Vergiftungen durch Medikamente

 

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass Vergiftungen durch Arzneimittel annähernd gen Null tendieren, wenn man die Fälle nicht mitrechnet, in denen Tiere ein Medikament, das der Arzt verordnet hat, nicht „vertragen“ oder vielleicht sogar allergisch darauf reagieren. Dennoch weist zum Beispiel das Schweizerische Toxologische Informationszentrum in seinem Jahresbericht für 2001 in 15,7 % der Vergiftungsfällen von Tieren Medikamente als Ursache aus, im Jahr 2004 lag die Zahl bei 16 %.

Die meisten dieser Vergiftungsfälle könnten verhindert werden, denn häufig fressen Haustiere Medikamente, die Menschen achtlos oder zumindest wenig sorgsam im häuslichen Bereich herum liegen lassen. Ein weiterer großer Teil dieser Vergiftungen entsteht durch die Selbstmedikation von Haustieren, mit dazu nicht geeigneten Medikamenten. Manche dieser menschlichen Unbedachtheiten enden für Haustiere tödlich.

Rein prinzipiell gilt also, dass alles, was unter den großen Bereich Arzneimittel fällt, in einem Haushalt mit Haustieren so sicher verwahrt werden sollte wie in einem Haushalt mit Kleinkindern, also am besten in einem verschlossenen Schrank oder ähnlichem.

Bitte beraten Sie sich bei akuten Erkrankungen des Tieres erst mit dem Tierarzt, bevor Sie Medikamente aus vorhandenem Bestand einsetzen. Damit ist nicht die Medikation der chronisch kranken Tiere gemeint, die schubweise oder immer wieder kehrend von derselben Erkrankung geplagt werden und notwendigerweise auch mit denselben Medikamenten behandelt werden müssen. In diesen Fällen gibt es meist individuell zwischen Tierarzt und Halter vereinbarte Regelungen.

 

Auf die Gabe von Antibiotika (ausgenommen zeitlich begrenzter Einsatz von Oberflächen-Antibiotika in Hautsalben bei kleineren Verletzungen) sollten Sie ohne tierärztliche Anweisung verzichten. Antibiotika sind sehr individuell auf einzelne Erreger abgestimmt und auch nur gegen diese wirksam. Abgesehen von der möglichen Nichtwirksamkeit besteht auch die Gefahr, dass in gesundem Umfang vorhandene Erreger Resistenzen (Widerstandsfähigkeiten) gegen Antibiotika entwickeln und im Krankheitsfall das Medikament dann wirkungslos bleibt.

 

Bitte unterliegen Sie nicht dem Irrglauben, Bachblüten oder homöopathische Arzneimittel seien rein pflanzlich und somit niemals schädlich, in ungünstigsten Fall einfach nur nutzlos. Sie können damit das Gleichgewicht innerhalb des Hundekörpers ebenfalls durcheinander bringen und Schaden anrichten. Falls Ihr Tierarzt nicht schon selbst auch homöopathische Arzneimittel einsetzt, kann er Ihnen sicherlich einen Tierheilpraktiker empfehlen, der Sie und Ihren Hund individuell berät. Ebenso sorgsam sollten Sie bei Futterzusätzen und speziellen Diätfuttern verfahren, um ganz sicher das zu erreichen, was Sie beabsichtigen: das Beste für Ihren Hund.

 

Ebenfalls nur mit tierärztlicher Anweisung sollten Sie dem Tier schmerz- und entzündungshemmende sowie fiebersenkende Mittel verabreichen. Der wichtigste Grund dafür ist, dass Tiere auf bestimmte Wirkstoffgruppen ganz anders reagieren als Menschen, ebenso von Tierart zu Tierart, ja selbst innerhalb einer Tierart sogar bestimmte, gezüchtete Rassen.

 

Ein sehr bekanntes Beispiel ist das Aspirin mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure.

Salicylsäure ist ein Naturprodukt, das in der Rinde verschiedener Weiden vorkommt und ist als Wirkstoff seit langem bekannt. Da die reine Salicylsäure jedoch eine schleimhautschädigende Wirkung hat, wurde sie zunächst überwiegend in Salben beigemischt. Als es pharmazeutisch gelang, die Acetatgruppe an die reine Salicylsäure anzukoppeln und die schleimhautschädigende Wirkung so zu reduzieren, war ein oral wirksames Medikament geschaffen.

Die Acetylsalicylsäure wird im Magen und Dünndarm resorbiert und in sehr kurzer Zeit in der Leber wieder in die einzelnen Komponenten zerlegt. Vom Körper wird die Salicylsäure entgiftet, indem von dem Enzym Glucosetransferase Glucuronsäure oder Glycin angekoppelt wird und beides vom Körper über die Nieren ausgeschieden wird.

Den Zeitraum, den ein Körper benötigt, um die Hälfte der Anfangsdosis eines Medikaments abzubauen, nennt man Halbwertzeit. Diese liegt für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure beim Hund bei etwa 7 – 12 Stunden, beim Menschen 20 – 24 Stunden und bei der Katze bei 38 – 45 Stunden. Die lange Halbwertzeit bei Katzen ergibt sich, weil Katzen nur schlecht Fremdsubstanzen durch Glucuronidierung abbauen können. Bei Katzen ist also große Vorsicht beim Einsatz von Acetylsalicylsäure geboten, da es sehr rasch zu Vergiftungen kommt.

Im Fall einer Vergiftung ist zunächst zu berücksichtigen, dass Acetylsalicylsäure die Magenentleerung verzögert, so dass die Konzentration des Wirkstoffes im Körper nach der Aufnahme bis zu 12 Stunden lang ansteigen kann. Im Magen-Darm-Trakt selbst wird die Cyclooxygease gehemmt, ein Enzym das maßgeblich mitverantwortlich ist für die Bildung von Prostaglandine, das die Schleimhäute schützt, diese werden also verstärkt in Mitleidenschaft gezogen. Ferner wird die Blutgerinnung herabgesetzt, da die Thrombozyten-Aggregation (der zelluläre Anteil, der zur Blutgerinnung bei Verletzungen beiträgt) gehemmt wird. In höheren Dosierungen wirkt die Acetylsalicylsäure stimulierend auf das Atemzentrum, die Folge ist eine vertiefte Atmung, es wird zuviel Kohlendioxid ausgeatmet, der Blut-ph-Wert steigt an.

Die ersten Symptome einer Vergiftung durch Acetylsalicylsäure treten etwa 4 - 6 Stunden nach oraler Aufnahme auf. Sehr häufig steht Erbrechen am Anfang. Weiter sind möglich Teilnahmslosigkeit, Depression, Futterverweigerung, Störung der Bewegungskoordination, Fieber (später evt. Untertemperatur), Durchfall, Hyperventilation, möglicherweise sogar Atemnot durch ein Lungenödem. Koma oder Schock können eintreten, wenn es im Magen-Darm-Trakt zu massiven Blutungen bzw. Perforationen kommt. Im Blut kann ein Mangel an roten Blutkörperchen nachgewiesen werden. Ein Tierarztbesuch ist unbedingt erforderlich.

 

Viele weitere Wirkstoffe stehen als entzündungshemmende, schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente in Form von Tabletten, Pulver, Pasten, Granulate, Salben, Zäpfchen oder Injektionslösungen zur Verfügung.

Sie sind in folgende Gruppen einteilbar:

-   Anthranylsäurederivate (Flunixin, Meclofenaminsäure, Mefenaminsäure)

-   Arylessigsäurederivate (Diclofenac, Etodolac, Indometacin, Ketorolac, Sulindac, Tolmetin)

-   Arylpropionsäurederivate (Fenoprofen, Ibuprofen, Ketoprofen, Naproxen, Oxaprozin)

-   Oxicame (Meloxicam, Piroxicam, Tenoxicam)

-   Pyrazolonderivate (Aminophenazon, Metamizol, Phenazon, Phenylbutazon, Suxibuzon)

-   Salicylate

-   Selektive COX-2-Inhibitoren (Celecoxib, Rofecoxib)

Viele dieser Wirkstoffe hemmen die Bildung von Prostaglandine, so dass es zu erhöhter Abgabe von Säure und verminderter Schleimsekretion im Magen kommt. Die Thromboxansynthese wird wie bei der Acetylsalicylsäure gehemmt, die Blutgerinnung dadurch verzögert.

Diclofenac und Ibuprofen dürfen bei Hunden und Katzen nicht angewendet werden, Ibuprofen führt bereits ab 8 mg/kg/Tag beim Hund zu Vergiftungen, bei einmaliger Anwendung ist eine Gabe von 100 mg/kg beim Hund toxisch. Indometacin darf bei Kleintieren nur als Salbe verwendet werden (aber nicht auf offene Wunden gelangen), beim Hund ist der Wirkstoff toxisch ab 0,5 mg/kg/Tag. Bei Piroxicam liegt die toxische Dosis des Hundes bei 0,8 mg/kg/Tag, bei Naproxen bei 5 mg/kg/Tag.

Geben Sie daher bitte keine entzündungshemmenden, schmerzstillenden oder fiebersenkenden Mittel ohne Anweisung des Tierarztes.


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