Hundephysiotherapie

Diese in Deutschland noch relativ junge Therapieform ist in den USA, England oder den Niederlanden längst etabliert und auf Grund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten auch durchaus berechtigt. Die Zielsetzung ist ähnlich wie in der menschlichen Krankengymnastik: zum einen die Vorbeugung (Prävention), dann die Rehabilitation (Wiederherstellung) und auch die Schmerzbehandlung. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass der Hundephysiotherapeut auf die Mitarbeit seiner Patienten angewiesen ist und in den meisten Fällen auch auf die der Hundebesitzer, denen dann z.B. übungen für Zuhause mitgegeben werden. Der Hundephysiotherapeut ersetzt keinen Tierarzt, beide gemeinsam können jedoch dafür sorgen, dass Besitzer und Hund länger eine unbeschwerte Zeit miteinander verbringen können. Vergessen wir nicht, dass nicht nur Menschen durch die vielfältig verbesserten ärztlichen und sonstigen Bedingungen wesentlich älter werden als früher, sondern auch unsere Haustiere - mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.
Wie bei einem Tierarztbesuch auch, wird beim ersten Termin mit dem Hundekrankengymnasten eine möglichst ausführliche Krankengeschichte(Anamnese) erhoben. Die tierärztliche Diagnose, die persönlichen Daten von Hund und Besitzer, die Lebensumstände des Hundes, seine Vorerkrankungen und bisherigen Medikamenten-Gaben sind ebenso bedeutend wie eine möglichst genaue Beschreibung von Verhaltensveränderungen und / oder Beschwerden des Hundes, die dem Besitzer aufgefallen sind. Eine gründliche körperliche Untersuchung des Hundes (Tastbefund) wird durchgeführt und auch der optische Eindruck, den der Hund in Ruhe oder Bewegung macht, fließt mit in den Befund ein. Im Einzelfall können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Im Idealfall hält der Hundephysiotherapeut diesen Ausgangsbefund schriftlich fest, um später Veränderungen im Befinden des Hundes während und nach der Therapie eindeutig bestimmen zu können.
Anhand dieses Befundes entscheidet der Hundephysiotherapeut, welche Behandlungsformen zum Einsatz kommen sollen.

Zum einen gibt es die rein manuellen Techniken und zum anderen die Gerätetherapien.
Zu ersteren zählt die therapeutische Massage, die bei Muskelverspannungen oder -verhärtungen und in der Geriatrie eingesetzt wird, der Hauptaugenmerk liegt auf der Linderung von Schmerzen. Dasselbe Ziel hat die Lymphdrainage, die bei Narbenverhärtungen oder ödemen (Flüssigkeitsansammlungen) angewandt wird. Ebenfalls der Schmerzlinderung, aber auch der Erhaltung oder Wiedererlangung von Beweglichkeit dient die manuelle Therapie (passive Krankengymnastik = der Hund wird bewegt), die vielfältig eingesetzt werden kann (Arthrose, HD, Lähmungen etc.). Um zu verhindern, dass sich bei einem durch einen Unfall o.ä. längere Zeit wenig aktiven Hund in tieferen Lungenbereichen Bakterien ansammeln, die Entzündung oder Schleimbildung verursachen, kann eine Atemtherapie durchgeführt werden. Muskeldehnungen vor einer Trainingseinheit oder einem Wettkampf können das Verletzungsrisiko mindern, sie helfen auch Hunden mit einer durch verkürzte Muskulatur eingeschränkten Beweglichkeit. Stabilisierende übungen (aktive Krankengymnastik) dienen Muskelaufbau, Gleichgewicht, Koordination und Motorik und sind sehr vielfältig einsetzbar.
Der andere Bereich der Hundephysiotherapie ist die Gerätetherapie, die wiederum unterteilt ist in Wasser- und Trockenbehandlung. Mit Hilfe von Bewegungsbad und Unterwasserlaufband werden Muskeln aufgebaut und gekräftigt sowie Gelenke mobilisiert, das Stangerbad ist eine völlig schmerzfreie Elektrotherapie unter Wasser, die bei Erkrankungen der Nerven oder Lähmungen angewandt wird. Bei der Unterwassermassage wird Massage mit den Vorteilen von Wärme und Wasserauftrieb kombiniert.
Die Trockenbehandlung reicht von Wärmeanwendungen (Rotlicht, heiße Körnerkissen etc.) etwa bei Arthrose, Kälteanwendungen durch Kühlkompressen bei Entzündungen, Bürsten- oder Igelballmasssagen bei Arthrosen, Hüfterkrankungen und anderem bis hin zu Magnetfeldtherapie zur Schmerzlinderung oder bei Nervenerkrankungen. Darüber hinaus kommt auch in der Hundephysiotherapie die Elektrotherapie zum Einsatz, die je nach Gerät und Stromform schmerzlindernd, muskelkräftigend oder nervenreizend wirkt. Bewährt hat sich auch der Einsatz von elektrischen Laufbändern (z.B. Muskel- und Konditionsaufbau), Schaukelbrett bzw. Trampolin oder Stepper. Auch mit einfachen Slalomstangen lässt sich hervorragend arbeiten, der Hund belastet die inneren Gliedmaßen beim Lauf um die Stange stärker als die äußeren und schult so Gang, Gleichgewicht und Koordination.


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