Fell und Fellveränderungen

Hunde sind durch Fell und Haut geschützt gegen äußere Einflüsse wie UV-Licht, Flüssigkeiten, mechanische Einwirkungen u.a., die Haut hat zusätzlich die Funktion, den Körper wie eine Barriere vor dem Verlust von Körperflüssigkeit zu schützen.

Jedes Hundehaar hat seinen eigenen Lebenszyklus. Während seines sechs- bis achtwöchigen Wachstums wird es von der Haarwurzel aus, zu der Blutgefässe führen, mit Nährstoffen versorgt. Diese Nährstoffversorgung, die im Wesentlichen durch die Ernährung bestimmt wird, bestimmt Gesundheit und Pigmentierung des einzelnen Haares. Ist ein Haar durch Mangelerscheinung weniger gut pigmentiert, so dauert es mindestens bis zum nächsten Fellwechsel, bis eine Veränderung möglich ist.
Die meisten Hunde durchlaufen im Frühjahr und Herbst einen Fellwechsel, der von Tageslichtdauer und Temperatur beeinflusst wird. Hündinnen haaren häufig vor der Läufigkeit, manche Kastraten auch während des ganzen Jahres.
In der Regel dauert der Fellwechsel sechs bis sieben Wochen und meist fällt der Wechsel im Frühjahr intensiver aus, da das Winterfell dichter ist. Bei älteren Tieren dauert es mitunter länger als bei jungen.
Einige Rassen haben Haar, das sich überwiegend in der Wachstumsphase befindet, sie haaren daher weniger bis gar nicht, das Fell muss aber geschoren oder getrimmt werden (z.B. Pudel, Yorkshire Terrier).

Darüber, welche Farbe Haare haben, entscheiden Gene. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts weiß man, dass die meisten Säugetiere einen mehr oder minder identischen Mechanismus zur Regulation der Farbe ihres Fells nutzen, allerdings hegten Forscher bereits seit den 50er Jahren den Verdacht, dass bei Hunden etwas anders wäre. Mittlerweile ist es amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlern an der Stanford University School of Medicine gelungen, diese „Andersartigkeit“ nach Auswertung von hunderten von Gen-Proben zu identifizieren.

Schon lange bekannt ist das Gen Agouti (benannt nach dem südamerikanischen Nagetier Agutis), Mutationen dieses Gens sorgen beispielsweise für die schwarze Bänderung des Deutschen Schäferhundes. Das andere schon lang bekannte Gen ist das Mc1r, das einen Rezeptor herstellt, der in der Zellmembran von Pigmentzellen sitzt und ebenfalls Einfluss auf die Fellfarbe nimmt.

Aus der Familie der Defensive, Genen, die eigentlich der körpereigenen Abwehr zugeordnet wurden, da sie meist von Haut- und Schleimhautzellen gebildet werden und der Abwehr von Bakterien und Pilzen dienen, hat wohl das CBD103 etwas mit der Fellfärbung zu tun.
Von CBD103 wusste man, dass es das Protein Beta-Defensin kodiert, das eine große Rolle in der Immunabwehr gegen Infektionen spielt. Nach den neuen Forschungsergebnissen muss nun davon ausgegangen werden, dass das Protein bei Hunden in verschiedenen Versionen vorkommt und auch den Melanokortin-Stoffwechselweg kontrolliert, der bestimmt, welcher Typ des Pigments Melanin gebildet wird.

Die Melanine werden in zwei Gruppen eingeteilt, die „echten“ Melanine (die durch die Produktion des Pigmentfarbstoffs Eumelanin in den Melanozyten entstehen) sind schwarz oder braun, die so genannten Phaeomelanine gelb oder rot. Die Farbenvielfalt der Rassen entsteht durch die genetisch bestimmte Verteilung und Verdünnung der Pigmente im jeweiligen Haar. So ist der weiße Dalmatiner mit den schwarzen Tupfen genetisch rein schwarz, der beige Pudel genetisch gelb.

Durch äußere oder innere, also systemische, körpereigene Faktoren kann es zu Verfärbungen des genetisch vorgesehen Haarkleides kommen.

Ein wichtiger äußerer Faktor ist der Alterungsprozess des Haares, das ja nur in seiner Wachstumsphase mit Nährstoffen versorgt wird, nicht aber in der darauf folgenden wochen- oder monatelangen Ruhephase bis zum Fellwechsel. Schwarze Haare bekommen gegen Ende der Ruhephase oft eine rötlich-braune Färbung an den Spitzen, der untere Teil bleibt schwarz. Wird das Haar lange nicht abgestoßen kann sich der gesamte Haarschaft rötlich-braun verfärben. Diese vorzeitige Alterung der Haare kann durch intensive Sonnenlichteinstrahlung beschleunigt werden.

Ebenfalls zu einer Farbveränderung führt das häufige Belecken bestimmter Stellen durch den Hund, vor allem auf weißen Haaren irgendwann als rötliche Verfärbung zu sehen. Diese Rotfärbung entsteht durch die im Speichel des Hundes enthaltenen Porphyrine, organisch-chemische Farbstoffe, die Bezeichnung ist abgeleitet vom griechischen Wort für Purpurfarbstoff. Diese Farbstoffe sind auch in der Tränenflüssigkeit enthalten, was bei Hunden mit Augenerkrankungen wie verschlossenen Tränenkanälen zu der Rotverfärbung in der Sekretrinne unterhalb des Auges führt.

Systemisch bedingte Veränderung treffen das Haar bereits in seiner Wachstumsphase, diese Veränderungen könnten krankheitsbedingt sein, weitaus häufiger aber sind ernährungsbedingte Störungen im körpereigenen Stoffwechsel. Dieser befindet sich in einem komplexen Gleichgewicht und die qualitativ guten Futtermittel sind auch daraufhin abgestimmt. Durch gut gemeinte Futtermittelzusätze kann es zu Ungleichgewichten im Stoffwechsel kommen, die Auswirkungen zeigen sich dann in Form von Farbveränderungen der nachwachsenden Haare.

Ein häufig zugegebener Futterzusatz ist Zink, überschüssiges Zink hemmt aber die Aufnahme von Kupfer im Darm, so dass ein ernährungsbedingter Kupfermangel eintritt. Kupfer ist ein unverzichtbarer Kofaktor für die Fettsäure Tyrosin, einer Vorstufe des Melanins. Kupfermangel zeigt sich durch Ergrauen oder Rötungen des Fells, meist treten auch weitere Symptome auf wie Hautläsionen, stumpfes, glanzloses Fell und Anämie (Blutarmut).
(Anmerkung: es gab im Jahr 2004 im Zusammenhang mit dem Aggressionsverhalten des Hundes eine Untersuchung von 39 Blutproben, 20 davon stammten von Tieren, die nach wiederholten Beißvorfällen eingeschläfert wurden, 10 von unauffälligen Tierheimhunden und 9 von ebenso unauffälligen Patienten einer Kleintierpraxis. Bei der Ermittlung der Serumzinkkonzentration waren die Werte bei den durch Aggressivität aufgefallenen Hunden deutlich über denen der unauffälligen Tiere (1,69 ±0,49 g/ml zu 0,76 ± 0,16 g/ml)).

Es gibt auch ernährungsbedingten Zinkmangel, bei Welpen wird zum Teil auch heute noch Calcium in großen Mengen zugesetzt. Mittlerweile weiß man jedoch, dass dies zu Skelett- und Knorpelschädigungen führt, darüber hinaus vermindert Calcium die Zinkaufnahme.
Bei rein vegetarischer Nahrung kann es ebenfalls zu Zinkmangel kommen, da die in den pflanzlichen Bestandteilen enthaltenen Phytate ebenfalls die Resorption von Zink hemmen.
Zinkmangel äußert sich im vorzeitigen Ergrauen der Haare und kann zur Hauterkrankung Parakeratose, der übermäßigen Verhornung der Haut, führen.

Recht selten ist Biotinmangel, der sich durch eine braune Haarverfärbung, übermäßige Hautverhornung (Hyperkeratose), Haarausfall, Hautentzündungen und eingetrocknetes Sekret um Nase, Maul, Lefzen und Augen äußert. Im Normalfall wird der Biotinbedarf über die Nahrung und durch Eigensynthese im Darm des Hundes geregelt, wird allerdings das Biotin im Verdauungstrakt durch Verfütterung großer Mengen rohen Eiklars gebunden, kann es dem Körper nicht zur Verfügung gestellt werden.

Beim Alaskan Malamute, dem Siberian Husky, beim Akita Inu sowie seltener bei einigen anderen Rassen wie Bullterrier, Dobermann, Deutsche Dogge, gibt es vermehrt Fälle eines rassespezifischen Zinkmangels.
Bei den Nordischen und dem Bullterrier handelt es sich dabei um einen genetischen Defekt, der die Aufnahme von Zink über den Darm aus der Nahrung behindert. Die ersten Symptome treten meist zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr auf, die Haut ist an mechanisch beanspruchten Stellen gerötet, später bilden sich Krusten und Schorf aus, eine Zinkmangel-Dermatitis entsteht. Betroffen sind oft Maul, Kinn und Lefzen, sowie Augen, Ohren, Körperöffnungen und Pfoten. Häufig ist auch das Fell betroffen, es wird glanzlos, schuppig und fettig. Vielen Hunden kann durch vermehrte Zinkgaben geholfen werden, bei einigen ist der genetische Defekt aber so stark ausgeprägt, dass keinerlei Zinkaufnahme über den Darm möglich ist und das Zink intravenös verabreicht werden muss.

 

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