Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine Erkrankung, die durch einen einzelligen Parasiten hervorgerufen wird. Innerhalb der Protozoen (Einzeller) gehört Toxoplasma gondii zu den Apicomplexa, diese sind charakterisiert durch einen besonderen Teilungsmodus, die Endodyogenie (innere Zweiteilung). Es ist eine Zoonose, also auch auf den Menschen übertragbar, sie ist weltweit verbreitet.

Erstmals gefunden wurde T.gondii 1908 in Tunesien bei einem kleinen stummelschwänzigen Nager, dem Gundi. Die gefundenen bananenförmigen Stadien ließen sich keiner bekannten Gattung zuordnen, heute weiß man, dass das Protozoon zur damals schon bekannten Coccidien-Gattung Isospora gehört, korrekterweise also Isospora gondii hätte heißen sollen.
Bei einem in Prag verstorbenen Kleinkind, das bereits mit Hydrocephalus (Wasserkopf) und Augenentzündung geboren war, wurden 1923 erstmals beim Menschen genau diese bananenförmigen Stadien in einer Zyste im Auge nachgewiesen. Ein Zusammenhang zwischen bei Neugeborenen auftretender Blindheit, Wasserkopf und geistigen Schäden und dem Vorkommen des bananenförmigen Einzellers in deren Gehirn, Retina und im Liquor konnte erst mit der Einführung von gynäkologischen Statistiken in den USA Ende der 30er Jahre hergestellt werden. Unbekannt blieb der Infektionsweg, serologisch ließen sich zwar Antikörper bei den Müttern solcher Neugeborener nachweisen, diese Antikörper fanden sich jedoch auch bei Schaf, Schwein, Katze, Hund, seltener Pferd und Rind, sogar bei Kaninchen, Nerz, Huhn und Taube.
Trotz vieler Versuche, deren Schwerpunkt auf den blutsaugenden Insekten und Zecken lag, gelang es nicht, geschlechtlich differenzierte Stadien des Einzellers zu erhalten, der Entwicklungszyklus blieb weiterhin unbekannt. Es gelang aber dennoch Ende der 40er Jahre, erste Tests zu entwickeln, mit denen eine Infektion mit T.gondii nachgewiesen werden konnte. Fast zwanzig Jahre vergingen, dann wurden in Glasgow zufällig bei Versuchen mit dem Spulwurm der Katze (Toxocara cati) Sporozysten gefunden, die an Mäuse verfüttert in deren Gehirn Gewebezysten erzeugten. Fünf Jahre später, 1970, konnte dann in den Epithelzellen des letzten Dünndarm-Abschnitts (Ileum) einer Katze die relativ kurz dauernde geschlechtliche Reproduktion (Gamogonie) des Einzellers beobachtet werden. Nun endlich konnte der Lebenszyklus von T. gondii vollständig erarbeitet werden.

Der Endwirt von T. gondii ist die Katze und andere Feliden, nur in ihrem Darmepithel kann die geschlechtliche Vermehrung des Parasiten stattfinden. Mit dem Kot des Endwirtes werden Oozyten („Ei-ähnliche“ Fortpflanzungsstadien von T. gondii) ausgeschieden, diese sind nicht infektiös. Nach einer Reifungsphase (Sporulation), deren Dauer von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängig in der Regel zwei bis vier Tage (unter ungünstigen Bedingungen auch zwei Wochen und mehr) dauert, haben sich zwei ovale Sporozysten mit je vier Sporozoiten ausgebildet, die nun infektiös sind. Eine äußerst resistente Zystenwand macht diese sporulierten Oozysten in der Umwelt sehr lange überlebensfähig, es sind so genannte Dauerstadien, die unter normalen Bedingungen im Boden bis zu 18 Monate infektiös bleiben, unter günstigen Bedingungen sogar bis zu fünf Jahre. Sie passieren sogar – ohne Entwicklung und ohne ihre Infektiosität einzubüssen – den Darm kotfressender Gliederfüßler, lassen sich mit Regen ins Grundwasser schwemmen oder von Schnecken und ähnlichem Getier verbreiten.

Sich mit Oozysten von T. gondii zu infizieren ist für einen Endwirt wie die Katze recht einfach, denn neben der direkten Aufnahme infektiöser Oozysten aus der Umwelt ist auch eine Ansteckung über infektionstüchtige Gewebezysten aus dem Fleisch eines rohen Zwischenwirtes (auch Mäuse) möglich.
Abhängig von der Infektionsstärke und des Parasitenstadiums dauert die Entwicklung des T. gondii in der Katze unterschiedlich lange. Werden Gewebezysten mit Fleisch aufgenommen kann es bereits nach 3 bis 5 Tagen zur geschlechtlichen Vermehrung in den Epithelzellen des Katzendünndarmes kommen und somit zur Ausscheidung von Oozysten. Wird mit dem Verzehr eines erst kürzlich neu infizierten Zwischenwirtes ein anderes Parasitenstadium, die Endozoiten, die aus ungeschlechtlicher Teilung des Parasiten in den Zellen des Zwischenwirtes entstanden sind (auch als Pseudozysten bezeichnet), aufgenommen, dauert es etwa 9 – 11 Tage, bis Oozysten von der Katze ausgeschieden werden. Am längsten dauert es bei der Aufnahme von Oozysten aus der Umwelt, hier vergehen bis zur Ausscheidung 21 – 24 Tage. Unterschiedlich ist auch die Dauer der Tage, über die Oozysten nach einer Erstinfektion von einer Katze ausgeschieden werden, der Zeitraum erstreckt sich von 1 bis 20 Tagen, dabei können bis zu 600 Millionen Oozsyten an die Umwelt abgeben werden.
Nach einer ersten Infektion stellt sich die immunologische Reaktionslage der Katze um. Eine Erstinfektion kann eine Immunität herbeiführen (knapp 90%), die vor einer Reinfektionen bis zu zwei Jahre schützen kann. Bei einer erneuten Infektion reagiert die Katze wie ein Zwischenwirt und der Parasit bildet dauerhafte Gewebezysten im Gehirn und in den Muskeln.

Warmblütler und somit Menschen können sich ebenfalls mit sporulierten Oozysten aus der Umwelt (auch möglich beim Verzehr rohen und ungenügend gewaschenen Gemüses, Obst) infizieren und so weisen je nach Altersgruppe und Ernährungsgewohnheiten 60 – 70 % der Mitteleuropäer Antikörper gegen den Einzeller auf. Bei den Schlachttieren sind die so genannten Durchseuchungsraten unterschiedlich hoch, es gibt jedoch kein in Mitteleuropa als Fleischlieferant genutztes Tier, bei dem keine Antikörper gegen T. gondii nachgewiesen wurden.
Möglich ist bei Warmblütlern und Menschen ferner eine Infektion über Zystenhaltiges Fleisch anderer Zwischenwirte (Schwein, Lamm etc.) wenn dieses nicht genügend erhitzt (Kerntemperatur größer 55 Grad) oder gefroren (mindestens -21 Grad) wurde. T. gondii vermehrt sich in den Zellen des Zwischenwirtes durch Endodyogenie, bei der sich in einer Mutterzelle innerhalb von etwa sechs Stunden zwei Tochterzellen bilden. Nach mehreren Teilungen platzt (ruptiert) die Wirtszelle und der Erreger kann in weitere Zellen eindringen. Mit Blut oder Lymphe wird er im gesamten Organismus verteilt, was vom Immunsystem nicht unbemerkt bleibt. Die einsetzende Immunantwort des Zwischenwirtes führt zu einer Umwandlung in Bradyzoiten, die einen herabgesetzten Stoffwechsel haben und von einer Zystenwand umgeben sind. Eine solche Zyste kann Tausende von Bradyzoiten enthalten, angelegt werden die Zysten vor allem in Skelett- Zwerchfell- und Herzmuskulatur sowie im Zentralen Nervensystem. Diese Zysten sind Dauerstadien, die über viele Jahre lebensfähig sind und die latente Infektion des Zwischenwirtes aufrechterhalten. Sie sind gegenüber zellulären Immunitätsmechanismen des Zwischenwirtes weitgehend resistent, so dass eine möglicherweise lebenslange Zystenträgerschaft wahrscheinlich ist. Bei einer Verminderung der Immunitätslage des Zwischenwirtes kann von diesen Zysten eine Reinfektion ausgehen.

Bei Junghunden kann eine akute Infektion mit T. gondii schwere Allgemeinstörungen hervorrufen, auch Husten, Brechdurchfall, Gelbsucht und anderes. Bei der chronischen Verlaufsform der Toxoplasmose kann es zu akuten Entzündungen des zentralen Nervensystems kommen (Enzephalomyelitis), zu Netzhautentzündung (Renitis), Darmgranulomen. In Fällen von unklarer neurologischer Symptomatik sollte daher auch beim älteren Hund an Toxoplasmose gedacht werden. Sinnvoll ist es dann parallel die Neosporose abzuklären, da der klinische Verlauf ähnlich ist.
Beim Hund kann durch Immunsuppressiva oder reduzierter Immunitätslage eine latente Infektion zur Reinfektion führen
Bei vorgeburtlicher Infektion mit Toxoplasmose über den Blutkreislauf der Mutterhündin kann es zum Abort kommen.
Eine medikamentöse Behandlung der Toxoplasmose ist möglich.

Beim Menschen verlaufen Infektionen mit T. gondii in der Regel ohne sichtbare Krankheitserscheinungen, bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können jedoch Entzündungen des zentralen Nervensystems und andere Symptome auftreten. Gefährlich ist beim Menschen eine Erstinfektion mit T.gondii bei einer schwangeren Frau, dies kann zu erheblichen Schädigungen des Ungeborenen führen, die mitunter erst nach Jahren sichtbar werden. Eine solche Erstinfektion einer Schwangeren ist, wenn sie bemerkt wird, medikamentös therapierbar.
In den vergangenen Jahrzehnten ging man davon aus, dass die Toxoplasmose beim Menschen nur in wenigen Fällen problematisch ist. Ob dies zukünftig so aufrechterhalten werden kann, daran zweifeln manche. Untersuchungen von J.Flegr und auch von J.Havlicek haben bei seropositiven Personen eine häufigere Verwicklung in Autounfälle, niedrigeren IQ, eine herabgesetzte Neugier und Lernbereitschaft, verminderte Akzeptanz von Gruppenstandards, geringere Einsichtsfähigkeit von Schuld und eine verlängerte Reaktionszeit ergeben. Diese Beobachtungen stützen die Hypothese, dass das Verhalten der Zwischenwirte von den Parasiten dahingehend verändert wird, dass sie bevorzugt Opfer ihrer fleischfressenden Endwirte werden.

 

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