Die Erstversorgung des Hundes im Notfall

Es gibt nicht nur für Menschen Erste-Hilfe-Kurse, wie sie beispielsweise vor Ablegen der Führerscheinprüfung erforderlich sind, diese Kurse gibt es auch für Hundehalter. Diese werden entweder mit den eigenen Hunden oder einem Hund des Kursleiters durchgeführt. über das Angebot in Ihrer Nähe informiert Sie Ihr Tierarzt gerne.

Weder jahrelange Hunde-Erfahrung noch der Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses für Hunde können bei ernsthaften Verletzungen den Tierarztbesuch ersetzten. Das erworbene Wissen hilft allerdings, im Ernstfall ruhiger und besonnener zu handeln, Erstmaßnahmen (nach bestem Wissen und Können) durchzuführen und so die Zeit bis zum Erreichen der Tierarztpraxis zu überbrücken.


Zwei Dinge sollten Sie grundsätzlich immer beachten:

  • Wenn ein Hund draußen Opfer eines Unfalls oder einer Beißerei wird, sollte er immer sofort im Anschluss angeleint werden. Oft erleiden Hunde in solchen Situationen einen Schock, verhalten sich zunächst unauffällig und erst mit dem Nachlassen des Schocks setzt unter Umständen eine Panikreaktion ein, der Hund könnte beispielsweise unvermutet flüchten.

  • Auch wenn Sie den verunfallten Hund kennen, es möglicherweise sogar Ihr eigener ist, rechnen Sie immer damit, dass er sich unter Schock, Panik und / oder Schmerz anders verhält als sonst. In diesen Extremsituationen können auch eigene Hunde schnappen oder beißen, legen Sie dem Hund im Zweifel einen provisorischen Maulkorb an.

Grundlagen:
Die Körpertemperatur eines Hundes liegt normalerweise in einem Bereich zwischen 37,5° und 39° Grad Celsius. Die Atemfrequenz liegt in Ruhe zwischen 20 und 50 mal in der Minute, ein großer Hund hat niedrigere Werte, ein kleinerer höhere. Der Puls, den Sie an der Innenseite des Oberschenkels am einfachsten ertasten können, liegt zwischen 70 und 120 Schlägen pro Minute. Aufschluss über die Kreislauffunktion geben die Schleimhäute an der Innenseite der Lefzen, dem Zahnfleisch, der Zunge und der Innenseite des unteren Augenlides, wenn Sie dieses leicht nach unten ziehen. Drücken Sie leicht auf die Lefzen oder das Zahnfleisch, wird die Druckstelle für einen Augenblick weiß. Innerhalb von circa zwei Sekunden ist die Stelle bei intaktem Kreislauf wieder rosa eingefärbt (kapilläre Füllungszeit).

Es ist übrigens kein Fehler, wenn Sie bereits Ihren gesunden Hund an kleine „Untersuchungen“ gewöhnen, nicht umsonst ist dies in vielen Welpengruppen mittlerweile fester Inhalt. Ein Hund, der gelernt hat, gewisse Handgriffe (Manipulationen) gesund als nicht beängstigend zu empfinden, wird auch im Ernstfall in einer Tierarztpraxis ein weniger gestresster Patient sein. Auch Sie werden einem Hund, der an die entsprechenden Berührungen gewöhnt ist, beispielsweise Ohren- oder Augentropfen besser verabreichen können.

Der Notfall tritt ein:
Wenn Sie selbst nicht Zeuge des Unfallgeschehens waren aber Dritte, versuchen Sie von diesen noch die wichtigsten Informationen (Was ist genau wann passiert?) zu erhalten. Dem behandelnden Tierarzt hilft dies später, die Kräfte einzuschätzen, die vermutlich auf den Körper eingewirkt haben und das Tier auf entsprechende (innere) Verletzungen gezielter untersuchen zu können.
Prüfen Sie die Atmung und den Puls des Tieres. Ist das Tier nicht bei Bewusstsein, lagern Sie es entsprechend. Die Sicherung der Vitalfunktionen hat immer Vorrang vor allen anderen Verletzungen. Versuchen Sie bedrohliche Blutungen zu stoppen und das Tier möglichst schonend und seinem Zustand entsprechend gelagert zum Tierarzt zu bringen.

Der bewusstlose Hund

In der Regel liegt der Hund in diesem Zustand leblos und erschlafft auf der Seite, die meisten Muskeln sind außer Funktion, was auch bedeutet, dass der Hund nicht schlucken kann. Die erschlaffte Zunge kann sich in die Atemwege legen, Ersticken droht.

Vergewissern Sie sich zunächst, dass der Hund wirklich bewusstlos ist, nähern Sie sich von vorne, sprechen Sie ihn an. Erfolgt keine Reaktion, berühren Sie ihn. Bleibt dies ebenfalls ohne Reaktion, schauen Sie im Fang nach, ob Fremdkörper zu sehen sind (Erbrochenes, Stöckchenreste etc.) und beseitigen Sie diese. überstrecken Sie den Kopf, so dass Nase und Oberkopf in etwa eine gerade Linie mit dem Rücken bilden. Ziehen Sie die Zunge etwas heraus, die Atemwege sollten nun frei sein.
Sind die Vitalfunktionen vorhanden, so transportieren Sie den Hund vorsichtig und mit überstrecktem Kopf zum nächsten Tierarzt (wenn möglich per Handy vorab informieren).
Können Sie trotz der freien Atemwege weder Puls noch Atmung entdecken, müssen Sie den Hund reanimieren.

Reanimation – Ersatz der ausgefallenen Vitalfunktionen

Anders als beim Menschen, gibt es beim Hund keinen festen Rhythmus, in welchem sich Herzmassage und Beatmung abwechseln sollen. Man sollte aber immer 1-2 Atemzüge beatmen und dann mit der Herzmassage beginnen, da sonst das aus der Lunge transportierte Blut keinen Sauerstoff transportieren kann.

Beginnen Sie mit der Beatmung, in dem Sie das Maul des Hundes schließen (Zunge darf nun nicht mehr raushängen), umfassen Sie die Lefzen mit beiden Händen. Ihre Lippen umschließen die Nase des Hundes und Sie pusten kräftig und konstant in die Hundenase, bis sich der Brustkorb des Hundes beim Beatmen ausdehnt. Warten Sie das Ausatmen ab und wiederholen Sie das Blasen in die Nase des Hundes.

Atmet der Hund weiterhin nicht, setzen Sie mit der Herzdruckmassage fort. Der Hund sollte im Idealfall auf einem festen Untergrund auf der rechten Seite liegen. Knien Sie hinter das Tier (Ihre Knie an seinem Rücken). Legen Sie eine Hand neben die Schulter des Tieres auf den Brustkorb, die andere Hand oben auf Ihre zuerst abgelegte. Wenn Sie nun die Arme durchstrecken, sollten Ihre Arme ein „V“ bilden. Drücken Sie 10 mal im Sekundentakt mit durchgedrückten Armen auf den Brustkorb des Hundes.
(Bei kleineren Hunden gibt es auch die Möglichkeit, eine Hand auf den Rücken des auf der rechten Seite liegenden Hundes zu legen, direkt auf die Wirbelsäule. Mit der anderen Hand in das Brustfell des Hundes greifen und beide Hände leicht gegeneinander drücken. Innerhalb von 15 Sekunden etwa 20 Mal durchführen, dabei die Brustwand nach jedem Druck vollständig entlasten. )
Bitte hier kraftangepasst an die Körpergröße des Hundes vorgehen, sonst drohen Rippenbrüche und daraus u.U. weitere Komplikationen.
Kontrollieren Sie Atmung und Puls, wiederholen Sie Beatmung und Herzdruckmassage, wenn Sie weiterhin keine Vitalfunktionen feststellen können. Beenden Sie die Reanimation, wenn Atmung und Puls des Hundes wieder eingesetzt haben oder wenn keine Aussicht mehr auf Erfolg besteht (20 – 30 min).
Haben Sie den Hund erfolgreich reanimiert, versorgen Sie größere Blutungen und bringen ihn schnellstmöglich zum Tierarzt (vorab per Handy informieren). Bitte denken Sie dran, dass der Hund für den Transport einigermaßen stabil sein sollte, während der Fahrt ist eine erneute Reanimation kaum realisierbar.

Blutungen

Gerade im Bereich der Ohren, der Nase und der Augen gibt es eine Vielzahl von kleinen Gefäßen, so dass auch kleinere Verletzungen stark bluten können. Hier lässt sich die Blutung oft durch Abdecken mit Gaze oder Mull und leichtem Druck auf die Wundränder über mehrere Minuten stoppen.

Andere stark blutende Wunden, in denen sich keine Fremdkörper befinden, können mit einem Druckverband erstversorgt werden. Dafür brauchen Sie eine Wundauflage, ein oder zwei Verbandspäckchen und eine Mullbinde oder Dreiecktuch. Haben Sie nichts davon dabei, nehmen Sie, was Sie haben, es muss nicht perfekt, sondern nur zweckdienlich sein.
Also z.B. ein gefaltetes Taschentuch als Wundauflage auf die Blutung, statt eines Verbandspäckchens ein Feuerzeug darauf und das ganze stramm mit dem Halstuch statt mit dem Dreieckstuch oder der Mullbinde umwickelt. Kriegen Sie die Blutung so nicht gestoppt, lockern Sie den Verband nochmals und wickeln strammer.
Auf das Abbinden sollten Sie, wenn irgend möglich, verzichten, da dies zu erheblichen Folgen führen kann.

Größere Fremdkörper, die in Wunden (fest) stecken, bitte nicht herausziehen, oft verschließen diese Blutgefässe. Versuchen Sie den Fremdkörper so gut als möglich vorsichtig zu fixieren, damit sich seine Lage nicht verändern kann und den Hund samt Fremdkörper mit aller Vorsicht zum Tierarzt bringen. Hilfreich ist hier eine starre Unterlage, die als Trage verwendet werden kann.

Brüche (Frakturen)

Haben Sie den Verdacht, dass der Hund sich etwas gebrochen hat, lagern Sie ihn am besten möglichst schmerzfrei und suchen den Tierarzt auf.

Sehen Sie, da der gebrochene Knochen an einer Stelle die Haut durchdrungen hat und sichtbar ist, dass es sich um eine offene Fraktur handelt, sollten Sie dem Hund eine Maulschlinge anlegen, da er wegen der großen Schmerzen vermutlich beißen wird. Dann decken Sie die Wunde, also den Bruch, ohne sie zu reinigen mit einem sauberen Tuch ab und transportieren den Hund auf der gesunden Seite liegend zum Tierarzt. Bei stark blutenden Wunden kann das Abbinden (wenn möglich oberhalb der Bruchstelle) erforderlich sein.


Fremdkörper

Durch umsichtiges und vorausschauendes Handeln lässt sich mancher Notfall in diesem Bereich vermeiden, aber nicht jeder.
Bei Welpen oder Junghunden sollten Sie sorgfältig auf Zuhause oder im eigenen Garten herumliegende Gegenstände achten, da fast alles „bespielt“ wird. Hundespielzeug sollte regelmäßig auf „Materialermüdungen“ hin kontrolliert werden und bei Bedarf ausgetauscht werden. Weichem Kunststoff wird im Magen übrigens durch die Magensäure der Weichmacher entzogen, die ehemals flexiblen Teile werden hart und können Magen- oder Darmwand verletzen.

Fremdkörper im Maul

Hin und wieder kommt es vor, dass sich ein Futterbröckchen im Hundemaul verirrt oder sich ein Teil eines Spielzeugs ablöst und im Maul verkanntet – hier ist der Hund, der nicht über lange Finger wie ein Mensch verfügt, dann wirklich benachteiligt.
Viele Hunde reiben mit den Pfoten am Maul oder reiben das Maul über den Boden, häufig fließt vermehrt Speichel, manche Hunde haben Schluckschwierigkeiten.
Da der Hund alles dran setzen wird, das ihm Unangenehme los zu werden und sich vielleicht sogar selbst dabei verletzt, sollten Sie in diesen Fällen hilfreich eingreifen. Wenn Sie mit der einen Hand den Unterkiefer, mit der anderen Hand den Oberkiefer umfassen und mit Daumen und Zeigefinger fest auf die Lefzen drücken, öffnet sich das Hundemaul. Achten Sie drauf, dass die Lefzen ein wenig auf den Zähnen aufliegen (Hund würde sich also beim Zubeißen selbst auf die Lefzen beißen), während Sie nach dem Fremdkörper Ausschau halten und dann versuchen, diesen zu entfernen. Hat sich etwas tiefer ins Gewebe verhakt, dann bitte belassen und umgehend zum Tierarzt.

Eingeatmete oder verschluckte Fremdkörper

Manches mal geht es blitzschnell und versehentlich ist etwas aus dem Hundemaul Richtung Hals abwärts verschwunden, was dort nicht hingelangen dürfte. Und leider passiert nicht alles die diversen körperlichen Engstellen.

Bei einem eingeatmeten Fremdkörper zeigen sich Symptome wie Niesen (sicher allen bekannt: der kleine, aber lästige Fremdkörper in der Nase), Husten, Röcheln, blaue Zunge bzw. Lefzen, Atemnot (evt. mit sich anschließender Bewusstlosigkeit), Nebengeräusche bei der Atmung bzw. glasiger, schaumiger Speichel.
Manches mal erfolgreich ist, dem Hund beim Ausatmen zwischen die Schulterblätter zu Klopfen. Eine weitere Alternative ist beim kleineren Hund das Hochheben an den Hinterbeinen und ihn kopfüber vorsichtig ein wenig hin und her zu schwingen bzw. beim großen Hund das Umfassen des Brustkorbs mit anschließendem Hochheben, wobei der Kopf nach unten zeigt, dann kurz ruckartig nach unten lassen (nicht fallen lassen). Bitte große Hunde nicht an den Hinterbeinen hochheben, Sie könnten diese auskugeln.
Haben diese Maßnahmen keinen Erfolg, legen Sie den Hund auf die Seite. Bei kleinen Hunden eine Hand auf den Rücken des Hundes legen, mit der anderen Hand ins Bauchfell unterhalb des Rippenbogens greifen. Mit den Handballen kräftig, ruckartig nach innen / oben drücken (Vorsicht, zu große Kraft kann zu Verletzungen führen). Bei großen Hunden beide Handballen auf den Bauch des Hundes unterhalb des Rippenbogens und mit den Handballen kräftig, ruckartig nach oben / innen drücken. Kann wiederholt werden, bis der Fremdkörper entfernt ist, aber anschließend sollten Sie immer zum Tierarzt, da durch die ungeübte Anwendung Schäden entstehen können.

Verschluckte Fremdköper, von denen Sie Teile (z.B. eine Schnur) aus dem Maul oder After hängen sehen bitte vom Tierarzt entfernen lassen. Auch wenn Sie nichts sehen, jedoch den Verdacht haben, das Tier hat einen Fremdkörper verschluckt und Sie stellen darüber hinaus noch Erbrechen, Würgen, Futterverweigerung oder Mattheit fest, dann ebenfalls den Tierarzt aufsuchen.
 

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