschung, zuerst dachte man an ein Missgeschick. Drei Tage später aber lief Obelix kaum mehr, die mittleren Krallen der Hinterfüße schliefen über den Boden und Obelix “sprach“ nicht mehr. Also Tierarzt und selbst beim Autofahren war er absolut still – unheimlich still. Am nächsten Tag war es noch schlechter, Obelix kam nicht zum Gassigehen, also erneut zum Tierarzt. Auf das verabreichte Schmerzmittel reagierte er heftig, kotete, versank in eine Art Tiefschlaf –bis Abends blieb er sicherheitshalber in der Praxis. Freitag dann eine kleine Besserung , beim Abtasten beim Tierarzt nicht mehr ganz so schmerzempfindlich, er fraß das Trockenfutter der Tierärztin als wären es besonders gute Leckereien und hüpfte beim Hinausgehen sogar noch an der Theke hoch. Er brabbelte auch wieder ein wenig, wir hofften wieder.

Über das Wochenende des 24. / 25 November wurde es noch schlechter, trotz hochdosiertem Cortison und Vitamin B12, Obelix lag nur noch, ging kaum noch zum Wassernapf, er brabbelte nicht – nur seine beiden Augen, das blaue und das braune blickten hellwach und traurig durch die Gegend. Am Montag wieder zum Tierarzt, wir drängten nun auf ein CT, leider war das nächst gelegene Gerät kaputt. Eine weiter entfernt liegende Tierklinik konnte aber für den nächsten Morgen, also Dienstag, den 27.11.2007, einen Termin anbieten.

Eine Stunde, nachdem Obelix schon narkotisiert zum CT gefahren worden war, stand das bittere Ergebnis fest: Cauda Equina. Die Prognosen für eine OP an sich gut, vorausgesetzt die Verengung besteht noch nicht zu lange. Denn dann regenerieren sich die Nerven in den meisten Fällen nicht mehr.
Wir besprachen mit dem Arzt die in den vergangen Monaten gemachten Beobachtungen, also die meist nicht gehobene Rute, die kleine Stuhl-Inkontinenz des ersten Jahres, den merkwürdigen Gang, diese Instabilität des Hinterteils, die vielen vermeintlichen Missgeschicke und Tollpatschigkeiten und seine Weigerung zu springen, egal ob hoch oder weit.
Angesichts der Vorgeschichte standen Obelix Chancen für eine erfolgreiche OP schlecht und so durfte Obelix noch in der Narkose gehen.

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18.03.17