Protothekose

Prototheken werden zu den Algen gezählt, nehmen im Grunde aber eine Zwischenstellung zwischen Algen und Pilzen ein. Auf festem Nährboden entwickeln sie Kolonien, die den Sprosspilzen ähneln. Innerhalb ihrer dicken Zellwände aus Zellulose gibt es keine Farbträger (Chromatophoren), die Prototheken sind folglich farblos. Sie sind heterotroph („sich von anderen ernährend“), benötigen also einen Wirt. Prototheken kommen eigentlich überall vor, beispielsweise in Ställen, auf Pflanzen, in stehenden Gewässern, in Abwasser. Bei Landwirten, die Rinder halten, ist diese Alge wesentlich bekannter als bei Hundebesitzern, denn bei Rindern kann hierdurch eine Euterentzündung (Mastitis) hervorgerufen werden, die als nicht behandelbar gilt. Eine Prototheken-Infektionen kann sich unter intensiven Haltungsbedingungen von Milchvieh zu einer endemischen (regelmäßig auftretend, Krankheitsursache stets präsent) Herdenerkrankung entwickeln, die mit enormem wirtschaftlichen Schaden für den Landwirt verbunden ist.
Die Infektion mit Prototheken ist nicht nur bei Rind und Hund beschrieben, der Mensch kann ebenso davon betroffen sein wie Karpfen, Atlantische Lachse, Reh, Katze oder Flughund. Besonders gut erforscht ist die Protothekose bislang nicht, 1952 wurde erstmals ein Fall bei einem Rind beschrieben, in den 60er Jahren folgten die ersten Beschreibungen dieser Erkrankung beim Menschen. Noch nicht abschließend geklärt ist, welche Faktoren eine derartige Algeninfektion begünstigen, eine Schwäche des Immunsystems scheint nach derzeitigem Wissen eine Rolle zu spielen. Möglicherweise gibt es eine gewisse Präposition bei weiblichen Hunden, evt. sogar bei bestimmten Rassen wie den Collies. Zugang zum Organismus des potentiellen Wirts erhalten die Prototheken über eine „Eintrittspforte“ in der Haut oder Schleimhaut, eine kleine Verletzung reicht ihnen aus. Beim Rind ist die Einwanderung über den Milchkanal bekannt (galaktogen-aszendierende Infektion).

Protothekose beim Menschen wird in der überwiegenden Zahl der Fälle durch P.wickerhamii hervorgerufen, beim Hund treten zwei Erreger zu etwa gleichen Teilen auf, P.wickerhamii und P. zopfii, 1980 wurden sogar in einem Fall beide Erreger als Ursache eines Krankheitsgeschehens festgestellt.
Anders als beim Menschen verläuft die Protothekose beim Hund systemisch, d.h. das Krankheitsgeschehen bleibt nicht auf die Eintrittsstelle lokalisiert, sondern zieht nach und nach den gesamten Organismus mit seinen verschiedenen Organsystemen in Mitleidenschaft. Es entsteht eine chronische Entzündung, die zu eitrigen und knötchenförmigen Gewebeneubildungen (Granulome und Ulcera) in Darm, Binde- und Netzhaut des Auges, Nieren, Leber, Milz, Herz, Lunge und den umgebenden Lymphknoten führt. Leider ist die beim Menschen anschlagende systemische Therapie mit Antimykotika (Amphotericin B, Ketokonazol u.a.) beim Hund in der Regel erfolglos und da es bisher keinen anderen Therapieansatz gibt, verlaufen die meisten Fälle beim Hund letal, der Hund stirbt, wenn er nicht bei fortschreitendem Krankheitsverlauf euthanisiert wird, an Multiorganversagen.
Die klinischen Erscheinungen einer Protothekose beim Hund sind vielfältig, häufig tritt chronischer blutiger Durchfall, verbunden mit massivem Gewichtsverlust, auf. Dermatiden, also Hautirritationen, in geschwüriger, eitriger Form kommen ebenfalls vor. Im weiteren Verlauf können die Prototheken ZNS, Auge und innere Organe besiedeln, dies kann zu zentralnervösen Ausfallserscheinungen wie plötzliche Erblindung, Taubheit oder Lahmheiten führen, schließlich Nierenversagen und ähnlichem. Ein Kennzeichen der Symptome einer Protothekose ist, dass eine Verbesserung durch entsprechende Medikamente bzw. Diät meist nur kurzfristig oder gar nicht möglich ist
 

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