Sarkoptesräude
(auch: Sarcoptes-Räude, Scabies, Sarkoptes oder einfach Räude)

Eine winzige ovale Milbe, Sarcoptes scabiei, mit vier kurzen Beinchen und zwischen 0,2 und 0,4 Mikrometer groß, ist Auslöser jener Hauterkrankung, die mit dem wohl stärksten vorkommendem Juckreiz verbunden ist.
Ausgelöst wird dieser Juckreiz durch die weibliche Milbe, die einen Gang in die Oberhaut des Hundes gräbt und dort ihre Eier ablegt. Diese und die Exkremente der Milben verursachen den Juckreiz, der den Hund zu ständigem Kratzen „zwingt“. Aus den Eiern entwickeln sich innerhalb von 17 – 21 Tagen über ein Larven- und zwei Nymphenstadien wieder erwachsene Milben. Die gesamte Entwicklung des Parasiten findet also vollständig auf dem Wirt statt. Die Population wächst rasch, ein Weibchen legt während seiner drei- bis vierwöchigen Lebenszeit etwa 50 Eier.
Milben, die der Hund beim Kratzen oder Schütteln an die Umgebung abgibt, sind ohne Wirt etwa 18 – 21 Tage überlebensfähig und können einen neuen Wirt befallen.
Hauptwirte der Sarcoptesmilben sind neben Hunden Füchse und Marder, auch Gamswild. Wildtiere leiden oft unter einer Sonderform der Sarcoptesräude mit starker Krustenbildung vor allem an den Ohren. Die indirekte Infektion von Hunden durch solch abgeschüttelte Krusten scheint an Bedeutung zu gewinnen.

Die Sarcoptes-Milben sind relativ wirtspezifisch, die beim Hund vorkommende Art sarcoptes scabiei var. canis, kann zwar auf den Menschen übertragen werden, die weibliche Milbe gräbt auch Gänge in die Oberhaut des Menschen und legt ihre Eier ab, stirbt jedoch meist nach einigen Tagen von allein ab. Auch der Mensch leidet dann unter Juckreiz, der stärker wird, wenn sich die Haut erwärmt (z.B. im schön warmen Bett). Auf der Haut zeigen sich häufig kleine gerötete Erhebungen, manchmal auch Bläschen. Genannt wird dies „Trugräude“ und kann meist nur schwer oder gar nicht nachgewiesen werden, da gewöhnlich nur wenige Milben Auslöser sind. Ein weiterer Kontakt zu dem räudigen Tier sollte allerdings unterbleiben oder noch besser die Behandlung des Tieres veranlasst werden, auch wenn es nicht das eigene ist. Aufgrund der überlebensmöglichkeit der Milben außerhalb eines Wirts sollte die Umgebung desinfiziert werden.

Das Leitsymptom der Sarcoptose, der quälende Juckreiz, zeigt sich bereits sehr zeitnah nach einer Infektion, manchmal bereits nach Stunden, gewöhnlich nach ein oder zwei Tagen. Die Milben bevorzugen empfindliche Hautstellen, die weniger behaart sind, also Kopf, Ohren, Ellbogen, Sprunggelenk, Vorderbrust, Unterbauch und Schenkelinnenseiten. Bei genauerer Untersuchungen finden sich winzige Stichwunden, um die herum sich die Haut abschuppt und kahle Stellen entstehen. Durch das Kratzen kommt es zu bakteriellen Entzündungen, Krusten, weiterem Haarverlust, zu Veränderungen der Haut mit Verdickungen und Schwarzfärbung („Elefantenhaut“). Bei länger unter Sarcoptes-Milben leidenden Tieren kommt es zu Gewichtsverlust, Ruhelosigkeit und sogar Wesensveränderungen wie mangelnde Führigkeit oder sogar Aggression. Auch beim Hund verstärkt sich der Juckreiz unter Wärmeeinwirkung.

Der Nachweis der Sarcoptes-Milben erfolgt durch Hautgeschabsel von Stellen, die der Hund durch Lecken nicht erreichen kann. Dieser Direktnachweis kann mitunter schwierig sein, da bereits wenige Milben diesen enormen Juckreiz auslösen.
Eine Blutuntersuchung auf Sarcoptes-spezifische Antikörper ist ebenfalls möglich, dafür muss die Ansteckung aber bereits zwei bis vier Wochen zurückliegen. Das Ergebnis der Blutuntersuchung ist kritisch zu betrachten, da 5 bis 10 % der Hunde trotz Milbenbefall keine Antikörper bilden – ein negativer Befund schließt die Diagnose Sarcoptose also nicht automatisch aus.

Den Sarcoptes-Milben kann mittels Shampoos, Sprays, Spot-on-Präparaten und Injektionen zu Leibe gerückt werden. Der Juckreiz kann mit Medikamenten ebenfalls gelindert werden. Für die Art der Behandlung wird mitentscheidend sein, wie kooperativ der Patient Hund ist – denn es muss der ganze Körper, auch Kopf und Ohren, konsequent behandelt werden, bei langhaarigen Hunden oder solchen mit sehr dichtem Fell kann bei Shampoo-Einsatz vorab eine Schur erforderlich sein. Leider lassen sich mit einer Behandlung niemals alle Entwicklungsstadien der Milbe abtöten, was bedeutet, dass die Behandlung über einen Zeitraum von mindestens sechs bis acht Wochen mehrfach wiederholt werden muss.
Eine konsequente und sehr gründliche Umgebungsbehandlung ist wichtig, damit die Therapie Erfolg hat und sich das Tier in seiner Umgebung nicht ständig neu infiziert. Hierzu gehören auch alle anderen im Haushalt lebenden Hunde, auch Tiere wie Katzen, Frettchen, Meerschweinchen. Haus, Wohnung oder Zwinger, Transportkäfige, Auto, Bürsten und Kämme – wirklich alles, womit das infizierte Tier in Kontakt gekommen sein könnte, sollte für mindestens dreißig Tage behandelt werden.
 

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