Perinealhernien

Diese Erkrankung kommt beim Hund häufig vor und tritt überwiegend bei nicht kastrierten Rüden auf (etwa 93 – 95 % der Fälle), betroffen sind vor allem Tiere ab einem Alter von 5 Jahren. Bei Hündinnen treten Perinealhernien mehrheitlich als Folge eines Traumas auf.

Die Muskulatur des Beckenbodens (Diaphragma pelvis) hat auch beim Hund eine stützende Funktion. Bei einigen Tieren kommt es im Laufe der Zeit zu einer Schwächung dieser Muskeln, die genauen Ursachen sind bislang unbekannt, vermutet wird ein Zusammenhang mit männlichen Hormonen, Überanstrengung und angeborener oder erworbener Muskelschwäche. Der Prozess der Schwächung der Beckenboden-Muskulatur ist ein fortschreitender, der soweit gehen kann, dass sich die paarig angelegten Perinealmuskeln trennen, eine Bruchpforte ist entstanden. Durch diese können der Inhalt von Rektum, Becken- bzw. Abdomen vorfallen bis zur perinealen Haut, ein Zustand, der lebensbedrohlich werden kann, wenn Organe in ihrer Funktion beeinträchtigt oder gar abgeklemmt werden.

Die ersten Anzeichen für eine möglicherweise zukünftig auftretende Perinealhernie können Kotabsatzprobleme sein und sollten, wenn sie nicht nur vorübergehend bestehen wie beispielsweise nach Verzehr eines Knochens, für einen Hundebesitzer Grund sein den Veterinär aufzusuchen.
Ein Tierarzt kann bei einer rektalen Untersuchung eine Schwäche der Beckenboden-Muskulatur feststellen noch bevor es zu einem vollendeten Bruch und allen damit verbundenen Begleiterscheinungen gekommen ist. Feststellen kann er bei der rektalen Untersuchung meist auch, ob die Prostata vergrößert ist, denn vergrößert übt dieses Organ seinerseits dann zusätzlich Druck auf den Darm und die Beckenbodenmuskulatur aus.

Die vergrößerte Prostata ist ein Problem vieler älterer und unkastrierter Rüden und meist mittels einer Kastration gut therapierbar. Auch ohne vergrößerte Prostata wird der Tierarzt dem Hundebesitzer eine Kastration nahe legen, wenn er eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur ertastet hat, da die männlichen Geschlechtshormone für das Entstehen und Fortschreiten der Perinealhernie mitverantwortlich gemacht werden. Neben der Kastration wird den meisten Hundebesitzern zu einer Ernährungsumstellung geraten werden, Ziel ist es, den Kot weich zu halten um die geschwächte Muskulatur nicht unnötig zu belasten.

Frühzeitig erkannt und gegengesteuert lässt sich dennoch nicht jede Perinealhernie vermeiden, für den Besitzer sind das Entstehen einer Bruchpforte und die Bildung eines Bruchsackes erkennbar an Ausbuchtungen neben dem After. Etwa zwei Drittel der Perinealhernien sind einseitig, viele davon rechtsseitig, bei rund ein Drittel der Hunde tritt die Perinealhernie beidseitig auf.

Unbehandelt werden die Bruchpforte und somit auch der Bruchsack samt Inhalt immer größer, im schlimmsten Fall können Prostata oder Harnblase in den Bruchsack rutschen und abgeschnürt werden, lebensbedrohlich kann aber schon das simple Abklemmen von Darmschlingen werden.

Behandeln lässt sich die Perinealhernie mittels Operation, besonderes Risiko ist hierbei die Schädigung des Schließmuskels oder seiner Nervenversorgung, der Hund könnte kot-inkontinent werden. Bei den meisten Perinealhernien gibt es keine Alternative zur OP und je schneller diese durchgeführt wird, desto größer sind die Chancen auf ein gutes Ergebnis. Denn mit zunehmendem Bestand des Bruches und dem Druck, der auf das Gewebe ausgeübt wird, findet auch ein guter Chirurg immer weniger intaktes Gewebe, das er zum Bruchverschluss heranziehen kann.
Je nach genauer Lage des Bruches gibt es verschiedene anerkannte und bewährte Operationstechniken, je nach Gegebenheiten wird auch ein Netz mit eingearbeitet um mehr Stabilität zu erzielen. Bei bilateralen Hernien können beide Seiten auf einmal operiert werden, allerdings ist das für den Patienten Hund meist deutlich unangenehmer (vermehrtes postoperatives Unbehagen und schmerzhafter Stuhlzwang (Tenesmus)) als zwei Operationen im Abstand von etwa 4 bis sechs Wochen.
Wichtig ist im Anschluss an die Operation, dass der Hundebesitzer sich so umfassend wie möglich an die Ernährungs- und Behandlungsanweisungen des Tierarztes hält, damit so wenig wie möglich Belastung auf die frischen Operationsnähte kommt und möglichst alles so verheilen kann wie geplant. Ein Rezidiv-Risiko, also die Möglichkeit einer erneuten Perinealhernie, gibt es für alle Hunde, allerdings ist dieses bei nicht kastrierten Tieren 2,7 mal höher als bei kastrierten.
 

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