Glaukom „Grüner Star“

Das gesunde Auge produziert ständig im Ziliarkörper, der sich im hinteren Bereich des Auges befindet, eine klare Flüssigkeit, das so genannte Kammerwasser. Dieses fließt von der hinteren Augenkammer durch die Pupille in den vorderen Bereich des Auges (vordere Augenkammer). Dort gibt es Nährstoffe und Sauerstoff an die Innenauskleidung der Hornhaut (Korneaendothel) ab und fließt dann durch den zwischen Kornea und Iris liegenden Kammerwinkel ab. Auf seinem Weg zum venösen System muss das Kammerwasser zunächst durch ein palisadenartiges Band, das Ligamentum pectinatum. Danach fließt es durch eine Art Maschenwerk (Ziliarkluft) um dann in kleine Abflusskanäle zu gehen und dem venösen System zugeführt zu werden.
Im gesunden Auge gibt es also einen stetigen Durchfluss von Kammerwasser, der Augeninnendruck bleibt so konstant. Ist nun aus irgendeinem Grund der Durchfluss durch die Pupille oder der Abfluss des Kammerwassers behindert, kommt des zu einer Störung dieses Gleichgewichts zwischen Produktion und Abfluss, der Augeninnendruck steigt, ein Glaukom entsteht.
Das Glaukom ist eine für das Auge zerstörerische Erkrankung mit einem meist fortschreitenden Prozess, der nicht nur zur Erblindung des betroffenen Auges führen kann, sondern auch sehr schmerzhaft ist.

Unterschieden wird zwischen einem Primär- und einem Sekundärglaukom. Beim primären Glaukom findet sich keine weitere Erkrankung im betroffenen Auge, die Auslöser sein könnte für eine Steigerung des Augeninnendrucks. Dies ist z.B. bei erblichen Missbildungen der Fall, die einige Hunderassen zu Primärglaukomen neigen lassen. Besonders betroffene Rassen sind bei Engwinkelglaukomen u.a. der American Cocker, der Basset, der Akita Inu und der Siberian Husky, vom Dysplastischen Lig. Pectinatum ist u.a. der American Cocker oder der Bouvierer des Flandres betroffen.
Die angeborene Verengung oderfehlerhafte Ausbildung des Kammerwinkels kann mittels einer augenärztlichen Untersuchung, der Gonioskopie (Betrachtung des Kammerwinkels), festgestellt werden, das sich daraus ergebende Glaukom heißt auch Engwinkelglaukom.
Angeboren sein kann auch ein Fehlen (Goniodysgenesie) oder nur bedingtes Durchgängig-Sein des Ligamentum pectinatum (dysplastisches Lig. Pectinatum), der Kammerwinkel wird durch ein mehr oder weniger dichtes Band verschlossen.
Findet sich die Abflussstörung erst im oder nach dem Maschenwerk der Ziliarkluft, so spricht man von einem Weitwinkel- oder Offenwinkelglaukom.
Bei länger bestehendem erhöhtem Augeninnendruck schließt sich jedoch auch bei primär offenen Glaukomen das Ligamentum pectinatum vollständig

Beim Sekundärglaukom kommt es als Folge einer anderen Erkrankung am Auge zu einem Anstieg des Augeninnendrucks. Unterschieden wird zwischen Offenwinkel- und Winkelblockglaukom. Beim Offenwinkelglaukom ist der Kammerwinkel anatomisch normal geformt, aber in seinem normalen Abfluss behindert. Dieses Phänomen tritt häufig im Zusammenhang mit einer durch Katarakt ausgelösten linseninduzierten Uveitis auf. Die wässrige Zusammensetzung des Kammerwassers wird durch einen erhöhten Gehalt an Entzündungszellen, ausgetretenen Proteinen, Zellen und Fibrin verändert. Diese dichteren Substanzen behindern dann den normalen Abfluss im Bereich des Kammerwinkels (setzten diesen zu) und verursacht einen Druckanstieg im Auge.
Unbehandelt kann eine solche linseninduzierte Uveitis chronisch werden, es kann nicht nur zu den beschriebenen Verklebungen und Verwachsungen im Kammerwinkel kommen, sondern auch zu Verklebungen von Iris und vorderer Linsenkapsel bis hin zu einer totalen Verwachsung der Iris mit der Linsenkapsel (Occlusio pupillae). Dies führt dann zum so genannten Pupillarblock, bei dem sich das Kammerwasser in der hinteren Augenkammer staut und die Iris nach vorne drückt (Iris bombé). Der Abfluss des Kammerwassers ist behindert, ein Winkelblockglaukom entstanden.

Eine andere häufige Ursache für ein Sekundärglaukom ist eine Linsenluxation als Ersterkrankung, bei einigen Rassen (v.a. einige Terrier-Arten) ist dieser Defekt erblich und führt im Alter von drei bis fünf Jahren dann zu einem Glaukom. Bei der Linsenluxation reißt die Linse teilweise oder vollständig von ihrer Befestigung im Auge ab und bewegt sich danach frei in demselben. Dadurch kommt es zu Veränderungen des Glaskörpers im Auge und dies führt dann zu Abflussschwierigkeiten im Kammerwinkel.

Daneben gibt es aber noch eine Vielzahl von anderen Ursachen für ein Sekundärglaukom, wie chronische Entzündungen im inneren Auge, Verletzungen oder Tumoren.

Übrigens gab es in den USA eine groß angelegte Studie, bei der fast 1,6 Millionen Hunde berücksichtigt wurden, die Ergebnisse wurden von Gelatt und Mackay (2004) veröffentlicht. Bei etwa 0,6 % der aus beliebigem Grund vorgestellten Hunde wurden Sekundärglaukome diagnostiziert. Von diesen standen wiederum 81 % im Zusammenhang mit einer Katarakt-Erkrankung.

Die ersten Anzeichen für eine sich zu einem Glaukom ausbildende Augenveränderung sind für einen Hundebesitzer kaum feststellbar. Mitunter sind tränende, leicht gerötete Augen zu beobachten oder Hunde, die die Augen zusammen kneifen, vielleicht sogar lichtscheu werden. Manche reiben den Kopf mit der betroffenen Seite am Boden oder an Gegenständen, manche versuchen mit den Pfoten am Auge zu kratzen. Ab einer gewissen Höhe des Augendrucks wird die Erkrankung schmerzhaft, mit steigendem Druck nehmen auch die Schmerzen (Kopfschmerzen) zu. Die Tiere werden zunehmend apathisch, schlafen viel, der Appetit lässt nach. Irgendwann wird die Hornhaut des Auges milchig trüb, die Pupille zieht sich bei Lichteinfall nicht mehr zusammen. Unbehandelt kommt es etwa binnen einer Woche zu einer Vergrößerung des Auges, einhergehend mit deutlichen Seheinschränkungen, evt. sogar dauerhaftem Verlust des Sehvermögens.

Die Behandlung von Glaukomen ist schwierig und oft für Tierärzte und Tierbesitzer gleichermaßen frustrierend.
Bei vielen der angeborenen Defekte, die ein Glaukom bedingen können, raten Tierärzte oft zur prophylaktischen Behandlung des zweiten, meist weniger oder noch gar nicht betroffenen Auges. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Medikamenten. Sie können, wie Studien zeigten, zwar die Ausweitung der Erkrankung auf das zweite Auge nicht verhindern, aber den Zeitpunkt der Erkrankung mitunter deutlich verschieben. Durchschnittlich erfolgt die Miterkrankung des zweiten Auges nach 8 Monaten. Bei Studien mit Demecarium-Bromid und Gentamycin/Betamethason konnte dies im Durchschnitt um 23 Monate verzögert werden, bei einer Behandlung mit Betaxolol um 30,7 Monate. Allerdings haben alle diese Medikamente unerwünschte Nebenwirkungen, so dass der Einsatz immer eine Einzelfall-Entscheidung ist.

Ziel der Glaukom-Behandlung ist es immer, den Augeninnendruck so schnell und so effektiv wie möglich zu senken.
Das Verfahren zur Messung des Augeninnendruck heißt Tonometrie. Vor der Tonometrie werden Augentropfen verabreicht, so dass die Untersuchung schmerzfrei verläuft. Dann wird die Hornhaut mittels Tonometer mit einem runden platten Messkörper in einem Bereich von vier Millimeter geplättet. Bei der so genannten Applanationstonometrie bestimmt man die notwendige Kraft um eine definierte Abflachung zu erzeugen. Diese Kraft entspricht dem Augeninnendruck und liegt im gesunden Hundeauge unter 25 mmHg.
Eine andere Möglichkeit ist die Impressionstonometrie. Hier wird mit einer definierten Kraft auf die Cornea (Hornhaut) gedrückt und die resultierende Eindellung gemessen.
Anmerkung: es gibt eine Studie aus dem Jahr 2007, die auf rasseabhängige Unterschiede im intraokulären Druck (IOP) nach der Verabreichung der gängigen Augentropfen Tropicamid (1%) verweist. Hierbei wurden bei Siberian Huskies höhere IOPs (17.2 ± 3.7 mmHg) und eine größere Variabilität als bei den anderen untersuchten Rassen (Spaniels, Retriever) verzeichnet. Ergebnisse erschienen in: Veterinary Ophthalmology 10 (s1), 8–11.
Neben direkt in das Auge eingegebenen Tropfen stehen auch systemisch wirkende Medikamente zur Verfügung, um den Augeninnendruck zu senken. Der Behandlungserfolg muss regelmäßig kontrolliert werden durch Messung des IOP.
Eine Operation ist immer dann angezeigt, wenn ein Behandlungserfolg durch Medikamente nicht zufrieden stellend zu erreichen ist oder Ursachen für das Glaukom vorliegen, die nur auf diesem Wege behandelt werden können wie beispielsweise eine losgelöste Linse. Bei anderen Ursachen kann auch eine Laserbehandlung (TSCP TransScleralePhotocoagulation) sinnvoll sein. Hierbei wird der Ziliarkörper, in dem ja das Kammerwasser produziert wird, gezielt reduziert, so dass weniger Kammerwasser gebildet wird. Ähnliches, also eine anteilige Zerstörung des Ziliarkörpers, kann auch durch eine Kältesonde (Kryochirurgie) erreicht werden, diesen Vorgang nennt man Vereisung (Zyklokryotherapie).
Die Augenoperationen erfolgen auch beim Hund unter ambulanter Vollnarkose, in der Regel kann das Tier abends in die Obhut des Besitzers entlassen werden.

Ein Glaukom ist eine sehr schwerwiegende Augenerkrankung, die Prognose hängt von Ursache und möglichen Komplikationen ab. Je länger die Krankheit besteht ohne behandelt zu werden, desto schlechter sind die Chancen auf einen Heilungserfolg, in manchen Fällen bleibt schließlich nur die Alternative das Auge zu entfernen um dem Tier weitere Schmerzen zu ersparen.
 

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