Diagnose Spondylose und nun?

Yaska (geboren 1997) ist ein Siberian Husky von eher kleiner, kompakter Statur, mir sind aber auch Besitzer deutlich schwererer Hunde bekannt, die erfolgreich einen ähnlichen Weg gingen wie wir.
 

 Spondylose

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Den Befund Spondylose erhielten wir anlässlich einer Röntgenuntersuchung im Sommer 2006, viele kleine Beobachtungen und Auffälligkeiten hatten bei mir den vagen Eindruck erweckt, dass irgendwas mit diesem, meinem Hund nicht stimmt. Schwerfälliger Aufstehen und oft dann die ersten paar Schritte nur auf drei Beinen gehend (meist hinten rechts schonend), das frühmorgendliche Meiden des im Park liegenden Weges aus feinem Schotter durch geschicktes gleich den Weg an der Straße entlang nehmen, mal ein leichtes, rasch vergehendes Humpeln vorne, ein manchmal etwas hoch gewölbter Rücken, eine recht verhärtete Rückenmuskulatur, eine etwas geringere Neigung zum Springen und Toben mit Artgenossen – jedes für sich gewiss kein Grund, umfangreiche Diagnostik in Gang zu setzen, in der Summe jedoch beunruhigend.
Die Tierärztin dachte gleich an Wirbelsäule, mir war es dennoch wichtig, erst einmal mit dem zeitweise nicht benutzten Hinterlauf zu beginnen und sich dann nach vorne durchzuarbeiten. Hinterläufe und auch Hüfte erwiesen sich als erstklassig für einen fast neunjährigen Hund, Das Röntgenbild der Wirbelsäule war ein regelrechter Schock, mit so weit fortgeschrittenen Zubildungen an einigen Wirbeln der Brust- und Lendenwirbelsäule hatte ich nicht gerechnet.
Da keine älteren Röntgenbilder vorlagen (ich hatte die Hündin erst ein Jahr), konnte man keine Aussagen darüber treffen, in welchem Zeitraum sich diese Zubildungen entwickelt hatten und wie sich die Zukunft gestalten würde. Da Yaska nur gelegentlich Beschwerden zeigte, entschieden wir uns für ein Teufelskralle-/Weidenrinde-Präparat um die Entzündung günstig zu beeinflussen und ansonsten fürs Beobachten und Abwarten.

In den folgenden Wochen und Monaten veränderte sich mein quirliger, fröhlicher Hund zusehends, mehr und mehr nahm sie sich in ihren Aktivitäten zurück, erschien erschreckend alt für eine noch nicht mal neunjährige. Exakt drei Monate nach der Erstdiagnose begannen wir, ihr dauerhaft Rimadyl zu geben und sie wurde wieder munterer, temperamentvoller. Einen vorsichtigen Versuch, das Medikament wieder abzusetzen, in der Hoffnung es wäre ein Entzündungsschub gewesen, quittierte sie umgehend mit Absinken der Aktivität.

Ich hatte die Zeit seit der Diagnose dafür genutzt, mich über die Erkrankung und die Möglichkeiten zu informieren. Ich hatte über Foren Kontakt zu Hundebesitzern gefunden, die medikamentös (schmerz- und entzündungshemmend) ihren Hunden die Lebensqualität so gut als möglich erhielten, andere hatten rein homöopathisch (z.B. Harpagophytum und Gelatine-Präparate) sehr gute Erfolge erzielt und wieder andere hatten mit Akupunktur bzw. Goldimplantation gute Ergebnisse hervorgebracht. Manche jedoch waren vom Ergebnis der Goldakupunktur tief enttäuscht, viel schien bei dieser Behandlungsform davon abzuhängen, wie gut die Akupunktur-Kenntnisse des Tierarztes sind.

Goldakupunktur ist eine Spezialform der Klassischen Akupunktur nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin. In der traditionellen asiatischen Medizin geht man davon aus, dass Akupunktur in allen Fällen, außer in denen chirurgische Eingriffe notwendig sind, erfolgreich angewandt werden kann. Akupunktur wird zwar an bestimmten Körperstellen angewandt, wirkt aber auf das gesamte System. Die Akupunktur versteht sich als eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die in sich zwar geschlossen ist von der Diagnose bis zur Therapie, jedoch immer offen ist für Kombinationen mit anderen Methoden der Behandlung. Mit dem Einsetzen von Goldstückchen in die verschiedenen Akupunkturpunkte wird in vielen Fällen eine lang andauernde Besserung der Beschwerden erreicht. Die Goldakupunktur wird in der Veterinärmedizin vor allem bei chronisch schmerzhaften Gelenkserkrankungen eingesetzt, also bei Dysplasien oder Arthrosen von Hüftgelenken, Ellbogengelenken, Kniegelenken etc., aber auch bei Verknöcherung der Wirbelsäule (Spondylose) und chronischen Schmerzsyndromen (auch Restschmerzen nach Operationen). In den USA wird die Goldakupunktur seit Mitte der 70er Jahre angewandt, in Deutschland erst seit Ende der 90er.

Mit meiner Entscheidung tat ich mir trotz aller Information etwas schwer. Momentan hatte ich noch eine recht gut bemuskelte Hündin in einem körperlich ansonsten sehr guten Zustand, ihre Blutwerte zeigten keinerlei Auffälligkeiten. Sie hatte ohne Zweifel immer wieder Rückenschmerzen, die sie mit einer Änderung der Haltung auszugleichen versuchte, was zu Verspannungen führte und zu neuen Schmerzen - wenn es nicht dauerhaft gelänge, diesen unseligen Kreislauf zu unterbrechen, würden möglicherweise nicht nur eigentlich am Geschehen unbeteiligte Gelenke beeinträchtigt werden, sondern sie würde auch Muskeln abbauen und immer weiter an Vitalität und Agilität verlieren. Bis zu einer Brückenbildung zwischen den derzeit hauptsächlich betroffenen Wirbeln konnte es noch lange dauern und somit war der zentrale Punkt der Schmerz im Rücken. Reine Akupunktur hatte ich rasch ausgeschlossen, als Dauerpatientin und für längeres Stillhalten eignet sich Yaska vom Wesen her nicht, das homöopathische alleine hatten wir versucht, es blieb also noch Schmerz-Dauermedikation oder Goldakupunktur. Die heutigen Schmerzmittel sind eigentlich gut verträglich, dennoch hatte ich Bedenken, diese jetzt schon vielleicht auf Jahre zu geben und vielleicht doch irgendwann innere Organe in Mitleidenschaft zu ziehen.
So weit gekommen, besprach ich mich erneut mit der Tierärztin unserer Gemeinschaftspraxis, die selbst auch Goldakupunktur durchführt. Mir wurde das Verfahren an sich noch einmal erklärt, auch dass eine alleinige Akupunktur der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte nicht erfolgreich sein würde, sondern der gesamte Rückenbereich gemacht werden müsste, ebenso die Fernpunkte, um den größtmöglichen Behandlungserfolg zu haben. Ganz offen teilte mir die Tierärztin auch mit, dass die Kosten nicht unbeträchtlich sein würden und sich daher die meisten Tierbesitzer für die Dauermedikation entscheiden, erst wenn diese ausgereizt wäre, würde das Thema Goldakupunktur wieder ins Gespräch kommen.
Bei meinen Nachforschungen war ich auf Studien gestoßen, die – für die Erkrankung Hüftgelenksdysplasie – angaben, dass die Erfolgsquote mit zunehmendem Alter sinkt (98 % bei den 3 bis 7 jährigen, bei den 7 bis 12 jährigen 80 %, bei den 12 bis 17jährigen Hunden noch 50%), was die Tierärztin mir so bestätigte und auch, dass es für die Anwendung bei der Erkrankung Spondylose (noch) keine entsprechenden Studien und Zahlen gibt. Dennoch erschien es mir mehr denn je sinniger, dass wenn, dann gleich zu implantieren.

Wenige Tage vor ihrem neunten Geburtstag war es dann soweit: Yaska erhielt ihre Goldakupunktur. Morgens brachte ich

 Goldimplantate

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 sie zum Tierarzt und nachmittags erhielt ich mein Mädchen wieder, auf dem Rücken einen breiten Streifen die Wirbelsäule runter abrasiert, dazu einige Stellen am Hals und an den Pfoten weitere um dort die Fernpunkte zu erreichen. Das vorab durchgeführte Röntgen der Vorderläufe hatte noch eine Verdichtung am rechten Ellbogen gezeigt, ein Hinweis auf sich entwickelnde Arthrose und daher war auch dieser mit „vergoldet“ worden, alles in allem waren nun 50 Goldstücke à 3 mm in meinem Hund. Und an allen Stellen, die akupunktiert worden waren, war auch mit einem Stich genäht worden. Die meisten Schwierigkeiten ergaben sich für die Tierärztin aus der extrem verhärteten Rückenmuskulatur, die das Platzieren der Goldstücke schwierig gemacht hatte. Mir wurde geraten, das Rimadyl in den Folgetagen langsam abzusetzen, die Hündin zu schonen und darauf zu achten, dass sie sich nicht zu viel zumutet, da dies zu Muskelkater führen könnte.

Yaska mit rasiertem RückenYaska erwies sich als eher störrische Patientin, die auch nach dem Absetzen des Rimadyls noch viel mehr an Aktivität zeigte, als eigentlich von tierärztlicher Seite erwünscht. Ich versuchte zwischen den beiden völlig konträren Auffassungen von Rekonvaleszenz eine Art Balance zu finden, beruhigte mich auch mit dem Gedanken, dass ich nicht einen Hund behandeln lassen hatte, der in seinen körperlichen Fähigkeiten schon über einen längeren Zeitraum eingeschränkt war und Muskeln abgebaut hatte, sondern einen eigentlich noch recht fitten Vierbeiner. Bis zum achten Tag ließ Yaska die Fäden merkwürdigerweise und ganz untypisch für ihr sonstiges postoperatives Verhalten völlig in Ruhe. Glücklicherweise war da alles schon soweit verheilt und am Abend von Yaskas neuntem Geburtstag konnten die restlichen Fäden entfernt werden.auch der Ellenbogen ist rasiert

Die folgenden Wochen und Monate bis heute zeigen, dass es die richtige Entscheidung war. Yaska benötigt keinerlei Schmerzmittel mehr, das einzige, was sie an Futterzusätzen erhält, ist nach wie vor ein Teufelskralle-/Weidenrinde- und ein Gelatine-Präparat. Gemeinsam haben wir auch noch einen Physio-Therapie Workshop für Hund und Halter besucht, um die Rückenmuskulatur besser im Griff zu behalten. Massage findet sie klasse, aber von den dort gezeigten Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit konnte ich sie bis heute nicht überzeugen. Die Empfehlung, ihr bei Nässe von oben ein Regenmäntelchen anzuziehen, um den Rücken warm und trocken zu halten, hat sie geradezu begeistert und ich ziehe bei Regen nicht mehr einen Hund mit Leidensmine hinter mir her.

Unterhalte ich mich mit unserer Tierärztin über das Ergebnis, so beschwere ich mich gerne darüber, dass da wohl einige Akupunkturpunkte getroffen wurden, die gar nicht vorgesehen waren. Denn Yaska ist einem besseren und agileren Zustand als jemals zuvor, seit ich sie kenne und das hat nicht nur Vorteile. Zwei Tage nach dem Fädenziehen ist sie mir das erste Mal nach gut einem Jahr ganz huskytypisch wieder ausgerissen und war für längere Zeit verschwunden. Mein gemächlich bei Spaziergängen an der Flexileine im Geschirr voraus laufender Husky verwandelte sich von Tag zu Tag mehr in ein ziehendes, ausgesprochen störrisches und eigenwilliges Hundetier, dessen Jagdtrieb vor gar nichts mehr halt machte, was sich irgendwo bewegte oder auch nur raschelte. Weil sie selbst für einen Husky recht stur ist, lernte sie schließlich die Hundeschule aus der Nähe kennen. Keiner der anderen Hundebesitzer dort wäre von sich aus auf die Idee gekommen, dass dieser quirlige, mitunter ausgesprochen widerspenstige Wirbelwind eine neuneinhalbjährige mit hochgradiger Spondylose ist – selbst dann nicht, wenn wir einen ganzen Nachmittag in einem Workshop verbringen und die Beanspruchung natürlich deutlich höher ist als im Normalfall.

Die Goldakupunktur hat Yaska ihre Spondylose nicht genommen und gewisse Bewegungsabläufe sind durch die Erkrankung einfach eingeschränkt. Wesentlich für ihre Lebensqualität ist aber, dass sie schmerzfrei ist, und dass sie so alles, was sie tun kann und will, auch umsetzen kann.
Wir haben es nicht bereut, diesen ganzheitlichen Weg eingeschlagen zu haben und sollte diese Form der Behandlung an ihre Grenzen kommen, werden wir selbstverständlich die Allopathie hinzunehmen, um Yaska so lange wie möglich so viel wie möglich an Lebensfreude zu erhalten.

Yaska geht's wieder gut
 

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