oft emotional diskutiert: Kastration

Medizinisch ist eine Kastration bei Veränderungen an der Gebärmutter, der Eierstöcke, Tumorerkrankungen an der Scheide und bei Diabetes meist geboten, Rüden sollten bei Prostata- oder Hodenerkrankungen kastriert werden. Bei der Kastration von Hündinnen werden die Eierstöcke operativ entfernt, die Gebärmutter wird teilweise oder völlig herausgenommen. Es tritt keine Läufigkeit (und auch Scheinträchtigkeit etc.) mehr auf. Speziell bei den größeren Rassen (ab ca. 20 kg) kann es in der Folge durch den Wegfall der Geschlechtshormone, die u.a. für den Verschluss der Harnröhre zuständig sind, während des Schlafs zu unwillkürlichem Harnabgang kommen, mit (preiswerten) Medikamenten kann dies in den meisten Fällen behoben werden. Bei Rüden werden die Hoden aus dem Hodensack entnommen. Das Knochenwachstum von Rüden, die vor Erreichen der Geschlechtsreife kastriert werden, dauert ein wenig länger, sie werden also größer.
Durch den Wegfall der Geschlechtshormone entwickeln Hunde und auch Katzen einen gesteigerten Appetit bei besserer Futterverwertung, eine Kalorienreduktion ist also angezeigt, sonst droht übergewicht mit all seinen negativen Auswirkungen.
Bei Langhaarrassen kann der erniedrigte Hormonspiegel die Vermehrung der Wollhaare begünstigen, das Fell wird weicher und dem Welpenfell ähnlicher.

Inmitten der kontrovers geführten Diskussionen um das Thema Kastration gibt es zumindest in einem Punkt bei Fachleuten Einigkeit: die Frühkastration von Hündinnen (also vor der ersten Läufigkeit) senkt das Risiko, an einem Mammatumor (Tumor, der von den Milchdrüsen ausgeht) zu erkranken auf 0,5 % ab. Mit einer Kastration nach der ersten Läufigkeit steigt das Mama-Ca-Risiko bereits auf 8 % an, von den spät oder gar nicht kastrierten Hündinnen erkrankt gar jede vierte an dieser Tumor-Art.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben die gängigen Vorurteile gegen eine Frühkastration wie hemmende Auswirkungen auf die Skelettbildung oder lebenslange Verhaltens-Infantilität zwischenzeitlich widerlegt, jedoch festgestellt, dass frühkastrierte Hündinnen im Umgang mit Artgenossen deutlich unkomplizierter sind, ein unbestreitbarer Vorteil in der Haltung. Das Risiko der später auftretenden Inkontinenz (Literaturangaben schwanken von 4% - 21%) ist bei Frühkastration der Hündin deutlich kleiner.

Die Gründe für die Kastration eines Rüden liegen oft in unerwünschten, teilweise sogar ausgesprochen lästigen und gefährlichen Verhaltensweisen, die ihre Ursache im Sexualtrieb haben. Der unkastrierte Rüde befindet sich im steten Konkurrenzkampf mit anderen potenten Rüden, Imponiergehabe und Aggressivität bei Hundebegegnungen sind oft die Folge. Der nicht ausgelebte Sexualtrieb an sich führt zu beachtlichen Frustrationen (und häufig zu hormonellen Prostata-Vergrößerungen). Nicht zu vernachlässigen sind auch die Schwierigkeiten, die sich aus dem Wunsch des Rüden, die erschnüffelte läufige Hündin aufzusuchen ergeben: Streunen (Gefahren des Straßenverkehrs!), Jaulen, Markieren und der Ungehorsam, der sich aus dem ausschließlich auf den Sexualtrieb ausgerichteten Verhalten ergibt.

Eine Kastration ersetzt gerade bei „schwierigen“ Rüden nicht eine Verhaltenstherapie, kann aber eine sinnvolle unterstützende Maßnahme sein. Bei Hündinnen ist zu beachten, dass aggressives Verhalten durch eine Kastration eher verstärkt wird, hier könnte auf eine Hormonbehandlung („spritzen“) ausgewichen werden. Dabei sollten Präparate der neuen Generation verwendet werden, da einige ältere Präparate in Verdacht stehen, das Risiko einer Tumor-Erkrankung im Gesäuge zu begünstigen.

Aus tierschützerischer Sicht ist eine Kastration von Hunden und Katzen immer sinnvoll und zwingender Auftrag – das Elend der sich durchschlagenden, kranken und / oder halbverhungerten Streuner kann nur so gemildert werden. Darüber hinaus stellen gewissenlose, profitorientierte Hunde- und Katzenvermehrer zusammen mit der Sorglosigkeit vieler Mitmenschen in Punkto „Verhütung“ bei ihren Haustieren und die oft unüberlegte Anschaffung von Hunden bzw. Katzen (die als Nachfrage auf dem Markt registriert und beantwortet werden) sicher, dass die Tierheime und Auffangstationen nicht leerer werden.

 

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