Leptospirose

Leptospirose, auch Weil´sche Krankheit oder Stuttgarter Hundeseuche genannt, wird den meisten Hundebesitzern nur als Name im Mehrfach-Impfstoff für Hunde ein Begriff sein. Den ersten beschriebenen Fall von Leptospirose beim Hund findet man in der Fachliteratur bereits im Jahr 1852, Hofer nannte die Erkrankung damals Hundetyphus. Adolf Weil beschrieb 34 Jahre später einen Fall von menschlicher Leptospirose und 1898 wurde die Beschreibung der Leptospirose beim Hund von Klett anlässlich einer Hundeausstellung in Stuttgart viel beachtet.

Hervorgerufen wird die Erkrankung von Bakterien, von denen es unterschiedliche Stämme (=Serotypen) gibt. Hunde sind Hauptwirte von Leptospira canicola und Leptospira bataviae, können jedoch auch von anderen Leptospira-Arten infiziert werden. In den letzten Jahren hat die Infektion mit anderen Leptospira-Arten nach Beobachtungen der Veterinärmediziner zugenommen.

Von infizierten Tieren, insbesondere Nagetieren wie Ratten und Mäusen, werden die Bakterien, die Leptospiren, über den Urin ausgeschieden und häufig durch Wasser verbreitet. Leptospiren können in feuchter Erde, Wasserpfützen oder kleinen Tümpeln sehr lange überleben. Trinken nun Tiere aus einer solchen Pfütze (Wasseransammlung), können sie sich mit Leptospiren infizieren, die so extrem dünn sind, dass sie sich zwischen den Zellen der Schleimhaut hindurch schlängeln oder über kleinste Verletzungen an den Schleimhäuten direkt in die Blutbahn eindringen und sich dort vermehren. Die Leptospiren zerstören die roten Blutkörperchen und befallen vorwiegend Nieren und Leber.

Die ersten Symptome, die sich meist etwa 4 bis 14 Tage nach der Ansteckung zeigen, sind sehr unspezifisch, Fressunlust, Erbrechen, Fieber. Hinzu kommt vermehrter Durst, die Tiere erheben sich nur ungern, müssen häufig Harn absetzen, vielfach zeigt sich eine erschwerte Atmung. Schreitet die Leptospirose fort, entwickelt sich manchmal eine Gelbsucht, es kann zu Blutungen und Gewebsdefekten der Maulschleimhaut ebenso kommen wie zu Muskelzittern oder blutigem Stuhl infolge einer schweren Magen-Darm-Entzündung. Das häufige Harn absetzen geht oft einher mit einer akuten Nierenentzündung, die später zu völligem Nierenversagen führen kann.

Die Diagnose erfolgt über einen Antikörpernachweis, als WHO-Standardmethode gilt die MAR (Mikroagglutinationsreaktion), eventuell ergänzt durch den ELISA-Test (Enzyme Linked Immunosorbent Assay). Der Erreger kann auch mikroskopisch, fluoreszenzmikroskopisch oder kulturell nachgewiesen werden (eine Antibiose sollten hier noch nicht eingeleitet sein).

Eine Behandlung der Leptospirose mit Antibiotika-Gaben und durch eine allgemein unterstützende (symptomatische) Therapie ist möglich, aber nicht immer erfolgreich. Einige Quellen geben die Sterblichkeit bei Hunden in schweren Fällen mit 30 % an.

Trotz Impfung ist der Schutz des Hundes gegen Leptospirose nicht so sicher wie beispielsweise der gegen Tollwut. Das liegt zum einen an den verschieden Erregertypen und zum anderen daran, dass Impfungen gegen Bakterien nach den derzeitigen Erkenntnissen auch nicht volle 12 Monate schützen, sondern eher etwas kürzer.

Die beste Vorbeugung gegen Leptospirose (abgesehen von Aufpassen, wo der Hund trinkt) ist dennoch die Impfung, da eine Erkrankung durch einen nicht mit dem  Impfstoff abgedeckten Erreger im allgemeinen weniger schwerwiegend verläuft.

Die Leptospirose ist eine Zoonose (vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheit). Im ungünstigsten Fall infiziert sich der Mensch nicht beim sommerlichen Baden in Gewässern, sondern Zuhause, wenn ihm sein Hund, der sich eben seinen Genitalbereich gesäubert hat, die Hände abschleckt. Durch kleine Verletzungen der Oberhaut könnten die mit dem Speichel aufgebrachten Erreger in den menschlichen Körper eindringen.

Einer der bekanntesten Fälle einer Vielzahl von Infektion des Menschen mit Leptospiren ereignete sich in Illinois (USA) anlässlich eines Triathlons, dessen Schwimmwettkampf in einem See stattfand. Von 876 Teilnehmern mussten sich anschließend 120 ärztlich behandeln lassen.

Beim Menschen und bei den Tierarten Schwein und Schaf ist die Leptospirose als meldepflichtige Infektionskrankheit in das Bundesseuchen- und Tierseuchenrecht aufgenommen.


 

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