Botulismus, eine Vergiftung hervorgerufen durch Toxine des Bakteriums Clostridium botulinum

Beim Menschen wurde das Krankheitsbild erstmals 1820 durch Julius Kerner beschrieben, die Erkrankung selber ist schon wesentlich länger als „Vergiftungserkrankung“ bekannt. Der Name Botulismus ist abgeleitet vom lateinischen Wort „botulus“, Wurst, da die ersten beschriebenen Fälle in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Verzehr unzureichend erhitzter Wurst standen.

Das Bakterium Clostridium botulinum vermehrt sich unter Luftausschluss (anaerob) in einem eiweißhaltigen Substrat bei hoher Feuchtigkeit und einem pH größer als 4,5. Wenn die Umweltbedingungen für eine Vermehrung ungünstig sind, geht es in seine Sporenform über. Viele Wild- und Haustiere, auch Vögel, sind Träger und Ausscheider von Sporen des Clostridium botulinum ohne in irgendeiner Form gesundheitlich beeinträchtigt zu sein. Das Bakterium kommt weltweit eigentlich überall vor (ubiquitär), seine Sporen sind sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse, Quellen geben als Zeitpunkt der Zerstörung 30 Minuten Kochen bei 120°C an.

In einer anaeroben Umgebung (z.B. in einem Kadaver) und idealerweise Temperaturen zwischen 22 und 40°C vermehrt sich Clostridium botulinum (Sporen wirken hier wie Starterkulturen) und bildet ein Toxin, Typ A – G, das derzeit als stärkstes bekanntes bakterielles Gift eingeschätzt wird. Es ist ein Neurotoxin, das bereits in kleinsten Dosen zu Lähmungen der Zwischenrippenmuskulatur führt, dies führt innerhalb kürzester Zeit zum Tod durch Ersticken. Dieses Toxin ist hitzelabil (die verschiedenen Quellen geben hier etwas unterschiedliche Zahlen an), es wird durch etwa 20 bis 30 minütige Erhitzung auf 80°C bzw. 1 bis 10 Minuten bei 100°C inaktiviert, evt. vorhandene Sporen können diese Temperaturen und Zeiten überleben.

Hunde sind im Vergleich zum Menschen weniger anfällig für Botulismus, sie scheinen eine hohe natürliche Resistenz gegenüber dem Toxin aufzuweisen, die möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass die stärker Eiweiß abbauende (proteolytische) Aktivität im Fleischfresserdarm das bakterielle Toxin zerstört. Auch das bei Hunden nach Genuss von verdorbenem Futter sehr leicht auftretende Erbrechen könnte dazu beitragen, dass nur wenige Fälle von Botulismus beim Hund beschrieben sind.

Rein prinzipiell kann Botulismus auf zwei Arten entstehen, zum einen durch die Produktion des Toxins in infizierten Wunden, Abszessen oder geschädigten Darmabschnitten oder zum anderen durch direkte Aufnahme des Toxins. Die Regel ist die Aufnahme des Toxins, beispielsweise durch Kontakt (Belecken, Anfressen) eines entsprechenden Kadavers, möglich ist auch eine Vergiftung durch kontaminiertes Wasser (vor allem im Sommer, wenn Gewässer durch darin treibende Kadaver von Wasservögeln etc. verunreinigt sein könnten).

Das Botulismustoxin wird nach der oralen Aufnahme im Darm resorbiert und gelangt von dort aus über die Blutbahn im Körper verteilt, die Blut-Hirn-Schranke passiert es dabei nicht, das Bewusstsein ist also während der Erkrankung zunächst in vollem Umfang vorhanden.
Das Toxin wird von den peripheren Nervenendigungen im Körper aufgenommen und reichert sich in den motorischen Endplatten an. Es blockiert die über Vesikel (winzige Bläschen, die mit einer einfachen Membran umgeben sind und für Körperfunktionen wichtige Stoffe enthalten) funktionierende Freisetzung von Acetylcholin, indem es die Fusion (Verschmelzen) zwischen Vesikel und Plasmamembran verhindert. Diese Wirkung ist nicht rückgängig zu machen (irreversibel), der Körper kann jedoch neue, intakte Vesikel ausbilden, wenn die aufgenommene Toxindosis und die davon hervorgerufenen Symptome nicht tödlich sind.

Die Blockade der Freisetzung von Acetylcholin, einem Neurotransmitter (Botenstoff, der Reize von einer Nervenzelle aus weitergibt), führt zu einer schlaffen Lähmung der quergestreiften Muskulatur. Erste Symptome können innerhalb eines Zeitraums von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen nach Aufnahme des Giftes sichtbar werden, meist beginnend mit einer Hinterhandschwäche, die zur Lähmung (Parese) wird. In der Folge weiten sich die Lähmungserscheinungen aus auf die vorderen Extremitäten, Kopf- und Halsmuskulatur werden ebenfalls schlaff. Es kommt zu Speichelfluss durch Schluck- und Zungenlähmung, häufig ist auch die Augenmuskulatur betroffen. Die Tiere sind apathisch, können weder Wasser noch Futter aufnehmen, durch die Lähmungen der Muskulatur entwickelt sich Verstopfung (Obstipation). Mit dem Fortschreiten des Erschlaffens der Muskulatur wird die Atmung oberflächlich und flach, der Tod tritt durch Erstickung, selten durch eine als Komplikation mögliche Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Fremdkörper oder Flüssigkeitsaspiration) ein.

Der Nachweis von Botulismus ist nicht ganz einfach, der Toxinnachweis wird durch Verfütterung von Futter oder Mageninhalt an weiße Mäuse, die mit typspezifischen Antiseren geschützt werden, erbracht. Die bisher beim Hund bekannten Botulismus-Erkrankungen sind fast ausschließlich auf das Botulinumtoxin Typ C zurückzuführen. Eine Bestätigung der Diagnose mittels Immunoassay ist möglich, denkbar auch ein Nachweis der Clostridien in verändertem Gewebe.

Der Verlauf, die Schwere und Dauer einer Vergiftung durch Botulinum hängt von der aufgenommenen Toxinmenge ab, es sind Fälle von Hunden mit Tetraplegie (Lähmung aller Extremitäten) beschrieben, die sich binnen 15 Tagen unter symptomatischer Therapie erholten.
Die Prognose ist dennoch zweifelhaft, die Behandlung schwierig und oft nicht erfolgreich. Treten erste Symptome relativ zeitnah nach der Aufnahme des Toxins auf, ist eine rasche Magen-Darmentleerung wesentlich. Im späteren Verlauf richtet sich die Therapie vor allem auf Aufrechterhaltung lebenswichtiger Körperfunktionen. Die Injektion eines polyvalenten (mehrwertigen) Antitoxinserums wird unterschiedlich bewertet, es kann damit nur eventuell noch nicht an Nervengewebe angebundenes Toxin neutralisiert werden.

 Anmerkung:

Im Internet finden sich Berichte, die einen Zusammenhang zwischen Botulismus bei Hunden und Gülle herstellen. Das Bakterium Clostridium botulinum, welches das Botulismustoxin bildet, ist ein strikt anaerob lebender Organismus, Luftabschluss ist bei Gülle eigentlich nicht gegeben. Da auch Stalltiere Ausscheider von Sporen des Clostridium botulinum sind, können diese in Gülle enthalten sein.

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