Takai – der kleine Löwe mit der wenig gelungenen Sozialisierungsphase


Die Ankunft der EurasierIm Frühjahr 2008 fanden rund 30 (überwiegend erst ) halberwachsene Eurasier ihren Weg in den Tierschutz, mehr als die Hälfte fanden eine vorläufige Heimat bei der Nothilfe für Polarhunde e.V..
Die Aufgeschlossenheit und Fröhlichkeit, die man bei Junghunden sonst findet, ging diesen Hunden gänzlich ab, unter fragwürdigen Bedingungen herangewachsen, kamen sie mit jedweder Veränderung, allem Ungewohntem nur schlecht zu Recht – die über allem liegenden und bei allem mitschwingende Angst der Hunde glaubte man förmlich greifen zu können.

Wochen- und monatelang wurde trainiert, freiwillige Helfer brachten sich unermüdlich in die Arbeit mit ein. Geduldig waren sie präsent und gewöhnten die Hunde an ihre Anwesenheit, vorsichtige Kontaktaufnahmen kamen freiwillig zu Stande oder wurden mit lecker Schmelzkäse auch etwas forciert.neugierig sind sie schon

Erfolge im Rahmen des Möglichen (und das ist weit entfernt von dem, was „normal“ im Sinne eines gut sozialisierten Hundes ist) zeigten sich, beim einen mehr, beim anderen weniger – Takai gehörte zu den Eurasiern im Nordlicht für Notfelle, die sich sehr zurückhaltend zeigten.

Sein persönliches kleines Glück war, dass er ein Herrchen fand, das trotz langer Anreise mit der Bahn, die Begleitung von Takai schon in der Station mit übernahm. Als Takai von der Station aus Neuland betrat, also Erkundungen an der Leine statt fanden, war das Herrchen an seiner Seite. Unterstützt von der Trainerin Silvia Klüppelberg, erarbeiteten sich die beiden eine erste gemeinsame Basis (wie Nähe zulassen und Geschirr anlegen), die sicher die Eingewöhnung im neuen Heim erleichtern würde.

anlegen des Geschirrs

Takai

Zum ersten Mal hat jemand die Eingewöhnung eines solchen Hundes dokumentiert und uns zugänglich gemacht – etwas, worüber wir sehr froh und dankbar sind, kann es doch dem einen oder anderen eine Vorstellung davon geben, was es bedeutet, einen solchen ängstlich-scheuen Hund auf seinem Weg zu begleiten.

21. August 2008

Beinchen hochTakai bezieht sein neues Zuhause – steigt gleich aus seiner Box, erkundet vorsichtig sein nächstes Umfeld. Kommt zu uns ins Wohnzimmer, als wir die Formalitäten erledigen.

Erster Rundgang über das Grundstück – brav pinkelt er, hebt sogar das Bein. Etwas aufgeregtes Gezerre an der Leine und löst sich, ganz ordentlich.

Vielleicht war es zuviel Schmelzkäse – möglich auch, der Stress, plötzlich mit mir allein im Raum zu sein: All die guten Leckerlis gab er wieder von sich.

Abendspaziergang, zweimal die Runde, ging recht ordentlich.

22. August 2008

Eine ganz ruhige Nacht war es. Takai, anstelle der bequemen und etwas geschützten Ecke, hat sich den Platz am Türpfosten und an der Schrankecke ausgesucht. Es ist arg viel Druck für ihn, den Raum mit mir zu teilen.

Aber er lässt sich anfassen, wenn es ihm auch gar nicht angenehm ist. Das Geschirr mag er ohnehin nicht, aber gemeinsam gewinnen wir schon ein wenig Routine, dass es sitzt. Etwas Schmelzkäse nimmt er an (wenig – es soll ja drin bleiben…). AUSGEHEN: Die Treppe kann er noch nicht meistern – aber dann schlägt er gleich „seinen“ Weg ein, putzmunter geht er unseren Trampelpfad, hebt beim Pinkeln das Bein, und setzt einen ordentlichen Dutt, ohne Stress.
Nach der zweiten Runde wird’s uns beiden langweilig; so erkunden wir die Schulstraße – er geht den Weg recht gut vorauf, will auch gar nicht in die Büsche („guter Junge“). In unserer Pause am Wendepunkt: Will er kein Frolic (mit Käse!) oder findet er es nicht? Am Ende gibt es das Leckerli von mir aufgedrängt….
Den Weg zurück bleibt er hinter mir, geht recht dicht auf; dann: Die Nachbarin führt ihre Hündin an uns vorbei. Takai bleibt unbeeindruckt.
Die sichere EckeDie Eingangstreppe löst Panik aus: Takai springt den Absatz hoch. Den Weg hinein meistert er dann, mit etwas Hilfe, recht gut.

Essen aus dem Napf nimmt er nicht an.
Auch Wasser lässt er stehen. Und drückt sich in die gar so unbequeme Ecke an der Tür.
Das macht Probleme: Ich muss oft in den Flur. So wird er aufgestört und flieht ins Wohnzimmer. Dort umrundet er Tisch und Sessel, betrete ich den Raum, flieht er mit Panik in „seine“ Ecke, die ihm sicher ist.

Auf dem Weg draußen geht’s wieder bestens, Takai ist wie verwandelt. Und löst das Problem mit seinem Durst auf seine Weise: Schleckt erst die nassen Grashalme ab und entdeckt dann die kleine Wasserstelle auf dem Weg, dort macht er „Schlabbchen“. Gut.

Wie nur können wir das Drehen seiner Wohnzimmer-Runden beenden? Erster Schritt: mit „Bleib“ hält er inne und danach gebe ich ihm den Weg frei, eilig weicht er hinaus, aber die Panik wird geringer und er wird gelobt.

Nichts gefressen – nun, dann kommt der Napf außer Reichweite.

 

23. August 2008

Wieder war die Nacht ganz ruhig.
Geschlabbert hat er dann doch.
Sitzt wieder in der Türecke und behält mich mit meinem Morgenkaffee aufmerksam im Blick, der ich im Wohnzimmer ruhig sitze. Er kann sich dann aber ein wenig entspannen und ruht, Kopf auf den Pfoten, Augen geschlossen.

Die Morgenrunde geht er wieder souverän (na ja, Pischi lässt er laufen, aber sein Dutt ist ganz normal – das dürfte mangels „Nachschub“ wohl der letzte sein…)
Noch einmal Panik an der Treppe, mit „rettendem“ Sprung.

Versuch, ihn in die andere Ecke mit bequemer Unterlage und Nische (!) zu bekommen, geht daneben, immer noch läuft er ins Wohnzimmer.

Nachmittags dann die Lösung: Monika ist im Wohnzimmer, die Flurtür ist offen, also „seine“ Ecke ist „weg“; und jetzt folgt er in die Nische! Nach kurzer Wiederholung der Anweisung und allerbesten Leckerli lässt er sich nieder – und bleibt da! (Gottseidank). Ist es nun „mein“ Training? Lasse ich meine Eitelkeit raus, kann ich den Erfolg für mich buchen. Es sieht aber eher so aus, als wüsste Takai den Riesenvorteil zu schätzen: Kein Aufgestört-werden, muss ich die Flurtür öffnen, kein Gerenne ins Wohnzimmer! Prima! Das bleibt jetzt sein fester Platz, wie geplant. Und es ist viel Spannung raus …..

Ganz große Erlebnisse beim Mittagsrundgang: Hinten auf dem Hof springt plötzlich ein Hund aus den Büschen, erschrocken wie ich, bellt er kurz und folgt sofort der Pfeife des Nachbarn, geht zurück. Und Takai? Er hat sich da wohl seiner Ahnen besonnen – er hat den Artgenossen fast ignoriert! Na und dann, auf der Schulstraße!! Gleich zwei freilaufende Hunde (die große Hündin kenne ich), Frauchen rufend hinterher, wie so oft nutzlos. Takai, an langer Leine, lässt sich recht unaufgeregt beriechen,; die große, große Hündin bedrängt ihn. Und nun weiß ich nicht: Ist es die Demutsgeste – oder lockte der Rest Schmelzkäse – sie beleckt Takais Schnauze. Ein wenig wirkt er wie ein Welpe, aber da ist auch ein geradezu hoheitsvoller Blick, er lässt es sich ganz ruhig gefallen, sitzt, und zuckt überhaupt nicht schreckensvoll zurück, wie wir es bei Ungewohntem von ihm kennen. Das Frauchen kriegt ihre Tiere denn auch ein, da wir uns nachbarschaftlich kennen, werten wir das Ganze mal als Antrittsbesuch….

Abends dann klappt es mit der Treppe schon viel besser, und die „neue“ Ecke ist ideal und so schön bequem!
Monika (sie verliert ihre Ängstlichkeit rasch) macht viel Unruhe – Putzen, Wischen …. Takai hat seine Ecke.

24. August 2008

Nachts war Takais Schlabbern zu hören, vielleicht war er auch vorsichtig etwas unterwegs. Mein Paar Schuhe im Raum blieben aber unangetastet.
Den Napf berührt Takai immer noch nicht. Leckerlis bekommt er, wo nötig, recht sparsam, nicht, dass sie seine Ernährungsbasis werden!

Die Treppe schafft Takai jetzt auch ganz ordentlich abwärts. Pischen wieder ohne Beinheben – Schlabbern an der Wasserstelle unterbleibt. Nach der Hofrunde wird uns die Schulstraße langweilig – also gehen wir entlang der Hauptstraße und dann auf eine große Wiese.
Takai geht längere Zeit voran, bricht nicht aus oder will auch nicht nach hinten ausweichen. Noch zieht er zuviel. Auf dem Rückweg geht er dann ganz entspannt hinter mir, dichtauf, ich habe die Leine bis auf etwa zwei Meter eingezogen. Die Treppe kennt er jetzt. Auch stoppt er auf dem Flur („warte“), damit ich die Haustür schließen kann. Ach, dann rücke ich dem „Löwen“ wieder auf den Pelz, das Geschirr zu lösen. Er ist nicht so gut drauf, wenn wir in der Wohnung sind, schon heute früh saß er erst einmal in der „alten“ Ecke. Belohnung nimmt er noch nicht aus der Hand.

Ich streue ihm etwas Normalfutter auf den Boden, schau’n wir mal, ob er es – ohne Napf – aufnimmt.
Siehe da – als ich für eine halbe Stunde außerhalb der Räume war, hat er es gegessen!
sooo viel Stress – ich bin für ihn noch immer der gar so bedrohliche Mensch? Geduld ….

25. August 2008

Spätabends, aus dem Dunklen, dann Schmatzen und Schlabbern: Der Rest aus dem Napf, den ich ihm hingestreut hatte, ist morgens restlos verschwunden, Takai hat auch viel getrunken.

Mein Betreten der Küche ist ihm immer noch recht unheimlich. Ich begrüße ihn mit Fleischstreifen: Die sind gar zu verlockend, er nimmt sie, wenn auch im Kriechgang, in meiner Gegenwart auf einer Leckerli-„Spur“ halb in den Raum hinein, folgt er, als ich mich ins Wohnzimmer zurückziehe.
Also: Trainieren wir wieder das Verringern der Distanz, wie zuvor in seinem Gehege. Geduld …Platz!

Langer Spaziergang, bis zur Moorhalle. Da kommen Menschen heraus: die Postbotin geht auf Takai zu: kaum Scheu, er duldet eine Distanz von 8 – 10 Metern ohne viel Stress.
Dickschädel, die wir sind! Die Anweisung „Platz“ befolgte er nach 20 Minuten (wieder mit einer Ausrede: unter einem Strauch / Bäumchen kann ein Hund nicht stehen…). Immerhin – ich habe mich durchsetzen können. Den Rückweg trabt er wieder (fast) ordentlich zurück, nur bei der Treppe hatte er wieder seine kleinen Probleme – oder wollte er nur nicht rein?
Pinkeln mit erhobenem Bein, zweimal einen Dutt (hatte er ja wieder gefressen!).
Und dem Fleischstreifen am Ende zu Haus konnte er nicht widerstehen: er nahm ihn aus meiner Hand, auch meine Nähe ihm noch Probleme macht in seiner Ecke.

26. August 2008

hoch das BeinBeim morgendlichen Rundgang ist Takai vorbildlich! Hebt das Bein, ordentliches Dutti – dann hinaus, wieder Richtung Moorhalle (Die Treppe hinab recht ruhig.). Ein kleiner Abstecher über die Wiese – da gab es keinen richtigen Weg, also ging er ganz brav hinter mir. In unserer Pause befolgt er die Aufforderung „sitz!“ ganz ordentlich (wenn auch erst nach einer Viertelstunde…). Der große Milch-Lastwagen ganz nahe füllte den Tank um in den Hänger – das machte ihm keine Angst, wie auch die großen Trecker für ihn „normal“ scheinen. Rückweg ganz brav, ohne Zieherei an der Leine – und die Treppe und hinein ins Haus (fast) ganz ruhig. Leckerli wieder aus der Hand!

Na, nun sitzt er – betrete ich seinen Raum, zeigt er sich noch weiterhin scheu.
(Dass er es gar nicht mag, wenn ich ihm sein Geschirr umlege: ich würde es auch nicht mögen, angeleint zu werden.)

Jetzt steht der Napf mit „ganz normalem“ Futter vor ihm. Ich habe wenig Hoffnung, dass er es jetzt nimmt. Schauen wir mal – dann geht er wohl nachts wieder daran. Ich werden den Napf oben erst einmal wieder wegtun….
auf den Boden gestreut, ist das Futter verschwunden – wenn ich nicht im Haus war! Was soll ich tun? Hundi muss ja essen…. (was ich mit den Fleischstreifen anstelle, ist Bestechung: er kann nicht widerstehen und nimmt sie aus meiner Hand).

Heute war ich längere Zeit weg. Takai stellt (noch?) nichts an. Nach dem Training an der Moorhalle gingen wir einen ganz anderen Weg – warum immer den Trampelpfad? „Unser Löwe“ geht mutig durch die große Welt (na ja, wir kommen an einem Haus vorbei, aus dem Heavy Metal dröhnt, aber da bekomme ich auch das Grausen…). Beinheben, die Rute schwingt locker, und die Treppe ins Haus – ist sie noch eine Hürde?

27. August 2008

Heute morgen: Großer Rundgang (ich hatte als Radfahrer ja ganz vergessen, wir haben hier ja Wege durch Wiesen und an der Bahn entlang). Takai mag das Geschirr nicht: Das ist schon alles: Stress? Keine Spur! Er lässt es sich gefallen, wenn ich ihn anfasse, und nimmt Leckerli jetzt regelmäßig aus der Hand – aber „nur“ Frolic tut’s da auch nicht mehr! Sehr schön hebt er das Bein, setzt brav seinen Dutt (in den Feldern dann war ein zweites Lösen, etwas sehr dünn, vielleicht die Umstellung auf das hiesige Trockenfutter?).

Am Bahndamm: muss es denn sein, dass sich ausgerechnet auf unserer Höhe gleich zwei lärmende Güterzüge begegnen? Danach noch ein ICE. Und Takai: Die Ruhe selbst!

Die Treppe: Naja, ein bisschen Hilfe braucht er schon noch. Aber drinnen das Ritual „warte“ (ich muss die Außentür schließen) befolgt er sehr brav. Seine Rennerei auf seinen Platz ist hinderlich – noch an der Leine, rutscht er auf dem Linoleum aus….

Heute: H….! und ich war neun Stunden weg! (Saudumm: Bahn / Bus – und mit Fahrrad…). Aber er liegt brav in seiner Ecke – tut ihm diese „Entlastung“ meiner Anwesenheit vielleicht gut? Aber so lang sollte es nicht werden!
Schnell noch eine Runde nach draußen, gut – er pischt ordentlich, so bin ich beruhigt.

Heute stelle ich ihm den voll gefüllten Napf hin. Warten wir mal ab, was sich heute im Dunkeln tut. Gestern Nacht musste ein klein wenig Tapete dran glauben.

28. August 2008

Die Treppe hinunter und wieder hinauf geht jetzt ohne große Unruhe (beim Hineingehen wartet Takai jetzt schon „routiniert“, bis die Tür geschlossen ist.

Wir dürfen noch einigen Unfug erwarten: er hat in seiner Ecke schon mal die Tapeten ein wenig heruntergeholt.

Über Nacht war der vollgefüllte Futternapf gut zur Hälfte geleert (so weiß ich nun etwa, welche Menge er braucht, um satt zu werden).

Erster Rundgang heute etwas früher (ich muss danach weg), Takai war von dem blanken Ding mit Auge (Kamera), das auf ihn gerichtet war, etwas irritiert.
Diesmal ganz brav auf „sitz“ schon (!) nach fünf Minuten!

WieseMittags nahmen wir wieder einen neuen Weg – immer die gleichen Pfade werden uns ja langweilig. Wieder weiß er, seine Geschäfte ordentlich zu machen.
Und auf dem Weg zurück hat er entdeckt, es gibt so viel – nicht nur zu sehen: auch zu riechen! Lange Zeit lief er mit der Nase am Boden!
In der Pause machte er von sich aus „sitz“ – ich glaube, er war einfach auf das Leckerli aus. Ganz entspanntes gemeinsames Ausruhen vor dem Heimweg…..

Und noch eines: Takai begreift, das Anlegen seines Geschirrs hat sein Gutes: er sträubte sich nicht mehr so sehr, auch meine Nähe macht ihm kaum etwas aus – es gibt ja immer eine schmackhafte Belohnung.

 

29. August 2008

Ganz früh waren wir draus, die „große Runde“ gehen. In der Pause machte Takai sofort „sitz“ und das gleich zweimal! (Naja, die Forderung nach Leckerli war sehr deutlich in seiner ganzen Haltung abzulesen). Nun versucht er zeitweilig neben mir zu gehen. Zurück ins Haus, duldet er Nähe, ein wenig Kraulen und nimmt Leckerli aus der Hand.
(Er ist bestechlich…. Fleischstreifen und Schmelzkäse…)

Da habe ich entdeckt: Takai mag etwas schneller gehen, fällt in einen kleinen Trab – und das geht leichter und lockerer, wenn er vorauf geht. (Herrjeh – und ich laboriere noch mit dem linken Bein, wenn sich das erst bessert, werde ich wieder mühelos den geschwinden Schritt gehen können).
Was immer auf dem Weg geschieht: Der kleine Löwe schaut beständig auf mich und gewinnt durch mein Verhalten seine Sicherheit – allmählich, allmählich.Takai im Maisfeld

Heute abend ging es mal wieder die Schulstraße – und noch ein Stück weiter – hinauf. Ein kleiner Seitenweg an einem Maisfeld entlang, am Ende eine geruhsame Viertelstunde. Takai macht Sitz – diesmal war er gar nicht auf seine Belohnung aus. Schnuppert herum, frisst Gras, kommt näher an mich heran.
Wann er wohl endgültig meine Nähe suchen wird?
Allerdings: Großer (ach nein, nur kleiner) Schreck: ein Maisblatt raschelte im Wind!
Und vorn beim Bauernhof grunzten die freilaufenden Schweine, ohne dass es ihn aufregte.
Nun geht er vertrauensvoll auch ins Unbekannte (manchmal entspannter, wenn ich vorangehe).
Die Treppe nimmt er ruhig nach Aufforderung. Ins Haus mag er nicht vorangehen – ach ja: das Leittier geht ja vorauf, wenn’s „eng“ wird. Ich muss mich meiner Pflichten erinnern….
Takai – Du bist ein ganz wundervoller kleiner Löwe.

30. August 2008

Das nächtliche Fressen blieb nicht auf den Napf beschränkt: Takai macht sich weiter an den Tapeten zu schaffen. Nun, solange er den Schrank nicht anknabbert. Seine Decke hat er zerwühlt, der Napf ist weit verschoben; Takai richtet sich ein – zuhaus!

Und neue Abenteuer!
Wir gehen diesmal über die Bahnbrücke und machen oben Halt (er fuhren diesmal keine Züge unten durch).

In unserer Pause kommt ein großer Rottweiler-Rüde mit Herrchen vom Spaziergang und bellt großmächtig. Takai steckt es gut weg. Nur als ich ihn an mich danach heranziehe, gerät er in Panik. Ich setze mich durch, und er bekommt „Zwangsleckerli“: Frolic mit Käse!
Zurück geht der Kleine dichtauf hinter mir, ja fast neben mir (ich denke, das lernt er vielleicht ganz natürlich von selbst?)

Zurück auf dem Hof: Riesenaufregung! Die neuen Mieter sind da, Auto direkt vor der – immer noch schwierigen Treppe, drei Hunde bellen wie verrückt, dazu kommt Herrchen um die Ecke und brüllt die Hunde – natürlich erfolglos – zur Ruhe.
Ja, es wurde für unseren Löwen etwas schwierig. Ich konnte ihm den Weg über die Treppe und ins Haus aber doch etwas Sicherheit geben. In der Küche zurück, fand der Arme erst seine Ecke nicht; nimmt am Ende aber, als ich Leine und Geschirr abnehme, Schmelzkäse aus der Tube an. Einige kürzere Zeit und er kommt wieder zur Ruhe.
Auch als zwei fremde Menschen ins Wohnzimmer durchgehen, nimmt er es recht gelassen hin.

Und ich sammle hernach die Tapetenreste ein: Takai, wenn du die nicht frisst – du bist doch kein Vogel oder keine Maus, Dir ein Nest zu bauen, oder?

Abends ist Monika da und bleibt über Nacht. Wir diskutieren recht laut. Das ist dem Kleinen ungewohnt – und er nimmt zwar Wasser, irgendwann, rumort auch an der Wand – aber am Morgen ist sein Napf unberührt.

Monika meint, ich könnte ihn ja mitnehmen zu ihr – sie ist ein ahnungsloser Engel: Dass wir das Einsteigen in ihr Auto werden trainieren müssen und dass er den Innenraum dann mit uns teilen lernt, nicht zu reden von gemeinsamen Fahren – und die Orientierung in einem ganz anderen Haus….
(Andere Hunde machen das doch auch….. ja, andere Hunde!)

31. August 2008

Früh an diesem sonnigen Morgen gehen wir los: Geschirr anlegen, ganz freiwillig durch den Flur, ruhig die Treppe hinunter – der Löwe wird sicherer, wie gut für ihn. Nach der Pause an der Moorhalle eine Herausforderung an ihn („sitz“ ist ja nun „normal“, da erwartet er gar keine Belohnung): Es geht eine lange Treppe hinauf zur Bahnbrücke und da muss Takai den ersten kleinen Absatz nehmen. Panik! Aber dann, mit entschiedenem Ziehen, geht’s doch ganz ordentlich; und die paar Stufen wieder hinunter sind nur noch ein kleines Problem…

Als Monika nach dem Frühstück fort ist, werde ich von Takai wieder „verfolgt“ (schade, die Kamera mag er gar nicht, so kann ich keine guten Fotos machen): Er schaut nach mir im Schlafraum und kommt auf dem Flur hinter mir her, wo ich bastele. Neugier: Er schaut und riecht hier und da – sucht aber sichtlich meine Nähe (ich stehe mit dem Rücken zu ihm). Als ich mich setze, wagt er sich bis auf einen halben Meter heran, ganz ohne ein Leckerli-Angebot. Dackelt auch wieder in Richtung Ecke; als ich vom Flur zurückkomme, gehen wir vorsichtig aneinander vorbei – er schaut noch mal in den Flur während ich ins Wohnzimmer gehe. Dahin folgt er mir nicht; einer, der nur sitzt und schreibt, ist nicht so interessant…..

1. September 2008

Da sitze ich und schreibe -
und Takai steht in der Tür und sieht auf mich;
und kommt – ganz kurz – sogar ins Zimmer!
Ich bin recht erleichtert, so liegt er nicht ohne Beschäftigung nur in seiner Ecke; geht auch in den Flur, beschnuppert alles; und erkundet seine Welt hier drinnen, die ihm nun sichtlich vertrauter wird. Und es ist nicht nur Neugier – er sucht meine Nähe.

Takai nutzt die Zeit draußen und frisst Gras und geht die Wege nun häufig „der Nase nach“: Neue Abenteuer, die vielen Gerüche!

Das hat er doch noch nicht trainiert, oder? (Ich muss wirklich nachfragen!)
Der kleine Löwe bringt sich gehen bei Fuß selber bei!
Ein wenig habe ich auch den Eindruck, die Leckerlis sind ihm nicht mehr so wichtig (ausgenommen natürlich der Schmelzkäse – aber auch der ist wohl nur aus Spaß am Geschmack – Stress gibt’s nicht zu bewältigen. Allerdings werden wir heute nachmittags sehen, wie es an der Treppe bei der Brücke gehen wird – da nehme ich diesmal die Tube mit).
Takai
Der Löwe hat was am Auge – eine Zecke; geduldig lässt er sie sich entfernen (und ich bin ganz stolz: erstmals konnte ich eine Zecke rausziehen – habe ich nie gemacht, weder bei Mensch noch bei Tier!).
Kein längeres Getue: Auf „Komm“ trabt er gleich durch den Flur, die Treppe runter ganz ruhig. Nur bei der Bahnbrücke! Vertrauensvoll geht er, dicht hinter mir, bis zum ersten Absatz; er wäre wohl auch die lange, lange nächste Treppe mit hinaufgegangen, denke ich. Aber so hielt ich erst einmal an – und auf dem kleinen Raum, Geländer überall, verlässt ihn nun doch der Mut; und den Schmelzkäse muss ich ihm diesmal wieder um die Schnauze schmieren.
Später am Weg: Bahnarbeiter mit Motorsägen. Und was macht der Kleine? Geht interessiert ein Stückchen auf sie zu! Schnüffelt sich dann einfach weiter zu unserem Rastplatz. „Sitz“ und „Platz“! So was Einfaches“ Wozu da noch Leckerli…
Ein Stück weiter kommt ihm eine Pilzsucherin gar nicht geheuer vor, er zieht an der Leine. Versteh einer, was in seinem Kopf vorgeht….

2. September 2008

Ja, was mag im Kopf so eines Hundes vorgehen? Er sucht – jedenfalls bei unseren Spaziergängen – immer deutlicher Nähe, stupst mich sogar einmal mit der Nase an meine Hand.
Und immer wieder – ich darf nicht vergessen, wie scheu er noch sein kann: Da schreckt er plötzlich vor ganz „harmlosen“ Geräuschen, versucht davonzurennen. Das Gebelle eines kleinen Foxterriers, etwa 200 m weg, macht ihn zögerlich. Aber wenn er hinter mir – oder meist neben mir jetzt – trabt, dann ist er sicher….

Heute sind wir die ganze Treppe hinaufgegangen; es war schon anstrengend für ihn, immer wieder sträubte er sich – aber dann, oben angelangt, nahm er doch ein Stückchen Streifen, mit etwas Nachhelfen. Sehr schön. Nun werden wir die Treppe auch einmal abwärts gehen müssen.

Was findet er nur an meinem Schlafraum? Wenn ich darin werkele, schaut er immer wieder neugierig um die Ecke; nur wenn ich ihn entdecke dabei, trollt er sich erst einmal wieder auf seinen Platz.

Das Wohnzimmer ist ihm heute etwas verdächtig. Tagesform? Oder was könnte ihn irritieren? Leckerli direkt an der Tür ist schon verlockend – er schafft es nach mehreren Anläufen, es sich zu holen, sehr vorsichtig, sehr scheu.
Dabei: auf seinem Platz, nimmt er es jetzt immer aus meiner Hand, so ganz geheuer ist es ihm noch nicht, auch, wenn ich ihn dann kraule; kann aber so „schlimm“ nicht sein, eher ist es wohl dieser große Mensch; die Hand in seinem Fell scheint doch ganz angenehm zu sein….

3. September 2008

Vorsichtig pirscht Takai sich ins Wohnzimmer, als ich beim Morgenkaffee lese. Schnuppert herum (naja, ein paar Stückchen Fleischstreifen machen ihm das Wiederkommen angenehm – denn wenn ich ihn anspreche, trollt er sich erst einmal wieder in die Küche). Morgen-Ausflug – da geht er jetzt ganz allein vom Platz und ruhig die Treppe hinunter; wir gehen die „große Runde“ – und er bewältigt die große Treppe, dicht hinter mir, recht gut.
Der erste Absatz – er soll ihn freiwillig gehen – macht ihm noch Probleme: Heftiges Ziehen, und er „kujehut“ leise, ein- zweimal. (Da muss ich auch noch mal fragen, was für eine Art Signal das ist). Aber den langen Rest geht er im Vertrauen auf mich dann hinauf. Es rührt mich recht an, dass er mir vertraut und ich ihm Sicherheit geben kann.

Heute blieb er wieder länger allen (Mittwoch-Training) – die Spur mit Leckerlis ins Wohnzimmer hatte er diesmal bis in „gewagte“ Ecken verfolgt. Als ich nach Haus kam – ganz NEU: Takai bekommt einen Fleischknochen! Schnuppert auch gleich dran, leckt dran, aber Monika ist mitgekommen, das irritiert ihn.
Im Dunkeln am späteren Abend ist dann aber sein Kauen zu hören….

4. September 2008

Den Nachbarn auf der „großen Runde“ kennt er: wartet ruhig, bis wir einen kleinen Plausch beendet haben.
Die große Treppe dackelt er jetzt getrost mit hinaus.

Zuhaus ist er sichtlich auf Leckerlis aus (es ist schon fast betteln). Die muss er sich aber aus dem Wohnzimmer holen, richtig aus der Mitte des Raumes. Ach, es ist ja so schwer, wenn ich da sitze! In seiner Ecke fühlt er sich entschieden sicherer: lässt sich kraulen (+ Leckerli); irgendwie angenehm…. Wenn nur der große Mensch nicht so dicht bei ihm wäre! Aber von Stress keine Spur – er nimmt die Stückchen von Fleischstreifen (fast) ohne Zögern aus meiner Hand.

Nach der Nachmittagsrunde – ganz neu: ich mache ihn an der Langleine in meiner Nähe fest und erledige Außenarbeiten (Holzschutz auf Fenster und Pfosten). Das interessiert ihn – nur wird er wohl nie begreifen, was ich da treibe und wozu es gut sein soll. Irgendwann scheint mir, will er lieber wieder ins Haus, geht ganz von sich aus die Treppe hinauf.

5. September 2008

“ganz große“ Runde heute Nachmittag:
andersherum, durch die Jägerstraße und über die Hauptstraße zurück: Dort, wo Takai unsicher wird, geht er dicht hinter mir und oft „bei Fuß“ (ob ich ihm das noch beibringen muss….?).
Unterwegs treffe ich einen Bekannten, er steigt vom Rad, wir plaudern – Takai nimmt es recht gelassen.
Ein kleiner Terrier in der Nachbarschaft verbellt uns, durchaus freundlich gestimmt. Damit kommt der kleine Löwe nicht zurecht: Hält Abstand, möchte lieber weg. Warum sucht er keinen Kontakt durch den Zaun? Jetzt sieht er hilflos aus wie ein Welpe …
Aber er fühlt sich doch recht sicher, mit mir.

Ich werde verfolgt! Takai ist sehr neugierig, was ich so treibe im Haus. Trottet immer hinterher (mit Abstand); schaue ich nach ihm, dreht er oft ab in seine sichere Ecke. Aber immer öfter bleibt er auch stehen, unser Abstand verringert sich allmählich, allmählich … (wie werde ich glücklich sein, wenn er zu mir kommt, irgendwann…). Erst einmal schwingt bei ihm aber meist das Interesse an Leckerli mit. Vielleicht verwöhne ich ihn damit zu sehr, ohne viel zu fordern?

6. September 2008

Heute also war die „große Treppe“ abwärts dran: Brav dackelte Takai sie hinunter, ich merke, das alles macht er mit viel Vertrauen in mich, ich gebe ihm seine Sicherheit. Ach! Und an der Moorhalle, gleich nachdem er seine Aufgabe bewältigt hat, viele Menschen, sie bereiten das Bosseln vor. Da wird’s dann doch etwas eng. Aber er macht „sitz“ und „platz“: Das gibt ihm ein Großteil seines Selbstbewusstseins zurück ("das kann ich!“).
Was hat er nur an der Eingangstreppe die letzten beiden Tage?

Monika drängt auf Fellpflege: Der Hund muss gebürstet werden! Sie hat extra ein Set dafür gekauft (und Gottseidank erst einmal zu Hause gelassen). Ich habe ja selbst so was, vielleicht etwas zu klein für das dicke Löwenfell. Aber bevor Monika ihn womöglich mit ihrer Ungeduld verschreckt, versuche ich es, als wir „unter uns“ sind, vorsichtig mal allein: Ach nee- das ist nun wirklich zuviel! Er weicht aus seiner Ecke aus Richtung Wohnzimmer, sichtlich verstört. Nein, dann lassen wir das erst einmal, bis er meiner ganz sicher ist (und im Moment ist sein Fell auch ungebürstet ganz in Ordnung).

7. September 2008

SonntagsspaziergangGroße Runde an diesem sonnigen Sonntagmorgen, recht früh. Die große Treppe hinauf und auch wieder hinunter, ganz gelassen. Dann: ich gehe in den offenen Pavillon neben der Moorhalle – und jedes kleine Knacken im Gebälk erschreckt den Löwen; nach kleineren Fluchtversuchen sucht er doch meine Nähe, muss dabei also hereinkommen.

Danach am Weg ein alter Mensch, ich rede mit ihm ein wenig; er spricht Takai an, der hält es ganz gut aus. Kein Stress, nur große Vorsicht.

Ich merke, die Leckerlis werden weniger inflationär angeboten und mir scheint, sie sind unterwegs auch weniger interessant als die vielen Gerüche – Takai gebraucht oft und eingehend seine Nase – und ich lasse ihm die Zeit dazu, in den kleinen Pausen.

Im Hause: Takai traut sich nach wie vor nur ganz, ganz vorsichtig ins Wohnzimmer, wenn ich darin bin (die ausgelegten Fleischstreifen-Stückchen sammelt er in Windeseile ein, sobald ich kurz hinausgegangen bin).

viele Fragen, die ich noch habe:
wenn der Kleine mir im Haus nachgeht – spreche ich ihn an oder schaue ihn an, dreht er ab in seine Ecke. Ist es ihm bedrohlich, wenn ich mich ihm zuwende?

8. September 2008

Da hatte ich noch einen Rest von einem Schinkenknochen: den, denke ich, teilen wir uns, Schnippel für mich für die Bechamel-Sauce – Schwarte und den Knochen für Takai (na ja, ein bisschen Schinken blieb auch noch dran). Takai putzt alles weg, der Knochenrest war sauber abgenagt.

9. September 2008

Die Wasserschüssel ist völlig leer.
Ach ja – der Schinkenknochen war ja salzig.
Schnell und ganz früh raus, damit Takai sich erleichtern kann!
zu spät: als wir zurückkommen sehe ich: der Teppich im Wohnzimmer ist nass. Mein armer Kleiner! Mir scheint, ihm selbst ist das unangenehm. So habe ich dazu gelernt.

Aus T. bringe ich also frische Knochen für ihn mit – ungesalzen! Den ersten bekommt er gleich – und der beschäftigt ihn gut. Er wird also ein richtiger Hund!

Mit der „großen“ Treppe hat er heute wieder seine Schwierigkeiten: läuft vorweg und strebt gar zu heftig nach oben. Runter will ich es ihm heute nicht zu schwer machen und gehe voran. So stapft er vertrauensvoll hinter mir hinunter. Und den Weg nach Haus geht er wieder munter.

Ins Wohnzimmer traut er sich gar nicht; da trocknet der Teppich…. Wie sage ich dem Löwen: „Es war mein Fehler…?“

10. September 2008

Diesen spätsommerlichen Morgen gehen wir einen ganz langen Weg, die Schulstraße hinauf und durch die Windräder in den Feldern ins Unbekannte.
Irgendwo endet er – eine Biegung führt in die andere Richtung, das würde zu lang.
“Pause“ – und dann viele Schritte zurück; täusche ich mich, oder ist Takai auch etwas müde nach der Tour?
Zwischendurch, immer wieder einmal, „Pause“: schließlich sollte ich bestimmen, wann wir anhalten (zumindest versäume ich nicht, diese Anweisung zu geben, wenn Takai unbedingt interessanten Gerüchen nachgehen muss). Der Hund erkundet seine Welt durch vieles Schnüffeln und gewinnt an Sicherheit und Vertrauen dabei. Gelegentliches Aufschrecken zeigt mir aber: Es ist noch ein langer Weg….

11. September 2008

Als ich mich im morgendlichen Erwachen rege, höre ich Takai kurz „kujehnen“: Muss er raus? Kann eigentlich nicht sein, wir waren gestern abends noch unterwegs (und salziges bekommt er bestimmt nicht mehr!). Ist es Ungeduld? Will er ins Schlafzimmer und traut sich nur nicht?
Beim Kaffee locken ihn Frolic-Stückchen ein, zwei Schritte zu mir ins Wohnzimmer –aus dem er sich noch immer schnell und ängstlich zurückzieht.

Nun liegt er in der Küche und behält mich im Blick. Seine Ecke ist nun nicht mehr sein Daueraufenthalt. Dorthin zieht er sich auf jeden Fall zurück, wenn ich den Raum betrete, erfreulich, dass er das nicht mehr ganz so eilig und panisch tut.

Der absolute Knüller: Ein Stückchen gekochte Dicke Rippe, das ich von meinem Teller aussondern musste: Takai kommt dafür glatt ins Wohnzimmer, und bleibt eine ganze Weile, hoffend auf mehr. Aber zum Betteln wollen wir ihn nicht erziehen. Es bleibt bei der einmaligen Spende.
(Allerdings liegt ein Stück – gekochter – Fleischknochen für ihn bereit, wenn ich gleich zum Training weggehe….)

12. September 2008

Takai legt unterwegs lange Schnüffelpausen ein.
Ich lasse ihn gewähren; immerhin folgt er der Anweisung „weiter“ recht häufig ganz problemlos. Zwischendrin frisst er immer wieder Gras („gut für die Verdauung“, sagt man – ich habe das noch nicht näher überprüft).
Heute hatte er etwas Durchfall – benimmt sich aber vorbildlich (war es die Dicke Rippe? Oder das Stückchen Käse gestern?).

Ich mache ihn mit meinem Fahrrad bekannt; da ist er noch recht skeptisch. Er wird es schon lernen.
Beim Hineingehen habe ich ihn vielleicht überfordert „Treppe“, „Komm rein“, „warte“ (ich muss die Eingangstür schließen) – das macht er alles brav und schon fast ganz allein. Da fordere ich ihn im Flur plötzlich zu „sitz“ auf! Ja, und was er sonst so prompt macht: hier dauerte es wieder recht lange. Am Ende gab der kleine Dickkopf aber nach.
Das Leckerli lehnte er ab, erst in seiner Ecke, nach dem Lösen des Geschirrs, war er wieder aufgeschlossen. Und jetzt nagt er an einem frischen Knochen….

13. September 2008

Große Schnüffelrunde heute früh.
Takai frisst GrasTakais Verdauung hat sich etwas beruhigt. Der schlaue kleine Kerl hat heute Nacht auf weiteres Futter verzichtet. Draußen frisst er immer wieder Gras.

Angeleint bleibt er mit mir draußen, ich rupfe etwas Unkraut, an diesem kühlen Morgen – da schaut er sehr interessiert zu. (Er wird solches Tun niemals begreifen…)

Drinnen, in seiner sicheren Ecke, geschieht ihm wieder etwas Neues: Ich habe in seinem Fell Anfänge von Filz entdeckt – also muss es sein (erste Versucht vor zehn Tagen lösten Flucht aus, aber da versuchte ich es auch in den Flanken). Jetzt bürste ich seine Mähne um seinen Kopf herum, auch dicht am Ohr. Er lässt es über sich ergehen, wobei wohl, wieder einmal die Nähe des großen Menschens bedrückender ist, als das Striegeln und Bürsten, eher scheint es ihm angenehm.
Danach – große Belohnung! – Schmelzkäse. Den hat er lange nicht geschmeckt. Und er nimmt ihn auch direkt aus der Tube – es geht ihm also gut!

Spätnachmittags, ich bin nur für einige Minuten draußen, finde ich im Wohnzimmer die Bescherung: Takai konnte (Durchfall) sich nicht halten. Etwas unglücklich, wie mir scheint, liegt er in seiner Ecke. (Möglich, er fühlt so etwas wie Schuldbewusstsein, eher wohl ist es ihm unangenehm, das Malheur in seiner Nähe zu wissen oder ihn plagt Bauchgrimmen?). Ich streue Holzasche drauf, die ich morgen wegkehren kann. Der (rosa!) Teppich liegt als Testteppich – schlimmstenfalls schmeiße ich ihm raus (was ich später ohnehin beabsichtige). Und so lerne ich, was Takai gut tut und was wir besser bleiben lassen sollten: Frische Fleischknochen? Gekochte Rippe (immerhin gewürzt), Reste von Schnittkäse, so wenige es auch waren? Ich muss es herausfinden – erst einmal ist sein Trockenfutter ausschließlich angesagt.Takai

Monika will in einer halben Stunde kommen; so gehen wir vorsorglich am frühen Abend noch einmal raus; wir bleiben auf dem Gelände – und Takai kann überall streunen und schnuppern, er tut es ausgiebig: An einigen Stellen ist das hohe Gras niedergetreten, an den Rändern scheinen sich „Ortsfremde“ gelagert zu haben. Ich muss richtig stellen: Das Getier, welches immer, ist in dieser kleinen Wildnis ja heimisch. Takai jedenfalls erschnüffelt sich deren Spuren. Monika verspätet sich, durchaus erwartet.

So üben wir noch etwas mit dem Fahrrad: Eng darum herumzugehen fällt ihm schwer, brav folgt er mir zunächst, versucht, kaum ist die „Gefahr“ nicht mehr nahe, auszubrechen. Er verheddert sich in der Leine. So gern ich ihm helfen wollte („austüdeln“) – wir verstehen einander nicht, trotz beidseitigem heftigen Bemühens.
Ja, solange Takai meine Nähe noch meidet und aufschreckt, kennt unsere Verständigung Grenzen!

14. September 2008

Hinaus in die Felder, in die frühe Sonne: und Takai zeigt pure Lebensfreude, rennt über die Grasstoppeln (ich renne mit) und er trägt die Rute steil oben! Es wärmt mir das Herz!

Nachmittags, zuhaus: Monika macht energisch Hausputz…. Wenigstens dem Staubsaugen können wir durch einen Ausflug entkommen. Drinnen: Takai verdrückt sich zu mir ins Wohnzimmer, nimmt sogar Leckerli aus meiner Hand und legt sich in meiner Nähe nieder.

15. September 2008

TakaiFür den Löwen war Monikas Putzerei denn doch mit viel zuviel Stress verbunden. So habe ich das Training, ins Auto einzusteigen, vertagt.

Heute morgen – Takai stapft frohgemut über das Stoppelfeld, die Rute oft ganz oben. Dann (da hatte ich vor Tagen einen Hund gesehen, der in der Nähe wohnen muss) eingehendes Schnüffeln – ich lasse dem Kleinen alle Zeit.
Der weitere Weg, immer wiedergibt es aufregende Gerüche, ist für uns beide ganz entspannend, Takai trabt die meiste Zeit locker voran; ich lasse ihn gewähren, er kümmert sich kaum um mich. Erst in der Nähe der großen Treppe geht er lieber wieder hinter mir. Aber meine Gelassenheit überträgt sich auf ihn (oder ist es eher so, dass ich die seine mitempfinde?) – er geht ruhig die Stufen hinauf, nimmt oben seine Belohnung gleich an; auch die Treppe hinunter ist für ihn nicht schwer, und auch unten nimmt er gleich Lob und Leckerli sofort an.

Mir geht durch den Kopf: Wir leben ja allein miteinander; was geschähe, wenn mir unterwegs etwas passierte? So werde ich zu meinen wichtigen Informationen, die ich für solchen Fall mit mir führe, den Hinweis fügen, dass der Hund betreut werden muss. Große Beruhigung für mich ist, dass ich die Adresse unserer „Nordlicht“-Freunde angeben kann!

Na, Takai hat wieder etwas Durchfall (Knochen von der Lammkeule?). Also: Rechtzeitig abends noch mal raus- aber es hat sich beruhigt. Takai hatte sich zuvor auf der Wiese Hasenköttel, ganz frisch, zu Gemüte geführt. War wohl richtig, ihn zu lassen.
Und so geht es wieder fröhlich mit erhobener Rute über die gemähten Wiesen. Es ist jetzt viel mehr ein Miteinander, wir streifen gemeinsam, Takai schnuppert, wo es spannender riecht, springt dann locker weiter. Oder ich will vom Fleck – auch dann läuft er willig los. Was will er eigentlich immer im Graben?

Hier endet der erste Teil von Takais Tagebuch, der uns mit diesen Zeilen übersandt wurde

“ Guten Tag, Ihr lieben Nothelfer!

Bevor die Texte weiter anschwellen,
schicke ich Euch einen Haufen Seiten -
ich hoffe, es ist nicht gar zuviel Lesefutter.

Ich glaube, jetzt wird mein Tagebuch etwas weniger umfangreich werden :
Nur noch die besonderen Erlebnisse will ich aufschreiben.
Aber ich ahne, jeder Tag mit Takai wird ein besonderer sein.“


23. Oktober 2008

Guten Tag, liebe Freunde - habe ich mich schon "verdächtig" gemacht, so lange nicht mehr berichtet zu haben?
Heute habe ich mich aufgerafft, wieder zu schreiben, was inzwischen so geschehen ist. Ich hänge es dran.

Wenn wir morgens - nun kommen die Temperaturen Takais Fell entgegen - unsere Rundgänge machen, kann ich immer nur denken:
Ich will mich nicht dicke tun mit meiner Tierliebe;
Dieser kleine Hund gibt mir so viel mehr, als ich ihm geben könnte. Sorgenfrei und fröhlich gestimmt erleben wir unsere ersten Tagesstunden. Und ich lerne, immer neu:
Wie sehr bin ich diesem Wesen verpflichtet, der doch sein ganzes Vertrauen in mich setzt - und unbedingt von mir abhängt.....

Die Siebenjährige Nachbarstochter möchte Takai so gern einmal knuddeln. Ich habe sie vertröstet - durchaus nicht grundlos : Immer, wenn wir bei ihr vorbeikommen und sie treffen, wird er sie mehr kennen - und dann wird's schon werden.

Was sagt der Fuchs in "Der Kleine Prinz" von Exupery?
Wenn uns einer vertraut, dann sind wir für ihn verantwortlich.

Ganz herzliche Grüße
und meinen Dank für dieses Geschenk.

Zwei Monate ist Takai nun bei mir - und wie hat er sich entwickelt“ Er ist nicht mehr der ängstliche Kleine: Trabt mit hoch erhobener Rute seine Wege, schnüffelt in jede Hofeinfahrt, und hinterlässt, wo nötig, seine Duftmarken.

So er mich nicht dringend zum Ausgehen auffordert, wenn ich morgens etwas zögere, kommt er auf mich zu, voller Erwartung, Ohren spitz, die Augen aufmerksam auf mich gerichtet, sobald ich mich anziehe.

Sein Schlafplatz ist nun im Wohnzimmer, oft auch tags, wenn ich am Schreibtisch sitze. Völlig entspannt schnarcht er mitunter, oder er träumt unter leichtem Bellen, wie es den Hunden eigen ist, seine Pfoten träumen mit ihm vom Laufen…

Noch immer bleibt seine Ecke sichere Zuflucht: Dort lässt er sich bereitwillig wie auch ungeduldig anleinen, streckt den Kopf für das Brustgeschirr vor, hebt die Pfote links und rechts – und lässt sich kraulen, genießt es jetzt ganz angstfrei.

Treten wir nach draußen, inspiziert er zuerst die Spuren der beiden Artgenossen aus der oberen Wohnung um danach entschlossen das Grundstück zu stürmen, ich komme kaum so schnell hinterher“ Die Nachbarshunde kennen wir nun alle recht gut: „Stummel“ von gegenüber, der, klein und fröhlich, beschnuppert wird; „Purzel“, den Foxel an der Hauptstraße, der sein Kläffen nicht seinlassen kann, doch neugierig wedelnd an den Zaun kommt. Die großmächtige Dogge am Ende der Schulstraße: Tieftönendes Gebelle – und nimmt Reißaus, als Takai ganz unbeeindruckt Kontakt sucht.

Schließlich am Ende der Jägerstraße – vom Hof (mit Ziege, Gänsen, einer Heidschnucke und einigen Glucken mit ihren Küken) kommt ein ganz großer brauner Hund: Die Begrüßung ist beiderseits überaus freundlich.

Anfangs zieht Takai an der Leine voran – das lässt er, je länger wir unterwegs sind, bis er am Ende lieber hinter mir hertrabt. Bleibe ich zu einem längeren Klönschnack mit einem Nachbarn stehen (eine ganz neue Erfahrung – fuhr ich doch sonst an den Gehöften vorbei!), so setzt er sich, lässt uns nicht aus dem Blick, bis er ungeduldig zu Jienen anfängt….

Mit seiner Leine gehen wir beide recht routiniert um: Hält er plötzlich zu intensivem Schnüffeln an, kürze ich sie zu Schlaufen ein, so vertüdelt er sich nicht im Weitergehen oder wenn er gar losrennt. Takai liebt die Gräben, ich gebe ihm gern nach, lasse die Leine lang, meist stürmt er heftig ziehend wieder heraus, es liegt so viel Lebenslust darin, so mag ich ihn nicht bremsen.

Das „Austüdeln“ besorgt er meist selbst: Dreht sich einmal herum oder hüpft elegant, so ganz nebenher, aus der kleinen Falle heraus; und wenn es denn nicht gelingt, setzt er sich, meine Hilfe erwartend und hebt die Pfoten, ganz unaufgefordert, wo es nötig ist.

Wie viel Vertrauen hat der Kleine doch! Ich fürchtete schon eine Katastrophe: „Shiwi“, die so schlecht erzogene Nachbarshündin (sie war seine erste Bekanntschaft, wir erinnern uns), wurde an ihrer Leine ausgeführt, lief auf uns zu; demutsvoll leckte sie Takai das Maul – es war damals also nicht der restliche Schmelzkäse –und forderte ihn herumspringend zum Spielen auf; Takai tat mit – und am Ende waren die beiden Langleinen heillos miteinander verheddert, und er war kreuz und quer umschlungen, ich fürchtete Panik. Aber nicht doch: Takai, ganz ruhig, legte sich hin, und ließ mich minutenlang alles entwirren, für die zerrende Shiwa hatte er gar nichts übrig (menschlicher Maßstab wäre wohl Verachtung – da täten wir dem Tier aber gewiss Unrecht).

Und wie war das gestern?
Vor einigen Tagen erlebte ich das schon einmal, dachte, das sei unversehens oder geradezu irrtümlich geschehen: Takai springt auf der Wiese an langer Leine wild herum, wirft sich hin, springt wieder auf: Er will spielen! Ich gehe auf ihn ein – und am Ende legt er sich auf den Rücken, lässt sich ausgiebig kraulen und schließt dabei genussvoll die Augen!!

Wie gut er versteht: Will er an irgendeinem „verdächtigen“ Plastikrest riechen, genügt ein leises „Nein“, unterstützt vielleicht von einem ganz sanften Ziehen an der Leine – sofort lässt er ab. Zwei Male, etwas deutlicher „NICHT AUF DIE STRASSE“: seither schnuppert er bis an deren Rand, ohne die weiße Fahrbahnabgrenzung wieder zu übertreten. Im Übrigen sind Autos, große Lastwagen, Trecker kein Problem für ihn. Und wenn es mit einem Unbekannten oder mehreren Radfahrern mal eng wird für ihn, setzt er sich, sieht vertrauensvoll auf mich, und ich kann ihm Sicherheit bieten.

Wie wünsche ich diesem kleinen, schlauen Hund, dass er einmal wird ohne Leine und frei gehen und springen können!

Fleischknochen werde ich ihm erst einmal nur sehr wenig geben können; Takai bekommt davon Durchfall.

Das Wohnzimmer ist nun sein Schlafplatz und so ging er deshalb nächstens weit hinaus auf den Flur. Erste Hilfe: Asche aus dem Kamin, später Erde aus dem Garten drüber – da liegen ja Fliesen, von denen alles leicht zu entfernen ist.

Aber was macht Takai? Fischt sich aus dem Kamin ein Stück Holzkohle und frisst sie!!

Ich erinnere mich, in meiner Kindheit in solchen Fällen Kohle bekommen zu haben. So habe ich jetzt eine Packung aus der Apotheke besorgt (die Apothekerin wunderte sich, so was nähme sonst niemand mehr). Nach Beipackzettel bekommen Kinder zwei Tabletten am Tag – für Takai also werden eineinhalb gut sein, denke ich.

Und ich werde nur noch Markknochen kaufen für ihn: damit beschäftigt er sich viel länger, bis sie ganz aufgegessen sind – und er verträgt sie besser.

Einzig im geschlossenen Raum ist Takai noch ganz unsicher, flüchtet in seine Ecke, wenn ich aufstehe, mag auch nicht ganz an mich herankommen und sich anfassen lassen.

Und auch nach einem zweiten Training ins Auto einzusteigen, bleibt seine Angst, vorerst. Dabei müsste er (da stelle ich Ansprüche an seine Schlauheit!) doch schon wissen: „AUTO – RÜCKSITZ – SCHMELZKÄSE: GUT“. Na gut, üben wir noch….

Ach ja: er kann jetzt Pfote geben. Nur sieht er dabei etwas unglücklich drein. Ich verstehe das –irgendwie finde ich die Übung auch peinlich. Nur: was soll ich ihm jetzt beibringen?


14. Juni 2009

Nun muss ich doch mal berichten :

Takai läuft o h n e L e i n e! Hier einige Fotos.

Takai

Er bewegt sich frei, ohne Einzäunung, und kommt problemlos nach einem Ausflug zurück. Solche "Alleinjagd" geht natürlich nicht, zum einen ist während der Schonzeit Leinenzwang, zum anderen käme ich bei gemeinsamer Jagd mit dem schnellen Kerlchen nicht mit. Und in seiner Erziehung bin ich noch nicht so weit, dass er auf die Aufforderung "Komm her" unbedingt und in jedem Fall garantiert zurückkäme.

Takai

Mit ihm unbekannten Menschen ist er noch immer sehr zurückhaltend (sehr zum Kummer der Nachbarskinder, die ihn so gern mal streicheln wollen - aber er ist ja kein Teddybär), aber Leckerlis kann er kaum widerstehen, und nimmt sie - bei Nachbar/innen , und Postbot/innen aus der Hand.

Peter Brückner

 

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