Der älter werdende Hund

Wissenschaftler, die sich zunehmend mit der Frage beschäftigen, wann ein Hund „alt“ ist, sind in neueren Untersuchungen zu der Ansicht gekommen, dass mit etwa sechs Jahren von „beginnendem Alter“ zu sprechen sei, ab neun Jahren von „fortgeschrittenem Alter“.
Durch verbesserte Lebensbedingungen erreichen nicht nur die Menschen, sondern auch die Hunde ein höheres Lebensalter als noch vor 40 Jahren. Unsere Gesellschaft tut sich mit den älteren Hunden ähnlich schwer wie mit ihren älteren Menschen – die Vermittlungschancen eines Hundes sinken mit zunehmendem Lebensalter rapide. Dabei ist Alter keineswegs ein krankhafter Zustand des späteren Lebensabschnittes – auch wenn uns das die eine oder andere Werbung einreden will, vor allem um uns Produkte zu verkaufen, die den Prozess des Alterns aufhalten sollen.
Alter ist auch nicht gleichzusetzen mit Krankheit oder gar Siechtum, es gibt sehr alte Hunde, die keinerlei Symptome einer schweren Krankheit aufweisen. Unbestritten ist allerdings, dass die Zahl der Krankheiten im Alter zunimmt.
Im späteren Lebensabschnitt vermindert sich die Anpassungsfähigkeit auf innere und äußere Belastungen (Stress) – einer der Gründe, warum ältere Hunde, die sich urplötzlich in Tierheimen wieder finden, mit dieser Situation nicht klar kommen und rapide „verfallen“.
Kennzeichen von Alter sind z.B. die verminderte Leistungsbereitschaft, ein erhöhtes Ruhe- und Schlafbedürfnis, ein vermindertes Bewegungsbedürfnis und die Ergrauung des Haarkleids.
In der Praxis bedeutet dies, dass diese Hunde weniger „anspruchsvoll“ sind, dass aus stundenlangen Touren kürzere werden, dass Streicheleinheiten an Bedeutung gewinnen und Spieleinheiten in den Hintergrund treten. Die Hunde werden dadurch zu „Ruhepolen“, zu kleinen Oasen inmitten einer stressigen Welt. Dabei sind die meisten dieser Hunde noch lange keine „Pflegfälle“, viele von ihnen genießen noch völlig gesund ihr Leben, nur ein wenig ruhiger und langsamer eben. Spaziergänge mit solchen Hunden sind deutlich entspannender als mit den jüngeren, Mensch wird nicht wegen jedes noch so kleinen Geräusches ins Gebüsch gezerrt, Begegnungen mit Artgenossen verlaufen souveräner.
Für einen Menschen, der sich auf einen älteren Hund einlässt, bedeutet dies, nach einer gewissen Gewöhnungsphase, einen Kameraden neben sich zu haben, der in der Regel eine innigere Bindung eingeht, der seinen Menschen deutlich spüren lässt, wie dankbar und wie zu getan er ihm ist. Gerade bei den Hunden, die aus schlechten Haltungsbedingungen oder aus Tierheimen, wo persönliche Ansprache und Zuwendung wegen der Vielzahl der Tiere sehr begrenzt ist, lässt sich oft ein richtiges „Aufleben“, eine gelebte Lebensfreude sehen, die den Menschen reich belohnt. Dabei ist es nicht wichtig, ob dieser Hund nun noch einen Monat, ein Jahr oder 5 Jahre Leben vor sich hat. Alte Hunde sind für jeden einzelnen Tag dankbar, den sie gut versorgt und geliebt leben können.
Es sind die Menschen, die mit Alter Tod verbinden und oft genug stirbt deshalb ein alter Hund einsam und alleine in einem Tierheimzwinger, nach vielen Jahren des Wartens auf ein neues Morgen in einem neuen Leben.
Auch die Nothilfe für Polarhunde e.V. sieht sich mit immer mehr und immer älteren Hunden konfrontiert, Hunde deren Chancen trotz der Ausnutzung aller modernen Vermittlungsmethoden wie Zeitschriften, Fernsehen und Internet ganz, ganz bescheiden sind.
 

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