Ramsi – Ein Dankeschön an den besten Schlittenhund der Welt von seinem Rudel

Ramsi

Seit vielen Jahren schon habe ich alles gelesen, was ich über Schlittenhunde in die Hände bekommen konnte. Ich habe Geschichten, Mythen und psychologische Abhandlungen studiert. Die Warnungen, niemals könnte ein Anfänger auf dem „Sektor Hund“ einen Nordischen halten, hallen mir noch in den Ohren. Dennoch, ich liebe die Rasse, ihre Ursprünglichkeit, ihre Dickköpfigkeit, ihre Naturverbundenheit.
RamsiWann immer ein Nordischer in einem der benachbarten Tierheime saß, schaute ich täglich auf den Webseiten und wenn es sich einrichten ließ, gingen meine Tochter Sarah und ich mit ihm spazieren.
Die Seiten der Nothilfe Polarhunde kannte ich auswendig. Zum einen war es sicherlich die Angst, es eben doch nicht zu schaffen, zum anderen aber auch die Tatsache, dass unser „Frauchen“ Sabine eben Angst vor Hunden hatte und sich so gar nicht vorstellen konnte, dass eine Plüschnase bei uns einzieht. Und da eine Adoption eines weiteren Familienmitgliedes eben Einstimmigkeit voraussetzt, blieben wir „huskylos“.
Nie werde ich vergessen, wie mir Monica Schwartze von der Nothilfe Polarhunde vor etlichen Jahren am Telefon sagte, eines Tages werde ein Husky kommen, der meine Frau davon überzeugt, dass er der Richtige sei.Ramsi
Und dieser Tag sollte kommen. Nach den Silvestertagen 2007 gingen Sarah und ich zum ersten Mal im Tierheim im Bergischen Kürten mit „Ramsfeld“ (was für ein Name…) spazieren. Vielleicht war es Liebe auf den ersten Blick, auf jeden Fall habe ich bei meiner damals 10 Jahre alten Tochter noch nicht erlebt, dass sie in den Ferien morgens um acht Uhr aus den Federn springt, um zwei Stunden später im Tierheim bei furchtbarem Regenwetter gassigehbereit mit Leine in der Hand zu stehen. Wir gingen jede frei Minute mit Ramsi, so hatten wir „unseren“ Husky inzwischen genannt, spazieren.
Ramsi freute sich jeden Morgen riesig, wenn wir kamen, und einmal, als ich versehentlich an seinem Käfig vorbeiging, weil er verlegt worden war, war er völlig außer sich. Wie können meine Zweibeiner mich übersehen?
Ramsi, Mama und TochterAlle Gedanken waren bei ihm, und auch Sabine ging am Wochenende nach unseren ersten Wanderungen mit ins Tierheim. Ich sah ihre Augen leuchten, wenn Ramsi zu uns kam und wir ihn nach dem Spaziergang bürsteten und streichelten. Und ich sah, wie traurig sie war, wenn wir ihn in den Käfig zurückbrachten. Es war anders als bei allen anderen Gassigängen jemals zuvor.
Bei der Vorkontrolle kam Ramsi mit. Er ging einmal durch unsere untere Etage im Haus und legte sich dann vor die Terassentür. Genüsslich schnarchend schlief er, einfach so, als wenn er sagen wollte, ja, hier will ich bleiben.
Zu Sabines Geburtstag holte ich Ramsi zum ersten Mal zu uns. Es war eine Riesenfreude, die noch dadurch unterstützt wurde, dass es schneite und ich einen langen Weg mit Ramsi durch die verschneite Landschaft unternehmen konnte.
Wir fassten den Entschluss, Ramsi zu uns zu nehmen. Da wir die ersten Wochen bei ihm sein wollten, sollte ein Vorvertrag mit dem Tierheim verhindern, dass er in andere Hände gerät. Leider wollte das Tierheim hier so gar nicht mitspielen und es wurde kompliziert. Wir hatten uns gemeinsam mit Monica Schwartze lange Gedanken gemacht, wie es am besten für Ramsi ist, zu uns zu gelangen.Ramsi
Also nicht „einfach mal eben“ abholen und wird schon gut gehen, sondern an uns gewöhnen. Und uns ein wenig Sicherheit geben durch den Besuch der Hundeschule, damit wir die nötige Sicherheit an Ramsi weitergeben konnten. Denn nach drei Trennungen sollte es nun klappen und der Bär nicht wieder unverschuldet im Tierheim landen.

Ramsi

Gute Ideen auf der einen Seite standen leider dem etwas bürokratischen Gedankengut der Tierheimverwaltung konträr gegenüber. Glücklicherweise konnte unsere Hundetrainerin Inge Schweitzer uns helfen und durch ihren Einsatz für uns dafür sorgen, dass wir unsere Pläne realisieren konnten. Also schnell den Vorvertrag, damit auch nichts mehr schiefgehen konnte.
RamsiManchmal bedarf es im Leben allerdings noch weiterer Fügungen und so war meine Erkrankung die Gelegenheit, Ramsi schon früher zu uns zu nehmen, da ich über längere Zeit zu Hause war. Ich werde den Tag nie vergessen, da ich ihn abholte. Wie er aufgeregt schnell ins Auto sprang; ich glaube allerdings, ich war ebenso aufgeregt… Zu Hause angekommen, gab es erst mal einen langen ausgiebigen Spaziergang im neuen Umfeld!
Überall begegneten uns staunende Augen in der Nachbarschaft und ebensolche Fragen. „Ihr habt einen Hund?“ Und was für einen… Durch seinen wundervollen Charakter erobert er die Herzen der Nachbarn und der Menschen, die wir bei unseren Wanderungen treffen, im Sturm. Egal, ob in der Natur, in der Stadt, im Büro oder im Restaurant: er ist ein gern gesehenes Wesen.
Wir nehmen ihn wann immer es möglich ist überall mit hin, damit er sich an alles gewöhnen kann. Ich fahre mit ihm in der Bahn und habe ihn auf den Betriebsausflug mitgenommen. Ängste vor lauten Dingen – insbesondere Trecker standen da ganz oben an – verlieren sich immer mehr und Ramsi gewinnt gemeinsam mit uns in den ersten Wochen und Monaten zunehmend an Sicherheit.Ramsi beim Bergsteigen
Dann kommt der erste Urlaub. Wird er denn die lange Autofahrt nach Südtirol gut meistern, wird er sich dort wohlfühlen? Einige Fragen, die schnell geklärt sind… Eingestiegen, durchgeschlafen und am Zielort einfach nur glücklich. Es ist toll, mit dem ganzen Rudel Urlaub zu machen! Und wenn es dann noch auf dreitausend Meter Höhe zu schneien beginnt, ist es einfach nur traumhaft… Laufen, laufen, laufen… Und – wenn's zu heiß wird – schlafen!

Ramsi

Nie vergessen werde ich die erste Gondelfahrt. Nach einer langen Wanderung war es schon so spät, dass wir die Bahn nehmen mussten und so fragte ich die freundliche Frau an der Gondelbahn, ob sie diese anhalten könne. Sie stoppt die Gondel, wir springen rein und ich spüre auf den ersten Metern die Unsicherheit von Ramsi. Ich spüre aber auch, wie er von Meter zu Meter sicherer wird, sich an mir anlehnt, um sich bald neben mich in meinen Arm zu setzen. Ungläubige Blicke erwarten uns an der Bergstation, so wie wir nebeneinander sitzen.
Dann leider ein Unfall im Urlaub. Als uns der Kleinlaster rammt, rufen wir alle nur „Ramsi“ und stürzen zu ihm nach hinten in den Kofferraum des Touran. Doch zum Glück schaut unser „feiner Bär“ nur, als wolle er uns fragen, warum wir ihn im Schlafe gestört haben nach der langen Tour im Gebirge… Nichts passiert!
Es war ein wunderschöner gemeinsamer erster Urlaub. In manchen Dingen muss man sich umstellen, ja, aber die Vorstellung, Ramsi nicht mitzunehmen, ist uns allen fremd. Nein, er kommt selbstverständlich mit.Ramsi
Auch beim Kurzurlaub in den Schwarzwald, wo selbstverständlich auch der Besuch der Nothilfe Polarhunde auf dem Programm stand, ist unser Bär mit dabei. Nie vergessen werden wir die Schnelligkeit, mit der er im Wohnmobil saß… Schwupp, vergesst mich bloß nicht!
Wie könnten wir. Es war eine traumhafte Woche, das Wetter spielte mit und so konnten wir von Heidelberg bis zum Bodensee fahren. Ich glaube, das Wichtigste für Ramsi ist, alle um sich zu haben, sein Rudel. Und manchmal, wenn wir abends alle gemeinsam beisammen sind, heulen wir zusammen und es ist ein unbeschreibliches Gefühl, zu sehen und zu hören, wie sehr sich unser „Männlein“ eingefunden hat, seinen Platz in der Familie eingenommen hat.
Die anfänglichen Vorbehalte der Familie („Wie wollt Ihr das schaffen“ und „dann noch sooo ein Hund…“) waren bei Ramsi's Charme schnell verflogen. Heute ist es daher selbstverständlich, dass Oma und Opa ein Leberwurstbrot mit Lieblings-Leberwurst mitbringen…Ramsi
Wir haben uns auch sehr gefreut, als unsere Hundetrainerin Inge Schweitzer besuchte und sich riesig freute, wie gut es unserem „dicken Bären“ geht. Unser Dank geht neben Monica Schwartze insbesondere auch an sie, da Ramsi ohne ihren Einsatz ansonsten sicher nicht bei uns wäre.
Die ersten Monate, die Ramsi bei uns war, lag er abends noch immer in einer gewissen Entfernung und beobachtete jede Bewegung. Doch von Tag zu Tag rückte er näher, traute sich mehr, ohne aber aufdringlich zu werden. Man spürte deutlich, wie sich Vertrauen aufbaute. Im ersten Urlaub war es für ihn ein Riesenschritt mit uns im selben Zimmer schlafen zu können. Morgens sprang er fröhlich um die Betten und wir bekamen alle einen feuchten Nasenstüber. Was für ein Wecken!
Es sind die scheinbaren Kleinigkeiten, die Veränderungen zeigen. Ramsi spielt plötzlich. Als wir aus der Autostadt Wolfsburg nach einem Tag wiederkommen (Opa hatte auf Ramsi Tag und Nacht aufgepasst), hat Sarah ihm ein quietschendes Spielzeugauto mitgebracht. Jeden Abend holt er sein Spielzeugauto und geht zu Sarah. Und er buddelt bei den langen Spaziergängen über die Wiesen.Ramsi
Oftmals haben wir das Gefühl, er will uns sagen „Wie, das darf ich jetzt?“ Der Osterurlaub 2008 Jahres führte uns wieder in die Dolomiten. Diesmal mit ganz viel Schnee. Ramsi ist happy und nie werde ich die endlosen weißen Wiesen vergessen, die wir gemeinsam und ganz alleine durchquerten. Es war herrlich. Manchmal wundere ich mich, wieso Ramsi immer vor mir schon weiß, wohin der Weg uns führt. Er kann meine Gedanken lesen und versteht jedes meiner Worte. Wenn ich stehenbleibe, um beispielsweise zu fotografieren, wartet er auf mich. Wenn er eine Spur aufgenommen hat, geht „das andere Ende der Leine“ (ich) mit und wir suchen gemeinsam.
Vielleicht ist „Respekt“ vor dem anderen und dessen Bedürfnissen das Bindeglied zwischen uns und dem Herz des anderen.
Ramsi hat eine faszinierende Art zu kommunizieren. Mit uns und auch mit anderen Lebewesen.
Kommen uns aggressive Artgenossen entgegen deeskaliert er, wenn's für ihn zu anstrengend wird, wird der Rudelchef oder die –cheffin vorgeschickt und er bleibt erst mal hinter uns.Ramsi
Als Monica Schwartze und ich einmal vor langer Zeit telefonierten, sagte sie mir, dass „ein Schlittenhund alles für jemanden tut, den er liebt und dem er sein Vertrauen geschenkt hat“. Langsam fange ich an, dies zu verstehen. Grundkommandos? Kein Problem für Ramsi, auch wenn er oftmals und mehrmals fragend guckt, muss ich? Ok, ich mach's für Euch…
Eine solche Beziehung bedeutet für den Halter auch die große Verantwortung, niemals etwas einfach so zu fordern. Wenn wir von unserem Bären etwas verlangen, dann hat es einen Grund. Um ihn zu schützen, weil wir selbst straucheln oder es halt in dieser Situation nicht anders geht – niemals nur so, um zu demonstrieren, dass wir „die Hosen anhaben“.
Ramsi dankt es uns, in dem er alleine bleibt (konnte er bei Übernahme nach Infos des Tierheimes gar nicht) und in dem er sich auch ansonsten so in unser Leben integriert, dass es für alle eine tolle Sache ist.
RamsiIch lerne jeden Tag mehr von ihm. Ihm zuzuschauen, was er tut und was seine Bedürfnisse sind. Es ist bewundernswert, wie er kommuniziert, ohne doch sprechen zu können. Und ich lerne, mit ihm zu kommunizieren, ohne zu sprechen.
Ein Jahr und zwei Monate haben wir nun in unserem „neuen“ Rudel gemeinsam verbracht. Jeder ist in seiner Funktion und auf seine Art wichtig für unseren wundervollen Schlittenhund. Als Spielpartner, als Begleiter, als Rudel Mitglied. Rund 2500 Kilometer sind Ramsi und ich in dieser Zeit gewandert, ungefähr, so rundgerechnet. Bei jedem Wetter. Ehrlich? Ich möchte keine Meter missen, es war keine Sekunde dabei, die ich nicht genossen habe und die nicht eine Bereicherung gewesen ist.

Ramsi

Daher sind diese Zeilen eine Liebeserklärung an unseren Ramsi und wie wir hoffen für andere Motivation, sich zu trauen, den Schritt ebenfalls zu tun.

 

 

Ramsi mit seinem Rudel

Danke!


Von Sarah, Sabine und Matthias an Ramsi.

 

 

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