Vergiftungen durch Pestizide und Schwermetalle

In der tierärztlichen Praxis gibt es einige Stoffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Vergiftungen bei Haustieren vorkommen. Viele dieser Stoffe werden eigentlich hergestellt und verwendet, um gegen „Schädlinge“ (kleine Tiere wie Schnecken, Mäuse, Ratten oder unerwünscht wachsende Pflanzen „Unkraut“) vorzugehen. Leider nehmen Haustiere solche Stoffe nicht nur versehentlich auf. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Fälle, in denen derartige Chemikalien gezielt mit Wurst oder ähnlichem vermengt wurden und als Köder ausgelegt wurden.
Die Anordnung der einzelnen Vergiftungsarten ist zufällig und hat nichts mit deren Häufigkeit zu tun.

Vergiftungen durch Mittel zur Bekämpfung von Schadnagern (Rotentizide)

Hier werden im Wesentlichen zwei Substanzen eingesetzt, einmal Cumarinderivate und zum anderen das Schwermetall Thallium.

Cumarin wirkt als Hemmstoff der Blutgerinnung (Antikoagulanz), es blockiert in der Leber die Bildung eines wichtigen Faktors zur Blutgerinnung (das Prothrombin). Sobald der Körper seine vorhandenen Reserven an Prothrombin abgebaut hat, kommt es zu Blutgerinnungsstörungen und zu Schädigungen der Blutgefäßwände. Dadurch können Blutungen im gesamten Körper auftreten.
Vergiftungen mit Cumarin sind relativ häufig, wobei das Fressen vergifteter Nager als Ursache im Vergleich zur Aufnahme von unachtsam ausgelegten oder von anderen Tieren in erreichbare Nähe der Haustiere verschleppten Giftködern eher zweitrangig ist. Bringen Sie als Tierbesitzer also gezwungenermaßen cumarinhaltige Präparate aus, sollten Sie sorgsam darauf achten, dass der Vierbeiner nicht einmal ansatzweise in die Nähe der Stellen kommt, an denen Sie die Giftköder ausgelegt haben.
Die Symptome einer Vergiftung treten durch den Abbau der erwähnten körpereigenen Prothrombin-Reserven erst nach einigen Tagen (2 – 6 Tage) auf. Allgemeine Mattigkeit, blasse Schleimhäute, Blutungen aus diversen Körperöffnungen (Sickerblutungen in Harn und Kot), Blutergüsse, erhöhte Herzfrequenz, schwacher Puls, Atembeschwerden bis hin zur Atemnot, Durchfall oder Erbrechen können Begleiterscheinungen der Cumarin-Vergiftung sein.
Der Verdacht kann mittels Mageninhalt oder Blut im Labor bestätigt werden, da dies in der Regel zu lange dauert, wird in der Regel ein Gerinnungstest als ausreichend zur Stützung der Diagnose erachtet. Behandelt wird mit Vitamin K-Gaben (regt die Leber zur vermehrten Prothrombin-Bildung an), zusätzliche Vollblutransfusionen können erforderlich sein. Rechtzeitig erkannt ist eine Behandlung durchaus Erfolg versprechend.

Thallium ist weiches, blau-weißes Metall, das an der Luft rasch oxidiert. Viele verschiedene Thalliumsalze werden in Industrieprozessen eingesetzt. Leider werden Thalliumsalze nicht in der Umwelt abgebaut, d.h. Industrierückstände im Boden oder alte Köder sind auch nach Jahrzehnten noch gefährlich.
über die Haut, die Atemwege und besonders über den Verdauungstrakt wird Thallium gut aufgenommen, da es dem vom Körper bei vielen Prozessen benötigten Kalium sehr ähnlich ist. Thallium reichert sich vor allem in der Leber, den Nieren, den Knochen und in der Schleimhaut bzw. Haut an. Der genaue Mechanismus der Thalliumvergiftung ist nicht bekannt, sicher ist, dass es zur Verdrängung von Kalzium kommt, dass Eiweiße mit dem Urin ausgeschieden werden und die Sauerstofftransportsysteme im Blut zerstört werden.
Die Toxizität der Thalliumsalze beginnt für den Hund bei 12 mg/kg Körpergewicht. Im Bereich von wenigen Stunden bis hin zu 4 Tagen treten bei akuten Vergiftungen die Symptome auf, bei chronischen können bis zu zwei Wochen vergehen. Bei chronischen Thalliumvergiftungen kommt es Hautekzemen und zu Fellausfall, dieser beginnt meist zwei Wochen nach der Giftaufnahme.
Die häufigsten, auftretenden Symptome sind hochgradige Magen-Darm-Entzündungen teilweise mit Koliken, oft mit Erbrechen einhergehend, Apathie, Krämpfe, Atembeschwerden bis hin zur Atemlähmung, Herzinsuffizienz, Sehstörungen und eine Vielzahl von Krankheitsbildern im Bereich von Fell, Haut und Schleimhäuten (Rötungen, Ekzeme, Nekrosen, Risse an den Ballen etc.).
Thallium kann im Labor sowohl im Urin als auch im Mageninhalt nachgewiesen werden, chronische Vergiftungen werden durch Haarproben belegt. Die Vergiftung ähnelt in ihren Erscheinungen der durch Arsen, Blei oder Quecksilberverbindungen.
Tierärztlich wird die Vergiftung häufig mit Kalimchloridzusatz, Förderung der Nierenausscheidungen und Aktivkohlegaben (bei Verstopfung Glaubersalz) angegangen, darüber hinaus werden Antibiotika gegen Haut- und Lungeninfektionen gegeben und Koliken gelindert. Die Behandlung ist langwierig und führt nicht immer zum Erfolg.

Vergiftungen durch das Schwermetall Blei

Blei ist ein silbrig graues, weiches und dehnbares Metall, das in den meisten anorganischen Verbindungen nicht oder nur schwer wasserlöslich ist. Bleihaltige Mischoxide (Mennige) werden als rotes Pulver bei der Herstellung von Rostschutzfarben verwendet, Bleicarbonat wird in Malerfarben gemischt. In der Glasur billiger Töpferware ist häufig Bleisulfid (Bleiglanz) enthalten. Verschiedene Bleisalze, vor allem Bleiacetat, werden von Tieren wegen des süßen Geschmacks gerne aufgenommen.
Bleivergiftungen werden oft durch bleihaltige Farben, durch Bleigewichte (an Gardinen, Tischtüchern, als Fischereiutensilien etc.), Bleigeschosse oder bleihaltige Schrotkugeln, Schmierfette, Druckerschwärze, bleihaltige Töpferwaren oder Golfbälle hervorgerufen.
Blei kann oral, über den Magen-Darm-Trakt, durch Einatmen oder über die haut in den Organismus gelangen. Das aufgenommene Blei reichert sich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Leber, den Nieren, Knochen, Zähnen und Haaren an. Im Gewebe wird das Blei von Schrotkugeln so eingekapselt, dass das Blei nur langsam in den Körper gelangt.
Blei blockiert einige für den Blutkreislauf wichtige Funktionen und greift auch in den körpereigenen Enzymhaushalt ein. Die Auswirkungen zeigen sich vor allem am Magen-Darm-Trakt, im Nervensystem und der Bildung der roten Blutkörperchen.
Die Gefährlichkeit einer Bleiverbindung ist von Substanz zu Substanz unterschiedlich. Es gibt auch hier akute (Anzeichen innerhalb weniger Tage nach Aufnahme auftretend) und chronische Vergiftungen. Es kann zu schweren Verhaltensauffälligkeiten wie Zwangsbewegungen, Bellen oder Beißen, Depressionen, Unruhe, Erregung kommen. Auftreten können auch Appetitlosigkeit (Anorexie), Abmagerung, Störungen der Koordination von Bewegungsabläufen (Ataxie), Zittern, Krämpfe, Paralysen. Im Verdauungsbereich finden sich Speichelfluss, teilweise blutiges Erbrechen, bei chronischen Vergiftungen wird ein „Bleisaum“ am Zahnfleischrand sichtbar, es kann zu Verstopfung mit späterem blutigem Durchfall und Koliken kommen. Im Bereich der Augen können Sehstörungen bis hin zur Erblindung auftreten, das Blutbild zeigt häufig eine Anämie.
Nachgewiesen werden kann Blei in Blut, Urin und Kot, oft zeigt auch eine Röntgen-Untersuchungen Verdichtungsbereiche (Magen-Darm-Trakt, Gewebe, bei jungen Hunden auch Knochen).
Bei der Behandlung einer Bleivergiftung gilt es zunächst, die Aufnahme von weiterem Blei zu unterbinden. Bleigeschosse werden nur entfernt, wenn diese sich an Stellen befinden, wo es zu bedeutender Bleifreisetzung kommt (Gelenkkapseln, Lunge, Knochenmark etc.). Mit Glaubersalz kann die Darmpassage beschleunigt werden, gleichzeitig werden dadurch die Bleiionen im Magen-Darm-Trakt als Sulfat ausgefällt und können nicht mehr absorbiert werden. Es stehen verschiedene Chelatbildner (Organische Verbindungen, die in der Lage sind, stabile Verbindungen mit Metallionen einzugehen – nicht einsetzbar bei Vergiftungen mit organischen Bleiverbindungen) zur Inaktivierung des Bleis und Förderung seiner Ausscheidung zur Verfügung. Da die Ausscheidung fast ausschließlich über die Nieren erfolgt, ist eine ausreichende Nierenfunktion Voraussetzung für eine Therapie.

Vergiftungen durch das Schwermetall Quecksilber

Quecksilber ist ein silberweißes, bei Raumtemperatur flüssiges Schwermetall, es findet sich auch in vielen anorganischen und organischen Verbindungen.
In der Veterinärmedizin sind am häufigsten Vergiftungen, die durch die Verfütterung von Getreide oder Getreideerzeugnissen hervorgerufen werden, die mit quecksilberhaltigen Saatbeizmitteln behandelt wurden. Es gibt auch Desinfektionsmittel, die quecksilberhaltig sind und in pharmazeutischen Präparaten und Impfstoffen werden Quecksilberverbindungen als Konservierungsmittel eingesetzt. Weitere Vergiftungsmöglichkeiten können quecksilberhaltige Farben, Thermometer, Barometer oder Batterien sein. In der Vergangenheit wurden immer mal wieder Futtermittel beanstandet, die mit quecksilberbelasteten Meeresfischen hergestellt wurden.
Je nach Quecksilberverbindung ist die Giftigkeit und die Aufnahme im Körper ganz unterschiedlich. Dementsprechend sind auch die Symptome einer Vergiftung durch Quecksilber sehr vielschichtig. Bei Vergiftungen durch organisches Quecksilber kommt es zu Störungen der Koordination von Bewegungsabläufen (Ataxie), Tremor (unwillkürliches Zittern) und Krämpfen. Anorganische Quecksilbersalze erzeugen Hautirritationen, Verätzungen im Maul, im Rachen- und Magen-Darm-Bereich, Symptome aus dem Bereich des Zentralen Nervensystems treten erst mit abnehmender Dosis der Quecksilbersalze auf. Im Zusammenhang mit der Verabreichung von pharmazeutischen Präparaten, die Quecksilberverbindungen zur Konservierung enthalten, kann es zu allergischen und sogar anaphylaktischen (schockartigen) Reaktionen kommen.
Bei akuten Vergiftungen zeigen sich die ersten Symptome bereits nach mehreren Stunden, bei chronischen Vergiftungen dauert es mehrere Wochen. Der Nachweis erfolgt labortechnisch über Blut oder Harn, metallisches Quecksilber ist noch Tage nach oraler Aufnahme mittels Röntgen nachweisbar.
Die Therapie und deren Erfolg sind abhängig von der aufgenommenen Quecksilberverbindung, der Menge, der vergangenen Zeit, dem Allgemeinzustand des Tieres etc.
Erwähnt werden soll hier ein in der Fachliteratur geschilderter Fall einer 8 Monate alten Shar-Pei-Hündin, die über mehrere Wochen die quecksilberhaltige Hautsalbe eines anderen Hundes abgeleckt hatte. Eine Therapie konnte der Hündin nicht mehr helfen, sie musste schließlich eingeschläfert werden. (Greenwood et al., 1990)

Vergiftung durch Arsenverbindungen

Arsen selbst ist ein weiches, graues und sprödes Material, das ungiftig ist, jedoch leicht in Arsenik oder andere giftige Arsenverbindungen übergeht. Selbst in Reinform gehandelt, kann Arsen bis zu einem Zehntel und mehr mit dem giftigen Arsenik verunreinigt sein.
Früher wurden arsenhaltige Substanzen in vielen Bereichen eingesetzt, als Arzneimittel, Nagerbekämpfungsmittel, Insektizide, Herbizide, Holzschutzmittel aber auch als Wachstums- und Leistungsförderer. Heute werden Arsenverbindungen beim Hund in Mitteln verwendet, die bei durch Einzeller (Protozoen) verursachten Erkrankungen eingesetzt werden, auch bei der Warzebehandlung von Pferden werden Arsenverbindungen genutzt.
Arsen wird vom Körper über Harn, Kot und Schweißdrüsen ausgeschieden, der Nachweis im Urin ist bei oraler Aufnahme bereits nach 5-6 Stunden möglich. Die Aufnahme von Arsen ist in den Haaren nachweisbar, bis diese ausfallen.
Gravierend greift Arsen in den Proteinhaushalt des Körpers ein, am Eintrittsort in den Körper entstehen zudem schwere Haut- und Schleimhautverätzungen. Betroffen sind meist Magen-Darm-Trakt, Blutkapillaren, Zentrales Nervensystem und Haut. Arsen gehört zu den krebserregenden Substanzen.
Bei einer akuten Vergiftung können die ersten Symptome bereits nach einer halben Stunde auftreten. Es gibt chronische Vergiftungen, bei denen Symptome erst nach einiger Zeit auftreten.
Zur Therapie einer Arsenvergiftung stehen verschiedene Chelatbildner zur Verfügung.

Vergiftungen mit Schneckenkorn

Die meisten im Handel erhältlichen chemischen Mittel zur Schneckenbekämpfung (Molluskizide) basieren auf einem der Wirkstoffe Metaldehyd, Eisen-III-phosphat oder Methiocarb (Stand 2004).

Eisen-III-phosphat ist eine anorganische Eisenverbindung und natürlicher Bestandteil des Bodens. Es hat nur eine sehr geringe toxische Wirkung für Menschen und Haustiere.

Metaldehyd wird über einen Zeitraum von etwa zehn Tagen freigesetzt, wenn Schneckenkorn auf dieser Basis ausgebracht wurde. Durch die gefressenen Köder und das darin enthaltene Metaldehyd werden die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts gereizt. Unter Einwirkung der Magensäure wird aus Metaldehyd Acetaldehyd, das dann zu Essigsäure oxidiert wird. Acetaldehyd und Essigsäure werden über die Nieren ausgeschieden. Ein Teil des Metaldehyds wird jedoch resorbiert und passiert die Blut-Hirn-Schranke, dies führt zu zentralnervöser Erregung (Exzitation) und Depression. Das freie Acetaldehyd führt zu einer stoffwechselbedingten übersäuerung des Blutes und des Körpers (metabolische Azidose), was durch das Auftreten von Krämpfen noch verstärkt werden kann.
Die ersten Symptome treten rund drei Stunden nach Giftaufnahme auf, charakteristisch sind Krämpfe und Hyperthermie (hohes Fieber), nach zwei bis drei Tagen können Anzeichen einer Leberinsuffizienz auftreten. Häufig kommt es zu vermehrtem Speichelfluss, der zähflüssig ist, dazu Erbrechen, Durchfall, Erregung, Tremor (Zittern) und Kreislaufschwäche.
Metaldehyd kann in Mageninhalt, Serum, Harn oder Kot labortechnisch nachgewiesen werden. Eine Therapie, deren Hauptaugenmerk auf der Behandlung der Symptome liegt, ist möglich, aber nicht immer erfolgreich. Bei Tieren, die eine Vergiftung mit Metaldehyd überleben, kann es zu Leberdegeneration und –zirrhose führen.

Methiocarb und Thiodicarb gehören chemisch zur Gruppe der Carbamate und sind stark wirksame Nervengifte. Beide wirken bei Insekten, Spinnentieren und Schnecken, darüber hinaus wird Methiocarb zur Abwehr landwirtschaftlicher Schadvögel eingesetzt (Vogelrepellent). Es ist auch für Igel, Katzen und Hunde giftig, auch für den Menschen ist es sehr gefährlich. Beide Wirkstoffe sind mäßig beständig im Boden und zeigen eine geringe Tendenz zum Versickern, sie sind für Wasserorganismen sehr giftig, ebenso für Bodenorganismen wie Regenwürmer. Durch die Beimengung weiterer Substanzen, weist das Schneckenkorn für Vögel einen abschreckenden Geruch und Geschmack auf.
Werden Carbamate oral aufgenommen, werden sie recht rasch und vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Auch die Aufnahme über die Haut ist zügig möglich. Es erfolgt eine rasche Verteilung im Körper, so dass bereits ein bis zwei Stunden nach der Giftaufnahme die ersten Symptome sichtbar werden. Carbamate werden rasch im Stoffwechsel verarbeitet und nur in geringen Mengen gespeichert. Carbamate hemmen im Gehirn das Enzym Acetylcholinesterase, das dafür verantwortlich ist, dass der Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin in Essigsäure und Cholin gespalten werden kann. Dadurch steigt die Konzentration von Acetylcholin an und die Folge ist eine „überstimulisation“ bestimmter Synapsen im vegetativen Nervensystem, an den motorischen Endplatten und im ZNS. Die Tiere werden durch dieses „Gewitter im Kopf“ unruhig und erregt, manchmal treten auch Krämpfe auf. Die Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase ist reversibel, d.h. der Vorgang kann wieder rückgängig gemacht werden, ist umkehrbar.
Die Toxizität von Carbamaten wird vergrößert, wenn gleichzeitig Medikamente wie Neuroleptika, Morphine, Inhalationsanästhetika u.a. im Organismus vorhanden sind.
Die auftretenden Symptome sind auch hier vielfältig, vor allem Verhaltensveränderungen wie Depression, Angst, Aggression sind auffällig, daneben auch Zittern, Zuckungen, gestreckte Haltung, steifer Gang, Erbrechen, Durchfall, unkontrollierter Harnabsatz etc. Der labortechnische Nachweis der Carbamate ist durch die schnelle Abbaubarkeit schwerer, kann mittels chromatographischer Methoden in Mageninhalt, Blut, Harn, Leber oder Niere jedoch gelingen. Eine Behandlung mit Atropinsulfat ist möglich.

Weitere Vergiftungen durch chemische Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide)

Hierfür steht eine Vielzahl von chemischen Verbindungen zur Verfügung.
Eine Vergiftung mit Insektiziden, Akariziden (gegen Milben), Herbiziden (gegen Unkräuter), Fungiziden (gegen Pilze) und Antiparasitika ist meist nicht auf einen Wirkstoff zurückzuführen, denn meist sind in diesen Mitteln auch Lösungsmittel wie Toluol oder Xylol enthalten, die zu Atembeschwerden führen können. Aceton oder Isopropylalkohol reizen die Schleimhäute, führen zu Magen-Darm-Beschwerden und können Leber und Nieren schädigen.
Im Verdachtsfall auf eine Vergiftung ist es daher immer hilfreich, das verwendete Präparat zu kennen, um die genaue Zusammensetzung feststellen zu können.

Eine große Gruppe bilden die Organophosphate, die in ihrer Wirkung ähnlich sind wie die Carbamate (siehe Schneckenkorn). Allerdings ist die Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase durch Organophosphate irreversibel, also nicht mehr rückgängig zu machen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass einige Organophosphate (Haloxon, Parathion, Diazinon u.a.) chronische Vergiftungen hervorrufen können, die sich in einer chronisch Nervenschädigung (Polyneuropathie) zeig. Etwa ein bis drei Wochen nach der Giftaufnahme kommt es zu fortschreitenden Lähmungen an den Hinterbeinen. Im Extremfall sterben die Tiere an Atemlähmung.
Bei Organophosphat-Vergiftung kann eine Therapie mit dem Reaktivator Pralidoxim erfolgreich sein, dieser muss allerdings innerhalb der ersten 24 Stunden nach Giftaufnahme eingesetzt werden (in Verbindung mit Atropin).

Eine andere große Gruppe, die häufig in Insektiziden und Akariziden eingesetzt werden, sind die wenig wasserlöslichen, aber gut fettlöslichen chlorierten zyklischen Kohlenwasserstoffe. Wegen der Wasserunlöslichkeit enthalten viele Insektizidpräparate daher zusätzlich auch organische (und toxische) Lösungsmittel.
Diese Stoffe (vor allem DDT) sind für die Umwelt problematisch, da sie schlecht abbaubar sind und beispielsweise das zur Malariabekämpfung eingesetzte DDT adsobiert an Staubpartikel in Gewässer gelangt, wo es über Plankton selbst in die marinen Nahrungsketten gelangt. Durch die Anreicherungen in Nahrungsketten den gibt es akute und chronische Vergiftungen bei Wildtierpopulationen. Da die chlorierten Kohlenwasserstoffe vom Körper in Fettzellen eingelagert werden, kann es bei Fastenperioden durch Fettabbau und der damit verbundenen Freisetzung von Pestizidrückständen zu akuten Vergiftungen kommen. Darüber hinaus stehen die chlorierten Kohlenwasserstoffe in Verdacht, negative Effekte auf den Hormonhaushalt auszuüben, namentlich östrogene Wirkungen zu haben, also zu „Verweiblichung“ zu führen.
Dieses Wissen führte dazu, dass die gesetzlichen Schranken für den Einsatz der meisten chlorierten zyklischen Kohlenwasserstoffe in westlichen Ländern sehr hoch gesetzt wurden. Vergiftungen mit dieser Stoffgruppe sind daher seltener geworden.
Lindan, das zu den wenigen, leichter von der Umwelt abzubauenden Stoffen dieser Gruppe gehört, wird in Form von Pudern, Wasch-, Bade und sonstigen Pflegelösungen gegen Ektoparasiten bei Mensch und Tier eingesetzt. Wissen sollte man hier, dass Katzen besonders empfindlich auf die chlorierten Kohlenwasserstoffe reagieren, da bei Katzen die Aktivität des Enzyms Glukuronyltransferase vermindert ist, welches in der Leber für die Bildung des lebensnotwendigen Bilirubin und anderer Substanzen verantwortlich ist.
Auf Grund ihrer Fettlöslichkeit dringen die chlorierten Kohlenwasserstoffe auf allen möglichen Wegen, also oral, über die Haut oder die Lungen in den Körper ein. In Fettdepots können sie über Jahrzehnte gespeichert werden. Bei chronischen Vergiftungen treten die Symptome oft erst nach Monaten auf, meist Gewichtsverlust, Depression, Furchtbarkeitsstörungen, Zittern und Leberversagen. Bei akuten Vergiftungen zeigen sich die ersten Symptome in einem Zeitraum zwischen Minuten bis wenigen Stunden nach Aufnahme, es kommt zu übererregbarkeit, Unruhe, Fieber, Störungen der Koordination von Bewegungsabläufen (Ataxie), sogar Koma. Beginnend am Kopf treten Zittern und Muskelzuckungen auf, ferner Krämpfe und Bewegungsanomalien. Erbrechen mit Durchfall (wenn die Substanz oral aufgenommen wurde), Atembeschwerden, sogar Atemstillstand können auftreten. Zur Behandlung steht kein spezifisches Antidot zur Verfügung, die Therapie besteht im Wesentlichen darin, die weitere Aufnahme bzw. Resorption des Giftes zu verhindern und die Symptome zu behandeln.

Als letzte Gruppe sollen hier die Pyrethroide erwähnt werden, zu denen beispielsweise der Wirkstoff Permethrin gehört, aus dem Insektizide und Akarizide hergestellt werden. Permethrin ist ein synthetisches Pyrethroid. Entwickelt wurden die Pyrethroide auf der Basis des in den Blüten der Chrysanthemen vorkommenden Pyrethrum, das bereits im alten China als Mittel gegen Ungeziefer bekannt war.
Pyrethroide werden vielfach in Spritzmitteln und Ködern zur Fliegenbekämpfung in Rinderställen verwendet, darüber hinaus werden die Verbindungen als Ektoparasitika in Shampoos, Sprays, Pudern, Halsbändern oder Aufgusslösungen verwendet. Niemals sollte ein für Hunde entwickeltes Präparat mit diesem Wirkstoff bei Katzen angewendet werden, da diese besonders empfindlich gegenüber Pyrethroiden reagieren (verminderte Aktivität der Glukuronyltransferase s. chlorierte Kohlenwasserstoffe). Katzen dürfen daher nicht mit pyrethroidhaltigen Aufgusspräparaten behandelt werden, Todesfälle sind wissenschaftlich belegt.
Die Pyrethroide haben eine hohe toxische Selektivität für Gliederfüsser (Arthropoden) und eine geringe Toxizität für Säugetiere, Vögel und Reptilien. Vergiftungen, die durch pyrethroid-haltige Präparate verursacht werden, sind häufig durch zusätzliche Bestandteile des Präparates verursacht, beispielsweise Lösungsmittel(Isopropanol) oder Beimischungen von Organophosphaten oder Carbamaten. Obwohl in der Umwelt chemisch und enzymatisch relativ gut abbaubar, sind die Pyrethroiden problematisch wegen der hohen Toxizität gegenüber Fischen und anderen Wasser-Kleinlebewesen. Beunruhigend ist auch, dass synthetische Pyrethroide eine hohe Beständigkeit in Innenräumen haben und beispielsweise in Teppichböden noch nach Jahren nachgewiesen werden können.
Pyrethroide werden über die Haut kaum aufgenommen. Nach oraler Aufnahme findet rasch eine Biotransformation im Magen-Darm-Trakt und in der Leber statt, der größte Teil der aufgenommenen Menge ist innerhalb von 6 Stunden weitestgehend ausgeschieden. Dabei sind die wässrigen Suspensionen der Pyrethroide bei oraler Aufnahme weniger toxisch als ölige Darreichungsformen.
Etwa ein bis vier Stunden nach Aufnahme kommt es zur Ausbildung der Vergiftungssymptomatik. Diese können in Form von Depressionen, Ataxie, anaphylaktischer Schock, Zittern, Krämpfe, Erbrechen oder Durchfall, Atemproblemen, Kreislaufschwäche oder allergischen Hautreaktionen auftreten.
Neben der Behandlung der Symptome kann bei einigen Pyrethroid-Vergiftungen Diazepam als Antidot eingesetzt werden.

Ein weiteres synthetisches Pyrethroid ist das Deltamethrin, die Wirksubstanz des Scalibor Protectorhalsbandes ad us. vet.. Auch Deltamethrin wird von der Haut des Hundes kaum aufgenommen, die Wirkweise beruht in der kontinuierlichen Abgabe des Wirkstoffes in das Fell und den Haut-Fettfilm, mit dem sich der Wirkstoff über die gesamte Hautoberfläche ausbreitet. Der Wirkstoff kann auch bei trächtigen oder säugenden Hündinnen angewendet werden.
Die Wirksamkeit des Halsbandes wird von gelegentlichem Kontakt mit Wasser nicht beeinträchtigt, allerdings sollte ein verantwortungsvoller Hundebesitzer das Halsband vor dem Baden im Teich oder ähnlichem abnehmen, da der Wirkstoff wie die anderen Pyrethroide toxisch für Fische und Wasserorganismen ist.
Von den meisten Hunden werden die Scalibor® Halsbänder gut vertragen, in seltenen Fällen wurden überempfindlichkeitsreaktionen in Form von abgegrenzten Hautveränderungen oder Haarausfall verzeichnet.
Der Hund sollte nicht am Halsband rumkauen oder es gar fressen, denn dann könnten die typischen Vergiftungssymptome wie unkoordinierte Bewegungen, Zittern, Speicheln etc. auftreten. Als Antidot kann Diazepam eingesetzt werden, die Beschwerden klingen meist innerhalb von 48 Stunden ab.
Nach dem Anlegen eines solchen Halsbandes sollten die Hände mit kaltem Wasser und Seife gereinigt werden, Kinder sollte man selbstverständlich von diesen Halsbändern fern halten. Hat das Scalibor® Protecorhalsband ad us. vet. ausgedient, dann sollte es nicht im Müll landen, sondern (wegen seiner toxischen Wirkung auf Gewässer-Lebewesen) über eine Schadstoffsammelstelle verantwortungsbewusst entsorgt werden.
 

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