Die Ware Seele

Yuri kratzt sich ständig

Mehr und mehr verkommt der Verkauf von Hunden zum „großen“ Geschäft. Auch wenn dieses Thema mehr und mehr die Menschen langweilt, so können wir nicht fassen, was der Mensch mit dem Seelenhandel anrichtet.

Es sind nicht nur die Elterntiere, deren Leben keines ist, sondern ein Dahinvegetieren. Keinen menschlichen Kontakt, kaum soziale Kontakte zu Artgenossen, kein Spaziergang – eigentlich nichts.

Wie muss sich ein solches Tier fühlen, dass lediglich missbraucht wird, um Babies zu gebären, die bereits ab der Geburt Schaden nehmen. Sie sind einfach nur Verkaufsartikel, um die Haushaltskasse oder die staatliche Unterstützung aufzubessern. Hundebabies, die reizarm in Boxen oder Verschlägen gehalten werden – Produkte, die man mit kleinstem Aufwand herstellt und für einen hohen Preis kaufen kann. Einen sehr hohen Preis, den nicht die Käufer zahlen, sondern Mutter und Welpen. Haben die Zuchthündinnen und Rüden das große Glück hier zu entkommen, kennen sie auch selten Halsband, Geschirr und Leine.

So lange Menschen sich das Recht herausnehmen Lebewesen nicht als solche zu akzeptieren, wird sich für die Tiere nichts ändern. Gerade hier wäre es aber ein Leichtes schnell Abhilfe zu schaffen. Ein jeder von uns, der sich ein bisschen Geld mit körperlicher Arbeit verdienen möchte, gilt die Regel, dass das nur legal über eine Anmeldung und dem Zahlen von Steuern möglich ist. So ziemlich alle akzeptieren das auch – denn der böse Nachbar könnte dem Treiben schnell ein Ende bereiten.

Ein Ende, das wir uns auch für all die Vermehrer wünschen. Die Lösung? Sicherlich nicht schwierig, wenn man die Einkünfte der Vermehrer denen der arbeitenden Bevölkerung gleich setzt.

Träumen wir weiter von einer besseren Welt für die Tiere, denn ohne diese wären wir sicherlich an all dem Elend bereits verzweifelt.

Yuri hat sog. ElefantenhautAuch die Shiba-Hündin Yuri, die Mitte Dezember 2015 aus schlechter Haltung und in verwahrlostem Zustand von einem Hunde-Produzenten in die Pflegestelle in Freudenstadt einzog. Als ausgediente Zuchthündin, übersät mit Flöhen, stinkend und mit einigen gesundheitlichen Problemen behaftet ließ sie sich erst einmal total fallen und genoss sichtlich ihr Entkommen.

Ständige Tierarztbesuche wegen einer rezidivierenden otitis externa standen an, zudem wurde sie auch kurz nach der Übernahme läufig. Also wie so oft bei Hunden aus diesen Händen – eine Baustelle nach der anderen. Trotz allem hat man diese geschundene und zu ständigem Welpen-Gebären gezwungene Hündin ins Herz geschlossen.

Gemeinsam mit dem Rüden Kenji, der zeitgleich mit ihr gekommen ist, wurde sie peu a peu aufgebaut und an das Laufen an der Leine gewöhnt.Yuri und Kenji

Sehr schnell hat dies auch funktioniert und es war erstaunlich, dass beide Hunde umgehend stubenrein waren. Das Integrieren zu den Hündinnen in der Pflegestelle war überhaupt kein Problem, nicht nur Yuri war unheimlich sozial eingestellt und sie wurde sofort von der vorhandenen Mädels-Gang aufgenommen. So prima die Zusammenführung und das Leben in der Wohnung mit Yuri geklappt hat, so selten ist es so einfach. Hier muss man auch bedenken, dass die Pflegestelle über jahrelange Erfahrung verfügt, ohne die die Eingewöhnung so schnell überhaupt nicht denkbar gewesen wäre.

Yuri und die "Mädels-Gang"

Tägliches Ohrenreinigen und wöchentliches Baden wegen der Hautprobleme nahm sie ohne Murren hin. Doch die Ohrenprobleme wurden immer schlimmer. Da Yuri Auffälligkeiten am Herz zeigte, war ein Besuch in der Tierklinik zum Herzultraschall angesagt. Hierbei wurde auch festgestellt, dass die Ohrengeschichte schon einen Knochen angegriffen hat und man riet zu einer OP. Dass die Gebärmutter nicht in Ordnung war und sie schnellstens kastriert gehört, erschütterte uns bei alledem nur für Yuri.
Anlässlich der Kastration zeigten sich nicht nur Zysten an der Gebärmutter, sondern auch an den Eileitern.

Immer wieder kämpfte Yuri auch gegen Durchfall an und so bedeutete die Shiba-Dame eine sehr kostenintensive Belastung für die Vereinskasse. Aber Dank ihrer großzügigen Paten und den Unterstützern des Vereins war es uns möglich, diese ungeplanten Belastungen zu stemmen. Die große Hoffnung war ja, es würde sich noch alles zum Guten für Yuri wenden.

Yuri zu Besuch bei netten MenschenIm März 2016 meldeten sich sogar sehr nette Menschen für die Shiba-Dame und statteten ihr einen Besuch ab. Die Vorkenntnisse mit der Rasse und die bereits bei den eigenen Hunden gezeigte Verantwortung veranlassten uns dazu, einen Gegenbesuch zu machen.

Yuri wird aufgenommen

Zwei verantwortungsbewusste Erwachsene, zwei tolle Kinder, zwei 4beinige Kumpels - alles stimmig und wir haben Yuri beruhigt in deren Obhut gegeben.

Auch die Rückmeldungen, der ständige Kontakt, die Freundschaft die sich ergeben hat - Yuri hätte keinen besseren Platz finden können. Yuri wurde in unendlich viel Liebe gebettet, die komplette Pflegefamilie hat der kleinen Hündin in dieser kurzen Zeit all das gegeben, was sie in ihrem bisherigen Dasein entbehren musste. Auch wenn so ein Shiba oft sein Eigenleben führt, so war Yuri ihren Pflegeeltern sehr zugetan und hat ihnen das auch deutlich gezeigt.Yuri mag ihr Zuhause

Dass diese kleine Shiba-Dame dann einen so langen Leidensweg gehen musste mit zusätzlich immer wieder neuen Auffälligkeiten - Krankheiten – Problemen in der Pflegestelle, die nicht zuzuordnen waren, das hatte sie nicht verdient. Der behandelnde Tierarzt der Tierklinik hat eine wunderbare Arbeit geleistet und getan, was man nur tun konnte.
Doch trotz aller Hoffnung hat Yuri nach nur 7 Monaten gezeigt, dass sie am Ende ihres Lebensweges angelangt ist. Sie wurde immer schwächer, hat das Fressen eingestellt und keiner von uns wollte ihr "Leiden verlängern". Yuri durfte nach Rücksprache mit uns in Frieden einschlafen.
Das eigentliche Alter von Yuri war nicht bekannt.

Wir sind unendlich traurig, dass es gerade diesem Hund vergönnt war, ihr nun so tolles Leben viele Jahre zu genießen. Sicherlich wird es auch nicht die letzte traurige Geschichte sein, die wir niederschreiben, weil die Gier der Menschen maßlos ist und ein Tierleben nichts zählt.

Yuri

Unser Dank geht nicht nur an die Tierschützer, die Yuri "gerettet" haben, sondern auch an die Pflegeeltern, die Tierklinik in Baden-Baden und an die Pateneltern, die das kleine Shiba-Mädel finanziell gestützt haben.

Vielleicht gibt es Worte, Yuri’s Schicksal besser darzustellen – uns fehlen sie...

Das Team der NfP Freudenstadt

 

Anmerkung: Am 29.10.2016 ging Yuri über die Regenbogenbrücke, lesen Sie hier den Abschied

 

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