Parvovirose – eine hoch ansteckende Viruserkrankung

1978 wurde fast gleichzeitig in Europa, Nordamerika und Australien das sich rasant ausbreitende canine Parvo-Virus (CPV-2) bei Hunden entdeckt. Dieser Virus aus der Familie der Parvo-Viren (lat. Parvus = klein) ist eng verwandt mit dem Panleukopenie-Virus, dem Erreger der so genannten Katzenseuche, eine Mutation des Virus könnte hierfür ursächlich sein.

Das canine Parvo-Virus ist hoch ansteckend, vermehrt sich sehr schnell im infizierten Tier und hat eine sehr große Widerstandskraft gegenüber Umwelteinflüssen (hitze- und kältestabil) und Desinfektionsmitteln. Dazu kommt, dass das Virus monate- und sogar jahrelang in der Umwelt überlebensfähig ist. Es wird von infizierten Tieren millionenfach über einen Zeitraum von 12 bis 14 Tagen mit dem Kot ausgeschieden. Die Ansteckung erfolgt über Kontakt. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass das Virus auch über Gegenstände, Kleidung und Schuhe verbreitet werden kann.

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch) beträgt 3 – 7 Tage. In dieser Zeit befällt das Virus vornehmlich die Zellen des Dünndarms und beginnt diese zu zerstören. Infizierte Hunde erscheinen zunächst matt und teilnahmslos, häufig tritt Fieber auf, das Futter wird verweigert, die Hunde beginnen zu erbrechen. Dann stellt sich blutig-wässriger, fast nicht zu behandelnder Durchfall ein, der zu großem Flüssigkeitsverlust führt. Dieser Flüssigkeitsverlust und die damit einhergehende Auszehrung des Körpers enden unbehandelt mit dem Tod des Tieres, auch eine Behandlung der Symptome führt leider nicht immer zum Erfolg.
Eine andere, recht seltene Verlaufsform der Parvovirose ist verbunden mit einer durch die Viren verursachten Herzmuskelentzündung, die vor allem Welpen befällt und oft innerhalb von wenigen Stunden zum Tod führt. Hier muss vorher kein Brechdurchfall auftreten.

Die Behandlung der Parvovirose erfolgt intensivmedizinisch, meist stationär in einer Tierklinik. Ziel der Therapie ist es, das Tier möglichst so lange stabil zu halten, bis die eigene Abwehr greift. Erreicht wird dies durch Dauerinfusionen, um den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt zu stabilisieren, meist verbunden mit starken Antibiotika gegen Sekundärinfektionen und virenspezifischen Maßnahmen wie Hyperimmunseren oder Interferon.

Die einzige Vorbeugung gegen Parvovirose ist die konsequente Impfung, die jährlich aufgefrischt werden muss, um wirklich Schutz zu bieten.

Obwohl eine relativ „junge“ Infektionskrankheit, ist die Parvovirose des Hundes relativ gut erforscht. Festgestellt wurde, dass abhängig von der körperlichen Konstitution (Ernährung, körperliche Anforderungen) und verschiedenen äußeren Einflüssen (Hygiene, Temperatur, Raumangebot) manche Hunde das Virus aus eigener Kraft abwehren können, es aber selbstverständlich ausscheiden und somit eine Gefahr für andere Hunde darstellen. Anstecken und krank werden können sich auch ältere, erwachsene ungeimpfte Hunde, vornehmlich werden aber Welpen von dieser Infektionskrankheit dahingerafft.

Viele wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigten sich mit dem Phänomen, das manchmal auch „geimpfte“ Hunde, meist Welpen im Alter von rund acht Wochen, von der Erkrankung befallen werden.
Festgestellt wurde, dass Welpen einer geimpften Mutterhündin in den ersten Tagen mit dem Kolostrum (Erstmilch nach dem Werfen) Antikörper gegen das Parvo-Virus aufnehmen (gehen über die zunächst dafür noch recht durchlässige Darmwand in den Kreislauf) und dadurch zu nächst einen Schutz haben. Da die Welpen unterschiedlich viel des Kolostrums aufnehmen, erklärt sich auch, dass es innerhalb eines Wurfes zu einzelnen Krankheitsfällen kommen kann, während der andere Teil des Wurfes gesund bleibt. Diese erste Immunisierung über die Muttermilch gegen das Parvo-Virus lässt von Woche zu Woche nach.
Lange Zeit war es nicht möglich, den Impfschutz der Welpen früh wirksam aufzufrischen, denn die von der Mutterhündin stammenden („maternalen“) Antikörper zerstörten auch die abgeschwächten (nicht mehr krankheitsauslösenden) Impfviren. So entstand eine immunologische Lücke, eine Zeit, in der der Welpe durch die maternalen Antikörper nicht mehr wirksam geschützt war und der Schutz durch Impfung nicht wirksam aufgebaut werden konnte. Mittlerweile steht jedoch ein aus einer Mutation des Parvo-Virus gewonnener Lebend-Impfstoff (Basis CPV 2b) speziell für Welpen zur Verfügung, der von den mütterlichen Antikörpern meist nicht inaktiviert wird und zu einer „Kreuzimmunität“ führt, die den Welpen auch gegen die anderen Virenstämme schützt. Dieser neuere Impfstoff kann auch bei tragenden Hündinnen eingesetzt werden (z.B. wenn die Erkrankung innerhalb eines Zuchtbestandes ausbricht), Untersuchungen ergaben keinen Einfluss auf Verlauf der Trächtigkeit, Geburt, Wurfgröße oder Entwicklung der Welpen.

Immer wieder diskutiert wird der „richtige Zeitpunkt“ der Impfungen. Eine Untersuchung der veterinärmedizinischen Universität München an 400 Welpen im Jahr 2000 brachte hierzu interessante Ergebnisse. Zwei Drittel der in der sechsten bzw. achten Lebenswoche erstmalig geimpften Welpen waren ausreichend geschützt. Nach der Abschlussimpfung waren 92 % der Welpen ausreichend grundimmunisiert, wobei die beiden gängigen Impfschemata (6./8./12.Woche oder nur 8./12.Woche) dieses Resultat ergaben. (Die Gründe im Versagen der Impfung werden in starker Verwurmung, Befall mit anderen Parasiten und bei einigen, vor allem größeren Rassen, auch in einer angeborenen Schwäche des Abwehrsystems vermutet.) Die Welpen beider Impfschemata wurden in der 15. oder 16. Lebenswoche nochmals nachgeimpft und nun konnte ein 100% Impfschutz erzielt werden.
Wann die Impfungen gegen Parvovirose bei Welpen durchgeführt werden sollten, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab, unter denen diese aufwachsen. Der behandelnde Tierarzt berät hier bezüglich der verschiedenen Impfschemata.

 

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